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Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche
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Vaude: Neue Hosen aus alten Reifen

Neue Bekleidung von Vaude Hosen aus alten Reifen

Vaude bringt Outdoor-Bekleidung aus chemisch recyceltem Gummi an den Start. Diese Innovation gibt der ambitionierten Klimastrategie zusätzlichen Drive.

Illegale Entsorgung kaum löschbare Depot-Brände, vom All aus sichtbare Reifenfriedhöfe im Wüstensand – ausgediente Pneus sind ein evidentes Umweltproblem. Weltweit werden jährlich mehr als zwei Milliarden neu produziert. Allein in Deutschland müssen fast 600.000 Tonnen Altreifen jedes Jahr entsorgt werden. Zu Granulat und Gummimehl zerkleinert kommt ein Teil zum Beispiel in elastischen Untergründen im Straßenbau sowie auf Sport- und Spielplätzen zum Einsatz. Fast ein Drittel wird hierzulande als Ersatzbrennstoff etwa in der Zementindustrie klimaschädlich verfeuert.

Doch Altreifen könnten durch die Wunder der Chemie zu schwarzem Gold werden. Erhitzt man geschredderten Gummi unter Luftabschluss, zerbrechen langkettige Kohlenstoffmoleküle, und es wird ein Pyrolyse-Öl gewonnen, aus dem neuwertige Polyamidfasern hergestellt werden können. So liefert ein Altreifen den Rohstoff für fünf funktionelle Outdoor-Hosen. Erstmals setzt das Familienunternehmen Vaude Material aus diesem innovativen Verfahren in der Sommerkollektion für alle Farley-Stretch-Hosen und Yaras Zip-Off Pants ein. »Der Stoff ist genauso leistungsstark, elastisch und schnelltrocknend wie herkömmlicher Kunststoff, der aus Erdöl gewonnen wird«, bestätigt René Bethmann, Innovation Manager bei Vaude. Zudem werde unter dem Strich 60 Prozent weniger CO2 freigesetzt als bei der Synthese von Polyamid aus fossilem Rohöl, da die emissionsstarke vollständige Verbrennung der Reifen wegfällt. Ist der Pyrolyse-Prozess einmal angefahren, läuft er durch Verheizung der entstehenden Pyrolyse-Gase energieautark.

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Die patentierte Technologie des Altreifen-Recyclings wurde vom saarländischen Thermolyse-Spezialisten Pyrum Innovations entwickelt. Das Chemieunternehmen BASF, das seit 2020 bei Pyrum an Bord ist, produziert mit dem Pyrolyse-Öl den neuen Kunststoff Ultramid Ccycled. Der Einkaufspreis ist derzeit noch etwas teurer als Polyamid aus fossilem Erdöl. »Diesen Mehrpreis nehmen wir aber bewusst in Kauf, um dem neuen Verfahren einen Marktstart zu ermöglichen«, erklärt Vaude-Manager Bethmann. »Wir möchten Vorreiter beim Aufbau einer klimafreundlichen Textilproduktion und Kreislaufwirtschaft für Funktionsbekleidung sein.« Bewusst setzt Vaude auf kommerziell erfolgreiche Hosenmodelle, um der innovativen Technologie Schubkraft zu verleihen.

Für den Winter sind Jacken aus Altreifenrecycling in Kombination mit einer Primaloft-Wattierung aus wiederverwerteten PET-Flaschen geplant. Rund die Hälfte der Produkte wird in der Sommerkollektion bereits mit recycelten Materialien hergestellt. Bislang kam bei Kunststoffen vor allem mechanisches Recycling, das allerdings sortenreine, saubere und farblich getrennte Abfälle erfordert, zum Einsatz. »Genau dann, wenn mechanische Verfahren an ihre Grenzen bezüglich Verfügbarkeit und Qualität der gewonnenen Rohstoffe kommen, bringt uns das chemische Recycling weiter«, erklärt Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz. Ihr Ziel ist ambitioniert: Bis 2024 sollen 90 Prozent der Vaude-Produkte einen recycelten oder biobasierten Materialanteil von mehr als 50 Prozent haben.

Die Wege dorthin sind vielfältig: So stecken zum Beispiel drei Kilo recycelter Polypropylen-Verpackungsmüll aus dem Gelben Sack in der Rückenplatte einer Vaude-Radtasche. Die Kunstdaune HeatSphere Eco entsteht aus gebrauchten PET-Flaschen. Das Nylon für die Skarvan Bio-based Pants wird aus Rizinusöl gewonnen, und Kaffeesatz ist die Basis für geruchshemmende Wattierungen.

Der Einsatz innovativer Verfahren und Materialien sowie die Unterstützung der Produktionsbetriebe beim Umstieg auf erneuerbare Energien zählen für Vaude zu den stärksten Hebeln, um die Treibhausgasemissionen der globalen Lieferkette zu reduzieren. »Für Klimaschutz ist es höchste Zeit«, mahnt Antje von Dewitz – und setzt dabei klare Prioritäten. Alle CO2-Emissionen werden ab diesem Jahr komplett kompensiert.

Vaude wirtschaftet damit bereits heute mit seiner gesamten Lieferkette klimaneutral. »Aber das reicht uns nicht«, sagt die Inhaberin. »Daher investieren wir den gleichen Betrag, der jährlich in die Kompensation fließt, zusätzlich in die kontinuierliche Reduzierung der Emissionen.« Um das diesjährige Budget hierfür zu stemmen, hat sie kurzerhand den Marketingetat um rund eine halbe Million Euro gekürzt. »Klima kommt vor Profit«, lautet ihre feste Überzeugung. »Über Nachahmer würden wir uns freuen.«

Komplett klimaneutral

  • Pacemaker: Seit Januar arbeitet Vaude inklusive Lieferkette klimaneutral, die deutsche Firmenzentrale mit Manufaktur-Produkten sogar bereits seit 2012.
  • Kreislauf: Altreifen, Rizinus oder Hanf – jedes zweite Produkt besteht schon in diesem Jahr überwiegend aus recycelten oder biobasierten Materialien. Bis 2024 sollen es dann 90 Prozent der Kollektion sein.
  • Transport: Die Ware wird ab dem Produktionsort klimaneutral bis zum Kunden befördert.
  • Ökostrom: Der Firmensitz in Tettnang nutzt seit 2009 ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien, darunter selbst erzeugte Solarenergie.
  • Kompensation: Kleinbauern in Vietnam wird über Gold-Standard-Projekte von Myclimate der Bau von Biogasanlagen ermöglicht.
  • Viele weitere Infos dazu unter vau.de/klimaneutral

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