The Green Issue
Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche
Green Issue - Tatonka Tatonka
Green Issue Heft 04/2021; Tatonka
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Green Issue Heft 04/2021; Tatonka 5 Bilder

Transparente Wege - Nachhaltigkeit bei Tatonka

Transparente Wege Nachhaltigkeit bei Tatonka

Von der Herstellung bis in den Handel: Tatonka eröffnet Kunden einen Einblick in die Lieferkette ihres Produkts.

Prey Nôkôr, die Stadt im Wald, nannten die Khmer einst die im Dschungel gelegene Siedlung nördlich des sumpfigen Mekong-Deltas. Die günstige Lage inmitten von Wasserwegen förderte im Laufe der wechselvollen Geschichte des Ortes den Aufschwung zu einer bedeutenden Hafen- und Handelsstadt, der heutigen Wirtschaftsmetropole Vietnams: Ho-Chi-Minh-Stadt. Seit 33 Jahren betreibt am Rande der Boomtown das Familienunternehmen Tatonka unter dem Namen Mountech eine eigene Produktion.

Doch in das frühere Industriegebiet in der Nähe des Flughafens drängen zunehmend Wohnhäuser, Geschäfte und Büros. Seit der Jahrtausendwende müssen Fabriken ins weitere Umland weichen, so will es die kommunale Städteplanung. »Arbeitskräfte für Nähereien sind mittlerweile nicht mehr zu finden«, berichtet Andreas Schechinger, Inhaber und Geschäftsführer. »Vor 13 Jahren haben wir daher begonnen, eine zweite Fabrik in der Provinz Binh Dinh zu errichten, um Mitarbeiter, die in Saigon in den Ruhestand gehen, zu kompensieren.« Circa 1,8 Millionen Produkte fertigt Tatonka jährlich in Vietnam und verschifft sie in 30 Länder nach Europa, Asien, Australien und Neuseeland. Rucksäcke, Reisegepäck, Zelte, Bekleidung, Camping- Kochgeschirr und Zubehör – alles kommt aus den eigenen Werken, die nach dem internationalen Sozialstandard SA8000 zertifiziert sind.

Nur die Aluminiumgestänge für Zelte sowie die Isolierflaschen und Brotdosen aus Edelstahl werden extern hergestellt. Transparenz wird großgeschrieben. Mit der Open Factory, die für Besucher geöffnet ist, hat Tatonka in der Outdoor- Branche Zeichen gesetzt. Nun startet das nächste wegweisende Projekt: Die Lieferkette wird offengelegt. »Wir geben unseren Kunden die Möglichkeit, ihr Produkt vom Einkauf der einzelnen Materialien über die Fertigung bis hin zum Versand in das Bestimmungsland verfolgen zu können«, erklärt Schechinger. Es genügt die Seriennummer, die auf dem eingenähten Etikett zu finden ist, und das Land, in dem der Artikel gekauft wurde – und schon erscheint auf der Tatonka-Website eine Weltkarte mit allen Lieferwegen. Daneben sind die einzelnen Adressen und Transportarten, bei Lieferanten zusätzlich das Material, das Startjahr der Geschäftsbeziehung sowie nachhaltige Zertifizierungen gelistet.

Tatonka Lieferkette - Grafik
Tatonka

Unter dem Stichwort »Traceability« wird die Rückverfolgbarkeit ab Ende April auf tatonka.com freigeschaltet. Ab dem Produktionsjahr 2016 sind alle Daten vollständig abrufbar. Neun Monate hat die Umsetzung gedauert. Rund 17 500 Seriennummern-Dateien wurden mit den Materialtabel- len verknüpft, die im Schnitt 40 Positionen je Produkt beinhalten, insgesamt also 700000 Datensätze erstellt. Die größte Herausforderung lag darin, Masse und Komplexität zu reduzieren. »Ein Trekkingrucksack wie der Yukon besteht aus 117 Materialien von 26 Lieferanten«, erläutert der Firmenchef. »All diese Beziehungen grafisch darzustellen würde den Rahmen sprengen, deshalb haben wir uns im ersten Schritt auf Hauptmaterialien beschränkt wie zum Beispiel Oberstoff, Futter, Gurtbänder, Schnallen, Schäume oder Nähgarn.«

Transparenz schafft Vertrauen

Und Vertrauen ist für Schechinger, der das Unternehmen seit 2004 in zweiter Generation führt, ein zentrales strategisches Ziel. »Wie in einem Restaurant mit direktem Blick in die Küche lautet die Nachricht: Wir verstecken nichts. Bei uns siehst du, was drinsteckt. Außerdem wird der Aufwand sichtbar, den wir für die Erfüllung eines Qualitätsversprechens betreiben – das sorgt für Wertschätzung.« Zugleich sei Ehrlichkeit gefordert. »Eine transparente Lieferkette ist kein Feel-good-Movie«, so der Firmenchef. Wenn Produkte mit Termindruck per Luftfracht transportiert werden müssten, sei das nicht nachhaltig, aber die Wahrheit. Die Ablauflogistik könne man noch optimieren, vor allem aber seien innovative Materialien Nachhaltigkeitstreiber.

Und es gäbe noch eine weitere Option, die Lieferkette nachhaltiger zu gestalten, sagt Schechinger. »Wir sehen die Möglichkeit, Produkte – ohne Funktionsverlust – zu vereinfachen.« Das Anspruchsniveau der Verbraucher stehe dem jedoch klar entgegen. »Vielleicht hilft ja die Sichtbarmachung der komplexen Abläufe, das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass weniger auch mehr sein kann.«

Willkommen in der Open-Factory

Tatonka
Tatonka

Wenn Tatonka-Inhaber Andreas Schechinger heute noch einmal zwischen eigener Fabrik und Auftragsproduktion entscheiden müsste, bräuchte er nicht zu überlegen: »Ganz klar: Eigenproduktion«, sagt er aus Überzeugung. »Für uns als Familienunternehmen sind soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit keine Marketing-Floskeln, sondern gelebte Werte.« Sein Vater baute 1989 in Vietnam eine Fertigung nach europäischen Standards auf. Heute arbeiten circa 690 Mitarbeiter in Binh Dinh und 270 Beschäftigte in Ho-Chi-Minh-Stadt. Von dort aus erfolgt auch der Materialeinkauf bei 82 Lieferanten. Jeden Freitag um 10 Uhr öffnen die Türen der Open Factory für Besucher. Auch Studentengruppen aus aller Welt kommen vorbei, um von der Vorzeigefabrik zu lernen.

Mehr über die Open Factory erfahrt ihr hier

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