Abenteuer-Special
Ab in die Wildnis!
Donau - Kanu fahren Jens Klatt
Donau - Kanu fahren
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Donau - Kanu fahren 18 Bilder

Paddeln auf der Donau - Eine Kanu Tour im Nebel

Risotto nach Neuburg Eine abenteuerliche Kanutour auf der Donau

Abenteuer gehen ganz einfach. Man muss nur ein Kanu vollladen und ein Stück paddeln. Zum Beispiel auf der Donau, bei Nebel und bei Kälte.

Die Donau ist 2899 Kilometer lang, aber wahrscheinlich fahren wir gerade als Einzige einen Topf Risotto darauf herum, in einem Kanadier. Schwaden steigen vom Fluss auf, sie legen sich über die Böschungen, hüllen die Weiden und Pappeln ein, nur die kahlen Kronen schauen hervor. Zu hören ist wenig: das Glucksen der Paddel, das Quaken einer Ente ab und zu. Die Sonne sehen wir nicht, alles verschwimmt, die Farben machen heute Urlaub.

Kaum ein paar Minuten nach unserem Start in Donauwörth fühlt sich alles so an, als hätte es die Ortschaft nie gegeben, oder überhaupt eine Ortschaft, als gäbe es nichts als den Fluss, den Nebel und die Kälte, die in die Finger beißt, Handschuhe hin oder her. Ich knie in der Büßerposition, die Jan Krause mir gezeigt hat, vorne im Boot, die Füße unter den Sitz geschoben, und ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich es merken würde, wenn sie mir abfielen. Lieber mal ein bisschen rumgeruckelt.

Ich kenne Jan erst seit heute Vormittag, aber er sitzt hinter mir im Kanadier (hinter Jan sitzt nur noch das Risotto), und er sieht genau so aus wie jemand, der an einem kalten, feuchten Novembertag hinten in einem Kanadier sitzen sollte: vollbärtig und allem gewachsen – der Donau, dem Wetter, den gut 30 Kilometern, die wir uns für heute vorgenommen haben. Jan ist mit seinem Kanadier schon die Wuchtwasser des Colorado abgeritten und hat mal ein Jahr in Vancouver gelebt, Schwarzbären vor der Haustür und Adler in den Bäumen.

Donau - Kanu fahren
Jens Klatt
Wenn der Fluss hilft, wandert man mit dem Kanadier um einiges schneller als zu Fuß. Wenn.

Drei für die Donau: zwei Asse und ein Amateur

Unser Buddy Jens Klatt schneidet in seinem Tourenkajak durch den Nebel, über Jens habe ich mich in dieses Wochenendabenteuer eingeklinkt. Einfach mal wieder raus, gleich, wie das Wetter ist. Jens paddelt entspannt neben uns her, fast, als lehne er in einem Liegestuhl. Der Wildwasser-Crack hat auf der zahm dahinfließenden Donau nichts zu fürchten außer der Kälte. Ich bin nicht ganz so bärtig wie die andern, und das letzte Mal in einem Kanadier saß ich vor zehn Jahren. Mir geht so manches durch den Kopf: ob ich die dreißig Kilometer packe. Ob ich nicht doch den dickeren Schlafsack hätte mitnehmen sollen. Und haben wir vorhin nicht viel zu viel Zeit beim Beladen vertrödelt?

Kanadier sind wie Kofferräume: Egal, wie groß sie sind, sie werden immer voll. Bei jedem Ersatzfleece, bei jeder Zweit-Thermoskanne, bei jeder Sitzunterlage fällt die Entscheidung im Zweifel für den Angeklagten, weil: »Wir haben ja einen Kanadier.« Umso länger brauchte es, alles in wasserdichte Säcke einzurollen und ins Boot zu pressen. Einen Platz für die Brennholzkiste zu finden. Und für den Riesentopf mit dem vorgekochten Risotto. Es wurde Mittag, bis wir in die Boote stiegen. Schilder am Ufer zeigen in regelmäßigen Abständen an, auf welchem Flusskilometer man sich bewegt. Donauwörth lag bei 2509,7, unser Ziel Neuburg kommt bei 2477,0. Wir paddeln jetzt Kilometer 2504. Ich weigere mich, auf die Uhr zu schauen, um zu prüfen, wie lange wir dafür gebraucht haben.

Aber so viel steht fest: Um halb fünf wird es dunkel. Das bedeutet nach meinen Berechnungen, dass wir ab Start viereinhalb Stunden für 32,7 Kilometer hatten. Gute sieben Kilometer die Stunde. Kommt mir viel vor, zumal wir mit Gegenwind kämpfen und auf dem Weg zwei Wehre umtragen werden müssen. Wage ich aber nicht zu äußern, weil: Ich bin mit Profis unterwegs. Vermutlich haben sie einfach nicht damit gerechnet, dass jemand so langsam paddeln kann wie ich, und knabbern innerlich schon an den Nägeln, wollen sich aber nichts anmerken lassen. Ruhe ausstrahlen, diese Geschichte.

»Wie schnell fließt eigentlich die Donau?« Die Experten lassen sich zu keiner Aussage hinreißen, aber so ein bisschen hilft der Fluss schon mit. Soll es eben dunkel werden, denke ich. Das einzig Helle ist sowieso der Nebel heute. Nicht, dass wir das nicht gewusst hätten.

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Jens Klatt
"Um halb fünf wird es dunkel sein. Ich habe keine Ahnung, wie wir es bis dahin ans Ziel schaffen wollen!"

»Ein Tag, eine Nacht, Kälte egal«

So lautete die Idee von Jens und Jan, und dabei blieben wir, selbst als der Wetterbericht für das Wochenende verkündete: Sonnenschein in Süddeutschland, abgesehen vom Tiefland der Donau. Ich habe sogar den Eindruck, dass wir die Vorhersage ganz gut fanden. »Biber!« Ein kräftiges Exemplar springt von der Böschung ins Wasser und taucht ab. Die Werke der Nager sehen wir überall, wo die Nebelschwaden es zulassen: Äste, die über den Fluss hängen, sauber zugespitzt wie Bleistifte; stolze Eichen oben auf der Böschung, die Rinde auf dem ersten Meter ringsum abgeknabbert.

Rehe zeigen sich im lichten Uferwald, Kormorane flattern langhalsig über uns hinweg. Dann treiben Schwäne vor uns auf dem Fluss, zehn, fünfzehn, manchmal über zwanzig auf einmal. Halten sie sich an die eine Seite, paddeln wir auf der anderen. Schwäne haben kräftige Flügel, sie müssen mit ihnen bis zu fünfzehn Kilo Körpergewicht aus dem Wasser liften und in der Luft halten. Ärger will man keinen mit ihnen. Zum Glück breitet immer, wenn wir denken, dass wir jetzt schon ganz schön nah kommen, eines der Tiere die Schwingen, meistens eines am Ende der Gruppe. Die anderen folgen. Nur ein Vogel bleibt zurück, möglicherweise abgeordnet, um uns zu beobachten. Das Spiel wiederholt sich auf den nächsten Kilometern drei oder vier Mal, und es erstaunt stets von Neuem, wie schnell Schwäne es aus dem Wasser schaffen und sich in die Lüfte erheben.

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Jens Klatt
Schwäne begleiten uns ein paar Kilometer den Fluss hinab, mal fliegend, mal schwimmend.

Dann wieder: Stille. Nebel. Paddeln. Einmal lassen wir uns treiben und trinken Tee. Wenn man noch von Treibenlassen sprechen kann – das erste Wehr kommt nach der Hälfte der Strecke, kündigt sich aber mit einem kilometerlangen Rückstau an. Die Donau steht und weitet sich zu einem See. Gespenstisch sieht er in dem fahlen Licht aus. In seiner Mitte treiben Bäumstämme, oder jedenfalls denke ich das, bis wir auf offener Fläche auf Grund laufen und feststellen, dass wir kaum noch Wasser unter dem Boot haben. »Stück weiter rechts« ruft Jens. Der Wind weht uns immer unfreundlicher ins Gesicht. Jan und ich paddeln dagegen an und reden vom Grand Canyon, das lenkt ab, und der Gedanke an das rötliche Gestein wärmt die Finger. Am Wehr entladen wir hastig die Boote, wenigstens das schwere Zeug muss raus: die Säcke, der Feuerholzkarton, der Risottotopf, der mir vorkommt wie ein Kuchen, den einem die Verwandtschaft zum Abschied in die Hand drückt. Wir schleppen alles hinauf, über die Straße und auf der anderen Seite wieder die glitschige Treppe hinunter zum Fluss. Beladen. Einsetzen. Weiter. Die Uhr zeigt kurz nach drei. Zeit und Kälte zwingen uns zur Bewegung, und je dunkler es wird, desto ungemütlicher.

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Jens Klatt
Immer häufiger wechseln Jan und ich die Seite, auf der wir die Paddel einsetzen, mal sitzen, mal knien wir.

Im Knien bekommt man mehr Kraft auf das Paddel. Doch bei Kilometer zwanzig werde ich lahm. Keine Ahnung, wie ich noch zehn durchhalten soll. Jan merkt es. »Das Paddel trotzdem sauber einsetzen und weniger hart ziehen.« Teil zwei seines Ratschlags befolge ich, glaube ich, ganz gut. Im letzten Licht beobachten wir einen Karpfen, der sich an der Oberfläche im Kreis dreht. Vielleicht hat ihn sich ein Hecht geschnappt. »Hechte haben Zähne wie Widerhaken«, sagt Jan. »Sie könnten sich nicht von ihrer Beute lösen, selbst, wenn sie es wollten.« Und dann gleiten wir in die Dunkelheit, über uns das heisere Kreischen der Schwäne. Der Ufergürtel lässt sich nur noch als schwacher Kontrast erkennen. Eine ganze Weile paddeln wir schweigend.

Vor lauter Konzentration vergesse ich, dass ich keine Kraft mehr habe. Ein paar Meter vor uns das Heck von Jens’ Kajak. Jan steuert längsseits. »Sollen wir noch bis Neuburg?« Wir haben dort beim Ruderclub einen Platz unter dem Vordach sicher, wo wir unsere Schlafsäcke ausrollen können. Doch Jens missfällt der Gedanke, weiterzupaddeln – ein Baum im Wasser, den man übersieht, und jemand geht baden. Wir testen die Stirnlampen auf dem Wasser, aber sie bringen im Nebel so viel wie das Fernlicht eines Autos. Im Rotlichtmodus geht es etwas besser. Anderthalb Stunden manövrieren wir durchs Dunkle, dann wird es uns endgültig zu heikel. Etwa drei Kilometer vor dem Ziel wuchten wir die Boote aus dem Wasser, suchen uns einen Platz für die Nacht und bringen ein Feuer in Gang – der wärmste Ort weit und breit.

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Jens Klatt
Wollte Abenteuer und bekam es: OUTDOOR-Redakteur Gunnar Homann.

»Es ist nur ein Abenteuer, wenn man sich mindestens einmal gefragt hat, was man hier eigentlich macht«, sagt Jens und legt noch etwas Glut auf den Risotto-Pott. So lästig das Ding unterwegs war, so froh sind wir, jetzt nicht noch kochen zu müssen. Es schmeckt. Fast alles würde jetzt schmecken. Als wir in den Schlafsäcken liegen, glimmt das Feuer nur noch. »Ah«, macht Jens. »Es gibt nichts Besseres, als seinen Kopf auf eine feuchte Fleecejacke zu betten.« Aber nur mit einem warmen Risotto im Bauch.

Tipps: So steuert man einen Kanadier

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Werner Bauer
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