Die schönsten Wanderungen im Allgäu
Von Oberstdorf bis Oberschwaben - die besten Tipps
Wolfgang Ehn

Grenzgänger Weitwanderweg: 6 Tage Allgäuer Alpen

Grenzgänger - Allgäu - Tannheimer Tal 6 Tage Weitwandern in den Allgäuer Alpen

Von Tirol ins Allgäu und zurück: Der »Grenzgänger« verläuft als Weitwanderweg auf dem spektakulären Kamm zwischen Österreich und Deutschland. Unsere Redakteurin Kerstin Rotard ist ihm gefolgt.

Die wichtigsten Reiseinfos zum Grenzgänger Weitwanderweg:
Jeder trittsichere, schwindelfreie Wanderer mit guter Kondition kann sich an den alpinen Wanderweg »Grenzgänger« wagen. Wer ihn ganz geht, legt 6000 Höhenmeter auf 80 Kilometern zurück. Bei Regen verlangen die Pfade nach Aufmerksamkeit. Kletterkenntnisse braucht man nicht, sollte aber mit etwas Handeinsatz rechnen.

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Grenzgänger Weitwanderweg - Allgäu - Tannheimertal Grenzenlos begeistert - Reisebericht (aus Heft 10/2019)
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Beste Zeit
Von Juli bis September ist der Weg meist begehbar. Im Juli kann noch, im September schon wieder Schnee liegen. Und der August in den Allgäuer Alpen neigt zu Gewittern.

Hinkommen
Am einfachsten fährt man mit dem eigenen Pkw zum Start in Schattwald: A7, Ausfahrt Oy-Mittelberg (Richtung Oberjoch). Auf den Parkplätzen (gebührenpflichtig) kann das Auto mehrere Tage stehen. Alternativ kommen Wanderer mit der Bahn nach Sonthofen und mit dem Bus nach Oberjoch und Schattwald.

Rumkommen
Zwischen den Talorten fahren Busse, aber mit manchmal recht langen Umsteigepausen. Von Hinterhornbach verkehrt im Sommer zweimal täglich ein Wanderbus; häufiger wird Vorderhornbach angefahren. Wer zum Giebelhaus absteigt (Etappe 5), sollte sich sputen, um den letzten Wanderbus nach Hinterstein um kurz nach 18 Uhr zu bekommen. Sonst wird es eine lange Etappe mit einem Endhatsch auf Asphalt. vvt.at, wechs.net, badhindelang.de Service Busfahrplan.

Orientieren
Im Wanderführer Grenzgänger-Weg, Rother, 14,90 Euro, stehen alle Etappen. Er gibt außerdem weitere Tourentipps. Die kostenlose Grenzgänger-Karte (1:25000) liegt an vielen Stellen aus. Auf der Webseite grenzgaenger-wandern.com und im Tourenportal komoot findet ihr ebenfalls Routen und GPS-Daten.

Grenzgängerweg Etappenübersicht

  1. Zur Willersalpe (9 km, 5 Std., 1070 Hm, 700 Hm, mittel): Von der Talstation der Wannen-jochbahn in Schattwald wandert man über Bschießer, Ponten und Zirleseck zur Willersalpe (rustikale, aber urige Hütte). Eine Auffahrt mit der Wannenjochbahn entschärft die erste Etappe um 450 Höhenmeter.
  2. Weiter zur Landsberger Hütte (11,5 km, 5,5 Std., 1000 Hm, 670 Hm, schwer): Heute folgt die Route dem Jubiläumsweg. Es geht immer wieder auf und ab und an Bergseen vorbei bis zur Landsberger Hütte. Man passiert auch den beliebten Schrecksee. Wer trittsicher und schwindelfrei ist und Kondition mitbringt, kann zwischen Vorderer und Hinterer Schafwanne auf eine Variante über das Rauhhorn (2240 m) abbiegen.
  3. Weiter zum Prinz-Luitpold-Haus (12 km, 6–7 Std., 730 Hm, 680 Hm, schwer): Kurz auf dem Weg von gestern zurück, allerdings am Kastenjoch nach links abbiegen und unterhalb der Kalbleggspitze zum Jubiläumsweg wandern. Weiter zum Prinz-Luitpold-Haus. Die Etappe steht im Zeichen grandioser, alpiner Ausblicke; man wandert die meiste Zeit mit Blick auf den Hochvogel (2592 m).
  4. Hinterhornbach (15 km, 8 Std., 930 Hm, 1700 Hm, schwer): Etappe 4 führt ins Reich der Allgäuer Promis. Vom Vorgipfel des Schneck (Abstecher) öffnet sich ein Traumblick auf die steilen Grasflanken der Höfats. Über Hornbachjoch und Kanzberg nach Hinterhornbach. Wem die Tour zu lang wird, kann hier abbrechen: Es gibt einen Gasthof und von Vorderhornbach eine Verbindung nach Schattwald (vvt.at).
  5. Nach Hinterstein (24,5 km, 7–8 Std., 1275 Hm, 1300 Hm, schwer): Wer sich bergsteigerisch sicher fühlt, kann auf dieser Etappe ab dem Kalten Winkel auf einem Abstecher den Hochvogel (2594 m) besteigen (ca. 500 Hm zusätzlich, evtl. Grödel für Altschnee nötig). Bitte vorher die aktuelle Lage checken, denn ein Spalt im Berg dehnt sich immer weiter aus; ein Bergrutsch droht. Dann geht es über das Prinz-Luitpold-Haus und die Alpe Bärgündele zum Giebelhaus und mit dem Bus oder zu Fuß nach Hinterstein.
  6. Nach Schattwald (14 km, 7 Std., 1150 Hm, 930 Hm, schwer): Zum Auftakt passiert man einen Wasserfall, danach folgt man ei- nem Grat über Iseler, Kühgund- kopf und Kühgundspitze zur Bergstation der Wannenjochbahn.

Ausrüstung
Ein 30-Liter-Rucksack reicht aus. Rein sollte: Hüttenschlafsack für die Hüttennächte (Bargeld, keine Kartenzahlung!), zwei bis drei Liter Wasser, Wechselwäsche, Mütze, Handschuhe, Fleece, Stirnlampe, Regenzeug, Sonnenschutz, Blasenpflaster, Snacks. Trekkingstöcke entlasten die Knie.

Wolfgang Ehn
In der Landsberger Hütte fühlen sich müde, hungrige Wanderer herzlich umsorgt.

Unterkünfte & Einkehrmöglichkeiten auf dem Grenzgängerweg

  • Vor der Tour: Das Sonneck liegt etwas oberhalb des Ortskerns von Bad Hindelang. Freundliche, familiäre Atmosphäre, Blick von der Terrasse in die Allgäuer Alpen. Ab 57 Euro/Person im DZ, F, alpenhotel-sonneck.de.
  • Am Weg: Willersalpe, das Ziel der ersten Etappe. In der urigen Alpe übernachtet man im Lager über dem Stall. 18 Euro, Tel. 0171/ 9939847. Landsberger Hütte: Quartier nach Etappe zwei. Aussichtslage über dem Traualpsee, emsiger und freundlicher Service, ab 12 Euro (DAV-Mitglieder)Tipp: Knödel-Duett. dav-landsberg.de. Prinz-Luitpold-Haus: in Traumlage an Tag 3, super engagiertes Hüttenwirtepaar, ab 13 Euro (Mitglieder), Tipp: Kässpätzle, Kaiserschmarren, prinz-luitpoldhaus.de
  • Für Bergbahnfahrer: Wer Etappe 1 mit einer Bahnfahrt entschärft, kann an der Bergstation im Jochstadl einkehren. Ansonsten sind die Einkehrmöglichkeiten auf dem Grenzänger Weitwanderweg dünn gesät. Auf Etappe 5 kommt selbstgebackener Kuchen auf die Tische der Unteren Bärgündele-Alpe.
  • Unterkünfte im Tal: In Hinterhornbach (Etappe 4) gibt es mehrere Unterkünfte, DZ z.B. bei landgasthof-adler.at ab 51 Euro/Pers. In Hinterstein (Tag 5) ebenfalls viel Auswahl, Übersicht: hinterstein.de
Wolfgang Ehn

Tipps unserer Autorin Kerstin Rotard zum Grenzgänger:

  • DAV-Rabatt auf Hüttenübernachtungen, Bergversicherung, vergünstigtes Essen – eine DAV-Mitgliedschaft lohnt sich. Der Jahresbeitrag liegt je nach »Sektion« (Ortsgruppe) zwischen 45 und 90 Euro. alpenverein.de
  • Trail-Food: Am Weg selber liegen kaum Einkehrmöglichkeiten. Für den Energieschub zwischen- durch stelle ich mir immer einen Zip-Beutel mit einerMischung aus gesalzenen Nüssen, Bananenchips und Schoko-Bruch zusammen.
  • Verlängerung: Hoch droben ist es am schönsten. Wer mehr Zeit hat, sollte sich in der Landsberger Hütte oder im Luitpold-Haus für zwei Nächte einquartieren und ein paar Hausgipfel besteigen, z.B. die Lachenspitze (2126 m).
Wolfgang Ehn
Hartgesottene baden im See am Prinz-Luitpold-Haus – das fordert auch im Sommer Robustheit.

Grenzgänger-Reisebericht

Bämm! Metall trifft auf Metall. Thomas Scholl, Kapuze tief im Gesicht, beide Beine ab dem Knie abwärts erdverschmiert, holt weit aus und knallt den Kopf des Vorschlaghammers mit voller Kraft auf die Stange aus Baustahl. Sie steckt senkrecht in einem auf dem Boden liegenden Rundholz, einem Teil der flachen Treppenkonstruktion. Parallel bohrt Michel Egger – wrrrruuhu, wrrrruuuhu – Löcher in die beiden Rundhölzer, eins links, eins rechts am schmalen, matschigen Pfad, der in engen Kehren Richtung Vilsalpsee hinabführt.

Es regnet, erst stark, dann stärker. Fotograf Wolfgang Ehn stakst durch den Schlamm, Wasser tropft vom Schirm auf seine Kamera. Bei mir ist die Seite im Notizbuch so schnell nass, dass der Kuli versagt, und ich die Namen des Bautrupps eher einritze als aufschreibe. Unser kleines outdoor-Team will sich ein Bild vom neuen Weitwanderweg »Grenzgänger« machen, an dem der Trupp um Michel Egger gerade werkelt. Neu – das ist relativ.

Denn die Steige, denen die 80 Kilometer lange Route auf sechs Etappen durch die Allgäuer Alpen folgt, verbinden seit Jahrzehnten Alpe mit Alpe und Hütte mit Hütte und sind allesamt schon begehbar. Aber neu konzipiert und einheitlich ausgeschildert – das ja. Zusätzlich werden ausgewaschene Pfade und leichte Kletterstellen nachgebessert und abgesichert.

Schwindelfreie Normalwanderer sollen sich ohne Zaudern an den alpinen Weg herantrauen. Wolfgang und ich wollen beim Wegebau zuschauen. Außerdem reizen uns die Abschnitte, die mal dies-, mal jenseits der Grenze zu Tirol und meist in einer Höhe um die 2000 Meter von Hütte zu Hütte verlaufen und nicht ins geschäftige Tal hinabführen.

Ein Weg bis an die eigenen Grenzen

6000 Aufstiegshöhenmeter stecken jedem in den Waden, der den Trek komplett bezwingt. In einer Acht wandert man vom österreichischen Schattwald auf dem Grenzkamm über die Landsberger Hütte zum Prinz-Luitpold-Haus, umrundet den 2592 Meter hohen Hochvogel, seines Zeichens "König der Allgäuer Alpen", und kehrt über das Hintersteiner Tal zum Start zurück. Wem das nicht reicht, der kann auf Abstechern noch ein paar Gipfel mitnehmen, auch den Hochvogel.

Wolfgang und ich haben uns die Etappen zwei und drei herausgepickt und wollen dann vom Luitpold-Haus absteigen, an dem die Etappen drei,vier und fünf zusammentreffen. Wo Thomas Scholl und Michel Egger gerade Stufen einziehen, Schotter auffüllen oder Sicherungen anbringen sollen – keiner weiß das so gut wie Thilo Kreier. Seit 2016 leitet er das Projekt »Grenzgänger«. Dass er dafür brennt, habe ich bei einem Telefonat gemerkt: »Der Grenzgänger, das ist ein Wegenetz, aber gleichzeitig bringt er dich auch an deine eigenen Grenzen. Und er grenzt dich ab von deinem Alltag, wenn du hier heroben unterwegs bist.«

Bämm! Thomas hämmert die nächste Stange in den Grund. Mit einer Spitzhacke auf der Schulter drückt sich Florian Endreß vorbei. Zusammen mit dem vierten Mann, Siegfried Sedlacek, reißt er den Pfad auf, gräbt dickere Steine aus und bereitet alles für die Holzstufen vor, die Michel und Thomas setzen. Alle vier gehören zu einem Forstunternehmen. »Das ist a super Abwechslung zu den Waldarbeiten im Winter«, sagt Michel gelassen und schüttelt ein paar Tropfen aus den Augen.

Der Bautrupp um Michel Egger bessert heikle Stellen an den bestehenden Pfaden nach – auch bei Sauwetter erstaunlich gut gelaunt.

»Wenn wir nicht am Weg bauen, forsten wir Bergwald auf, manchmal machen wir auch Lawinensicherungen aus Holz.« Jetzt schüttet es so richtig, wohl nicht ungewöhnlich in einem Allgäuer August, die Kehren werden glitschig wie Schmierseife. Gut, dass der Grenzgänger drei Notabstiege besitzt: Von jeder Stelle auf dem Weg gibt es in längstens zwei Stunden Entfernung einen Pfad, über den man in zwei Stunden ins Tal kommt. Einen von ih- nen bessert der Trupp gerade nach; hier können Wanderer die Etappe zwei nach rund einem Drittel abbrechen, wenn Gewitter droht oder die Schuhe zu sehr zwicken.

Am Ende, 2021, wird das Team um Michel für 800 000 Euro Stellen ausgebaut haben; 75 Prozent davon stammen aus dem grenzüberschreitenden Interreg-Programm der EU. Besuch am berühmten Schrecksee Dieses Jahr stehen noch zwei Baustellen auf der Etappe zwei an. Auf und ab führt der Weg, wir queren Bäche und schauen auf den Vilsalpsee hinab. Irgendwo weit über ihm wartet unser Tagesziel, die Landsberger Hütte. Die Sonne zwinkert durch die sich ballenden Wolken, steile Kehren führen aus der Hinteren Schafwanne empor, und dann liegt er vor uns: der instagrammable Schrecksee.

Mit seiner bewachsenen Insel wirkt er wie der Traum eines jeden Influencers, der sich mit einer Nacht am Ufer den ewigen Ruhm des Internets sichern will – und leider passiert genau das: Mitten im Naturschutzgebiet wird gezeltet, Lagerfeuer flammen auf, und das trotz empfindlicher Strafen. Gerade wer diese Schönheit schätzt, sollte sie eigentlich schützen! Über den flaschengrünen Wasserspiegel hallt unablässig das Geläut von Kuhglocken, typisch Allgäuer Alpen.

Denn das Gras wächst auf vielen der steilen Flanken bis auf die Bergspitzen. Was so idyllisch aussieht, kann bei Regen allerdings zur Schlitterpartie werden. Hier am Schrecksee hielten viele der Befestigungen den Kuhklauen nicht stand und mussten erneuert werden. Das Baumaterial bringt ein Heli in die Berge. Oft fliegt er morgens mit einem Schwergutsack oder einem dicken Bündel Bauholz als pendelnder Last hinauf, Michel und sein Team stehen dann schon parat und nehmen die Fracht entgegen. Depots entlang der Bau- stelle werden angelegt, der Rest ist Hand- und in diesem Fall auch Knochenarbeit.

Auf einem Band durch Bergflanken

Regen hüllt uns wieder ein, und als Wolfgang und ich an der Landsberger Hütte eintreffen, triefen wir von Kopf bis Fuß. Wir legen uns trocken, beziehen Quartier und schauen bei einem Knödel-Duett (Spinat- meets Kaspressknödel) von der Gaststube aus zu, wie es draußen immer wieder lospladdert; ab und zu dröhnt sogar Donner. Doch morgens präsentieren sich die Gipfel wie frisch gewaschen. Aus dem Damen-Waschraum gleitet der Blick über den dunkelgrünen Traualpsee bis zur Kante über dem Tannheimer Tal. »Lass uns mal losgehen, bevor es wieder zuzieht«, sagt Wolfgang und schaut prüfend in den Himmel.

Der Weg folgt zuerst ein Stück der Etappe von gestern und zweigt dann ab. Murmeltiere pfeifen und hoppeln über knatschig grünen Schwemmgrund. Wie ein missgünstiger Berggeist hockt eine Krähe auf einem Felsbrocken am Westlichen Lachenjoch und schreit heiser herunter. Warm wird es beim Aufstieg über den sich windenden Pfad. Oben zieht der Grenzgänger ohne große Steigungen wie ein Band durch die Bergflanken, es geht geschmeidig dahin.

Latschen ducken sich in Wiesenhänge, tief unten schlägt das Schwarzwassertal eine mächtige, dunkle Furche, an seinem Ende glänzt stahlgrau der Lech. Und dann sehe ich ihn, den König, den Hochvogel. Wie ein behäbiger Piratenkapitän im Ringelshirt thront er im Grenzkamm: Im Gegensatz zu den meisten Bergen hier trägt er seine Gesteinsschichten horizontal. »Deswegen ist er auch noch so hoch«, sagt Wolfgang, ursprünglich Ingenieur der Geologie.

Wolfgang Ehn
Und dann sehe ich ihn, den König, den 2592 Meter hohen Hochvogel. Sein Anblick dominiert die dritte Etappe.

»In den Nordalpen liegt sonst eigentlich alles kreuz und quer, weil sie stark aufgefaltet wurden. Da hat die Erosion ein leichtes Spiel.« Auf und ab wandern wir, immer die Flanke entlang, mit Blicken ins Schwarzwassertal oder auf den Hochvogel. Ein paar Wanderer kommen uns entgegen, aber die meiste Zeit geht es sich recht einsam. Ganz am Ende des langen Wandertags, als letzte Hürde vor dem Prinz-Luitpold-Haus, verlangt die Bockkarscharte einem noch einmal alles ab.

Grüße des Bautrupps sind fest im Fels verankert: Drahtseile an starken Haken; die Füße arbeiten sich Steinstufen hoch, die das Bisschen zu hoch sind, das einem die letzte Kraft aussaugt. Mit ihrem Bocksgesicht schaut eine Gämse von oben in die Scharte hinab. Ihre spitzen Hörner kratzen an den sich tiefer und tiefer senkenden Wolken. Der Schweiß brennt mir in den Augen. Wie zur Versöhnung prangt ein alpiner Garten in Lücken und Furchen: Vergissmeinnicht, Glockenblumen, Orchideen – ist das nicht sogar ein Edelweiß? Edel ist auf alle Fälle das Weißbier im Prinz-Luitpold-Haus – und irgendwie nötig.

Wolfgang Ehn
Unten: Brotzeit und Kaiserschmarren – auf der Terrasse des Luitpold-Hauses schwärmt Prokjektleiter Thilo Kreier von seinem »Grenzgänger«.

Audienz bei König Hochvogel

Um 22 Uhr ist Nachtruhe, um 6:30 Uhr stehen wir wieder auf. Wir wollen näher an den Hochvogel heran und gegen Mittag dann ins Tal absteigen; für den Gipfel reicht die Zeit nicht. Beim Aufstieg zur Balkenscharte sehen wir acht Schneehühner, die sich zirpend vor Wolfgangs Teleobjektiv warnen. Sonne empfängt uns oben, ein Pfad durch die Flanke bringt uns dem König näher, eine kleine Kletterpartie über einen Felsriegel.

Wolfgang Ehn
Wer zum Hochvogel will, muss durch diesen Spalt in einem Felsriegel. Kleine Kraxeleinlagen sind in den alpinen Lagen der Allgäuer Alpen recht normal.

Dann pausieren wir am Rand des Geröllkars »Kalter Winkel« und schauen zum Hochvogel hinüber. Wanderer mit Stöcken stapfen über ein steiles Altschneefeld nach oben: die Schlüsselstelle auf dem Weg zum Gipfel. Der Grenzgänger hingegen zieht durch einen Geröllhang nach links und verschwindet über den Grenzkamm. Wir beenden die Audienz bei König Hochvogel und kehren zum Prinz-Luitpold-Haus zurück.

Es spiegelt sich in dem kleinen See zu seinen Füßen, in den Wiesen summt und brummt es, Schopfkrallen schaukeln im Wind, Eisenhut hebt seine tiefblauen Blütenhelme, der Enzian steht kurz vor der Blüte. Wir folgen jetzt der Etappe fünf ins Tal, Richtung Giebelhaus. Hier und da rauscht ein Wasserfall, bald hüllt Gebüsch den Pfad ein. Meine Knie protestieren. Dankbar greife ich ins Stahlseil, froh, dass es den Bautrupp gibt, immer gut gelaunt am Werk, sei es im Starkregen oder bei bestem Wanderwetter wie heute.

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