Bloggerwandern -Rheinland Pfalz Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH
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Wandertag & Schreibwettbewerb

Bloggerwandern Rheinland-Pfalz

Beim »Bloggerwandern Rheinland-Pfalz und Saarland« erkundeten 18 Teilnehmer den Saar-Hunsrück-Steig. Den daran anschließenden Schreibwettbewerb in OUTDOOR gewann Sven Becker von thebackpacker.de.

Gut gelaunt steht Ranger Patric am Start der Wanderung. Der breitkrempige Hut, ein helles Hemd und die Hose mit ihren unzähligen Taschen weisen ihn fast auf Anhieb als »Hüter dieses Landschaftsraums« aus. So hieß seine Tätigkeit, bevor sich auch bei uns die Bezeichnung »Ranger« durchgesetzt hat. Er erklärt kurz, was zu seinen Aufgaben im Nationalpark Hunsrück-Hochwald gehört, dann geht es endlich auf den Saar-Hunsrück-Steig.

Drei Etappen des Fernwanderwegs werde ich zusammen mit 17 anderen Bloggern an drei Tagen kennenlernen. Dazu eingeladen wurden wir von den Tourismusorganisationen Rheinland-Pfalz und Saarland und dem Nationalparkamt. Heute steht Etappe zehn auf dem Programm. Sie führt von Börfink über den Erbeskopf bis zum Forsthaus Hoxel, stramme 19 Kilometer weit. Der Weg zieht bergan, durch einen in voller Herbstpracht leuchtenden Wald.

»Wir gehen durch den Urwald von morgen«, sagt Patric. Im Moment sind alle Weichen so gestellt, dass wieder das entstehen kann, was vor dem Eingriff des Menschen diesen Naturraum auszeichnete: unberührter Buchenwald. Patric und seine Kollegen arbeiten mit Hingabe darauf hin. Nebenbei verfolgen sie ein weiteres Ziel. Sie hoffen, dass die Wildkatzenpopulation wächst, je mehr der Wald sich seinem ursprünglichen Zustand annähert. Felix silvestris, so die lateinische Bezeichnung, ist nicht nur äußerst scheu, sondern bevorzugt auch gerade diese lichten Laubwälder. Obwohl mittlerweile wieder über 100 Tiere im Nationalpark leben, gehören sie nach wie vor zu den gefährdeten Tierarten. In freier Wildbahn wird man sie selten zu Gesicht bekommen.

Und schon gar nicht an einem Tag wie heute, an dem der Nebel tief hängt. Wobei – genau diese melancholische Stimmung mag ich. Sie verzaubert auch den Blick auf den Ochsenbruch, ein Moor, das mich sofort in seinen Bann zieht. Rostrot dehnt es sich aus, wild, unberührt, vereinzelte Bäume stehen tropfend hier und da. Danach führt der Wanderweg durch Laubwald den Erbeskopf hinauf, mit 816 Metern der höchste Berg im Hunsrück und in ganz Rheinland-Pfalz.

Bloggerwandern - Rheinland Pfalz
Sven Becker, thebackpacker.de
Nebelschleier wabern durch den Buchenwald.

Plötzlich sehe ich Kleinigkeiten

Der Nebel wird dichter. Das Schöne an mangelnder Weitsicht ist ja, dass anderen Dingen dadurch eine größere Aufmerksamkeit zukommt. Egal, ob das Laub unter den Füßen raschelt, klamme Feuchtigkeit die Haut kühlt oder Geräusche gedämpft sind, wo sonst klarer Vogelgesang dominiert – alles Nebensächliche wird dringlicher. Auch Details am Weg fallen stärker ins Auge, wenn nichts in der Ferne ablenkt. Fliegenpilze zum Beispiel. Ein knallrotes Grüppchen von ihnen leuchtet magisch. Und schön. Und einzigartig.

Vorbei an der Siegfried-Quelle erreichen wir gegen Mittag den Gipfel. Auf der Aussichtsplattform der Skulptur »Windklang«, die in exponierter Lage auf dem höchsten Punkt steht, kann ich im Norden endlich etwas von der Umgebung sehen. Und ahnen, dass an einem wolkenlosen Tag die Aussicht phänomenal sein muss. Am Fuß des Erbeskopfs und direkt am Saar-Hunsrück-Steig wartet die kleine Überraschung des heutigen Wandertags – das Hunsrückhaus. Es beherbergt eine Ausstellung, die mich trotz ihrer geringen Größe mächtig beeindruckt. Videoscreens, Animationen, interaktive Bildschirme und Dioramen schlagen eine perfekte Brücke zwischen Gegenwart und Zukunft. Täglich von 9 bis 17 Uhr kann man alles kostenfrei anschauen – und das sollte man auch.

Vom Haus führt der Weg in engen Kehren über den offenen Hang hinab, taucht dann wieder in Wald ein. Plötzlich stolpere ich über angerostete, zugewucherte Gleise. Eine Zugstrecke? Patric nickt. »Bevor die Bahn privatisiert wurde, gab es tolle Strecken durch den Hunsrück.« Nach der endgültigen Schließung in den 1990ern versuchte man mehrmals, sie wiederzubeleben – vergebens. So bleibt die Strecke ein Relikt aus alten Zeiten, und die Natur erobert sich ganz langsam alles zurück.

Das Viadukt bei Hoxel dagegen sieht noch gut aus. Acht Steinbögen überspannen das Tal. Jetzt lichtet sich der Nebel, und ich kann das Bauwerk in voller Größe bewundern. Ein Anblick wie für mich gemacht, denn ich mag Eisenbahnarchitektur, je älter, desto schöner. Zu gern wäre ich einmal über dieses Viadukt getuckert, den Qualm der Dampflokomotive über mir und frischen Fahrtwind im Gesicht. Wenige Kilometer danach müssen wir uns von Patric verabschieden. »Und – hat euch der Weg gefallen?«,fragt er. Allerdings. Auf meiner Rangliste wunderbarer Wanderwege bekommt er einen Spitzenplatz.

Bloggerwandern -Rheinland Pfalz
Sven Becker, thebackpacker.de
Sven Becker, Gewinner des Schreibwettbewerbs.

Mehr über Sven Beckers Blog hier:

thebackpacker.de/saar-hunsrueck-steig

Zweiter Platz unseres Blogger-Contests: audreyimwanderland.com

Im Auge des Kaleidoskops: Saar-Hunsrück-Steig, Etappe 10

Dritter Platz: Björn von Bergparadiese.de

Saar-Hunsrück-Steig – 4 Etappen durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald

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