Boulderhalle statt Kino in Stuttgart Volker Leuchsner

Boulderhalle statt Kino: Interview mit Tom Petzold

Interview Boulderhalle statt Kino

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Dass in einem einstigen Kino eine Boulderhalle entstehen soll, sorgte in Stuttgart für Aufregung. Interview mit Tom Petzold.

Während sich die Boulderhallenbetreiber von Element Boulders über eine zentral gelegene und charmante Location für ihre neue Boulderhalle in Stuttgart freuen, empörten sich manche Stuttgarter, dass das traditionsreiche Kino nun als Sportstätte endet. Interview mit Tom Petzold über Kunst, Klettern und lebenswerte Innenstädte.

Wie viele Hallen betreibt Element Boulders bisher und wie viele werden es Ende 2022 sein?

Wir haben im Mai 2021 in Kassel unsere erste Halle eröffnet und stehen aktuell kurz vor der Eröffnung der nächsten Boulderhalle in München. In der zweiten Jahreshälfte möchten wir gern in Essen so weit sein und hoffentlich dann auch endlich in Stuttgart.

Im Zentrum von Stuttgart seid ihr auf einigen Widerstand gestoßen. Worum geht es da?

Hauptsächlich geht es darum, dass es sich bei dem Gebäude um ein ehemaliges Kino handelt, das dort für sehr lange Zeit eingemietet war – und dessen Besucher jetzt verständlicherweise nicht glücklich sind, dass es nicht mehr existiert. So sehr wir diese Frustration nachvollziehen können, so wenig können wir oder unser Vermieter für diese Situation. Die Kinobetreiber haben den Mietvertrag gekündigt, da sie sich mehr auf ihre anderen Standorte in der Stuttgarter Innenstadt konzentrieren möchten. Unser Vermieter hat sich dann für Bouldern als zukunftsträchtiges Konzept entschieden und das Gebäude an uns vermietet.

Boulderhalle statt Kino in Stuttgart
Volker Leuchsner
Das ehemalige Kino in der Schwabenmetropole liegt zentral zwischen dem In-Treffpunkt Palast der Republik und der Einkaufsmeile, unweit vom Hauptbahnhof.

Könnt ihr die Einwände gegen die Boulderhalle nachvollziehen?

Es gibt in der Stuttgarter Innenstadt immer noch mehrere Kinos. Die Trauer bei den Künstlern und Kulturschaffenden, dass es eins weniger ist, können wir zu 100 Prozent nachvollziehen. Aber noch einmal ganz klar: Das war vor uns! Wir haben das Objekt angeboten bekommen, weil die Besucherzahlen zu gering waren, schon vor Corona. Auch wir finden, dass Orte der Kultur für eine Innenstadt enorm wichtig sind. Aber auch eine Boulderhalle mit all ihren Vorteilen als sozialer Treffpunkt ist förderlich für eine lebenswerte Innenstadt. In Zukunft wäre dann beides möglich: Bouldern in der neu entstandenen Boulderhalle und Kino an den verbliebenen vier Standorten.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Behörden?

Bis jetzt problemlos und in dem Rahmen, in dem so ein Verwaltungsvorgang nun mal abläuft. Das Gebäude ist in seiner Aufteilung recht komplex und steht zusätzlich unter Denkmalschutz. Bei solchen Projekten ist es absolut üblich, dass es im Rahmen des Bauantrages zu Nachforderungen und Anpassungswünschen der Behörden kommt. Bis jetzt konnten wir allen Forderungen nachkommen und warten aktuell auf die Beurteilung der letzten Nachreichung. Es ist natürlich noch ein Stück Weg zu gehen bis zur finalen Baugenehmigung, aber wir geben weiterhin Vollgas, um allen baurechtlichen Anforderungen nachzukommen.

Wie seht ihr die Zukunft des Hallenboulderns? Gibt es noch Raum für weitere Hallen in den Metropolen oder wird es langsam eng?

Kurze und knappe Antwort: positiv! Der urbane Bouldersport, der sich eben zu 99% in den Boulderhallen abspielt, hat eine sehr starke Community. Dies hat sich sehr deutlich in den letzten zwei Jahren gezeigt. Eigentlich wurden alle Boulderhallen während der Lockdowns von ihren Kunden mit Spenden unterstützt und hatten nach den Wiedereröffnungen auch sofort wieder die Matten voll mit Menschen. Dies zeigt uns ganz deutlich, dass eine Boulderhalle mehr ist als eine reine Sport- oder Freizeitanlage. Im Detail wird es natürlich zunehmend schwieriger, geeignete Standorte zu finden. Zum einen gibt es in den meisten größeren Städten mindestens eine, oft auch mehrere Anlagen. Zum anderen haben sich die Ansprüche der Kunden und die Qualität der Hallen kontinuierlich erhöht. Inzwischen ist es nicht mehr mit der Lagerhalle im Industriegebiet vor der Stadt getan, sondern es sind innenstadtnähere Anlagen gefragt. Dies macht es für die Betreiber schwieriger, geeignete Objekte zu finden.

Tom Petzold zu Boulderhalle statt Kino in Stuttgart
Leon Buchholz
Tom Petzold, Jahrgang 1980, begann 2005 mit dem Bouldern, 2009 gehörte er zu den Gründern der Boulderlounge in Chemnitz. Daraus entstanden viele weitere Projekte, darunter Element Boulders. Felskontakt hat der zweifache Vater am liebsten in Fontainebleau.

Wer steckt hinter der "Element Boulders GmbH"?

Hinter Element Boulders stehen verschiedene Personen, die seit über zehn Jahren in der Boulderszene aktiv und in den verschiedensten Projekten involviert waren oder sind. Unsere Stärken ergeben sich aus der Zusammenarbeit im Team. Die Idee bei der Gründung von Element Boulders war, dass wir mit all unseren Erfahrungen des letzten Jahrzehnts noch einmal auf einem weißen Blatt Papier starten wollten: alle positiven Erfahrungen mitnehmen und alles weglassen, was nicht so gut gelungen war. Eine Element Boulders Anlage entspricht somit unserer Vorstellung einer idealen Boulderhalle. Dies beginnt beim Raum- und Wandbaukonzept, geht über in einen Ausbau mit hunderten Details und mündet in eine Anlage, in der sich letztlich jeder wohlfühlt. Die starken Kletterer finden Boulder mit den hochwertigsten Griff­sets. Anfänger starten nicht an lieblosen Henkelleitern, sondern an angepassten bewegungstechnischen Herausforderungen. Familien haben einen eigenen Bereich, in dem wirklich ein gemeinsames richtiges Klettern möglich ist.

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