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Tipps für Einsteiger: Kajak & Kanufahren für Anfänger

Kanufahren: Wie fange ich an? - Einsteigertipps

Still über glitzerndes Wasser gleiten – Ausflüge im Kajak oder Kanu sind ein Sommertraum. Das Schöne daran ist, dass Paddeln jeder recht schnell lernt. Hier finden Sie alles, was Einsteiger wissen müssen.

Die wichtigsten Fragen beantwortet euch Kanu- und Kajak-Experte Philip Baues in diesem kleinen Ratgeber. So können auch Anfänger und Kanu-Einsteiger sofort mit der Planung ihrer ersten Paddeltour beginnen!

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Welches ist das richtige Boot?

Unterschieden wird zwischen Kajak (wird sitzend und mit einem Doppelpaddel fortbewegt) und Canadier (in ihm kniet man und hat ein Stechpaddel in der Hand). Gilt der Canadier als Familienvan unter den Kanus, sind Tourenkajaks die schnittigen SUVs: Sie funktionieren auf fast allen Gewässern, sind flott genug für lange Touren und bieten gleichzeitig ausreichend Platz für Übernachtungsgepäck. Die meisten Modelle sind aus unzerstörbarem PE (ab 20 kg); wer es edler und leichter mag (ab 14 kg), greift etwas tiefer in die Tasche und gönnt sich ein aus Carbon und Aramid laminiertes Modell. Sie sind lieber zu zweit unterwegs? Das ist kein Hinderungsgrund, denn Tourenkajaks gibt es auch als Zweier …

Kanuausrüstung kaufen oder doch erstmal leihen?

Keine Frage, die Investition für Paddeleinsteiger ist nicht ohne. Ein Set aus Kajak, Paddel, Schwimmweste, Spritzdecke, Paddeljacke, Neo und Schuhen beginnt bei rund 1500 Euro, nach oben gibt es fast keine Grenzen. Doch bei guter Pflege hält die Ausrüstung oft jahre- oder sogar jahrzehntelang – das relativiert die auf den ersten Blick recht hohen Anschaffungskosten. Wer nur selten paddelt, oder noch nicht sicher ist, welcher Bootstyp am besten zu ihm passt, sollte sich für die ersten Ausflüge die Ausrüstung besser leihen. Beim kompetenten Kanu-Experten gibt’s wertvolle Ratschläge und lokale Geheimtipps zu Touren, Einkehrmöglichkeiten & Co. gleich dazu. Das Online Buchungsportal pagaja.de führt in wenigen Klicks zum kürzesten Weg aufs Wasser.

Welches Paddel benötige ich für meine Kanu-/Kajaktour?

Das Paddel ist das Werkzeug des Kajakfahrers. An einem Besenstiel sind an beiden Enden Bretter befestigt, die wechselseitig ins Wasser getaucht werden – grob gesprochen. Im wahren Leben reicht die Spanne vom Holzpaddel (ab 50 Euro) bis zum High-End-Leichtpaddel aus Carbonfaser (bis 600 Euro), das nicht mehr wiegt als sechs Tafeln Schokolade. Bei Einsteigern beliebt sind Modelle mit Alu- oder Glasfaserschaft und robusten PEBlättern. Entscheidend ist die richtige Länge: Als grober Richtwert für Tourenpaddel gilt die Faustformel Körpergröße + 40 cm. Viele Paddel sind teilbar und lassen sich um bis zu 10 cm verstellen – ideal, wenn mehrere Personen das Paddel nutzen.

Was brauche ich sonst noch fürs Kanufahren?

„Dress for water, not for air!“ Bedeutet: Auch wenn die Luft warm ist – fällt man ins kalte Wasser, kühlt man schnell aus. Den besten Schutz bietet ein isolierender Neoprenanzug, als Spritzschutz dient eine leichte, wasserdichte Paddeljacke. Außerdem ist eine auftriebsstarke Schwimmweste immer Pflicht, selbst bei der Feierabendrunde im Kajak oder Kanu auf dem See. Die Luke des Kajaks verschließt eine Spritzdecke, so bleibt das Boot auch bei Wellengang oder der Eskimorolle (ExpertenLevel) trocken. Leichte Paddelschuhe aus Neopren mit einer griffigen Sohle sorgen für den nötigen Halt auf nassen Steinen und halten die Füße warm.

Wohin mit dem Gepäck?

Wanderer haben es schwer: Ihre Schneckenhäuser tragen sie auf dem Rücken, jedes Gramm liegt beim Gipfelsturm wie Blei im Rucksack, und auf Luxus verzichten sie aus Gewichtsgründen am besten gleich. Anders der Paddler: Im Wasser fallen selbst der Campingstuhl und eine Flasche Merlot kaum ins Gewicht. Mit entsprechenden Staufächern ausgestattet, bietet das Tourenkajak jede Menge Platz. In die vom Cockpit abgeschotteten Ladeluken (Fassungsvermögen: 100 – 200 Liter) passt man im Idealfall mit dem Kopf rein: So kann man das Gepäck sortieren und stellt sicher, dass auch Sperriges wie das Zeltgestänge durch die Öffnung gehen. Empfindliche Teile wie Schlafsack und Kleidung werden zusätzlich durch wasserdichte Packsäcke (in Größen von 3 bis 120 Liter erhältlich) geschützt. Gewässerkarte, Trinkflasche oder Lenzpumpe wandern griffbereit ins Decksnetz vor dem Cockpit und sollten bei Seegang zusätzlich mit einem Karabiner fixiert werden.

Wie steige ich richtig ins Boot?

Mit der „Paddelbrücke“ kommen man sicher, trocken und würdevoll ins Boot – ein ebenes Ufer oder ein bootshoher Steg vorausgesetzt. So geht’s: Paddel aufs Ufer und quer hinter die Sitzluke legen. Mit einer Hand Lukenrand und Paddel fassen. Langsam (bootsseitiger Fuß zuerst) ins Kajak rutschen. Jetzt vorsichtig die Spritzdecke schließen, Paddel in die Hände nehmen – und lospaddeln.

Kann losgehen? Die Grundtechniken fürs Paddeln

Paddelhaltung: Paddel knapp über den Kopf in die Höhe halten. Die optimale Griffbreite ist erreicht, wenn Ober- und Unterarm einen 90-Grad Winkel bilden.

Grundschlag: Ein effizienter Vorwärtsschlag ist leicht zu lernen und macht nahezu müheloses Kilometerfressen möglich. Paddel vorne einsetzen und parallel am Boot entlangführen. Die Bewegung nicht allein mit den Unterarmen ausführen, sondern zur Unterstützung auch den Oberkörper mitdrehen. Hinter der Hüfte den Zug stoppen und die Seite wechseln.

Bogenschlag: Elegant die Kurve kratzen, ohne an Fahrt zu verlieren? Ganz einfach: Aus dem Grundschlag heraus fasst man mit gestrecktem Aktionsarm weit vorne ins Wasser und führt das Paddel in einem Bogen um die Körpermitte herum. Auch ein aus der Spur gelaufenes Boot lässt sich so mit einem (oder mehreren) Bogenschlägen normalerweise wieder einfangen.

Bogenschlag rückwärts: Oha, da vorne rauscht es! Aber keine Panik, mit rückwärts ausgeführten Bogenschlägen verlangsamt man die Fahrt und kann zugleich Kurskorrekturen durchführen. Auch hier nicht vergessen: den Oberkörper mitdrehen.

Ein paar Illustrationen zur Grundtechnik gibt es in der Bildstrecke:

Die kleine Kajak-Fahrschule

6 Bilder

Richtungsweisend: Steuer oder Skeg?

Wer jetzt schon weiß, dass er später mit seinem Boot auch auf offenen Gewässern wie großen Seen oder an der Küste unterwegs sein will, sollte darauf achten, dass sein Kajak mit einer Steueranlage oder zumindest einem Skeg ausgerüstet ist. Letzteres ist eine starre ausklappbare Finne, die hilft, das Boot auch bei Seitenwind geradeaus laufen zu lassen. Ein Steuer hingegen lässt sich per Fußpedal hinund herschwenken – gerade Kajak Ein­- und Aufsteiger tun sich damit beim kraftsparenden Paddeln und Manövrieren leichter.

Sicher ist sicher: Die wichtigsten Regeln

Neben dem entscheidenden Mantra „Dress for water, not for air“ gibt es ein paar weitere Grundsätze, damit der Paddelausflug im Kanu oder Kajak kein Reinfall wird. Notwendige Vorbereitung und Vorfreude zugleich ist die gewissenhafte Tourenplanung: Sie klärt den Zeitbedarf, die zu erwartenden Schwierigkeiten, vorhandene Infrastruktur und aktuelle Pegelstände. Auch Gefahrenstellen wie Wehre, Schleusen und Schifffahrtskanäle können so schon vom Sofa aus einkalkuliert werden. Flussführer für fast alle Gewässer in Deutschland und Europa bieten kanu-verlag.de oder thomas-kettler-verlag.de. Zieht während der Kanutour ein Gewitter auf, sofort das hoch gelegene Ufer (Stichwort Hochwasser, Springflut) ansteuern und „abwettern“. Wie man das Boot verlässt, wenn es doch mal kentert, sollte man unter kontrollierten Bedingungen üben, das nimmt die Angst vorm Umkippen. Finale Abhilfe schafft die Eskimorolle. Ansonsten gilt beim Wassersport, wie bei jeder anderen Outdoor-Aktivität auch, der nächste englische Spruch: „Take nothing but photos, leave nothing but footprints.“

Kanutouren für Anfänger in Deutschland

1. Saale
Naturbelassene Auen, wilde Schluchten und grüne Weinberge: Die Saale ist ein Paddeltraum. Zu den schönsten Kanuetappen auf dem Nebenfluss der Elbe gehört die 27 Kilometer lange Strecke von Camburg nach Naumburg in Sachsen-Anhalt. Die mitunter zügige Strömung und einige leichte Stromschnellen machen die Tagestour für Kanuwanderer spannend. Kanu-Verleih über www.saale-unstrut-tours.de

2. Altmühl
Gemächlich fließt die Altmühl von ihrer Quelle bei Rothenburg ob der Tauber bis ins 200 Kilometer entfernte Kelheim (siehe Bild oben). Ab Treuchtlingen hat sie sich ein enges Tal gegraben, flankiert von bizarren Kalkfelsen. Hier Kanu zu fahren, ist ein Augenschmaus – und ganz einfach zugleich. Am besten in Treuchtlingen einsetzen und in vier Tagen nach Töging paddeln (100 km). Mehr Infos: www.frankenboot.de

3. Rur
Der schönste Wanderfluss Westdeutschlands entspringt in der Eifel. Im Oberlauf ist er ein Wildfluss. Gebändigt durch die Rurtalsperre, wird er aber bald zu einem spritzigen Wanderbach, auf dem Kanueinsteiger erste Erfahrungen sammeln können – zum Beispiel auf der 21 Kilometer langen Strecke von Linnich nach Wasserberg. Mehr Infos: www.kanutotal.de

4. Spree
Ein Netz von Wasserwegen durchzieht den Spreewald im Südosten Brandenburgs. Die lauschige Auen- und Moorlandschaft bietet Kanufahrern ein Fülle von Möglichkeiten und lädt auch zum Tierebeobachten ein. Neuerdings leben dort sogar wieder Biber. Als Schnupperrunde eignen sich die 35 Kilometer (1–2 Tage) von Burg nach Lübbenau. Verleih bei www.bootshaus-conrad.de

5. Ilmenau
Erleben Sie die Lüneburger Heide aus einer neuen Perspektive: Paddeln Sie hindurch – auf der Ilmenau. Im Oberlauf bis zur Stadt Lüneburg haben Kanuten freie Fahrt durch die idyllische Landschaft – während hinter Lüneburg auch richtige Schiffe aufs Wasser dürfen. Am besten paddelt man in zwei Tagen von Bad Bevensen nach Lüneburg (35 km). Infos & Bootsverleih: www.heide-kanu.de

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