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OD SH 01/2022: Österreich Max Draeger
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Reisegeschichte: Mit dem Rad quer durch Österreich

Trans-Schnitzel Mit dem Rad quer durch Österreich

Vier Mann wollen einmal quer durch Österreich. Die Voraussetzungen sind nicht gerade optimal, aber letztlich zählt der Spirit. Und das Beinschmalz.

Reisebericht "Trans-Schnitzel" – von Innsbruck nach Wien

März in Innsbruck. Lockdown. Zwischen Desinfektionsmittelknappheit und Sorge um die Zukunft der Menschheit kurble ich auf dem Hometrainer meine Meter, Trittfrequenz 90, einen Song mit Stromgitarre im Ohr. Das ist okay, aber die Saisonvorbereitung hatte ich mir trotzdem anders vorgestellt. Dann ruft Konstantin an. »Ich pack‘s nicht mehr!«, jault er. Er hat gerade seine Masterarbeit abgegeben und will jetzt eigentlich nur eins: Radfahren im sonnigen Süden, mit Meer und allem. Das will ich auch, aber die Grenzen sind dicht. »Dann eben Urlaub dahoam«, improvisiere ich. »Mission Schnitzel. Wir suchen das beste Schnitzel im Schnitzelland.« Und damit am Schluss, wenn schon nicht das Meer, so doch wenigstens ein Gewässer kommt, legen wir den Neusiedlersee als Ziel fest – ganz am gegenüberliegenden, dem östlichen Ende Österreichs. Wir jagen die Idee durch den Routenplaner. Heraus kommt ein mehrtägiges Gravel-Bikepacking-Abenteuer, fünf Tage, gut 12.000 Höhenmeter auf 800 Kilometern. Einmal quer durch die Kitzbüheler Alpen, über den Großglockner nach Kärnten und von dort auf direktem Weg durch die Nockberge und Graz nach Osten.

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Sächsische Schweiz (D)/Lars Schneider
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Fünf Wochen später in der Innsbrucker Altstadt. Vier Mann, vier Bikes, schwerbeladen mit Schlafsack, Isomatte und minimalistischer Campingküche. Ein Traum! Abgesehen vom Wetterbericht, demzufolge wir lieber eine Arche zimmern sollten als Höhenmeter spulen. Aber man kann ja nicht auf jede Kleinigkeit Rücksicht nehmen. Neben Konsti und mir grinsen noch Max und Lukas aus ihren Regenjacken. Lukas fährt seit seiner Jugend Rennrad und ist Rennlenker und schmale Reifen gewohnt. Mit Bikepacking hat er aber auch keine Erfahrung. Max dagegen fühlt sich eher zwischen Wänden aus Fels und Eis zu Hause. Obwohl er von Gravel nicht die geringste Ahnung hat, war er sofort bereit, unsere Chaostruppe als Fotograf zu begleiten.

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Max Draeger
Nasse Straßen beim Start in Innsbruck. Wir hatten da schon so eine Ahnung

Auf dem Inntalweg verlassen wir die Stadt zügig in Richtung Osten und scheinen die Regenwolken fürs Erste vor uns herzutreiben. Während Lukas Max noch erklärt, warum MTB-Flatpedals und Kletter-Zustiegsschuhe auf dem Gravelbike eher unüblich sind, biegen wir nach 30 Kilometern in einen Feldweg.

Herzlich willkommen im Tiroler Amazonasbecken

Der Weg wird schmaler und schmaler. Schließlich quert er als Fußspur einen vom Regen glitschigen Steilhang. Kein Zweifel, wir haben uns verfahren. Aber jetzt umdrehen? Unter uns dröhnt der sonst so friedlich dahinfließende Inn. Eindrücke wie im Amazonasbecken, aber wir nehmen die Hürde mit Bravour. Keiner stürzt, keiner sitzt auf dem Hosenboden, niemand nimmt ein ungewolltes Bad. Nur mit dem Schnitzel kommen wir nicht weiter. In Hopfgarten, etwa auf halber Strecke unserer ersten Etappe, hat gerade nur ein Grieche geöffnet. Schnitzel: Fehlanzeige. Aber es gibt Pizza. »Wie groß ist denn so eine kleine Pizza?«, fragt Lukas die Chefin des Hauses ein wenig misstrauisch. Denn zu kleine Pizzen braucht gerade wirklich niemand.

Mit vollem Magen geht es eine nicht anders als unmenschlich zu titulierende Schotterrampe weiter zur Filzenscharte in Richtung Pinzgau. Hier kämpft jeder für sich allein. Ich falle zurück, erst etwa 200 Höhenmeter später schließe ich wieder zur Gruppe auf. Die Jungs stehen vor einem Berggasthof und unterhalten sich freundlich mit angetrunkenen Einheimischen. »Wo wollt’s denn hin mit dem ganzen Graffl?«, fragt der Wortführer in Ur-Tirolerisch und deutet auf unsere Packtaschen. »Richtung Wien!« – »Ihr spinnt’s! Da fahr i ja netmal mit’m Auto hin!«

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Max Draeger
12 000 Höhenmeter hat unsere Tour, darunter viele gute, aber auch ein paar nicht ganz so gute

Im endlosen Nieselregen schlängeln wir uns weiter die Forststraße hinauf zur Scharte. Die Beine brennen. Es ist schön. Also der Schmerz, nicht das Wetter. Außer unseren Atemzügen und dem monotonen Abrollen der Reifen kein Laut. Weit und breit kein Mensch. Wie viele Wanderer verirren sich wohl an sonnigeren Tagen an diesen Übergang zwischen Tirol und Salzburg? Nur einer Herde Grauvieh begegnen wir – sie lässt den Regen gleichgültig auf sich niederprasseln. Machen wir jetzt auch so. »Da geht’s rauf!« Lukas deutet auf einen schmalen Wanderweg, heute eher ein reißender Fluss. »Echt nicht weit, eigentlich nur 300 Meter.« Wir schieben. Lukas stolpert auf den Plastiksohlen seiner Rennradschuhe hilflos voraus, Konsti hinterher. Max schaut mich grinsend an und zeigt auf seine Zustiegsschuhe. 1:0 für ihn.

Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt

Auf Isomatte und nassen Wald hat danach keiner mehr richtig Lust – Bikepacking-Romantik hin oder her. Wir hauen noch 40 Kilometer durchs Pinzgau weg und suchen Zuflucht in einer spontan gebuchten Unterkunft. Eine gute Idee, denn am nächsten Tag wird es noch schlimmer: Völlig durchweicht und abgekämpft kommen wir am Millstätter See an. Auch die Etappe über den Großglockner versinkt im heftigen Regen. Sie sollte mit dem höchsten Pass eigentlich das Highlight der Tour werden, doch Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt machen sie eher zu einem Albtraum.

Erst, als wir über schmale Straßen vorbei an den Nockbergen und durch das Gurktal immer tiefer ins Herz Österreichs kurbeln, zeigt sich ab und an die Sonne. Landstraßen mit wenig Verkehr, schöne Gravelabschnitte und der ein oder andere Trail machen Laune. Am späten Nachmittag erreichen wir das Klippitztörl und rufen, weil schon wieder Regen aufzieht, beim nächstgelegenen Gasthof an. »Irgendwo übernachten? Heute? Bei uns in der Gegend? Das wird ganz sicher nichts.« Und mit dem Schnitzel, so wie es aussieht, auch nicht. Also weiterfahren. Im Niemandsland zwischen Steiermark und Kärnten sieht es nach Niedergang aus – überall verlassene Häuser, eingeworfene Fenster. In die Dämmerung hinein treten wir immer weiter Richtung Packer Höhe, 50 Kilometer vor Graz. Dann, in völliger Dunkelheit, schieben wir die Räder durch das Unterholz in ein Waldstück. Am Rande einer Lichtung ist der Boden eben und halbwegs trocken. Home for tonight.

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Max Draeger
Konstantin packt seine Biwakausrüstung nach einer Nacht im Wald zusammen

Anderntags sieht man in der Gemeinde mit dem schönen Namen Edelschrott um 11 Uhr morgens vier ausgehungerte Bikepacker inmitten ihrer Räder vor einer Bäckerei auf dem Boden sitzen. Im Zweiminutentakt springt einer auf, geht hinein und kommt mit Brezeln, Apfelstrudel oder Nussschnecken beladen wieder heraus. Von der gegenüberliegenden Seite des Dorfplatzes aus beobachtet uns kopfschüttelnd eine Gruppe älterer Damen. Ein älterer Herr möchte uns auf ein Bier einladen. Wir lehnen dankend ab. »Macht das mit den schweren Taschen überhaupt noch Spaß?«, will er wissen. Gute Frage. Aber es wird jetzt entspannter. Die östlichen Ausläufer der Alpen präsentieren sich uns als gemäßigtere Waldberge und Hügel.

Der letzte richtige Pass ist mit 1200 Höhenmetern der Feistritzsattel, doch der Radweg auf der Trasse der ehemaligen Feistritztalbahn verdient das Prädikat »Premium-Gravel« und windet sich in angenehm gleichmäßiger Steigung bergauf. Die Abfahrt spuckt uns im Flachland vor den Toren Wiens aus. Nach fünf Tagen im Regen will keiner mehr im Neusiedler See baden. Neues Ziel: Schloss Belvedere im Herzen Wiens und strategisch nah an Wiens Hauptbahnhof. Wir erreichen das Schloss »just in time«, um uns vor der Rückreise mit dem Zug noch kurz auf unseren Bildungsauftrag zu konzentrieren: Erst mal ein Schnitzel. Es ist vielleicht nicht das beste Schnitzel Österreichs. Aber uns schmeckt es verdammt gut. Und man braucht ja auch einen Grund, um noch einmal loszufahren. Weniger Regen wäre bei der nächsten Mission der Zitronenschnitz auf der Panade.

Die Tour der Vier auf Komoot

Gravelbike: Nur ein Trend? – Jetzt unseren Podcast dazu anhören

Ihr könnt die Podcast-Folge entweder gleich hier auf der Seite anhören – oder auf allen gängingen Online-Portalen, wie Spotify & Co.

FAQs zum Thema Gravelbike

Was sind Gravel Touren?

Das Gravelbike bezeichnet ein Rad mit einem Rennradlenker aber mit etwas breiteren und meistens auch profilierten Reifen, damit man auf Schotter, im Gelände oder im Wald optimal fahren kann. Das macht sie unter anderem zu einem idealen Partner für Radreisen und Touren. Taschen werden direkt unter dem Sattel platziert oder das Gepäck in eine Lenkerrolle oder Rahmentasche verstaut.

Welches Gravelbike für Touren?

Das Focus Atlas macht jedes Abenteuer mit und eignet sich deshalb gut für Touren. Das aufgeräumte Cockpit schafft Platz für eine Lenkertasche. Darüber hinaus bietet der Rahmen eine Vielzahl an Möglichkeiten Flaschenhalter oder Gepäcktaschen zu montieren. Jede Pässetour bestehen soll dank des nur 1120 g schweren Rahmen das ARC8 Eero Gravelbike. Ein extrem gutes Gesamtpaket bieten zudem das Canyon Grail Al und das Rose Backroad AL GRX RX600.

Was bedeutet Gravelbike auf Komoot?

Der Hinweis auf das Gravelbike in Komoot bedeutet, dass die Strecken teilweiße auf nicht asphaltierten Straßen und Wegen verlaufen und gerne auch durch wegloses Terrain führen.

Warum Gravel Bike?

Ein Gravelbike lässt sich zwischen einem Rennrad und einem Mountainbike einordnen. Damit kommt es bei Unentschlossenen beider Kategorien, als auch bei Wiedereinsteigern besonders gut an. Im Vergleich zu beiden Spezialisten ist das Gravelbike vielseitiger einsetzbar.

Welches Gravel Bike ist das beste?

Zu einem der Topmodelle 2022 gehört das neue Crux von Specialized, dass die perfekte Symbiose aus sportlichem Gravelbike und renntauglichem Crosser bietet. Einzes Manko: der enorm hohe Preis von um 12.200 Euro. Ebenfalls empfehlenswert ist das Addict Gravel von Scott, dass auf schnellen Touren als auch Ganztagestouren Spaß macht. Gravelbiker:innen die rasant auf Schotter unterwegs sein wollen, sollten sich das Cannondale SuperSix Evo SE genauer anschauen. Als vielseitiger Alleskönner präsentiert sich das Grandurance Elite der Hamburger von Bergamont. Die Top 12 unserer Gravelbike-Spezialisten von Roadbike.de findet ihr hier

Was für ein Fahrrad für lange Strecken?

Trekkingräder sind Alleskönner und können auch auf längeren Touren eingesetzt werden. Da sie oft mit Federgabeln und Scheibenbremsen ausgestattet sind, eignen sie sich gut für die Mitnahme von Gepäck. Die aufrechte Sitzposition sorgt für Komfort auf längeren Strecken.

Reiseräder sind speziell für lange Touren ausgelegt, erlauben meist eine üppige Beladung oder die Option für weitere Anbauteile und kommen ebenfalls mit einer bequemen Sitzposition daher.

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Welches Fahrrad für schnelle Touren?

Für hohe Geschwindigkeiten und die sportliche Nutzung eignet sich am besten ein Rennrad, welches durch geringes Gewicht dank Carbon oder Aluminium punktet.

Welches Fahrrad bei welcher Größe?

Besonders bei Kindern ist die richtige Fahrradgröße wichtig. Ein Richtwert gibt die Schrittlänge. Dafür sollte das Kind ein Buch zwischen die Beine klemmen und so weit wie möglich nach oben schieben. Anschließend wird der Abstand von der oberen Kante des Buches bis zum Boden gemessen. Diese Länge hilft zur Einordnung bei der Fahrradgröße. Am besten lässt man sich jedoch im Fachgeschäft vor Ort beraten. Für Rennräder als auch für Gravelbikes für Erwachsene eignet sich der ROADBIKE-Rahmengrößenrechner.

Welches Fahrrad für Straße und Gelände?

Für das Gelände und enorme Belastungen konzipiert sind Mountainbikes. Die gefederte Gabel sorgt für mehr Stabilität und Komfort. Auch Gravelbikes eignen sich als Allrounder für das Gelände. Für die Straße ist ein City Bike optimal, da sie für die Nutzung im Straßenverkehr ausgelegt und verkehrstauglich ausgestattet sind. Das Trekkingrad eignet sich ebenso für die Straße, ist aber tendenziell auch geländetauglich.

Für wen sind Gravelbikes?

Besonders eignet sich das Gravelbike für sportliche Fahrer, die auch gerne (längere) Strecken abseits des Asphalts wählen und auf verschiedenen Untergründen unterwegs sind. Zudem bieten Gravelbikes oft die Möglichkeit Schutzbleche am Rad anzubringen, was es für Pendler interessant macht. Noch mehr Infos zum Gravelbike auch hier im OUTDOOR-Podcast

Welche Muskeln trainiert man beim Radfahren?

Die Muskeln, die beim Radfahren am meisten arbeiten müssen, sind natürlich die Beine. Darunter der Gluteus Maximus (Gesäßmuskel), der für die meiste Trittkraft aber auch für Gleichgewicht und Stabilität sorgt. Die Muskelgruppe der Hamstrings (hinterer Bereich der Oberschenkel) werden ebenfalls trainiert. Die zweite wesentliche Kraftquelle bilden die Muskeln Vastus Medialis, Rectus Femoris und Vastus Lateralis, die den Quadrizeps (Muskelbündel des Oberschenkels) bilden. Mit für die Trittkraft verantwortlich ist drüber hinaus die Wadenmuskulatur, der Seoleus (Schlüsselmuskel für Gehen und Laufen) und der Tibialis Anterior, der für das Gleichgewicht in Knien und Fußgelenk verantwortlich ist. Neben den Beinen sind weitere Muskeln beim Radfahren wichtig und aktiv, darunter Bauch- und Lendenmuskeln, Schulter und Arme.

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