Kletterschuhe 2021 im Test Volker Leuchsner
Kletterschuhe 2021 im Test
Kletterschuhe 2021 im Test
Kletterschuhe 2021 im Test
Kletterschuhe 2021 im Test 10 Bilder

Kletterschuhtest: 10 Modelle im Vergleich

Kletterschuhtest 10 Kletterschuhe im Test

Inhalt von

Vom bequemen Allround-Kletterschuh bis zur Olympia-tauglichen Wettkampfwaffe: Wir haben 10 neue oder überarbeitete Kletterschuhe mit Velcroverschluss getestet.

In diesem Test:

Wozu stehen, wenn man hooken kann?

Ob es an der Corona-Pause lag? Jedenfalls schienen die Schuhe im Testfeld dieses Jahr besonders eng auszufallen – haben sich unsere Füße über den Winter ohne die regelmäßigen Hallenbesuche wieder in ihre Originalform ausgedehnt? Beim Griffbrett-Training trägt man ja keine engen Schuhe.

Kletterschuh-Größen im Vergleich
KLETTERN
Kletterschuh-Größen im Vergleich

Mikrofaser als Obermaterial im Trend

Vielleicht lag es aber auch daran, dass mit den Modellen von Evolv, So Ill und Unparallel drei Highend-Boulder- und Kletterschuhe antraten, die sich alle durch ihre Slipperbauform mit nur einem Velcro und einer winzigen Einstiegsöffnung auszeichnen. Nur ein Velcro deshalb, weil dann vorne mehr Platz für ein riesiges Toepatch bleibt, das beim modernen Bouldern im Kampf mit Kanten und Volumen immer wichtiger wird. Wozu noch stehen, wenn man hooken kann?

Insgesamt teilt sich das Testfeld grob in zwei Hälften: Nagelneue Modelle kommen von Evolv, La Sportiva , Ocún, Red Chili und Unparallel. Die restlichen fünf Modelle sind alle stark überarbeitete Fassungen bereits bekannter Schuhe, wobei die teilweise mit ihren Ursprüngen fast nur noch die Namen gemein haben.

Erstmals kommen alle Schuhe im Test mit Velcroverschluss, Schnürer oder reine Slipper sind nicht vertreten. Ebenfalls recht uniform fällt die Wahl des Obermaterials aus: Mikrofaser, ergo Synthetik ist angesagt und "vegan friendly". Nur im Kubo von La Sportiva kommt zusätzlich noch eine Spur Veloursleder zum Einsatz.

Als relativ komfortable Allrounder erweisen sich der Boreal Crux, der NIAD VCS von Five Ten sowie der neue Kubo von La Sportiva. Während die ersten beiden bereits bekannte Modelle in Sachen Sohlengummi, Fersensitz und Obermaterial optimieren, legt der Kubo eine überzeugende Premiere hin und empfiehlt sich für weit mehr als nur die Hallennutzung, die ihm La Sportiva zugedacht hat. Etwas aus der generell eher weichen Reihe fällt der neue Magnet von Red Chili: Er ist das "Routenschuh"-Pendant zum extraweichen Voltage und ist eher stabil und fest aufgebaut. Gut für lange, senkrechte Routen auf kleinen Tritten, gut für Kletterer mit Problemen im Zehengrundgelenk, aber mit Abstrichen in Sachen Sensibilität.

Kletterschuhe 2021 im Vergleich: Fazit

Der Einstieg in die neuen Boulderslipper fällt schwer und gelang anfangs nur mit einer dünnen Plastikfolie zwischen Ferse und Schuh. Einmal drinnen, erweisen sich die weichen Modelle aber als sehr flexibel und und weniger eng als erwartet. Der Zenist von Evolv fällt dabei superweich aus und ist überzeugend sensibel – ein prima Boulder- und Hallenschuh. Der Flagship von Unparallel ist nicht ganz so weich und komfortabel, dafür auch als extremer Routenschuh gut zu gebrauchen. Das gilt auch für den Scarpa Boostic, der von Scarpa zurecht als "Felskletterwaffe für technische Wandkletterei" beworben wird. Schließlich stach der neue Kubo von La Sportiva als komfortabler Allrounder mit prima Perfomance hervor.

Kletterschuhe 2021 im Detail

Unparallel Flagship (KLETTERN Empfehlung)

Bei Unparallel hat man auf Hilfe aus Japan zurückgegriffen: Olympionike Tomoa Narasaki hat den Highend-Allrounder Flagship mitentwickelt. Der kombiniert gleich drei verschiedene Gummisorten: Die Sohle vorne besteht aus RS ("rubber soft") und sorgt für maximale Reibung, der Fersenbereich besteht aus RH ("rubber hard"), fürs Toepatch kam ein besonders abriebfester Gummi zum Einsatz. Ein aggressiver Leisten mit ordentlich Downturn sorgt im steilen Gelände für viel Druck auf den Zehen, der Flagship ist aber in Summe weich genug für Reibung und Volumen.

Fazit: Der Flagship kommt vorne etwas härter als die Boulderkonkurrenz daher und empfiehlt sich damit auch fürs extreme Routenklettern.

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Flagship von Unparallel

Das gefällt uns: Gute Passform ohne Druckstellen; sehr flexibler Schuh, der alle Disziplinen gut beherrscht; vorne stabil, in Summe aber angenehm weich; Toe- und Heelhooks halten gut

Das gefällt uns weniger: Schwieriger Einstieg; der etwas hohe Rand kann unterm Knöchel reiben

So Ill New Zero Pro

Der japanische 8C-Boulderer Toshi Takeuchi hat mit So Ill den New Zero Pro entwickelt. Die Richtung war klar: Bouldern, Wettkampf, Plastik. Für optimale Sensibilität und Anpassungsfähigkeit an jede Art von Volumen oder Tritt verzichtet der New Zero Pro komplett auf eine Zwischensohle und ist damit extra weich. Der Einstieg in die enge Slipperöffnung fällt schwer, einmal drinnen passt sich der weiche Schuh aber wunderbar an die Fußform an. Mit dem Dark Matter Gummi steht er dann auf Reibung und – mit etwas Zehenkraft – auf kleinen Tritten wie eine Eins, auch bei Hooks aller Art macht er eine prima Figur.

Fazit: Der New Zero pro ist ein sehr weicher Boulderschuh mit gutem Grip für drinnen und draußen.

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New Zero Pro von So Ill

Das gefällt uns: Gute Passform, schmiegt sich elastisch an den Fuß; hohe Vorspannung und Downturn gut für steiles Gelände, aber weich genug für Reibung und Volumen; sehr sensibel; rundum gut zu hooken

Das gefällt uns weniger: Einstieg schwierig (Zunge dehnt sich wenig), ggf. Plastikfolie verwenden

Scarpa Boostic (KLETTERN Empfehlung)

Noch gefühlsechter: Statt mit 4 mm kommt der Boostic jetzt mit 3,5 mm Vibram XS Egde Sohle daher. Auch sonst blieb bei der Überarbeitung des Klassikers kaum ein Stein auf dem anderen: neues, synthetisches und dünneres Obermaterial, weichere, geteilte Zwischensohle, dünneres Alcantara im Zehenbereich, komfortablere Ferse. Geblieben ist, dass der Boostic ein minimal steiferer Routenschuh ist. Der in seiner neuen Fassung selbst auf kleinsten Tritten perfekt steht, in Summe aber sehr sensibel und weich genug auch für Reibung und Volumen ist.

Fazit: Unglaublich präzise, dafür sehr sensibel und – auch sehr eng genommen – ohne Druckstellen: Die Operation Boostic ist gelungen.

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Boostic von Scarpa

Das gefällt uns: Gute Passform, vorne nicht zu schmal, aber relativ flach; gute Fersenpassform; einfach an- und auszuziehen; klettert sich sehr direkt und präzise, unterstützt auf kleinen Tritten, dennoch sensibel

Das gefällt uns weniger: Muss für optimale Performance mit stark aufgestellten Zehen geklettert werden

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Red Chili Magnet

Als härtere Routenschuh-Version des Boulder-Slippers Voltage bringt Red Chili den Magnet. Mit dem Voltage teilt der sich einen breiteren Leisten sowie die Sockenkonstruktion mit einer Zunge aus gestricktem Recyclingmaterial. Wie beim Voltage bildet das (kleine) Toepatch vorne auch gleich den Rand. Mit seiner durchgehenden Zwischensohle ("RC-Tension+") unterstützt er das Stehen selbst auf kleinsten Leisten sehr gut. Nachteil der festen Konstruktion: Die Tritte sind durch die Sohle schlechter spürbar, und wer den Magnet sehr klein nimmt, darf nicht darauf hoffen, dass er sich groß dehnen wird. Er sollte also gleich halbwegs passen und nirgends drücken.

Fazit: Der Magnet entlastet die Waden auf kleinen Tritten und in langen Routen.

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Magnet von Red Chili

Das gefällt uns: Bequeme Passform mit relativ breiter Zehenbox; trotz Sockenkonstruktion einfach an- und auszuziehen; stabile Sohle unterstützt auf kleinen Tritten gut, gut auch für Kletterer, die im Zehengrundgelenk Probleme haben

Das gefällt uns weniger: Nicht allzu sensibel, etwas runde Front

Ocun Bullit

Letztes Jahr hatten wir von Ocún den Highend-Boulderschuh Nitro im Test. Mit dem Bullit bringt Ocún nun einen weiteren "fürs Bouldern entwickelten Hochleistungsschuh". Der ist quasi die preislich etwas abgespeckte Fassung des Nitro. Der Bullit fällt etwas kleiner und einen Hauch steifer aus, passt sich nicht ganz so geschmeidig an den Fuß an wie der Nitro. Eine kleine Zwischensohle nur unter den Zehen sorgt vorne für Kantenstabilität im ansonsten recht weichen Schuh. Das Toepatch aus CAT 1.5 Gummi bedeckt nicht wie beim Nitro die ganze Zehenbox. Im Vergleich zu seinen Boulderkollegen im Test ist er deutlich leichter anzuziehen.

Fazit: Der Bullit macht an Volumen Spaß, steht auch auch kleine Tritte sauber weg.

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Bullit von Ocun

Das gefällt uns: Mittelbreite, bequeme Passform; gut an- und auszuziehen; sensibel und präzise, nicht zu weich für kleine Leisten; sehr angenehmes Material, keine Druckstellen

Das gefällt uns weniger: Schmalband am Velcro soll Schuh besser fixieren, blieb aber bei den Testern immer unbelastet (Schuh hält aber auch so gut)

Millet Siurana Evo

Auch bei Millet hat man zuletzt Modellpflege betrieben. Der leistungsorientierte Siurana bekam ein Update verpasst. Ganz im Trend der Zeit wurde das ehemalige Obermaterial (Spaltleder) durch einen Mikrofaser-Schaft ersetzt und die Ferse in der Passform optimiert. Der Siurana Evo kommt vorne schmal und pointiert daher, hinten sitzt die Ferse gut ohne zu drücken. Durch die Sockenkonstruktion fällt der Einstieg etwas schwer. An Fels und Plastik macht der Siruana eine gute Figur, beim Hooken macht sich aber die geringe Spannung des Fersenbands bemerkbar: So richtig fest sitzt die Ferse nicht. Zudem kann vorne an der Zungennaht eine Druckstelle entstehen.

Fazit: Wenn er gut passt, ein performanter Allrounder.

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Siurana Evo von Millet

Das gefällt uns: Sauber pointierte, schmale Front bringt viel Druck auf den Tritt; durch relativ geraden Leisten und mäßige Vorspannung komfortabel

Das gefällt uns weniger: Lasche an Zunge wäre hilfreich beim Einstieg; Zungennaht kann auf kleinen Zeh drücken

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La Sportiva Kubo (KLETTERN Preistipp)

Als "Indoor-Kletterschuh für Bouldern und Vorstiegsklettern" preist La Sportiva den neuen Kubo an. Das ist durchaus unter Wert verkauft. Der Kubo ist ein relativ gerader Schuh mit prima Passform. Die Zehen sind nicht zu sehr aufgestellt, die Zehenbox ist relativ flach. Hinten drückt nichts, er ist einfach an- und auszuziehen und mit den zwei Velcros sauber zu fixieren. Vor allem aber: Er klettert sich ganz prima und ist, da vorne nicht mit zu viel Gummi bepackt, ziemlich sensibel. Als mittelweicher Schuh kann er Reibung und kleine Tritte gleichermaßen ab, und das sowohl am Fels als auch am Plastik.

Fazit: Der Kubo ist drinnen wie draußen ein angenehm leichter und sensibler Allrounder.

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Kubo von La Sportiva

Das gefällt uns: Bequeme, gerade Passform, eher flach und breit; kein unangenehmer Druck auf der Ferse; sensibel und präzise; fühlt sich leicht an; einfach an und auszuziehen; steht auch auf kleinen Tritten sauber

Das gefällt uns weniger: Für schwierige Hooks vorne und hinten zu wenig Gummi, für ganz Steiles wenig Downturn

Five Ten NIAD VCS

Die neue NIAD-Serie huldigt dem "Nose in a day (NIAD)"-Kult, der im Yosemite en vogue ist. Der NIAD VCS ist die überarbeitete Version eines Five-Ten-Klassikers, des Anasazi VCS. Von diesem hat er den schmalen, geraden Leisten, die mittelsteife Zwischensohle und den Verschluss. Neu ist das Mikrofaser-Obermaterial mit minimalem Stretch, die Stealth C4-Sohle, die verbesserte Fersenpassform und ein besseres Toepatch. Mit dieser Ausstattung bietet der NIAD VCS eine prima Mischung aus Sensibilität und Stabilität sowie den Komfort, der mit einem solch geraden Schnitt einhergeht.

Fazit: Schmale Füße mit Allrounder-Ambitionen werden sich über den NIAD LV herzlich freuen.

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NIAD VCS von Five Ten

Das gefällt uns: Bequemer, gerader Leisten; einfacher Ein- und Ausstieg dank geteilter Zunge; gute Sohlenreibung; ausreichend sensibel und trotzdem gute Unterstützung auf kleinen Tritten; Ferse hat weniger Volumen als bei Vorgänger-Modellen und sitzt besser.

Das gefällt uns weniger: Für breite Füße vorne etwas schmal

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Evolv Zenist (KLETTERN Empfehlung)

Als Schuh für "modernes Hallenbouldern" und Wettkämpfe preist Evolv den neuen Zenist an. Der fällt erst einmal unfassbar klein aus, rund 1,5 Nummern kleiner als alle anderen Schuhe. Wie bei allen "Boulderschuhen" in diesem Test fällt der Einstieg anfangs sehr schwer. Einmal drinnen, passt sich der unglaublich weiche Schuh aber dem Fuß gut an. Und trotz hoher Vorspannung drückt der Zenist nicht unangenehm auf die Ferse. Mag daran liegen, dass der Fersengummi ebenfalls recht weich ausfällt, dito das dünne Toepatch. Insgesamt ergibt das einen unglaublich sensiblen, leichten Schuh, der auf jedem Untergrund haftet. Hooks mögen drücken, aber sie halten.

Fazit: Sensibelster Schuh im Testfeld, wirklich prima zum Bouldern.

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Zenist von Evolv

Das gefällt uns: Extrem weich und sensibel; Ferse und Front halten bei Heelhooks sehr gut; passt sich Fußform an, ohne sich groß zu dehnen; steht auch frontal auf kleinen Tritten sehr sauber

Das gefällt uns weniger: Anfangs sehr schwer an- und auszuziehen; fällt viel kleiner aus als andere

Boreal Crux

Der Name, zwei Velcros und ein relativ gerader, vorne eher breiter Leisten mit mäßigem Downturn: Das ist geblieben vom ursprünglichen Crux, den Boreal 2005 vorstellte. Ansonsten: synthetisches, "vegan friendly" Obermaterial mit Fütterung statt ungefüttertes Leder, Toepatch statt Gummiband quer über der Zehenbox, eine dünnere Zunge, eine aufwendigere Sohlenkonstruktion aus reibungsstarkem Zenith Pro 2.0 mit Teilen aus recyceltem Gummi. Der Crux sitzt so bequem und macht vor allem im steilen Gelände und auf Reibung eine sehr gute Figur. Auf kleinen Leisten in der Senkrechten knickt er vorne etwas ab, wenn er nicht sehr eng getragen wird.

Fazit: Als komfortabler Allrounder gefällt der Crux an Fels und Plastik. Ganz extrem fällt er aber nicht aus.

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Crux von Boreal

Das gefällt uns: Vorne relativ breiter Leisten mit flacher Zehenbox; gut sitzende Ferse; mit einseitig angenähter Zunge einfach an- und auszuziehen; sauber pointiert, mittelweich; guter Gummi

Das gefällt uns weniger: Frontal auf winzigen Tritten gestanden knickt er etwas ab

Kletterschuhe im Test
Gear

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Kletterschuhe 2020 im Test

Übersicht der Kletterschuhe:

Kletterschuhtest 2020

In diesem Test: Boulderschuhe, Schuhe für eher gemütliche Routen und Schuhe für ambitionierte Sportkletterer

Kletterschuhe 2020

Kletterschuhe im Test 2020
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Das Testfeld unterteilt sich in drei mehr oder weniger klare Gruppen: Da gibt es grob gesprochen die eher weichen und boulderlastigen Topschuhe von Five Ten, La Sportiva, Red Chili und Ocun. Die Highend-Modelle für Fels und Plastik von Saltic, Scarpa und So ill. Und schließlich die gemütlichen Schuhe für Anfänger und Halle von Black Diamond, Lowa und Millet.

Die Boulderschuhe sind durchweg Slipper-Konstruktionen mit weicheren Zwischensohlen und aufwendigem, mehrteiligem Sohlenaufbau. Starker Downturn und viel Spannung auf dem Fersengummi sollen trotz weicher Konstruktion dafür sorgen, dass der Druck auf die Zehen kommt. Ein einzelner Velcrostreifen als Verschluss hat den Vorteil, dass kein vorderer Velcro bei Toehooks im Weg ist. Saltic und So ill kommen mit zwei Velcrostreifen, was den Einstieg erleichtert. Sie sind nicht ganz so weich wie die vorgenannten, aber bringen ebenfalls starken Downturn mit. Scarpas Vapor ist als etwas härterer Routenschuh hier eine Ausnahme. Er überzeugt am Fels, ist aber fürs Bouldern, speziell an der Kunstwand, sicher nicht die erste Wahl.

Die gemütlichen Kletterschuhe gefallen durch viel Komfort. Bei ausgedehnten Hallensessions kann man sie auch mal länger am Fuß lassen. Synthetik-Strick als Obermaterial ist luftdurchlässig und lässt sich in der Festigkeit und Elastizität punktgenau produzieren. Fast alle Schuhe kommen mit Mikrofaser als Obermaterial, einzig Red Chili schickt beim Mystix noch ein Ledermodell ins Rennen. Leder passt sich besser an die Fußform an und riecht weniger. Das Mikrofasermaterial verhält sich elastischer und hält die Form länger.

Fazit

Das Erfreuliche auch an dieser Testrunde war die Erkenntnis, dass es schlechte Kletterschuhe eigentlich nicht mehr gibt. Die Passform der Kletterschuhe ist so ausgereift, dass schmerzhafte Druckstellen an den Zehen selbst bei extrem geformten Modellen nicht mehr auftreten. Nur die unten beschriebene Falte beim Saltic Oxygen sorgte für etwas Verdruss. In Sachen Perfomance geben sich die Schuhe in vergleichbaren Kategorien nicht allzu viel. Dennoch gefielen uns der Hiangle, der Solution Comp sowie der Mystix unter den Topschuhen besonders. Im Einsteigersegment fanden wir den Momentum Vegan und den Parrot Lace sehr überzeugend.

Kletterschuhe aus dem Test online kaufen:

Video: Geschichte der Kletterschuhe (englisch)

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Black Diamond Momentum Vegan (KLETTERN Preistipp)

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Black Diamond Momentum Vegan (KLETTERN Preistipp)

Mit dem Allrounder Momentum brachten die Amerikaner 2017 ihren ersten Schuh mit Strickoberteil. Der bekommt nun eine vegane Variante zur Seite gestellt, die komplett ohne tierische Bestandteile auskommt. Der schmal geschnittene Momentum sitzt im Zehenbereich sehr gut. Die mittelsteife Sohle unterstützt auf kleinen Tritten drinnen und draußen, vermittelt aber noch genug Gefühl für den Tritt. An- und Ausziehen geht dank gespaltener Zunge und zwei Velcros spielend leicht. Auch sonst ist der Momentum Vegan klar auf Komfort ausgelegt: gerader Schnitt, kein Downturn, kein unangenehmer Druck auf der Ferse oder sonstwo. A propos Ferse: Die hat etwas Luft.

Fazit: Als gehobener Einsteiger- und Trainingsschuh kann der Momentum Vegan überzeugen.

Positiv: Schmaler, aber komfortabler Schuh; gibt vorne guten Halt, auch auf kleinen Tritten; einfacher Ein- und Ausstieg; etwas dickere Sohle für mehr Langlebigkeit

Negativ: Für präzise Heel- und Toehooks empfiehlt sich aus dem Black-Diamond-Sortiment eher das Modell Zone

Konstruktion: Velcro Slipper, gerade, kein Downturn
Obermaterial: Engineered Knit, teilgefüttert
Sohle: Fuse, 4,3 mm
Größen: 35,5 – 47 (W: 35,5 – 42,5)
Preis: 90,00 €
Web: www.blackdiamondequipment.com

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Five Ten Hiangle (KLETTERN Empfehlung)

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Five Ten Hiangle (KLETTERN Empfehlung)

Der neue weiße Five Ten Hiangle ist ganz klar auf Angriff ausgelegt: starker Downturn, starke Vorspannung. Die war beim ursprünglichen Hiangle von 2015 noch etwas niedriger. Insgesamt wurde die Ferse überarbeitet und rundum mit Gummi versehen. Sie sitzt jetzt sehr stramm am Fuß. Der Ersteinstieg gelingt dank Vorspannung und straffem Gummi oben nur schwer, mit der Zeit aber immer besser. Einmal am Fuß zeigt der Hiangle dann sehr gute Perfomance, vor allem im steilen Gelände.

Fazit: Wenn es mit dem Durchstieg nicht klappt, liegt es sicher nicht an diesem Schuh!

Positiv: Präzises Stehen auch auf kleinen Tritten, sehr sensibel; Ziehen im Überhang geht gut; auch Reibung und Volumen halten; Ferse hält bei Heelhooks sehr gut; synthetisches Obermaterial ist leicht elastisch

Negativ: Anfangs sehr schwer an- und auszuziehen; starker Zug auf der Ferse

Konstruktion: Velcroslipper, asymmetrisch, mit starkem Downturn
Obermaterial: Mikrofaser, ohne Futter
Sohle: Stealth C4, 3,5 mm
Größen: UK 4,5 – UK 13,5
Preis: 139,95 €
Web: www.adidas.de

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La Sportiva Solution Comp (KLETTERN Empfehlung)

Kletterschuhe im Test 2020
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La Sportiva Solution Comp (KLETTERN Empfehlung)

Seit 2007 ist der Solution ein Kultschuh unter Kletterern und Boulderern. Der Solution Comp zielt nun auch auf die Wettkämpfer und ist etwas weicher als der Klassiker ausgelegt. Seine schmalere, sensibel-weiche Fersenkonstruktion soll auch auf kleinen Mikrogriffen an der Kunstwand haften. Die Hookperformance ist tatsächlich bestens. Gleich geblieben sind der perfekte Vorderfuß, der absolut präzises Antreten begünstigt, und auch sonst alle bewährten Features des Solution. Richtung Außenrist reicht das Toepatch-Gummi nun weiter hoch, was bei Toehooks die Fußoberseite besser schützt und mehr Reibung bietet.

Fazit: Insgesamt noch sensibler und so präzise wie eh und je – auch der Solution Comp könnte Kult werden.

Positiv: Sehr präzise und sensibel im Vorderfuß, ideal für steiles Gelände, hookt rundum sehr gut; effektives und schnelles Schließen mit dem Fast-Lacing-System.

Negativ: Kletterer mit ausgeprägtem Fersenbein könnten auf abschüssigen Hooks die nahtlose Rundung des "Heckwulstes" vermissen

Konstruktion: Velcroslipper, stark asymmetrisch, mit Downturn
Obermaterial: Leder/Mikrofaser, teilgefüttert
Sohle: Vibram XS Grip2, 3,5 mm
Größen: 34 – 46
Preis: 149,00 €
Web: www.lasportiva.it

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Lowa Parrot (KLETTERN Preistipp)

Kletterschuhe im Test 2020
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Lowa Parrot (KLETTERN Preistipp)

Auch Lowa ist beim neuen Parrot auf den Strick als atmungsaktives Obermaterial gekommen. Innen sorgt eine antimikrobielle Trevira-Fütterung nicht nur für weniger Geruch, sondern auch für Wohlgefühl am Fuß. Den geraden und mittelbreiten Schuh gibt es als Schnürer und als Velcro. Der Schnürer lässt sich in der Mitte fester und präziser spannen, erfreulicherweise ohne jede Druckstelle. Auch die Ferse sitzt dank der geringen Vorspannung sehr bequem, aber nicht sonderlich fest. Die eher runde Front ist sensibel und weich, knickt frontal auf kleinen Tritten aber ziemlich ab.

Fazit: Für Einsteiger, lange Hallensessions und einfache Felsrouten ist der Parrot ein höchst komfortabler Partner.

Positiv: Gute Passform, Zehenbox nicht zu breit und nicht zu schmal; leichter Schuh, angenehmes Tragegefühl; klettert sich in normalem Gelände prima und sensibel

Negativ: Runde Front ist wenig präzise, verzeiht aber auch ungenaues Antreten; für Hooks wenig geeignet, aber auch nicht gedacht

Konstruktion: Velcro-Slipper, gerade, ohne Downturn
Obermaterial: Mikrofaser-Strick, gefüttert
Sohle: Vibram XS Grip, 4 mm
Größen: UK 3 – 13
Preis: 99,95 €
Web: www.lowa.de

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Red Chili Mystix (KLETTERN Empfehlung)

Kletterschuhe im Test 2020
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Red Chili Mystix (KLETTERN Empfehlung)

Red Chilis neue Waffe fürs Bouldern und steile Routen heißt Mystix. Der hat ordentlich Downturn und ist sehr asymmetrisch, sitzt aber dennoch recht bequem am Fuß. Die Fersenspannung ist weniger hoch als beim Hiangle oder Nitro, was dem Tragekomfort zugute kommt. In Sachen Perfomance muss er sich keinesfalls verstecken: Die schmale und pointierte Front übermittelt ein sehr gutes Gefühl für den Tritt. Der Mystix steht präzise. Dass er sowohl im steilen Gelände gut zieht als auch auf Reibung gut funktioniert, verdankt er seiner gut abgestimmten Elastizität. Die Velcroschnürung hält ihn fest am Fuß, das große Toepatch schützt auch den Spann.

Fazit: Ein aggressiver Schuh für angriffige Kletterer, die es steil mögen.

Positiv: Einfach an- und auszuziehen, guter Verschluss; trotz extremer Form keine Druckstellen; sauber pointierte Front, schmale Zehenbox gibt guten Halt; sensibel und präzise, weich genug für Sloper und zum Ziehen im Überhang

Negativ: Kleine Tritte frontal stehen strengt an

Konstruktion: Velcroslipper, asymmetrisch, mit Downturn
Obermaterial: Leder, teilgefüttert
Sohle: Vibram XS Grip, 3,5 mm
Größen: UK 3 – 12
Preis: 134, 95 €
Web: www.redchili.de

Saltic Oxygen

Kletterschuhe im Test 2020
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Saltic Oxygen

Auch der Oxygen von Saltic kommt mit allen Attributen eines Hochleistungsschuhs: aufwendige Sohlenkonstruktion, Slipperbauweise (hier mit zwei Velcros), starke Vorspannung und Downturn, konkave Sohle unter den Zehen. Der Einstieg fällt anfangs etwas schwer, die Velcros lassen sich aber gut festziehen. Die Front ist nicht ganz so pointiert und vermittelt etwas weniger Gefühl als die besten Konkurrenten. Den Oxygen gibt es mit firmeneigener Extasy-Sohle oder mit Vibram-Gummi. Für optimale Performance würden wir zum Vibram-Modell greifen. Ein Manko ist, dass sich zwischen vorderem Velcro und Toepatch eine schmerzhafte Falte bilden kann.

Fazit: Der Oxygen funktioniert gut – wenn er nicht drückt.

Positiv: Gute Passform, vorne nicht zu schmal; Form und Funktion passen, klettert sich präzise und zieht auch im steilen Gelände; großes Toepatch gut für Hooks

Negativ: Einstieg anfangs schwierig; Falte zwischen Velcro und Toepatch drückt, wenn der Schuh abknickt (wird aber mit der Zeit weicher)

Konstruktion: Velcro-Slipper, stark asymmetrisch, mit Downturn
Obermaterial: Mikrofaser, gefüttert
Sohle: Extasy, 3,5 mm oder Vibram
Größen: UK 2 – 11
Preis: ca. 95 €
Web: www.saltic.cz

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Millet Easy Up 5C

Kletterschuhe im Test 2020
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Millet Easy Up 5C

Den Easy Up hatte Millet schon eine Weile als günstigen und bequemen Einsteiger- und Allroundschuh im Programm. In der neuen Version als Easy Up 5C kommt er nun noch komfortabler daher: Im Fersenbereich sorgt ein Schaumstoff-Insert für zusätzliche Dämpfung. Der gerade Schnitt, das angenehme Obermaterial und die dick gefütterte Zunge sind weitere Wohlfühlfaktoren. Die pointierte Zehenbox ist recht breit. Das ist bequem, fühlt sich aber nicht besonders präzise an, weil der Fuß im Schuh vorne nicht richtig fest sitzt. Im steilen Gelände ist es schwer, Druck auf die Zehen zu bringen.

Fazit: Überaus bequem, aber wer etwas mehr Performance will, muss ihn recht eng nehmen. Zumal er sich noch ein Stück dehnt.

Positiv: Sehr angenehmes Obermaterial; breite Passform; sehr sensibel und weich; keine Druckstellen und gedämpfte Ferse; sehr einfach an- und auszuziehen

Negativ: Muss für etwas mehr Präzision sehr eng gewählt werden; zum Hooken vorne und hinten mäßig, aber dafür auch nicht gedacht

Konstruktion: Velcro-Slipper, gerade, ohne Downturn
Obermaterial: Mikrofaser
Sohle: 4-Points-Grip-Durable, 4,5 mm
Größen: UK 4 – 12
Preis: 79,95 €
Web: www.millet-mountain.de

Ocun Nitro

Kletterschuhe im Test 2020
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Ocun Nitro

Mit dem Nitro zielt Ocun direkt auf die stetig wachsende Boulder-Community. Dazu weist der Nitro alle Konstruktionsmerkmale eines modernen Boulderschuhs auf: Slipperbauweise mit nur einem Velcro, aufwendige Sohlenkonstruktion aus verschieden vorgespannten Gummiteilen, eine großzügig gummierte Zehenkappe und ein recht weicher Aufbau. Entsprechend sensibel klettert sich der Nitro, kleine Tritte spürt man sehr direkt. Starker Downturn und Asymmetrie sorgen im Überhang für Druck auf den Zehen, und er ist im Mittelfuß weich genug, um auch auf Volumen und Slopern gut zu stehen.

Fazit: Für die extreme Auslegung ist der Nitro erstaunlich komfortabel. Ganz nebenbei ist er auch noch 100 Prozent vegan.

Positiv: Relativ schmale Passform mit flacher, pointierter Zehenbox; gut an- und auszuziehen; sehr sensibel und präzise; großes Toepatch hält gut bei Toehooks; sehr angenehmes Material, keine Druckstellen

Negativ: frontales Stehen kleiner Tritte anstrengend, als Routenschuh schon sehr weich

Konstruktion: Velcroslipper, stark asymmetrisch, starker Downturn
Obermaterial: Mikrofaser, ohne Futter
Sohle: CAT 1.5, 4 mm
Größen: UK 3 – 13
Preis: 149,95 €
Web: www.ocun.cz

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Scarpa Vapor Lace

Kletterschuhe im Test 2020
Volker Leuchsner
Scarpa Vapor Lace

No chance with Galoshkies (9-) nannte 1983 der Australier Kim Carrigan seine Kreation an den Gößweinsteiner Wänden. Sollte heißen: Manchmal ist ein stabilerer Schuh von Vorteil. Auch Scarpa behält mit dem Modell Vapor einen etwas härteren Schuh im Programm. 2019 hatten wir schon den Vapor V im Test, nun folgt die Schnürervariante. Der hat das gleiche Obermaterial aus angenehm weicher Synthetik und ebenfalls eine etwas härtere Zwischensohle. Die gut laufende Schnürung kettet den Vapor Lace eisenfest an den Fuß, ohne irgendwo zu drücken. Der Schuh klettert sich ausgesprochen präzise und steht auch auf kleinsten Leisten wie eine Eins.

Fazit: Prima Routenschuh von senkrecht bis leicht überhängend.

Positiv: Bequeme, relativ gerade Passform, angenehmes Obermaterial und Zunge, keine Druckstellen; sauber pointiert, steht sehr präzise auch auf kleinen Tritten; sehr guter Halt am Fuß; auch als Damen-Version erhältlich

Negativ: Nicht die höchste Sensibilität (aber gut)

Konstruktion: Schnürer, leicht asymmetrisch, leichter Downturn
Obermaterial: Mikrofaser, ohne Futter
Sohle: Vibram XS Edge, 3,5 mm
Größen: 39 – 46 (Frauen: 35 – 42)
Preis: 139,95 €
Web: www.scarpa-schuhe.de

So ill The Street

Kletterschuhe im Test 2020
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So ill The Street

Die Firma So ill des amerikanischen Kletter-Exzentrikers Jason Kehl kennt man eigentlich eher als Griffhersteller. Inzwischen mischen sie im Schuhmarkt mit, und natürlich spielt bei Jason Kehl das Design eine große Rolle. Mattschwarz und gediegen kommt der The Street daher. Die mittelbreite Zehenbox sorgt für Komfort, die große Öffnung dank "freischwebender" Zunge für einfaches An- und Ausziehen. The Street steht präzise auf kleinen Tritten. Bouldern drinnen und draußen sowie Seilklettern im steilen Gelände sind sein bevorzugtes Metier. Mit der gut verarbeiteten Fersenbox lässt sich auch präzise hooken.

Fazit: Der kleine Schwarze erfreut fortgeschrittene Kletterer mit viel Performance.

Positiv: Gute Passform, Obermaterial dehnt sich nur leicht; klettert sich präzise und sehr sensibel; angenehm leichter Ein- und Ausstieg; gut bei Heelhooks; guter Gummi für Sohle und Toepatch

Negativ: Der vordere Velcro kann bei manchen Toehooks stören

Konstruktion: Velcroschuh, stark asymmetrisch, mit Downturn
Obermaterial: Mikrofaser, gefüttert
Sohle: Dark Matter Rubber
Größen: UK 3 bis UK 12
Preis: 144,95 €
Web: www.soillholds.com

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