OD 0516 Schwarzwald Vergessene Pfade Björn Hänssler

Wilde Wege im Schwarzwald

Wilde Wege im Schwarzwald Wanderungen rund um den Feldberg

Rund um Feldberg und Herzogenhorn wandert man auf verwunschenen Pfaden im Herzen des Schwarzwalds. Wir stellen euch Touren mit spektakulären Ausblicken vor ...

Das urgemütliche Naturfreundehaus Feldberg liegt knapp unterhalb des höchsten Schwarzwaldgipfels. Hier empfängt Heinz Bludek seine Gäste – und sagt ihnen gern, auf welchen Touren sie bis in die Alpen schauen können.

Hinkommen: Mit dem Auto über die A5, Ausfahrt Freiburg Mitte, auf die B31 Richtung Donaueschingen. Über die A81: Ausfahrt Geisingen, auf die B31 Richtung Freiburg und nach der Bahnunterführung rechts ab Richtung Alpersbach und zum Parkplatz Rinken. Von dort wandert man in 20 Minuten zum Haus. Mit viel Gepäck können Übernachtungsgäste über einen Forstweg bis vor die Tür fahren (Schranke mit Telefon). Mit Öffentlichen kommt man nur bis Hinterzarten und nur zu Fuß (8 km) oder per Taxi (ca. 30 Euro) weiter zum Rinken-Parkplatz. Per Zug: nach Freiburg, dann weiter mit der Höllentalbahn bis Hinterzarten und Titisee sowie Feldberg-Bärental und Schluchsee.

Herumkommen: Die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ist in der gesamten Ferienregion Schwarzwald mit der "Konus-Karte" kostenlos. konus-schwarzwald.info

Reiseinfos: Die schönsten Wanderungen im südlichen Schwarzwald stellt der Wanderführer "Schwarzwald Süd" vor. Rother Verlag, 14,90 Euro. Detaillierte Infos zu Gastgebern, Veranstaltungen und Wanderwegen gibt es unter schwarzwald-tourismus.info (Schwarzwald allgemein), hochschwarzwald.de und bernau-schwarzwald.de – oder bei der Tourist-Information Feldberg, Tel. 07652/12060.

Orientieren: Die Kompass-Wanderkarte Feldberg, Todtnau, Hinterzarten (1:25.000, 11,99 Euro) deckt alle hier vorgestellten Wanderungen ab. Mehr Tourentipps hält der frisch aufgelegte Rother-Wanderführer Schwarzwald Süd bereit, 14,90 Euro.

OD 0516 schwarzwald
Björn Hänssler
Wer gern mit Wissen vor den Mitwanderern punktet, lädt vor dem Urlaub die kostenlose Hosentaschenranger-App (App Store, Google Play), die an zwölf Punkten auf dem Feldbergsteig mit Anekdoten und Naturwissen versorgt. Achtung, ein Funkloch kann dich auffliegen lassen! naz-feldberg.de

Das sind unsere 4 Lieblingstouren am Feldberg

1. Wanderung ins Zastlertal

Von der S-Bahn in Feldberg-Bärental führt der wohl schönste Zustieg zum Naturfreundehaus Feldberg gemütlich auf dem Feldseeweg nach Westen bergauf, über Kunzenmoos, bis nach rund drei Kilometern der Hangkanal in Sicht kommt. Weiter aufwärts. Linker Hand kommt der Feldsee in Sicht, den konditionsstarke Wanderer zusätzlich umrunden. Dann weiter zum Raimartihof (gute Einkehr). Jetzt führt der Weg recht eben über das Hochmoor Seebach. Der nächste Anstieg bringt einen zur Baldenweger Hütte (1321 m). Nur 500 Meter weiter liegt das Naturfreundehaus (1350 m), der höchste Punkt der Tour. Wer will, kehrt hier ein oder übernachtet und nutzt das Haus als Basislager für ausgedehnte Feldberg-Erkundungen. Wer weiter will oder muss, wandert aussichtsreich wieder hinab zum Hinterwaldkopfsattel (1125 m; Schutzhütte) mit seinem Blick ins Höllental. Gegen Ende der Tour wartet an einer Gedenktafel eine Bank mit Feldberg-Blick. Hinab ins Zastlertal; mit dem Bus über Oberried nach Kirchzarten, mit der S1 nach Bärental.

Mehr zum Thema:
Länge 20,62 km
Dauer 6:01 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 509 Meter
Höhenmeter absteigend 777 Meter
Tiefster Punkt 965 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Diese Tour findest du auch bei unserem Partner

2. Schaufenster Schwarzwald – All-in-One

Die Runde beginnt am Naturfreundehaus Feldberg und steuert als Erstes die Baldenweger Hütte an. An Wasserfällen vorbei wandert man durch lauschigen Wald zum Raimartihof und strebt über das Hochmoor Seebach den Feldsee an. Der Uferweg drum herum zeigt das malerische Gewässer aus allen Perspektiven. Danach wird es steil: Der Felsenweg (Lieblingsabschnitt von Naturfreundehaus-Wirt Heinz) schlängelt sich als Pfad an kleineren Fällen des Seebachs vorbei und bietet immer wieder spektakuläre Blicke auf Feldsee und Hochschwarzwald; daher auch der Name der Tour. Jetzt kommt schon der Feldberg-Nebengipfel Seebuck (1449 m) mit dem Feldbergturm in Sicht. Bei traumhaften Ausblicken ins Wiesental wandert man hinab zur Todtnauer Hütte, passiert die Laurentius-Bergkapelle und steht bald an der St. Wilhelmer Hütte. Spätestens jetzt sollte man sich stärken für den letzten Anstieg des Tages, hinauf auf den Feldberg-Gipfel (1493 m). An seiner Nordseite bringt der Naturlehrpfad zur Zastlerhütte. Weiter zum Naturfreundehaus.

Mehr zum Thema:
Länge 17,56 km
Dauer 5:43 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 645 Meter
Höhenmeter absteigend 634 Meter
Tiefster Punkt 1333 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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3. Herzogenhorn

Herrlich schattiger Wald umfängt Wanderer bald nach dem Start am Parkplatz des Skilifts Mösle. Zwischen den Bäumen hindurch wandert man, am Wasserfall Kriegsbach vorbei, zur Schutzhütte Finsterbühl. Wer will, macht eine kurze Rast, geht dann kurz recht eben weiter und steigt anschließend über ausgedehnte Bergwiesen hinauf. Unterwegs öffnen sich weite Blicke auf das Hochmoor und auch zur Krunkelbachhütte. Zu einer Einkehr dort führt ein kurzer Abstecher nach links (starker halber Kilometer einfach). Gut gestärkt kehrt man zum Weg zurück und steigt durch lichten Wald voller Blaubeersträucher weiter auf bis zum Gipfel des Herzogenhorns (1415 m). Oben öffnet sich der Blick über die Gipfel und Wipfel des Hochschwarzwalds bis zum Rhein und zum Bodensee – eine ähnlich spektakuläre Sicht wie vom Feldberg, die man aber mit deutlich weniger Wanderern teilen muss. Traumhafte Aussichten ins Bernauer Tal begleiten den Weg wieder hinab, bis er schließlich den Parkplatz am Skilift Mösle erreicht.

Mehr zum Thema:
Länge 12,79 km
Dauer 4:05 Std
Schwierigkeitsgrad Mittelschwer
Höhenunterschied 532 Meter
Höhenmeter absteigend 532 Meter
Tiefster Punkt 882 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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4. Durch die Wolfsschlucht

Aus Todtnau wandert man auf der Feldbergstraße, die in den Feldbergpfad übergeht, in die Wolfsschlucht mit ihren Stegen, Pfaden und Brückchen. Wer will, stattet danach dem Kriegerdenkmal einen Besuch ab und genießt den Blick über Todtnau. Zurück zum Weg und weiter. Den Einstieg zum Todtnauer Klettersteig lassen Wanderer links liegen; Freunde der Vertikalen (Klettersteigset mitnehmen!) können den Steig erkunden und dann zum Alten Bergwerk Steinreich weitergehen. Um Todtnau schürfte man Silber und Blei, bis im 16. Jahrhundert Amerika billigeres Silber lieferte. Die Route führt jetzt steil durch lichten Wald hinauf und in einer 180-Grad-Wende nach Todt­nauberg. Der »Hochstuhl Todtnauberg«, ein überdimensionierter Holzstuhl, lädt zu Rast und Weitblick ein. Bald streift der Weg Todtnauberg, bevor er zum Todtnauer Wasserfall leitet. Kurz entspannen die Waden in der Ebene, dann müssen sie auf dem Abstieg nach Todtnau wieder arbeiten. Mit einem Eis oder bei Kaffee und Kuchen endet die Tour dort auf dem Marktplatz.

Mehr zum Thema:
Länge 15,90 km
Dauer 4:59 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 597 Meter
Höhenmeter absteigend 597 Meter
Tiefster Punkt 650 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Diese Tour findest du auch bei unserem Partner

Unterkünfte & Einkehrmöglichkeiten rund um den Feldberg

  • Zum Kuckuck: Die "Kuckucksnester" sind moderne Ferienwohnungen in individuellem, holzreichem Schwarzwaldstil. Es gibt sie in verschiedenen Orten. Ab 89 Euro/Nacht, kuckucksnester.de
  • Bergblick: Uriges Ambiente, neues Design und kreative Küche bietet der Landgasthof Bergblick in Bernau. ÜF ab 55 Euro/Person, bergblick-bernau.de
  • Stübenwasen: Fast am Dach des Schwarzwalds: Mit Blick auf den Feldberg liegt der Berggasthof Stübenwasen auf 1270 Metern. ÜF ab 25 Euro/Person, stuebenwasen.de
OD 0516 Schwarzwald Hütte
Björn Hänssler
Rund um den Feldberg stehen noch viele typische Schwarzwaldhäuser, in denen übernachtet werden kann.
  • Hütten: Schwarzwälder Gemütlichkeit erleben Wanderer im Raimartihof am Feldsee. Sägerhäusle, Raimartihisli und Räuberhütte bieten Selbstversorgerunterkünfte für Gruppen bis acht, zwölf bzw. 18 Personen. Zudem kann man im Stroh in einer Scheune schlafen. raimartihof.de Weitere: Baldenweger Hütte (1321 m), ÜF ab 30 Euro, baldenweger-huette.de; Todtnauer Hütte (1319 m), ÜF ab 38 Euro, todtnauer-huette.de – rustikales Hüttenflair und gute Hausmannskost gibt es in der höchstgelegenen Almhütte Baden-Württembergs, der St. Wilhelmer Hütte am Feldberg auf 1423 Metern. sankt-wilhelmerhuette.de
  • Jeden Samstag findet im Gewölbekeller des Bergblicks in Bernau eine Weinprobe mit anschließendem Acht-Gänge-Sinnesmenü statt. bergblick-bernau.de
  • Hausgemachte Kuchen und Torten ebenso wie herzhafte Brotzeitplatten genießt man bei schönem Wetter im Garten des Cafés Zum Kuckuck in St. Blasien-Menzenschwand. kuckuck-schwarzwald.de
  • In der Krunkelbachhütte beim Herzogenhorn kann man auf 1294 Metern unterm Sternenhimmel ein heißes Bad im Holzzuber nehmen. Angebot nur mit Übernachtung buchbar, Hotpot 39,90 Euro/Person, ÜF je nach Saison, krunkelbach.de
  • Eine Zeitreise durch 125 Jahre Skigeschichte im Schwarzwald wird im historischen Hugenhof in Hinterzarten präsentiert. Mit etwas Glück trifft man sogar Skilegende Georg Thoma in seiner Thoma-Stube an. schwarzwaelder-skimuseum.de
  • Was den Schwarzwälder Schinken so besonders macht und mit welchen geheimen Rezepturen geräuchert wird, erfährt man im Schinkenmuseum im Feldbergturm. Geöffnet von 9-17 Uhr, Eintritt 2,90 Euro, frei mit Feldbergbahnticket.
  • outdoor-Tipp: Auf dem Schluchsee können sich auch Anfänger im Stand Up Paddling versuchen – ein Riesenspaß an heißen Tagen. Kurse und Verleih in der Amalienbucht, rafftaff.de

Unser Reisebericht aus dem Schwarzwald

Eiger, Mönch und Jungfrau im Berner Oberland stehen in Flammen – so scheint es zumindest im ersten Tageslicht. Sie wirken zum Greifen nah, so, als könnten die Fingerspitzen sie berühren, würden sich die Arme in die Länge recken. »An klaren Morgen siehst du hier von den Ostalpen bis in die französischen Alpen«, sagt Heinz Bludek. Unbedingt wollte er kurz vom Naturfreundehaus Feldberg hinauf auf den Feldberggipfel marschieren, um das Prachtpanorama in aller Frühe zu präsentieren. Was für ein Schauspiel: Mit jedem Moment lodert der Tag ein bisschen mehr. Eine ziemliche Überraschung allerdings ist der typische Feldbergwind auf dem flachen Gipfel. Der Föhn zerrt an Heinzʼ Jacke und pustet einem die letzten Zweifel an der Wahl dieses Wandergebiets aus dem Kopf. Denn jetzt entfaltet sich die ganze Gipfelpracht. Neben den Größen des Berner Oberlands, deren Häupter inzwischen nicht mehr flammend rot, sondern orangegelb strahlen, wartet eine ganze Starbesetzung: Im Westen stehen dunkel die Vogesen hinterm Rheintal, weiter südlich tatsächlich der eisblitzende Mont Blanc. Über die halbe Schweiz schweift der Blick bis zum Allgäu, dann zum Wetterstein samt Zugspitze. Besonders Inversionswetterlagen, wenn sich die Feuchtigkeit wie fluffige Wollknäuel in den Tälern drängt, machen die Aussicht über die Wolken hinweg unvergesslich – so wie heute. In den Ohren rauschen die Windstöße wie Brandung.

Ein Platz für echte Naturfreunde

»Lass uns gehen, ehe der Wind uns runterpustet.« Heinz stapft voran, zurück zum Naturfreundehaus, wo seine Paradetour hier oben beginnt. Das urige Naturfreundehaus mit dem tief gezogenen Dach liegt ideal als Ausgangspunkt für Wanderungen am Feldberg. Es schmiegt sich in den sanften Hang des Feldberg-Nebengipfels Baldenweger Buck (1461 m). Der eigentliche Gipfel, der höchste in Deutschlands Mittelgebirgen, schwingt sich vom Buck aus auf 1493 Meter empor und reckt die kahle Kuppe in die frische Luft des Hochschwarzwalds. Zu seinen Füßen kräuseln sich Schluch- und Titisee, und nach Freiburg im Nordwesten sind es nur rund 30 Kilometer. Andere Berghütten thronen wie Herrscher auf irgendeiner Klippe. Das Naturfreundehaus aber steht einfach da, wie ein zutrauliches Reh auf der Lichtung. Es zeigt den Jahreszeiten sein anmutiges Dachgewölbe, und seine Holzschindeln bieten dem Wetter die gegerbte Stirn. Ein echter Ort für Naturfreunde, dieses Haus. Hier wird nicht ein Gipfel nach dem anderen erobert, hier wird sanft entdeckt und neugierig erschlossen.

Den schönsten Aufstieg zum Haus können konditionsstarke Wanderer zu einer ausgewachsenen Tagestour ausbauen: Sie führt vom Ort Feldberg-Bärental im Westen des Feldbergs vorbei am kreisrunden Feldbergsee über neun Kilometer hinauf. Wer mag, geht von hier weitere elf Kilometer durch schattigen Wald wieder hinab ins Zastlertal, ein wunderbarer Weg. Aber wenn man schon heraufgeschnauft ist, sollte man auch bleiben: über Nacht oder wenigstens für eine Brotzeit, und vielleicht sogar mit Heinz ins Gespräch kommen. Unter dem beachtlichen Giebel der Herberge heißt er bis zu 50 Personen willkommen, die ihr bequemes Bett unter dicken Decken finden. »Auch sehr gern mit Frühstück«, wie er versichert. Das geschichtsträchtige Haus bietet große Zimmer für Gruppen, eine familientaugliche Schwarzwald-Suite und ganz kuschlige Räumchen. Dazu eine hervorragend ausgestattete Küche für Selbstversorger. Und allein der weite Aufwachblick mit Sonnenaufgang ...

Einkehrrunde mit Wahnsinnsblicken

Das fast hundertjährige Naturfreundehaus ist seit langem ein echter Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Die behutsame Sanierung des Hauses Anfang der 2000er folgte streng nachhaltigen Plänen, die Bewirtung ist möglichst bio und regional. »Nicht fürs Zertifikat, sondern weil wir es für richtig halten«, sagt Heinz, der seine Ideale als Hüttenwirt schon seit 2007 umsetzt. Eine Coca Cola sucht man hier übrigens vergebens. Am Naturfreundehaus startet und endet seine Lieblingstour, seine »Schaufensterrunde« – eine Erweiterung des Feldbergsteigs. Sie führt auf 18 Kilometern über Baldenweger Hütte, Raimartihof und Feldsee zu Todtnauer und St. Wilhelmer Hütte, natürlich hinauf auf den Feldberg und über die Zastlerhütte wieder zurück. An Einkehrmöglichkeiten mangelt es also nicht, und zwischen zweitem Frühstück, Mittagessen und Nachmittagskaffee sieht man alles, was der Schwarzwald an Schönheiten aufbringt: weite grüne Täler, rauschende Wildbäche, kahle Aussichtsgipfel, aber auch dicht bewaldete Spitzen und eine unberührte Pflanzenwelt.

Auf dem Weg zur Baldenweger Hütte wirft Heinz einen zufriedenen Blick in den Himmel: Die Sonne nimmt den Kampf mit dem Frühnebel auf und schneidet lange Schneisen in das wabernde Grau. Nach der Baldenweger Hütte verschluckt einen der dichte Schwarzwald. Es riecht nach Erde, hier und da sü.lich und schwer nach Harz, wo die Sonne auf der Nasenspitze kitzelt. Willkommen in Klein-Kanada. Bächlein stürzen sich zwischen riesigen Nadelbäumen und kniehohen Blaubeersträuchern herab. Nach drei Kilometern würde der gut 300 Jahre alte Raimartihof zur Einkehr verlocken, öffnet aber erst um neun Uhr. Ein paar Schritte weiter vertreibt die Sonne letzte Nebelschleier aus dem Hochmoor Seebach, die sich wie Fetzen von Schals um bleiche Stammstümpfe schmiegen. Bleigrau schimmert der Feldsee hinter den Bäumen hervor. Dann geht es steil hinauf, steil und steinig. Oben setzt Heinz den Fuß auf den Felsenweg, den er »Schaufenster in den Schwarzwald« nennt, sein Lieblingsabschnitt der Runde, allein schon wegen des Blicks hinab auf den Feldsee. Wie ein fast rundes Auge mit Wimpern aus dunklen Fichten starrt er herauf. Schmal schlängelt sich der Pfad an verwinkelten Felsen entlang, streift die Silbersträhnen von kleinen Wasserfällen. Obwohl man nahe der Zivilisation wandert, wirkt der Schwarzwald hier wie eine entlegene Welt.

Kraft tanken für den Schlussanstieg

Der Vormittag versickert auf dem Weg zum Seebuck. Dicht an dicht stehen die Fichten, doch hin und wieder geben sie den Blick frei auf den Nachbarn des Feldbergs, das 1415 Meter hohe Herzogenhorn im Süden. »Auch ein schöner Wandergipfel«, sagt Heinz. Vom Ort Menzenschwand führe eine feine Runde hinauf, zwölf Kilometer lang, auch sie mit Wasserfällen und einem Abschnitt übers Hochmoor. »Und einer Rast in der Krunkelbachhütte«, wie er ergänzt. Gleich zwei Einkehrmöglichkeiten liegen hingegen allein auf dem nächsten Abschnitt seiner Schaufensterrunde. Ob man in der Todtnauer oder der St. Wilhelmer Hütte Mittag mache, das sei jedem selbst überlassen. Kraft zu tanken ist sinnvoll, denn nach der Einkehr geht es wieder auf den Feldberggipfel – wo sich die Alpen auch heute im Nachmittagslicht klar am Horizont abzeichnen.

Durch das Reich der Orchideen

Auf der stillen Feldberg-Nordseite folgt die Schaufensterrunde ein Stück weit einem Naturlehrpfad. Tafeln erklären, wie die Bäume mit ihren Wurzeln Hangrutschungen verhindern oder welche Vögel am Feldberg ihr Refugium haben. Wie schon auf der ganzen Tour hält Heinz auch jetzt immer wieder an, saugt die Aussicht in sich auf. Saftiges Moos schmückt den Wegrand und den Gneisfels. Bunte Flechten spicken ihn hier oben über der Baumgrenze, ein Zeichen guter Luftqualität. Knarrende Holzstege führen auf dem Lehrpfad durch Flachmoore herab. In diesen Lagen wächst sogar gelber Enzian, eigentlich eine seltene Alpenpflanze. Und es blühen ganze Orchideenwiesen in freier Wildbahn.

Als die urige Zastlerhütte in Sicht kommt, steht die Sonne schon tief. Noch ein paar Schritte, und der Rucksack gleitet von den Schultern, der Rücken streckt sich. Eine Pasta-Pilzpfanne mit Maronen dampft auf dem Tisch. Der stille Blick über den Schwarzwald macht dessen Namen in diesem Moment alle Ehre. Die blaue Stunde verschluckt das restliche Licht, auf dem Endspurt zum Naturfreundehaus weht ein kühles Lüftchen. Schnell in der Stube für ein halbes Stündchen einen der heiß begehrten Plätze am großen Ofen sichern. Bevor es eine der drei Katzen tut. Heinz sieht zufrieden aus: »Ein schöner Tag. Und du müsstest den Winter hier erleben. Komm doch mal bei Schnee her.« Gerne. Versprochen, Heinz. Aber jetzt geht es erst mal ab ins Bett.

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