Sechs neue Schneeschuhe im outdoor-Test

Raumgleiter: Schneeschuhe für 2017 im Test

Foto: Norbert Eisele-Hein Schneeschuhe 2017 im Test

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Mit modernen Schneeschuhen schwebt man förmlich über den Schnee. Das macht allerdings nicht mit jedem der sechs getesteten Schneeschuhe für 2017 Spaß, wie dieser Test zeigt.
Zu den getesteten Produkten
  • Test im winterlichen Allgäu: Sechs Paar Schneeschuhe von 90 bis 210 Euro und ca. 2 kg Gewicht.
  • Drei der sechs getesteten Schneeschuhe können wir rundherum empfehlen, und einen, den mit 100 Euro besonders günstigen Inook VXM, zumindest eingeschränkt: Für einfache Wanderungen auf festem oder frisch gewalztem Schnee.
  • Bereits der mit 160 Euro immer noch vergleichsweise günstige Tubbs Flex TRK 24 trägt sich so bequem und vor allem so sicher, dass man ihn unweigerlich öfter einsetzen wird - unser Kauftipp 2017.
  • Noch bequemer ist man mit dem neuen TSL Symbioz Motion Schneeschuh unterwegs. Sein extrem biegsames Deck, das geringe Gewicht und die starke Dämpfung bieten höchsten Abroll- und Gehkomfort in jedem Terrain (Testsieger 01/17)
  • Einen tagesaktuellen Preisvergleich mit Angeboten vieler großer Online-Shops gibt's unten auf dieser Seite.
Schneeschuhe/Link zum Testbericht Gewicht (Paar) Preis Testurteil
TSL Symbioz Motion 1850 g 210 Euro überragend
Tubbs Flex TRK 24 1750 g 160 Euro sehr gut
Atlas Treeline 25 1900 g 200 Euro sehr gut
Inook VXM 2075 g 100 Euro gut
Mc Kinley Snowcross 2.0 2070 g 90 Euro befriedigend
MSR Revo Trail 25 1830 g 190 Euro befriedigend
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Was für den Astronauten das Raumschiff, ist für den Winterwanderer der Schneeschuh: ohne geht beiden rasch die Puste aus. Wer schon einmal versucht hat, nur in Wanderstiefeln durch tiefen Schnee zu pflügen, weiß, wie viel Kraft das kostet – und wie nervtötend das Geeiere sein kann.

Die große Oberfläche von Schneeschuhen hingegen verhindert ein tiefes Einsinken – man schwimmt förmlich obenauf. Aggressive Frontkrallen, bissige Spikes und seitliche Führungsbleche unter der Bindung verzahnen sich mit dem Untergrund und verbessern somit Vortrieb und Trittsicherheit – Ausstattungsmerkmale, die man mittlerweile auch an günstigen Schneeschuhen findet, wie der Vergleich zeigt.

Schneeschuhtest in der Einsteigerklasse

Nachdem in den letzten Wintern hochalpintaugliche Topprodukte zwischen 200 und 300 Euro im outdoor-Test landeten, haben wir uns diesmal in der preislich attraktiven Einsteigerklasse umgesehen – und sechs Paar zwischen 90 und 210 Euro auf den Prüfstand gestellt. Im Unterschied zur Spitzenliga besitzen sie meist etwas schwächer ausgeprägte Traktionshilfen, was sie vor allem für Wanderungen im Mittelgebirge sowie in den hügeligen Voralpen prädestiniert. Und genau hier haben wir sie auch getestet: in den bewaldeten Ausläufern der Allgäuer Alpen, oberhalb von Bad Hindelang.

Das wichtigste Kriterium im Schneeschuhtest: Gehkomfort

Das Hauptaugenmerk lag dabei auf dem Gehkomfort, ihm fühlte die Gruppe während etlicher Wanderungen auf den Zahn – mit überraschendem Ergebnis: Mit einigen Testmodellen wandert man fast so bequem wie im Sommer auf Asphalt. »Das liegt vor allem am geringen Gewicht und der schmalen Bauform«, erklärt outdoor-Ausrüstungsredakteur Frank Wacker, »das spart Kraft und verhindert ein Zusammenstoßen der Schneeschuhe beim Gehen«. Am meisten überzeugt in dieser Hinsicht der TSL Symbioz Motion, was aber auch an seinem extrem biegsamen Material liegt. Sowohl Bindung als auch Heckflosse geben bei Belastung nach. »Dadurch kann der Fuß seiner natürlichen Abrollbewegung folgen«, so der Experte. Bei den fast baugleichen Modellen von Inook und McKINLEY gelingt ihm das hingegen überhaupt nicht. Hier wird der Stiefel auf einer brettsteifen Bindungsplatte fixiert, die zudem – anders als bei den übrigen Prüflingen – hoch aufbaut. Sie trägt sich vor allem auf weichem Schnee oder bei Hangtraversen schnell kippelig. Ganz im Gegensatz zu den Kandidaten von Atlas, MSR und Tubbs, mit denen man geradezu auf dem Boden klebt – und das selbst auf etwas steileren Passagen. Dort brilliert vor allem der Tubbs Flex TRK 24 mit sagenhaftem Grip, der auch für zünftige Bergtouren ausreicht. Doch auch die Testpaare von Atlas, MSR und TSL zeigen hier eine sehr gute Performance – die für Mittelgebirgstouren mehr als ausreicht.

Tief- und Höhepunkte des Schneeschuhtests

Beim MSR läuft man allerdings Gefahr, sich seine Hosenbeine mit den Stahlzähnen aufzuschlitzen. Sie sitzen nämlich etwas unglücklich vorne am Schaufelblatt – und zwar auch auf der Innenseite. Die Folge: Schon nach wenigen Stunden klafften in den – ziemlich eng anliegenden – Funktionshosen der Tester zentimeterlange Risse. »Ein weites Thermomodell, wie es viele im Winter tragen, zerreist sicher noch schneller«, so Redakteur Wacker.

Der Schneeschuh von McKINLEY lässt in puncto Handling ebenfalls Federn: Seine Steighilfe – ein Bügel, der ausgeklappt das Bergaufgehen erleichtert – lässt sich nur mit sehr viel Kraft bedienen, auch die Riemen seiner Bindung benötigen eine gehörige Portion Muskelschmalz.

Sonst bereitete aber keines der Testmodelle Probleme. Am unkompliziertesten lassen sich der superflexible TSL Symbioz und der Tubbs Flex TRK 24 handhaben: Bindung an- und ablegen, Steighilfe ein- oder ausklappen – das alles gelingt kinderleicht und im Nu. Auch die Verarbeitung der beiden Vorzeige-Schneeschuhe liegt auf Topniveau. Beim TSL lassen sich die am meisten beanspruchten Zacken sogar austauschen, sollte man es wirklich schaffen, sie durch intensiven Gebrauch zu verschleißen.

Das Fazit im Schneeschuhtest 2017

So endet der Vergleichstest mit einem versöhnlichen Ergebnis. Drei der sechs Kandidaten können wir rundherum empfehlen, und einen, den mit 100 Euro besonders günstigen Inook VXM, zumindest eingeschränkt: Für einfache Wanderungen auf festem oder frisch gewalztem Schnee. Sein hoher Schwerpunkt und das dadurch kippelige Gehgefühl fallen erst im weichen Pulverschnee unangenehm auf – oder im schwierigen, stark hügeligen Terrain. »Wer sich aber einfach nur vor der Haus- oder Hoteltür für ein paar Stunden sportlich betätigen möchte, macht mit dem Schnäppchenschneeschuh nichts falsch«, so Frank Wacker. Hat man aber mehr vor als das, wird‘s teurer. Doch dürfte sich der Mehrpreis für die meisten Winterfreunde schnell lohnen, machen die hochpreisigeren Modelle doch deutlich mehr Spaß. Bereits der mit 160 Euro immer noch vergleichsweise günstige Tubbs Flex TRK 24 trägt sich so bequem und vor allem so sicher, dass man ihn unweigerlich öfter einsetzen wird. Und das nicht nur auf Mittelgebirgswegen. Mit seinen effektiven Stahlzähnen und dem leichten Kunststoffdeck bietet er Luft nach oben: falls doch einmal der Berg ruft – mit dem Tubbs kann man der Aufforderung folgen. Selbst Steilhänge sind für den mit einer hohen Steighilfe ausgerüsteten Schneeschuh kein Problem. Nur das Klappergeräusch auf hartem, plattgetretenem Schnee kann etwas stören – ein Phänomen, mit dem alle Kunststoffschneeschuhe zu kämpfen haben.

Nicht so der Atlas Treeline 25, besteht er doch aus einem weich bespannten Aluminiumrahmen. Als einziges Testpaar besitzt er eine auch quer zur Gehrichtung bewegliche Bindung, wodurch er sich nicht nur extrem bodennah und sicher trägt, sondern auch bei Hangtraversen komfortabel.

Fast genauso geräuscharm, aber noch einmal viel bequemer, ist man mit dem neuen TSL Symbioz Motion unterwegs. Sein extrem biegsames Deck, das geringe Gewicht und die starke Dämpfung bieten höchsten Abroll- und Gehkomfort in jedem Terrain – ob flach oder steil, tiefer Pulver oder festgetretener Weg. Seine üppig gepolsterte Bindung umschließt selbst dünne Stiefel, ohne zu drücken, und lässt sich leicht verstellen. Auch die direkt unter der Ferse platzierte Steighilfe setzt Maßstäbe. »Fürs Mittelgebirge gibt es kein besseres Modell«, so Frank Wacker. Jetzt muss es nur noch schneien ...




Die passenden Winterstiefel:

04.01.2017
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 01/2017