Brennpunkt Stürze: Eine alarmierende Häufung
In den vergangenen zwei Wochen gab es eine besorgniserregende Anzahl von Abstürzen, die oft zu schwersten Verletzungen führten oder sogar tödlich endeten:
- Zugspitze: Ein 19-jähriger deutscher Bergsteiger stürzte am 22. Mai 2026 bei einer nächtlichen Begehung des Stopselzieher-Klettersteigs tödlich ab. Beim Überqueren eines harten Schneefeldes verlor er den Berichten zufolge den Halt und stürzte vor den Augen seines Begleiters etwa 250 Meter in die Tiefe.
- Zwölf-Apostel-Grat (bei Füssen): Ein 58-jähriger deutscher Bergsteiger verunglückte tödlich, als er allein im Abstieg an einer ausgesetzten Felsstelle rund 100 Höhenmeter abstürzte. Er wurde erst Tage später, am 30. Mai, gefunden, nachdem andere Wanderer seine Ausrüstung entdeckt hatten.
- Tristacher See (Osttirol): Eine 76-jährige Wanderin stürzte am 30. Mai in einem steilen Waldstück ab und musste in einer aufwendigen Aktion per Hubschrauber schwer verletzt geborgen werden.
- Großglockner (Osttirol): Ein weiterer Bergunfall ereignete sich auch am 4. Juni bei Kals: Ein Bergsteiger aus Tschechien stürzte im steilen Gelände rund 25 Meter ab und zog sich schwere Verletzungen zu.
- Untersberg (Salzburg): Am Dopplersteig stürzte am 7. Juni ein 28-jähriger Kletterer aus Deutschland ungesichert an einer nassen Passage rund 150 Meter über eine Felsrinne ab. Er verstarb noch an der Unfallstelle.
- Doldenhorn (Berner Alpen): Am Doldenhorn bei Kandersteg wurde ein vermisster Bergsteiger nach einer Suchaktion tot aufgefunden; er war mehrere Hundert Meter abgestürzt. Am Dent de Brenleire in den Freiburger Voralpen stürzte ein Wanderer am 6. Juni nach einem Steinschlag 200 Meter in die Tiefe.
- Dolomiten: Im Rosengartengebiet starb ein 32-jähriger Kletterer am 30. Mai nach einem Sturz in der Kletterroute "Via Livanos".
Neben diesen Abstürzen fällt eine Zunahme von Notfällen auf, die durch Erschöpfung, Dehydration oder die Auswirkungen der Hitze verursacht wurden. So musste eine Familie auf einem Klettersteig bei Meran gerettet werden und auch am Drachenwand-Klettersteig wurde eine 25-Jährige völlig erschöpft per Hubschrauber geborgen. Allein am Pfingstmontag vermeldeten regionale Dienststellen der Bergwacht Bayern dichte Einsatzserien, darunter auch noch mehrere Gleitschirmabstürze und verunglückte Kletterer.
Die Ursachen: Mehr als nur Pech
Schaut man sich die Unfälle genauer an, wird deutlich, dass die meisten Notfälle auf subjektive Fehlleistungen zurückzuführen sind. Dazu zählen vor allem:
- Fehlende oder mangelhafte Tourenplanung: Viele Bergsportler unterschätzen die Verhältnisse oder überschätzen das eigene Können. Nächtliche Touren oder das Vertrauen auf unkritisch übernommene GPS-Tracks führen immer wieder zu Problemen. Auch das Risiko, allein unterwegs zu sein, wird oft unterschätzt, wie der Fall am Zwölf-Apostel-Grat zeigt.
- Selbstüberschätzung und nachlassende Konzentration: Nachlassende Kraft führt zu Unkonzentriertheit, was die Hauptursache für Stolpern und Ausrutschen ist. Der Wunsch, einen Gipfel um jeden Preis zu erreichen, verleitet dazu, Warnsignale des eigenen Körpers oder der Witterung zu ignorieren.
- Unzureichende Ausrüstung: Auch im Frühsommer können in höheren Lagen noch winterliche Bedingungen mit harten Schneefeldern herrschen. Wer hier – wie der tragische Fall an der Zugspitze zeigt – mit leichten Wanderschuhen und ohne adäquate Ausrüstung wie Steigeisen oder Pickel unterwegs ist, riskiert auszurutschen und abzustürzen. Auch das Bewegen in absturzgefährdetem, nassem Gelände ohne Sicherung ist lebensgefährlich.

Warum die Zugspitze besonders heikel ist
Die Zugspitze gilt vielen als "Touristenberg", tatsächlich handelt es sich aber um hochalpines Gelände. Die beliebtesten Anstiege – Höllental, Stopselzieher und Jubiläumsgrat – erfordern Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung. Gefahren entstehen vor allem durch:
- vereiste oder harte Schneefelder,
- Steinschlag in warmen Nachmittagsstunden,
- schnelle Wetterwechsel,
- Staus auf schmalen Passagen.
Gerade an langen Wochenenden kommt es dort regelmäßig zu Überfüllung und dadurch zu riskanten Situationen, wie dieses Video aus der aktuellen Staffel der Fernsehserie "In höchster Not – Bergretter im Einsatz" zeigt:
Helirettung in den Alpen
In Deutschland übernimmt die gesetzliche oder private Krankenversicherung einen Hubschraubereinsatz in der Regel dann, wenn er medizinisch notwendig ist. Wer unverletzt, aber hilflos geborgen werden muss, bleibt jedoch häufig auf den Kosten sitzen. Hier greifen nur spezielle Bergungs- oder Unfallversicherungen. Weitere Infos dazu hier:
Podcast zum Thema
Als ausgebildeter Berg- und Flugretter kennt sich Interview-Partner Thomas Widerin bestens mit den Themen rund um Notfälle am Berg aus.
Wichtige Notrufnummern
Hier sind die wichtigsten Notrufnummern für Bergrettung und Helikopter-Einsätze in den Alpen – inklusive der europäischen Standardnummer 112, die du überall nutzen kannst, auch wenn du nicht in den Bergen unterwegs bist:





