Unfall im Fränkischen: Bohrhaken gebrochen

Unfall im Frankenjura Unfall im Fränkischen: Bohrhaken gebrochen

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Am 29. Juli brach an der Ammerthaler Wand bei Amberg im Fränkischen ein Umlenkhaken ab, als ein Kletterer das Seil belastete. Dies ist der erste bekanntgewordene Fall, in dem ein moderner Bühlerhaken gebrochen ist.

Am 29. Juli topropte eine Seilschaft an der Ammerthaler Wand, als sich der Unfall ereignete. Der Kletterer setzte sich einige Meter vor dem Umlenker ins Seil, als der belastete Umlenkhaken abbrach. Es handelte sich um den Umlenker der Routen Crazy (6) und Hey ho let's go (5-), die an einem einzigen Bohrhaken zusammenlaufen.

Abgebrochener Bohrhaken Frankenjura
Markus Arnold Bergwacht
Abgebrochener Haken an der Ammerthaler Wand

Der Kletterer stürzte ungefähr 10 Meter in die Tiefe, er verletzte sich nach offiziellen Angaben "mittelschwer". Sein Sicherungspartner machte anscheinend noch den Versuch, den Sturz des Kletterers abzubremsen und wurde dabei schwer verletzt. Die Ammerthaler Wand (auch unter dem Namen Rote Wand bekannt) ist bis auf weiteres gesperrt. Der fragliche Haken ist anscheinend 2002 bei der Erschließung der Routen gesetzt worden und scheint ein normgerechter Edelstahlhaken gewesen zu sein.

Wie auf dem Foto (oben) von Markus Arnold von der Bergwacht Amberg ersichtlich, war dem Haken selbst keine Schwäche anzusehen: äußerlich sah der Haken normal und in Ordnung aus. Auch habe der Kleber, mit dem der Haken einzementiert war, einen einwandfreien Eindruck gemacht. Allerdings war der Haken anscheinend nicht ganz korrekt gesetzt gewesen, er stand etwas aus dem Fels heraus. Eigentlich sollte die Bohrhakenöse am Fels aufliegen, da dies eventuelle, nach unten auftretende Belastungen an den Fels weitergibt. Dass der gebrochene Haken herausstand, war sogar schon aufgefallen: Auf der Webseite frankenjura.com gibt es hierzu einen Eintrag von vor zwei Jahren (siehe Bildschirmfoto unten).

Rock-Event frankenjura.com
frankenjura.com
Meldung auf www.frankenjura.com

Trotzdem sind sich sowohl die Ansprechpartner bei der Bergwacht als auch bei der IG darüber einig, dass dies ein sehr ungewöhnlicher Fall ist, und auch der erste bekannte, in dem ein moderner Bohrhaken gebrochen ist. Üblicherweise treten bei Bohrhaken andere Altersschwächen auf: Oft fangen Haken an zu wackeln, wenn der bei der Erschließung verwendete Kleber altert und zusammenschrumpft. Solche Fälle erreichen oft als Meldung die IG Klettern; üblicherweise rücken dann Ehrenamtliche aus, um den Fall zu überprüfen und gegebenenfalls zu sanieren. Auch dass Haken ausbrechen, wenn sie nicht korrekt gesetzt wurden, kommt vor, wie hier dokumentiert: Hakenausbruch am Wüstenstein.

Dass auch der fragliche Umlenkhaken an der Ammerthaler Wand nicht ganz korrekt saß, so Andreas Schneider von der IG Klettern, könnte zum Unfall beigetragen haben. "Wenn in beiden Routen an dem Umlenker getoproped wurde, könnte dies eventuell zu radialen und Biege-Belastungen zugleich geführt haben. Durch das Hervorstehen des Hakenauges hätte es dann höhere Hebelkräfte auf den Hals des Hakens gegeben als üblich. Dies ist jedoch rein spekulativ, wir müssen die Untersuchungen abwarten." Derzeit befindet sich der Haken noch bei der Polizei, die den Fall untersucht. Die IG hat bei der Polizei angeregt, den gebrochenen Haken anschließend der Abteilung Sicherheitsforschung des Alpenvereins zukommen zu lassen, damit deren Spezialisten die Situation untersuchen können. Die IG Klettern hat weiterhin angekündigt, die komplette Wand zu sanieren, sobald die Polizei die Wand wieder freigibt. Auch sollen verbliebene Haken ähnlichen Fabrikats an der Wand gemeinsam mit der DAV-Sicherheitsforschung überprüft und getestet werden.

Markus Arnold von der Bergwacht Amberg zeigt sich von dem Fall ebenfalls erstaunt: "Dass ein Bohrhaken einfach so bricht, war bislang undenkbar." Bei Markus Arnold laufen viele Kletterunfall-Meldungen mit Bergwacht-Einsatz im Klettergebiet Fränkische Schweiz zusammen. Auch wenn das Klettergebiet Frankenjura nicht schlecht abgesichert sei, erklärt er, gäbe es aus Sicht der Bergwacht noch Potenzial, Gefahrenstellen zu entschärfen: "Die meisten Unfälle, die uns erreichen, passieren vor oder um den ersten Haken", also Bodenstürze aus verhältnismäßig geringer Höhe, die Verletzungen mit sich bringen. Eine weitere zu hohe Zahl sieht er bei Abstürzen vom Umlenker: es gibt ungefähr fünf pro Jahr im Einsatzbereich der Bergwacht, nahezu alle mit gravierenden Folgen. In den meisten Fällen seien menschliche Fehler die Absturzursache, dennoch plädiert er dafür, den international verbreiteten Standard mit zwei Fixpunkten zum Umlenken (also eine Redundanz selbst bei modernen Bohrhaken) auch im Fränkischen einzurichten. "Immerhin sind noch einige Tausende an Haken aus älteren Generationen im Einsatz. Aus meiner Sicht sollten Umlenker den selben Ansprüchen genügen wie gebohrte Standplätze und Redundanz bieten."

Dr. Jürgen Kollert von der IG Klettern Frankenjura erklärt, dass diese Idee seit einigen Jahren vereinsintern und auch mit dem DAV diskutiert wird. "Im Frankenjura müssten über zehntausend Routen, oder vielmehr deren Umlenker, nachgerüstet werden. Ein Bohrhaken kostet uns inklusive Klebematerial ungefähr 10 Euro, und dabei ist die Arbeit der ehrenamtlichen Sanierer und Erschließer noch nicht eingerechnet", erklärt Jürgen Kollert. "Zudem ist es heute von Seiten der Behörden nicht mehr einfach erlaubt, an Naturdenkmäler – und das sind gut ein Drittel der fränkischen Felsen – Haken anzubringen. Ganz zu schweigen von naturschutzfachlichen und Vorgaben der Grundbesitzer, da unterliegen wir verschiedenen Zwängen."

Tipp fürs Toprope

Während wir auf den Ausgang der Untersuchungen warten, empfehlen wir noch eine Maßnahme, die man beim Topropen an einem einzelnen Punkt als Umlenker ergreifen kann: den letzten Haken vor dem Umlenker mit einklippen, und sei es nur mit einer Expresse. Dafür kann man einfach das vom Umlenker zum Sichernden laufende Seil nehmen, dann ist die kletternde Person ungestört und redundant gesichert im Toprope unterwegs.

Tipps für die Zukunft

Die IG Klettern kümmert sich um die Sanierung von bestehenden Klettergebieten und der Vermittlung zwischen den Interessensgruppen Behörden, Naturschützer, Kletterer und weiteren. Diese wichtige Arbeit kann sie besser leisten, wenn sie mehr Kletterer vertritt – sowohl argumentativ gegenüber den Verhandlungspartnern als auch finanziell.

Infrastruktur unterstützen:

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