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Nachhaltigkeit bei Lowa: Kleine Projekte, große Wirkung

Schuhhersteller Lowa setzt nicht nur auf langlebige Produkte und Ressourcenschonung, sondern auch auf kleinere Projekte zum Wohl von Natur und Gesellschaft. Im Interview verrät uns Lowa-Chef Alexander Nicolai, wie diese Projekte aussehen ...

outdoor: Lowa fertigt seine Schuhe in Europa, verwendet ausschließlich Leder, das höchsten Qualitätsstandards entspricht, bietet einen Reparaturservice an, und Corporate Responsibility (CR) ist Teil der Firmenstrategie – es scheint, als könne das Unternehmen sich in Sachen Nachhaltigkeit kaum mehr steigern. Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Alexander Nicolai: Wir haben uns die letzten Jahre über intensiv mit dem Thema beschäftigt, und unser CR-Beauftragter Ingmar Anderson hat unsere gesamte Lieferkette analysiert. Insgesamt können wir daher sagen, dass wir in diesem Bereich gut aufgestellt sind.Aber natürlich ist das Thema CR ein Prozess, den es kontinuierlich zu erweitern gilt.Wir haben für die nächsten Jahre für alle unsere strategischen Handlungsfelder Ziele definiert, denen wir uns intensiv widmen. Das geht von Betriebssportangeboten bis zu neuen Naturschutzprojekten.

Seit einigen Jahren forstet Lowa bayerische Bergwälder auf. Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Alexander Nicolai: Die aktive Mithilfe in Naturschutzprojekten ist uns sehr wichtig. Seit 2001 engagieren wir uns daher in einem Aufforstungsprojekt der Bayerischen Staatsforsten. Einmal im Jahr fahren rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – also jeder, der Lust hat – für ein Wochenende auf eine Hütte und helfen bei der Pflanzaktion. Die Kosten für die Baumsetzlinge, die Anfahrt, die Unterkunft und die Verpflegung trägt Lowa. Die Mitarbeiter machen das komplett freiwillig und in ihrer Freizeit. Das Aufforstungsprojekt fließt in das »2-Million-Tree-Project« der European Outdoor Conservation Association ein: Im Jahr 2016 beschloss dieser Verbund von Herstellern aus der Outdoor-Branche, in weltweiten Projekten zwei Millionen Bäume zu pflanzen. Tatsächlich sind es mittlerweile schon rund zweieinhalb Millionen.

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Lowa Sonja Sandmaier
Freiwilligendienst: Seit 2001 beteiligt Lowa sich bei Aufforstaktionen in Bayern.

Die Schuhherstellung ist sehr energieintensiv. Wie versorgt Ihr Unternehmen sich mit Strom?

Alexander Nicolai: Wir haben in den letzten Jahren einen umfangreichen Plan ausgearbeitet, wie das Unternehmen an die benötigte Energie kommt und was es tun kann, um Energie zu sparen. Bereits seit einigen Jahren sind am Standort Jetzendorf ein Großteil der Firmenparkplätze sowie neuerdings auch unsere Lagerund Produktionshallen mit einer Photovoltaik-Anlage überdacht, die mittlerweile rund 25 Prozent des jährlichen Strombedarfs abdeckt. Die restliche Energie wird über 100-prozentigen ökostrom aus Wasserkraft gewonnen.

Welcher Schuh hat eine bessere Umweltbilanz: ein Wanderstiefel aus Leder oder ein weitgehend vegan hergestellter?

Alexander Nicolai: Das hängt generell ganz davon ab, wie lange er im Einsatz ist. Je länger ein Schuh genutzt wird, desto kleiner ist dessen Umwelteinfluss – ganz egal, ob er aus Leder oder einem anderen Material besteht. Bei Lowa setzen wir daher nur hochwertige, schadstofffreie Materialien ein, die sich durch äußerste Robustheit auszeichnen. Zudem sind unsere Trekking- und Alpinschuhe alle neu besohlbar,wodurch die Nutzungsdauer nochmals verlängert werden kann.

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Fleißig gearbeitet wird beim Aufforstprojekt auch, wenn es regnet.

Seit der Unternehmensgründung im Jahr 1923 bietet Lowa einen Reparaturservice an, 18 Mitarbeiter kümmern sich heute am Standort Jetzendorf um neue Sohlen und ähnliches. Hat die Nachfrage in den letzten Jahren eher zu- oder abgenommen?

Alexander Nicolai: Die Anzahl der Einsendungen und Reparaturaufträge ist über die letzten Jahre stetig gestiegen. Das liegt natürlich auch am generellen Lowa-Wachstum. Im Jahr 2018 gingen über 37.000 Einsendungen im Service ein. Davon waren rund 15.500 Paar zur Neubesohlung oder Absatzerneuerung bei uns. Hinzu kommen noch etwa 2.000 bis 3.000 weitere Reparaturen wie Haken, Schlaufen, Fersenfutter und Nähte. Eine Neubesohlung bei Lowa kostet 79,95 Euro. Dieser Preis deckt bei uns lediglich die Materialund Personalkosten, Gewinn erwirtschaften wir damit nicht. Ein Paar neue Schnürsenkel gibt es dann noch gratis dazu.

Derzeit setzen viele Hersteller in der Outdoor-Branche auf recycelte und recyclingfähige Produkte. Wie sieht es da bei Wanderschuhen aus?

Alexander Nicolai: Das Thema ist natürlich sehr wichtig. Allerdings handelt es sich bei der stofflichen Wiederverwertung von Outdoor-Schuhen um einen sehr komplexen Vorgang. Ein solcher Schuh besteht aus über 180 verschiedenen Teilen. Wir recyceln daher derzeit noch nicht, beobachten aber entsprechende Weiterentwicklungen stetig. Außerdem verwerten wir Restmaterialien aus der Produktion beispielsweise zu Taschen und zu Schlüsselanhängern.

Was hat Lowa dazu bewogen, einen regelmäßig erscheinenden Kindercomic zu veröffentlichen?

Alexander Nicolai: Wir finden es wichtig, einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt selbst an die Kleinsten zu vermitteln. Deshalb wurde vor einigen Jahren beschlossen, das »LOWA-Abenteuerhandbuch« herauszugeben. Es führt Kinder auf spielerische Art und Weise an die Natur heran – alles verpackt in einen spannenden Comic. Es wird mit einer Auflage von etwa 300.000 Exemplaren in verschiedenen Kinderzeitschriften als Beileger gestreut, und natürlich liegt es auch umsonst bei unseren Händlern aus, wenn sie Lowa-Kinderschuhe im Sortiment haben - sowie als Gratis-Download hier.

»Bewussten Umgang mit der Natur lernt man am besten schon als Kleinkind.«

Alexander Nicolai

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Lowa
Alexander Nicolai - CEO der Lowa Sportschuhe GmbH

Der 44-Jährige lenkt seit Januar als Geschäftsführer (CEO) das Geschehen bei Lowa. Er hat damit Werner Riethmann (70) abgelöst, der das Unternehmen seit 1992 erfolgreich leitete. Neu ist der Diplom-Sportwissenschaftler und Sportökonom in der Firma im bayerischen Jetzendorf nicht: 2014 begann er, hier als Head of Design & Development die Produktentwicklung zu führen. Zu Nicolais großen Leidenschaften gehört der Sport. Er war jahrelang als Triathlet aktiv und ist vierfacher Finisher des Iron Mans auf Hawaii.

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