Frauen im Klettern
Frauen und Klettern
Babsi Zangerl Francois Lebeau

Frauen am El Cap 8 Frauen, die den El Cap freiklettern konnten

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Lynn Hill lieferte mit der ersten freien Begehung am El Capitan eine Meisterleistung ab. Ihr sind seither weitere Frauen gefolgt.

Glatt, kompakt und kaum Griffe: Der legendäre El Capitan ist so schwer zu beklettern, dass Kletterer sich standardmäßig nach wie vor mit Haken und technischen Hilfsmitteln daran fortbewegen. Nur die Allerbesten schaffen es, den Granitmonolithen ohne technische Hilfsmittel, also frei zu beklettern. Deshalb sind freie Frauenbegehungen am El Cap selten. Diese 8 Kletterinnen schafften es.

In diesem Artikel:

8 Frauen am El Capitan, einer der härtesten Wände der Welt

Wenn der El Capitan ein Mensch wäre, dann wäre sein großer Zeh so groß wie ein vierstöckiges Haus. Das Great Roof, das große Dach in der Nose, wäre eine Sommersprosse, die Bäume unten wären das Gras unter seinen Füßen. Die Headwall der Salathé wäre eine Lachfalte. Und die Kletterer? Sie wären Flöhe auf seinem Rücken." Hazel Findlays schönes Bildnis verdeutlicht die Dimensionen der gewaltigen Wand im Yosemite Valley. Ein Blick genügt, und der Begriff Bigwall wird sofort verständlich. Eine goldgelbe, stellenweise graue Mauer aus überwiegend feinstem Granit, fast 1000 Meter hoch und der Sonne zugewandt, gelegen in einem der schönsten Nationalparks der USA: Für Kletterer ist der El Capitan ein Traum. Selbst wenn sie sich im Angesicht des Giganten tatsächlich wie Flöhe fühlen mögen.

Es waren nicht die kleinen Finger!

Der kompakte Fels der Wand ließ Besteigungen jahrzehntelang nur mit technischen Hilfsmitteln zu. Sich tagelang mit Hakenhilfe entlang von mehr oder weniger ausgeprägten Rissen und Schuppen nach oben zu nageln, war der Inbegriff des Bigwall-Kletterns. Erst in den 70er-Jahren begannen die ersten Kletterer, systematisch nach freien Möglichkeiten zu suchen. Und es dauerte bis 1988, ehe Todd Skinner und Paul Piana alle Einzelseillängen der Salathé-Wall frei klettern konnten – im Grad 9+/10-.Auch die Nose als prominenteste El-Capitan-Route wurde von etlichen Kletterern versucht. Doch alle scheiterten spätestens am Great Roof. Bis 1993 mit Lynn Hill, die damals wohl stärkste Kletterin der Welt, es den Männern zeigte und sowohl das Great Roof als auch die darüber liegende Verschneidung der Changing Corners erstmals punkten konnte: "Ich wusste, dass es immer eine schwierige Herausforderung sein würde, die Nose freizuklettern. Aber ich hätte nie gedacht, dass es 25 Jahre später so wenige Wiederholungen geben würde." Im Herbst 2018 verbrachte Lynn Hill einen Monat mit der Schweizerin Nina Caprez in der Wand. Es war das erste Mal, dass sie seit ihrer Eintages-Begehung im Jahr 1994 wieder ihre alten Freikletterlösungen begutachtete. Woraufhin sie befand: "Jahrelang habe ich mir angehört, dass meine kleinen Finger ein Vorteil gewesen seien und dass ich deshalb die erste freie Begehung geschafft hätte. Ironischerweise fand ich jetzt heraus, dass die zwei Schlüsselseillängen, das Great Roof und die Changing Corners, für mich nicht einfacher sind. Nina konnte am Great Roof Tritte in der Wand verwenden, während ich sehr unsicher viel höher stehen musste. Und die weit entfernten Untergiffe im Dach zu erreichen, erfordert eine unglaubliche Kraft und Präzision. Für die Changing Corners gibt es zwei Lösungen, einmal in der Verschneidung, wie ich es geklettert bin. Oder an der Kante, wie es Jorg Verhoeven gemacht und Nina versucht hat. Beides ist hart, ich glaube, 5.14 ist eine faire Bewertung für diese Länge."

Lynn Hill
Heinz Zak
Bild, Aktion und Akteurin: Das sind quasi drei Ikonen auf einmal. Lynn Hill bei der freien Begehung des Great Roof in der Nose.

Du musst eine Maschine sein

Lynns Durchstieg der Nose setzte 1993 einen frühen Meilenstein in der Geschichte der Freikletterei am El Capitan. Einen, der natürlich auch vielen starken Frauen nicht entging. Die Französin Stéphanie Bodet, mit ihrem Partner Arnaud Petit immer auf der Suche nach wilden Klettereien, durchstieg 2007 als zweite Frau den Freerider und fand: "Bigwall-Routen und das Leben in einer großen Wand, das ist es, was ich am meisten liebe. Es kombiniert die Verspieltheit des Freikletterns mit der Würze des Unbekannten." Auch die Schweizerin Nina Caprez, die El Niño von unten bis oben komplett frei vorstieg, bestätigt: "Bigwalls sind immer eine lange Reise, ein großes Abenteuer." Offen steht dieses Abenteuer am El Capitan aber bis heute nur den Stärksten. Zum einen, weil selbst die leichteste Route, der Freerider, den oberen neunten Grad verlangt. Zum zweiten, weil aufgrund der Wandhöhe – manche Routen haben über 40 Seillängen – diese Schwierigkeiten oft nach etlichen Tagen in der Wand und dann manchmal zwingend auf den Punkt gebracht werden müssen. Denn trotz aller Freikletterambitionen: Irgendwann muss eine Seilschaft auch aussteigen, weil sonst das Wasser ausgeht. Die Logistik spielt beim freien Bigwallklettern eine riesige Rolle, wie Nina Caprez erklärt: "Du musst eine echte Maschine sein. Das Bigwall-Klettern ist extrem anstrengend: das Klettern, Haulbag nachziehen, das begrenzte Wasser und Essen. Du musst das wirklich wollen und die 1000-Meter-Wand als eine Art 1000-Teile-Puzzle sehen. Immer ein Teil nach dem anderen und mit großer Konzentration gewinnst du langsam an Höhe. Wenn du zuviel forderst, verlierst du." Alexandra Schweikert, die erste Deutsche, die einen Bigwall am El Capitan freiklettern konnte, teilt diese Erfahrung: "Die meisten Seilschaften unterschätzen die Logistik. Die Handhabung der Statikseile, Tagline und Kletterseile, der Umgang mit dem schweren Haulbag und auch der Standplatzbau müssen sitzen. An zweiter Stelle kommen dann die Kletterschwierigkeiten, die auch in der leichtesten Route schon 5.12d (UIAA 9) betragen. Und Rissklettern ist noch einmal ein ganz anderer Sport: alles selbst absichern mit 25 Cams am Gurt und völlig andere Kletter- und Klemmtechniken."

Selbst Barbara Zangerl, mit fünf freien El-Cap-Bigwalls und vielen alpinen Extremrouten momentan wahrscheinlich die stärkste Frau in großen Wänden, musste sich in diese Art der Kletterei erst einarbeiten: "Am Ende zählt jede einzelne Disziplin beim Klettern dieser Bigwalls. Du musst einzelne Sequenzen ausbouldern können. Du brauchst die Kraftausdauer vom Sportklettern, und du musst das mental alles kontrollieren können. Es war definitiv ein langer Lernprozess. Mit zunehmender Erfahrung wurde ich selbstsicherer." Ihre Klettereien am El Capitan unternahm Babsi Zangerl alle gemeinsam mit ihrem Seil- und Lebenspartner Jacopo Larcher. Dabei teilen sich die beiden den Vorstieg in den "leichten" Seillängen auf, die harten Längen klettern sie jeweils beide rotpunkt. Reine Frauenseilschaften sind bei einer freien Begehung immer noch die Ausnahme. Die US-Amerikanerinnen Madaleine Sorkin und Kate Rutherford waren 2010 mit ihrer freien Begehung des Freerider das erste rein weibliche Team in diesem Stil.

Frei und an einem Tag

Ebenfalls sehr selten sind freie Begehungen eines Bigwalls an einem Tag. Auch hier hatte Lynn Hill groß vorgelegt, als sie 1994, ein Jahr nach ihrem freien Durchstieg der Nose, auch noch eine freie Begehung in unter 24 Stunden anhängte. Damit war erstmals in der Geschichte ein El-Cap-Bigwall an einem Tag frei geklettert worden. Lynn hatte sich darauf monatelang vorbereitet, hatte beim Sportklettern und in großen Wänden Strecke gemacht und spezifisch trainiert, auch am Ende eines harten Klettertags noch Routen im oberen neunten Grad onsight klettern zu können. Steph Davis gelang dann die erste freie Frauen-Eintagesbegehung des Free­riders, wobei sie, gesichert von Heinz Zak, alle Seillängen vorstieg – genau wie Lynn Hill an der Nose zehn Jahre zuvor.

Emily Harrington gelang das Gleiche 2020 in der Route Golden Gate. Ihre Einschätzung dazu: "Der El Cap ist so groß, dass es vollen Einsatz braucht, ihn an einem Tag frei zu klettern. Und Fähigkeiten, die weit über hartes Klettern hinausgehen. Ich glaube, deshalb sehen wir freie Eintagesbegehungen so selten." Und Frauenbegehungen frei an einem Tag sind sogar noch seltener. Harrington hat auch dafür eine Erklärung: "Das Freiklettern am El Cap ist trotz Lynn Hill immer noch sehr von Männern dominiert. Ich habe so viele Ratschläge von Männern bekommen – Leute, die mir erklärten, wie ich etwas tun sollte und was ich alles falsch machte. Am Ende beschloss ich, es trotzdem zu tun, obwohl viele meinten, dass ich es vielleicht nicht konnte oder nicht hierher gehörte."

Die Ära der Superheldinnen

Inzwischen gibt es aber nicht nur eine neue Generation von Frauen, sondern auch von Männern. Als die Kanadierin Bronwyn Hodges 2021 Golden Gate freikletterte, freute sich ihr britischer Freund Jacob Cook ganz einfach: "Wann wurde meine Frau zur Superheldin? Stolz kommt nicht mal in die Nähe dessen, was ich fühle. Inspiriert trifft es eher." Mit den US-Amerikanerinnen Britanny Goris und Amity Warme gesellten sich noch einmal zwei Frauen zu den Superheldinnen hinzu. In diesem Sinne geht das Schlusswort dieses Artikels aber noch einmal an die erste, die zwar von der Körpergröße eine der kleinsten, in Sachen Inspiration aber eine der größten ist – an Lynn Hill: "Das Yose­mite Valley ist ein spektakulär schöner Ort. Auch mit der ganzen harten Arbeit und manchmal dem mentalen Stress, den wir im Bigwall erleben, lohnt sich der ganze Aufwand. Je mehr Energie und Einsatz ich in ein Projekt stecke, desto mehr Befriedigung und Sinn finde ich darin."

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Lynn Hill setzt Maßstäbe

Mit ihren freien Begehungen der Nose setzte Lynn Hill in den Jahren 1993 und 1994 neue Maßstäbe.

Lynn Hill
Heinz Zak
Bild, Aktion und Akteurin: Das sind quasi drei Ikonen auf einmal. Lynn Hill bei der freien Begehung des Great Roof in der Nose.

Frei am El Capitan: 1993 1. freie Begehung Nose; 1994 freie Begehung Nose in unter 24 Stunden

1992 beendete Lynn Hill, damals 31 Jahre alt, mit einem Sieg beim Weltcup in Birmingham ihre überaus erfolgreiche Wettkampfkarriere. Und begann, sich nach neuen Zielen umzuschauen. John Long, ihr Ex-Freund in den USA, schlug ihr die freie Begehung der Nose vor. Die hatten schon diverse Spitzenkletterer versucht, darunter Ray Jardine, der Erfinder der Friends, und Scott Franklin, der in Smith Rocks die ersten 5.14-Routen der USA eröffnet hatte. Alle waren spätestens am Great Roof gescheitert, auch darüber gab es noch einige große Fragezeichen.

Lynn startete 1993 einen ersten Versuch von unten mit Simon Nadin, einem britischen Topkletterer. Am Abend des dritten Tags in der Wand passierte Lynn beim letzten Versuch des Tages endlich die bisher unüberwindliche Schlüsselstelle, das Great Roof. Die schwierigste Passage ist der Untergriff-Quergang am Ende des Dachs, wo die Füße auf Reibung und Gegendruck stehen und der Riss im Dachwinkel nur winzige Griffe bietet. Die nächste Crux, die Changing Corners, konnten beide aber bei diesem Versuch nicht freiklettern.

Eine Woche später seilte Lynn mit Brooke Sandahl von oben in die Wand und fand nach langem Probieren endlich eine Sequenz, um die glatte Verschneidung mit Stemmen, Drücken und Schieben doch noch zu überlisten: "Den Schwierigkeitsgrad eines solchen Abschnitts festzulegen, ist fast unmöglich. Mein Urteil lautete schließlich 5.13b/c, ich hätte leicht aber auch 5.14b angeben können". Wenige Tage später gelang Lynn die erste durchgehend freie Begehung der Nose zusammen mit Brooke Sandahl, der aber die härtesten Passagen nicht frei klettern konnte.

Ein Jahr später kehrte Lynn nach monatelanger, intensiver Vorbereitung zurück und kletterte die Nose im zweiten Anlauf in 23 Stunden komplett frei: "Die Changing Corners in einem so erschöpften Zustand frei zu klettern, erforderte eine größere Anstrengung als jede andere Route, die ich bislang bewältigt hatte."

Lynn Hill
Sam Bie
Lynn Hill circa 2008

Bio: Geboren am 3. Januar 1961 in Detroit; Heimatort Boulder, Colorado, USA.

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Steph Davis, die Riss-Spezialistin

Die Riss-Spezialistin aus Utah schnappte sich die erste Frauenbegehung der Salathé-Wall. Und mehr.

Steph Davis
Scott Rogers
Steph Davis

Bio: Geboren am 4. November 1973 in Illinois; Heimatort Moab, Utah;

Frei am El Capitan: 2004 1. freie Frauenbegehung Freerider, 1. Frauenbegehung Freerider in unter 24 Stunden; 2005 1. freie Frauenbegehung Salathé Wall

Nach Lynn Hill sollte es zehn Jahre dauern, ehe wieder eine Frau eine freie Route am El Cap in unter 24 Stunden klettern würde. Steph Davis, damals mit dem Speed- und Solospezialisten Dean Potter liiert, seilte sich im Herbst 2003 erstmals von oben in die Wand, um die Schlüsselpassagen des Freerider auszuchecken. Diese freie und etwas einfachere Variante zur Salathé Wall hatte Alexander Huber 1998 erstbegangen, sie bietet viel harte Risskletterei bis zum oberen neunten UIAA-Grad. Ein erster Versuch, den Freerider von unten kommend frei zu klettern, endete im Oktober 2003 im Wettersturz.

Doch die Idee ließ Steph Davis nicht los. Im Frühjahr 2004 war sie wieder da und konnte, gesichert von Dean Potter, als erste Frau die Route komplett frei klettern. Am dritten Tag in der Wand gelang ihr die "Huber-Länge", eine der Schlüsselstellen: "Es lief besser als erwartet, und so beschloss ich, weiter zu klettern. Die Verschneidungen und der Quergang lagen noch vor mir. Am Quergang angekommen, wäre ich am liebsten zu meinem Schlafsack abgeseilt. Als Warm­up am nächsten Morgen wollte ich die Länge aber auch nicht klettern. Irgendwie kämpfte ich mich die weiten Züge hinüber. Als wir im Anschluss zu unserem Biwakplatz abseilten, war ich wie benommen. Ich hatte einen der besten Klettertage meines Lebens hinter mir. Ich war völlig am Ende." Auch den Rest der Route packte Steph.

Zwei Wochen später stieg sie, gesichert von Heinz Zak, noch einmal in den Freerider ein. Dieses Mal ging es ohne Biwak und in einem Rutsch durch die Wand: "Drei Seillängen unter dem Ausstieg fielen mir am Standplatz die Augen zu. Heinz weckte mich und spornte mich an weiterzumachen."

Stephs Begeisterung für freie Bigwalls überwog aber offenbar die Anstrengung: Ein Jahr später holte sie sich die erste freie Frauenbegehung der Salathé Wall.

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Mayan Smith-Gobat stellt Speedrekorde auf

Zwei freie Bigwalls plus einen Frauen-Speedrekord an der Nose: Die starke Neuseeländerin hat‘s drauf.

Mayan Smith-Gobat klettert die Salathe
Johannes Ingrisch
Mayan Smith-Gobat in der Headwall der Salathé

Frei am El Capitan: 2011 Salathé Wall sowie Freerider in 14 Stunden

Beharrlichkeit und Biss zeichnen die 1,68 Meter große Mayan Smith-Gobat aus. Obwohl sie das Klettern vor allem an den glatten Bouldern von Castle Hill in Neuseeland gelernt hat, entwickelte sich die Tochter eines Neuseeländers und einer Deutschen zu einem Kraftpaket. Und wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, arbeitet sie auch zielstrebig daran: "Den El Capitan freizuklettern war ein Traum von mir. Große Wände haben mich immer fasziniert, ich liebe ausgesetzte und wunderschöne Orte." 2009 hatte sie den Freerider fast frei geklettert, 2011 richtete sie ihr Augenmerk dann auf die Salathé Wall. Tagelang seilte sie sich von oben allein in die Wand und checkte die Schlüsselstellen aus: "Manchmal war es schwer, so alleine motiviert zu bleiben."

Als Mayan sich bereit für den Durchstieg fühlte, stieg sie mit Sean Villanueva von unten ein. Sechs Tage brauchten die beiden für die freie Begehung, am vorletzten Tag stürzte Mayan noch am allerletzten Zug der schwierigen Headwall, bevor die dann im nächsten Anlauf doch noch klappte. Womit Mayan die zweite freie Frauenbegehung der Salathé Wall in der Tasche hatte. Kurz darauf stürmte sie dann in 14 Stunden noch frei durch den Freerider.

Dem Speedklettern am El Cap blieb die Neuseeländerin noch eine Weile treu: 2012 holte sie den Frauen-Speedrekord an der Nose, den sie immer wieder verbesserte, bis sie schließlich mit Libby Sauter am 31. Oktober 2014 in nur 4:43 Stunden durch die 1000-Meter-Route raste. "Wenn ich etwas weitergeben möchte, dann ist es das: die eigene Komfortzone zu verlassen, noch härter für etwas zu kämpfen. Geh‘ dahin, wo du normalerweise nicht hingehen würdest, und du wirst eine Menge lernen."

Mayan Smith-Gobat
Wild Country
Mayan Smith-Gobat

Bio: Geboren am 3. Oktober 1979 in Mount Cook, Neuseeland; Heimatort Christchurch, Neuseeland.

Hazel Findlay macht kurzen Prozess

Die abenteuerlustige Britin konnte Golden Gate als erste Frau freiklettern – trotz Größenproblemen.

Hazel Findlay
Jonny Baker
Hazel Findlay 2017 in der Salathé Wall: Mit vier freien Bigwalls gehört die Britin zu den erfolgreichsten Frauen, die bisher am El Capitan unterwegs waren.

Frei am El Capitan: 2011 erste freie Frauenbegehung Golden Gate; 2012 erste freie Frauenbegehung Pre Muir; 2013 Freerider; 2017 Salathé Wall

Im Sommer 2008 stand Hazel Findlay, damals 19 Jahre alt, erstmals unter dem El Capitan: "Ich schaute hoch und entschied, dass mich nur ein Wunder jemals da hinauf bringen würde." Drei Jahre später, im Oktober 2011, machte Hazel das Wunder wahr. Die Britin, die seit ihrem siebten Lebensjahr klettert, hatte da schon viel Erfahrung mit Trad-Routen, Selbstabsichern und Abenteuern in großen Wänden – aber noch nie einen Bigwall durchstiegen. Als sie sich dann auch noch die Route Golden Gate zum Freikletterziel erkor, die noch von keiner Frau freigeklettert worden war, gab es von der Szene im Yosemite wenig positives Feedback: Sie sei zu unerfahren und zudem mit knapp 1,60 Meter zu klein, besonders für die "Move"-Seillänge mit ihrem bouldrigen Längenzug im oberen neunten Grad.

Zuspruch gab es nur von einer Mitstreiterin. Mayan Smith-Gobat erklärte Hazel: "Es gibt jede Menge Fragezeigen für dich da oben. Du musst einfach einsteigen und es probieren. Was immer dabei rauskommt: Es wird auf jeden Fall eine großartige Erfahrung sein!" Mit Hansjörg Auer als Kletterpartner stieg Hazel in die Wand ein. Wie befürchtet stellte sich "The Move" als Crux für sie heraus: Zu kurz für Hansjörgs Lösung, musste sie eine komplizierte Methode mit wackligen Zügen finden: "Als ich mit hunderten Metern Luft unter den Sohlen herumschwang, dachte ich mir: Wenn das ein Boulderproblem überm Boden wäre, wäre ich froh, es zu schaffen."

Eineinhalb Tage bastelte Hazel an dieser Stelle, dann hatte sie die Seillänge geknackt. Die nominelle Crux, den A5-Quergang (5.13b), schaffte sie schließlich auch noch im dritten Anlauf und damit die erste freie Frauenbegehung von Golden Gate. Dass es ihr trotz der vielen Fragezeichen wohl großen Spaß gemacht hatte, belegt ihre weitere Liste an frei gekletteren El-Cap-Routen.

Hazel Findlay
Jonathan Griffith
Hazel Findlay

Bio: Geboren am 3. Mai 1989; Heimatort Nordwales.

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Barbara Zangerl, die Allrounderin

Vom Bouldern zum Bigwall: Babsi Zangerl hat inzwischen fünf freie El-Cap-Routen auf dem Konto.

Babsi Zangerl
Black Diamond
Babsi Zangerl hoch oben in der Nose beim Kampf mit den berüchtigten Changing Corners

Frei am El Capitan: 2015 erste freie Frauenbegehung El Niño; 2016 erste freie Frauenbegehung Zodiac; 2017 erste freie Frauenbegehung und zweite freie Begehung überhaupt Magic Mushroom; 2019 Pre Muir und Nose

Sie boulderte bis 8B und bis ihr der Arzt wegen eines Bandscheibenschadens vom Bouldern abriet. Daraufhin verlegte sich die Tirolerin aufs Seil­klettern und machte genauso stark weiter: Sportklettern bis 9a, Trad bis 8c, die Alpine Trilogie und: inzwischen bereits fünf freie Bigwalls am El Capitan – mehr als jede andere.

"Ich erinnere mich, wie ich Lynn Hills Autobiographie "Climbing Free" zum ersten Mal gelesen habe. Da hat mich diese magische, prominente Linie am El Capitan so inspiriert, dass ich sie immer einmal versuchen wollte." Babsi Zangerls Begeisterung für die Nose musste allerdings lange warten. Oft zu viele Seilschaften, manchmal schlechte Bedingungen – gemeinsam mit ihrem Seil- und Lebenspartner Jacopo Larcher machte sich Babsi erst mal an andere Ziele. Los ging es mit El Niño, dann folgten Zodiac – in beiden war sie die erste Frau, der der freie Durchstieg gelang – und die zweite freie Begehung von Magic Mushroom, nach der Dawn Wall die wohl schwierigste Freikletter­linie am El Capitan.

Der Kletterstil des Powerpaars in diesen Routen: Die "leichten" Seillängen klettern sie überschlägig (also eine oder einer steigt frei vor, der oder die andere frei hinterher), nur die "schwierigen" Längen ab 5.12d (etwa UIAA 9) klettern beide rotpunkt im Vorstieg. 2019 war es dann soweit: Erst gelang Babsi im Juni eine freie Begehung der Pre Muir-Wall – Jacopo stürzte in der Crux-Verschneidung im zehnten Grad. Im November dann waren beide zurück und stiegen in die Nose ein. Es wurde kalt, doch wenige Tage später hatten sie die freie Begehung in der Tasche und Babsi Zangerl sich einen Traum erfüllt: "Lynn Hill ist so eine Inspiration. Was sie damals geleistet hat, war einer der größten Meilensteine, die es im Klettern jemals gab."

Babsi Zangerl
Francois Lebeau
Babsi Zangerl ist nicht nur die Frau mit den meisten freien Bigwalls auf dem Konto: Mit Magic Mushroom (5.14b oder 11-, Foto) kletterte sie auch einen der schwierigsten.

Bio: Geboren am 24. Mai 1988 in Bludenz, Vorarlberg, wo sie auch lebt.

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Alexandra Schweikart, die erste Deutsche

Als erster und bisher wohl einziger Kletterin aus Deutschland gelangen Alex Schweikart Routen am El Capitan frei.

Alexandra Schweikart
Johannes Ingrisch

Frei am El Capitan: 2015 El Corazon und Freerider

Hohe Wände, schwierige Erstbegehungen und hartes Sportklettern – für Alex Schweikart gehört das alles zusammen: "Meine Eltern waren Kletterer. Wir fuhren in die Pfalz, in den Battert und in die Dolomiten und sammelten Abenteuerurlaube."

Bei einem ersten Trip zum El Capitan hatte die Wahlschweizerin das Westface onsight geklettert – rund 20 Seillängen bis zum achten Grad. 2015 kehrte sie mit ihrem Freund Christopher Igel zurück, dieses Mal sollte es eine richtiger Bigwall werden: 2001 hatte Alexander Huber El Corazon rechts der Salathé Wall frei durchstiegen. Mit Verpflegung für acht Tage stiegen Alex und Chris in die Wand ein. Am sechsten Tag wurde das Wetter schlecht und es lagen noch vier Seillängen im unteren zehnten Schwierigkeitsgrad vor den beiden (die jeweils harten Längen waren beide vorstiegen). Am elften Tag kämpften sie sich schließlich, schon reichlich erschöpft und ausgehungert, durch die vorletzte Crux, die Roof-Traverse (5.13b): "Die Kletterei in dieser Länge ist abartig schwer und ungewöhnlich: Man klettert mit einem Fuß über Kopf hinten im Riss, während die Hände weiter vorne an Slopern entlang dagegen pressen. Man kann kaum atmen, da das Gesicht oben gegen das Dach gedrückt wird. Der Puls rast und die Unterarme brennen." Am Tag 12 schließlich erreichten sie nach freiem Durchstieg den Gipfel: "Zum Glück erwarteten uns unsere Freunde Johannes und Martina am Gipfel mit Kuchen und Bier. Selten hat diese Kombination so himmlisch geschmeckt!" Alex war damit die erste deutsche Kletterin, der ein freier Bigwall am El Cap gelang.

Alexandra Schweikart
Johannes Ingrisch
Alexandra Schweikart

Bio: Geboren am 6. November 1982 in Schramberg, Schwarzwald; Heimatort: Altstätten in der Ostschweiz.

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Emily Harrington, zwischen Wettkampf und Everest

Wettkampf, Everest, El Capitan: Emily Harrington aus Colorado schreckt vor keiner Herausforderung zurück.

Emily Harrington
LT11 Jon Glassberg
Eine Platzwunde und ein Pflaster auf der Stirn konnten Emily Harrington nicht aufhalten: 2020 kletterte sie Golden Gate an einem Tag frei.

Frei am El Capitan: 2015 Golden Gate, 2020 Golden Gate in unter 24 Stunden

2005 holte sie Silber bei der Lead-WM in München, später stand sie auf Everest, Cho Oyu und Ama Dablam, 2015 gelang ihr als erster Frau nach Hazel Findlay eine freie Begehung von Golden Gate. Emily Harrington vereinigt technisches Kletterkönnen mit großer Abenteuerlust. Und seit ihrer Begehung von Golden Gate trieb sie ein Gedanke um: Könnte sie die Route auch an einem Tag schaffen? Zwei Versuche 2019 scheiterten. Beim ersten verließ sie an den oberen Schlüsselstellen die Power, beim zweiten stürzte sie schon weit unten unerwartet und verletzte sich so schwer, dass eine Rettung nötig wurde.

2020 war sie zurück – aufgeben gehört nicht zu den Stärken von Emily Harrington. Dieses Mal stieg sie, gesichert von Alex Honnold, nachts um halb zwei in die Wand ein. Auf zwei Drittel Wandhöhe übernahm dann ihr Verlobter Adrian Ballinger die Sicherungsarbeit. Alles lief gut bis zur Golden Desert Pitch (5.13a oder 9/9+), wo sie sich bei einem Seitwärts-Sturz den Kopf anschlug: "Das bescherte mir eine tiefe Platzwunde auf der Stirn. Plötzlich war überall Blut." Adrian ließ sie zum Standplatz ab und prüfte ihren Zustand. Säuberte und verpflasterte die Wunde und erklärte, dass sie im wesentlichen o.k. sei. "Ich war bereit aufzugeben", meinte Emily später zu diesem Moment, "ich war emotional am Ende. Aber Adrian sagte: Du solltest es noch einmal versuchen." Am selben Tag stieg das Paar abends um 22:30 Uhr aus – und Emily Harrington hatte die erste freie Frauenbegehung in unter 24 Stunden in der Tasche.

Emily Harrington
LT11 Jon Glassberg
Emily Harrington

Bio: Geboren am 17. August 1985 Heimatort Boulder, Colorado, USA.

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Nina Caprez, die starke Schweizerin

Sie ist wohl die einzige, die freikletternd einen leicht überforderten Nachsteiger durch die Wand lotste.

Nina Caprez
Archiv Caprez
Nina Caprez klettert El Nino am El Capitan

Frei am El Capitan: 2017 El Niño

Sie war schon in jungen Jahren Schweizer Meisterin im Lead und Speed und mischte auch beim Bouldern ganz vorne mit. Doch Nina Caprez war zu sehr Freigeist, um sich mit Regeln, Trainern und strengen Leistungs­gedanken abzufinden. Leistung erbrachte sie lieber aus eigenem Antrieb: 2011 kletterte sie als erste Frau den Silbergeier (10+) im Rätikon und legte später noch viele Routen dieser Preisklasse nach.

Eine Reise durch die USA führte sie im Herbst 2016 erstmals ins Yosemite: "Wir kletterten den Freerider an einem Tag, aber nicht komplett frei, weil viele Seillängen nass waren." Ein halbes Jahr später war sie mit ihrem damaligen Freund Benoit Merlin zurück. Dieses Mal zog es sie in die Route El Niño. Nachdem sie die unteren Plattenseillängen (Foto) einige Tage ausgecheckt hatte, stiegen die beiden endgültig in die Wand ein: "Ich war überrascht, wie gut ich in Form war – was es jedoch noch schwieriger macht, mit mir unterwegs zu sein. Es bringt jedes Mal den vollkommen egoistischen Kletterer in mir zum Vorschein, der nur an extreme Klettereien und Leistung denkt. Benoit hatte eine harte Zeit mit mir."

Immerhin hatte die Konzentration auf Leistung auch ihr Gutes: Nina stieg alle Seillängen frei vor, davon viele bis zum Grad 5.13a onsight. Am fünften Tag errreichte das Paar den Gipfel: "Ich war so dankbar, meine erste Route am El Cap zusammen mit meinem Freund geschafft zu haben. Ich weiß genau, dass ich das eines Tages meinen Kindern erzählen werde."

Nina Caprez
Guillaume Broust
Nina Caprez

Bio: Geboren am 15. November 1986 in Küblis, Graubünden; Heimatort Les Bellesville in Frankreich.

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Chronik der freien Frauenbegehungen am El Capitan

  • 1993 Lynn Hill: Nose (1. freie Begehung)
  • 1994 Lynn Hill: Nose (1. freie Begehung unter 24 Stunden)
  • 2000 Beth Rodden: Lurking Fear (1. freie Begehung, mit Tommy Caldwell)
  • 2004 Steph Davis: Freerider (1. freie Frauenbegehung (FFb)), Freerider (1. FFb unter 24 Stunden)
  • 2005 Steph Davis: Salathé Wall (1. FFb); Beth Rodden: The Nose
  • 2007 Stéphanie Bodet: Freerider
  • 2010 Madaleine Sorkin, Kate Rutherford: Freerider (1. freie Begehung als reines Frauenteam)
  • 2011 Mayan Smith-Gobat: Salathé Wall, Freerider in 14 h); Hazel Findlay: Golden Gate (1. FFb)
  • 2012 Hazel Findlay: Pre Muir (1. FFb); Madaleine Sorkin: El Corazon (1. FFb)
  • 2013 Hazel Findlay: Freerider
  • 2015 Alexandra Schweikart: El Corazon; Barbara Zangerl: El Nino (1. FFb); Emily Harrington: Golden Gate
  • 2016 Barbara Zangerl: Zodiac (1. FFb)
  • 2017 Barbara Zangerl: Magic Mushroom (1. FFb, 2. freie Begehung überhaupt); Hazel Findlay: Salathé Wall; Nina Caprez: El Nino
  • 2018 Bronwyn Hodgins: Freerider
  • 2019 Barbara Zangerl: Pre Muir, The Nose
  • 2020 Emily Harrington: Golden Gate unter 24 Stunden
  • 2021 Bronwyn Hodgins: Golden Gate; Brittany Goris: Salathé Wall; Amity Warme: Golden Gate

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