Leserreportage Wallis Ben Wiesenfarth
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Unter 4000ern: Leseraktion im Wallis

Leseraktion in der Schweiz Antonias Traumtour im Wallis

Als OUTDOOR-Leserreporterin durfte Antonia Lange das Wallis erkunden –  Gleitschirmflug in der grandiosen Welt der 4000er inklusive.

"Das ist für mich ein Kraftort", sagt Nadine Blatter von der Walliser Aletsch Arena. "Man kann die Natur hier wirklich fühlen." Wir stehen mit ihr auf dem Eggishorn in rund 2900 Metern Höhe, während sich vor uns der längste Gletscher der Alpen erstreckt. 20 Kilometer weit fließt er von Giganten wie Fischerhorn und Eiger südwärts, dem Rhonetal entgegen. Dass hier noch ganz andere Kräfte wirken, wird auch beim Blick in den Himmel klar: Ein Unwetter zieht heran. Statt bei der Talfahrt die Aussicht genießen zu können, sehen wir buchstäblich schwarz: Dunkle Wolken, Hagel und Blitze umgeben unsere Gondel. Irgendwann bahnt sich Regen den Weg hinein. Soll die Reise durchs Wallis etwa hier oben enden? Scheinbar hat der Berg noch positive Energie übrig: Wir kommen langsam, aber sicher unten an – bevor es noch mal in dichten Wolken hoch zur Riederalp geht, wo wir die Nacht verbringen.

Am nächsten Morgen lichtet sich der Nebel. Und Alexander "Xandi" Furrer drängt zur Eile. Der Gleitschirm-Profi hat schon alles vorbereitet, um beim Aufreißen der Wolken in der Luft zu sein. Helm aufsetzen, Sicherung festzurren, kurze Einweisung, und schon rennen wir den Hang herunter – und heben ab. Endlich sieht man, was die dichten Wolken bisher verborgen haben: den Fluss Rhone, der sich durch das Tal schlängelt, grüne Wiesen und die typischen Holzhäuser mit ihren Schieferdächern. »Hier zu fliegen, macht süchtig«, sagt Furrer. »Ich will jeden Tag in die Luft.« Wenn nicht gerade Touristen mit ihm im Gleitschirm sitzen, hat er Labrador Jessy dabei. Sogar seine Frau lernte er beim Gleitschirmfliegen kennen.

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Einmal über den Dingen schweben: Gleitschirmflug von der Riederalp.

Bei der Landung hat sich die Sonne endgültig durchgesetzt. Eher die Regel als die Ausnahme: Im Schnitt kommt das Wallis auf rund 300 Sonnentage pro Jahr. Grund genug, sich auf den Weg zur Moosfluh zu machen und die Aussicht aus 2333 Metern Höhe zu genießen. Danach heißt es schon wieder Abschied nehmen, denn das Wallis hat noch einiges zu bieten. In Saas-Almagell nimmt uns Michelle Bumann von Saas-Fee/Saastal Tourismus in Empfang. In Wanderschuhen, Funktionskleidung und mit Rucksack.

Zusammen wandern wir zur Almagelleralp. Ein Erlebnisweg führt hoch zu der ursprünglichen Hütte – inklusive Ausblicken über die Viertausender der Mischabelkette mit dem Dom, mit 4545 Metern der höchste vollständig auf Schweizer Boden gelegene Gipfel. Immer wieder geht es über Hängebrücken, Flüsse und gesicherte Kletterstellen.

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Auf dem Almageller Erlebnisweg blicken Wanderer auf die Mischabelgruppe.

Mit uns steigt eine Schülerin aus der Gegend auf: Sie verbringt einen Teil ihrer Sommerferien auf der Alp. Später wird sie helfen, unser Abendessen zuzubereiten – denn wir verbringen die Nacht hier oben. Nicht ohne mit Hüttenwirt Urs Anthamatten mit Birnenschnaps aus der Region anzustoßen. Für seine Enkel sei die Almagelleralp wie ein zweites Zuhause, erzählt der pensionierte Lehrer. Seine Tochter hat er in 2200 Metern Höhe ebenfalls bestens im Blick: "Sie bewirtschaftet die Mischabelhütte – und von hier kann ich sehen, wann sie dort die Lichter ausmacht", scherzt er.

Bergprominenz und italienisches Flair

Auch am nächsten Morgen gibt es einiges zu sehen. Den Sonnenaufgang über dem Weissmies-Gipfel zum Beispiel, ebenso wie Murmeltiere, die sich auf den Wiesen rund um die Alp tümmeln. Nach einem Frühstück in der Sonne schultern wir unsere Rucksäcke für die Wanderung auf dem Höhenweg Richtung Kreuzboden, der stellenweise als Alpenblumen-Promenade ausgeschildert ist. Tatsächlich sehen wir unterwegs die Königin der Alpen: das Edelweiß. Neben einer besonderen Pflanzenwelt gibt es im Wallis auch besondere Tiere: "Das sind Saaser Mutten", erklärt Michelle Bumann, als wir an einer Herde Schafe mit auffällig langen Ohren vorbeikommen. Sie stehen auf der Liste der gefährdeten Schafrassen. "Vor einigen Jahren wurden von einer Alm mehr als 100 Tiere gestohlen", sagt sie. "Nur sechs von ihnen wurden wiedergefunden – in Italien." Der Fall sorgte für Schlagzeilen. Berühmt-berüchtigt sind auch die schwarzen Kühe, an denen wir beim Abstieg ins Tal vorbeiwandern.

"Die Eringer sind ziemlich kampflustig", sagt die Frau aus Saas-Fee. Jedes Jahr treten sie bei sogenannten Stechfesten gegeneinander an. Die Tiere zeigen gut, was das Wallis so besonders macht: "Hier ist alles etwas wilder als im Rest der Schweiz", lacht die junge Frau, die in der Region geboren ist. "Schon die Berge sind höher und rauer als anderswo." Der Preis für die Gewinner-Kuh ist hingegen eher zahm: eine neue Glocke. Die Glocke, die wenig später für uns schlägt, ist die der Bahnhofsuhr: Mit dem Postbus fahren wir ins Städtchen Brig bekannt als Halt vom Glacier Express, der mit Panoramawagen durch die Alpen fährt, aber auch für das barocke Stockalperschloss, das der Unternehmer Kaspar Stockalper im 17. Jahrhundert errichten ließ. Ein alpines Versailles mit Zwiebeltürmen, Arkaden und einer Parkanlage.

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Das Städtchen Brig überrascht mit einem Barockschloss aus dem 17. Jahrhundert.

Heute sitzen dort Passanten im Gras und hören Musikern zu, die an diesem Sommerabend ein kleines Konzert geben. Ein bisschen fühlt sich die Schweiz hier schon wie Italien an. "Der Simplonpass verbindet den Kanton Wallis von Brig aus mit Italien", sagt Fabienne Nanzer von Brig Simplon Tourismus, während wir unseren Stadtrundgang bei einem Apéro ausklingen lassen. Er gilt als einer der schönsten Alpenübergänge – bauen lassen hat ihn der umtriebige Kaspar Stockalper.

Überhaupt lässt es sich gut reisen im Wallis: Am nächsten Tag geht es mit der Matterhorn Gotthard Bahn auf der Strecke des Glacier Express von Brig nach Zermatt. Der bei Skifahrern, Kletterern und Wanderern beliebte Bergort liegt am Fuß des Matterhorns. Genau das wollen wir uns aus der Nähe ansehen.

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Das Matterhorn verhalf dem Bergdorf Zermatt zu Weltruhm.

In Zermatt angekommen, steigen wir daher direkt in die nächste Bahn: Die höchste ganz im Freien angelegte Zahnradbahn Europas führt auf den 3089 Meter hohen Gornergrat, von wo aus man den schönsten Blick aufs Matterhorn hat. Seine Spitze sieht heute aus wie in Puderzucker getaucht – Neuschnee in den vergangenen Tagen sei Dank. Wer nicht so eine klare Sicht hat wie wir, kann den Berg dort oben buchstäblich auch zu sich heranzoomen. Die multimediale Erlebniswelt "Zooom the Matterhorn" ermöglicht einen virtuellen Rundumblick – und zeigt den berühmten Berg bei Tag und Nacht und durch alle Jahreszeiten. Wir nutzen den sonnigen Tag für eine Wanderung am nahegelegenen Riffelsee, in dem sich das Matterhorn so früh am Morgen auf der Wasseroberfläche spiegelt.

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Weltberühmt ist der Blick vom Riffelsee auf das 4478 Meter hohe Matterhorn.

Kletterer starten von dort zu den Routen an der Riffelhorn-Südwand. Einen Blick auf den Gornergletscher erhascht man von hier aus aber auch als Wanderer: Er ist der zweitgrößte im Alpenraum, nach dem Aletschgletscher. Ob es sich bei ihm auch um einen Kraftort handelt? Zumindest von Unwettern bleiben wir heute verschont. Neue Energie aufgenommen haben wir nach vier Tagen im Wallis aber alle Male.

Wer jetzt Lust aufs Wallis bekommen hat, findet viele Informationen auf www.wallis.ch oder stellt sich mit dem neuen Angebot www.wallis.ch/shop seine Reise gleich selber zusammen.

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Eine Leseraktion von OUTDOOR und Valais/Wallis Promotion ​