OUTDOOR Ausgabe 06/2020 OUTDOOR / Björn Hänssler
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Mikroabenteuer in Deutschland & mehr

OUTDOOR 06/2020 - jetzt am Kiosk

Wer die gewohnten Bahnen verlässt, kann auch in Zeiten wie diesen Abenteuer erleben. Die OUTDOOR-Redaktion hat es ausprobiert und stellt euch diese "Mikroabenteuer" im neuen Heft vor. Die passenden Schuhe aus unserem aktuellen Testfeld gibt's in der Fotostrecke oben ...

Ein Biwak nur ein paar Schritte entfernt von zu Hause ist ein magisches Erlebnis

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Biwak auf der Schwäbischen Alb
Microadventures in Deutschland (Heft 06/20) Die schönsten Abenteuer vor der Haustür
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Microadventures - Biwak
Sandro Vitale
OUTDOOR-Volontär Sandro Vitale freute sich nach einer abenteuerlichen Nacht auf seinen Espresso.

Dem steigt die Corona-Sache zu Kopf, glaubt mein Bruder, als ich mich verabschiede: »Muss los, ich biwakiere am Zeller Horn.« Auch wenn der Aussichtsfels auf der Gemarkung zwischen Albstadt-Onstmettingen und Hechingen hier direkt um die Ecke jedem vertraut ist, zweifelt er: »Dort pennen, ohne Zelt?« Als OUTDOOR-Volontär sage ich cool: »Das Schwarze mit Sternen drauf reicht«, glaube mir aber selbst nicht so recht. Ich allein im Wald? Zu viele Filme gesehen! Biwakerfahrung? Fehlanzeige. Egal, los! Kurze Autofahrt durch den Ort und 20 Minuten zu Fuß auf dem Wiesen- und Waldweg bis zur Lichtung. Sofort im Blick: die Burg Hohenzollern, schwebend im Abendrot.

Biwak auf der Schwäbischen Alb
Sandro Vitale

Gefühlt von ihren Türmen beobachtet, schlage ich das Lager auf, und dann – der Horizont hatte ewig nachgeglüht – bricht die Nacht herein. Noch bin ich nicht allein, am Felsvorsprung bewundern zwei Jungs ebenfalls das Lichtermeer der Gemeinden im Tal. Erst spät, als sie sich mit Mindestabstand von mir verabschiedet haben, koche ich zu Abend. Stirnlampe? Im Vollmondschleier überflüssig. Es ist nicht gespenstisch. Eher magisch! Lange wache ich noch vor mich hin. Eulenrufe nehme ich wahr, ein Flugzeug entzweit mit seinem Kondensstreifen den Sternenhimmel. Alles andere: traumhaft-surreal.

Biwak auf der Schwäbischen Alb
Sandro Vitale

Als sich die Sonne wieder durchs Geäst kämpft, bin ich voll da, spähe aus dem Schlafsack zur Burg – ein wenig stolz, dass mir hier oben nicht die Düse ging. Zur Belohnung setze ich Espresso auf, der – zugegeben – etwas zu stark gerät. Eigentlich dachte ich ja, die Nacht ließe mich zittern! outdoor-Volontär Sandro Vitale freut sich nach einer abenteuerlichen Nacht auf seinen Espresso.

Wer auf offener Flamme kocht, genießt Lagerfeuerromantik und gutes Essen

Den Nachmittag in den Abend ausgleiten lassen, bei einem Wein in ein rotglühendes Feuer starren und den Duft von Gulasch oder einem deftigen Eintopf schnuppern – das macht, kurz gesagt, das Kochen mit dem »Dutch Oven« für mich aus. Ein Fleischgericht dauert in dem gusseisernen Topf schön lange, sodass man sich nicht die ganze Mühe mit Feuerschale aufbauen, Glut produzieren und vor allem nachher der Topfreinigung für eine Viertelstunde Kochzeit macht.

Kochen am Lagerfeuer - Dutch Oven
Kerstin Rotard

An einem der letzten lauen Samstage installieren mein Mann Achim und ich uns auf der Terrasse – wegen Corona soll man ja nah beim Haus bleiben – und verfeuern die Reste von unserem Hochbeet, um der Grillkohle ein Flammenbett zu bereiten. Dann schmoren wir Rindsgulaschstücke vom örtlichen Biobauern an – unsere Katze zeigt sich extrem interessiert daran – und löschen mit Wein ab. Wir müssen natürlich testen, ob der schmeckt. Mitten im zweiten Testglas schaut Nachbar Manfred über den Gartenzaun. Normalerweise lädt man dann ein, auch vom Wein zu probieren, aber in der Zeit des »social distancing« passt ein Gespräch auf Rufweite besser.

Kochen am Lagerfeuer - Dutch Oven
Kerstin Rotard

Gemüse in den Topf, die Dämmerung senkt sich über den Garten. Die Katze schleicht mit scheelem Blick vorbei. Es dampft köstlich aus dem Dutch Oven, der inzwischen glühende Kohlen auf dem Deckel trägt. Nach zwei Stunden und noch einem Gläschen Wein ist a) stockfinstere Nacht und b) das Gulasch fertig. Paar Scheiben Brot dazu, andächtiges Schauen in die verlöschende Glut – und vielleicht doch noch ein letztes Gläschen Wein. #WirBleiben Zuhause: Reiseredakteurin Kerstin Rotard kocht Gulasch auf offenem Feuer im eigenen Garten.

Kochen am Lagerfeuer - Dutch Oven
Kerstin Rotard

Auf einer Nachtwanderung erlebt man den Wald ganz anders als gewohnt

Die Sonne strahlt, und alle wollen raus – kein Wunder, dass Wald- und Wiesenwege in Zeiten von Corona noch beliebter sind als sonst im Frühling. Joggen habe ich, für ein Gefühl von Normalität, in den frühen Morgen verlegt: Dann bewegen sich auf meinen gewohnten Pfaden nur ein paar Gleichgesinnte und Hundebesitzer. Aber wenn man draußen zur Abwechslung mal wieder ganz für sich sein will? »Morgen ist Vollmond«, sagt mein Freund Andreas. »Wandern wir doch einfach in die Nacht.«

Nachtwanderung bei Vollmond im Wald
Getty Images / Bill Hinton

Und so starten wir um kurz vor acht abends unweit seines Wohnorts Wangen im Allgäu. Linker Hand färbt die untergehende Sonne den Himmel rot, rechts geht über den Alpen der Mond auf, groß und noch ein wenig blass. Ein fast sommerlicher Grasgeruch erfüllt die Luft, bergab führt uns der Weg zu kleinen Seen mit Froschkonzert und dann in den Wald. Frisch geschlagenes Holz duftet, Vögel zwitschern ein Abendständchen, über dunklen Wipfeln leuchtet der Mond immer kräftiger – ein sogenannter Supermond, denn er steht der Erde heute außergewöhnlich nah. Als wir den Wald verlassen, durch stille, sanft hügelige Wiesen mit vereinzelten Gehöften gehen, werfen wir klar umrissene Schatten. Stirnlampe? Außer beim Kartencheck unnötig. Und das Beste: Keine Menschenseele ist unterwegs. Mich überkommt ein vertrauter, beglückend leichter Gemütszustand, und nicht einmal der Hofhund, der seit zehn Minuten wütend hinter uns herbellt, reißt mich heraus. Es soll mich bis zum Tourende gegen Mitternacht begleiten und hallt nach bis in den Schlaf: das unvergleichliche Freiheitsgefühl des Wanderns. Ebenfalls empfehlenswert: Eine "Frühaufsteher-Tour" in den Sonnenaufgang hinein ...

Radtour um Esslingen
Gunnar Homann

Oder mal mit dem Rad um die eigene Stadt fahren

Es ist Frühling, und wenigstens einen Tag lang mag ich nichts von Pandemien hören. Mein Rad schaut mich sowieso schon viel zu lange vorwurfsvoll an, und wenn ich das nun nähme und um Stuttgart führe? Deutschlands sechstgrößte Stadt liegt gleich vor meiner Haustür, und außen herum soll eine Tour von 80 Kilometern und 800 Höhenmetern führen, der sogenannte Radelthon. Aufbruchstimmung im Herzen, schwinge ich mich in den Sattel und rolle durch Weinberge zum Neckar hinab.

Radtour um Esslingen
Gunnar Homann

Bald stoße ich auf die grünen Schilder, die den Weg weisen sollen. Zwanzig, vielleicht dreißig Kilometer klappt alles bestens. Ich schnurre am Fluss entlang, sehe Frachter am Ufer liegen, überhole ein paar Läufer und gelange im Zickzack durch Bad Cannstatt. Dahinter verlieren sich die Wegweiser. Ich eiere zwischen kahlen Äckern umher, trete Berge hinauf, kurbele durch Wiesen, passiere Hochhaussiedlungen, gelange in Flusstäler und kurve durch Wälder. Wie ich die Ortschaften verbinde, bleibt jetzt meist ganz alleine mir überlassen. Ich nutze meine frischgewonnene Freiheit, verfahre mich nach Kräften, und wenn ich dann doch wieder einmal auf ein Schild stoße, dann freue ich mich, so wie man sich freut, wenn man zufällig auf liebe, aber ein wenig flatterhafte Bekannte stößt.

Radtour um Esslingen
Gunnar Homann
Wer sich verfährt, sieht mehr von der Welt – klappte bestens beim Geschäftsführenden Redakteur Gunnar Homann.

Am Ende bin ich wohl eine ganze Menge Extrakilometer gefahren und ein paar Berge zu viel. Aber ich habe meine Umgebung ganz neu kennengelernt, und wenn Sie mich fragen, ob ich nicht doch lieber die GPS-Daten zur Tour hätte herunterladen sollen: Nein, das wäre nur das halbe Abenteuer gewesen.

Geocachen macht normale Spaziergänge zum Abenteuer

Schon seit Tagen habe ich das Gefühl, dass mein Sohn (12) es mit dem Lockdown etwas zu genau nimmt. Jedenfalls ist er nur noch schwer vor die Tür zu kriegen und verbringt viel Zeit in virtuellen Sternenwelten – an diversen Flimmerkisten. Eine solche habe ich ihm jetzt auch am Sonntag nach Ostern in die Hand gedrückt: ein Smartphone mit einer kostenlosen App zum Geocachen. Den naheliegendsten Cache hatte ich schon rausgesucht: eine gelb eingezeichnete Luftlinie zum 1,5 Kilometer entfernten »Schatz« weckte die Neugier dann doch so sehr, dass er sich mit seinem Vater ganz freiwillig auf die Oberfläche unseres Planeten traute. Der gelbe Peilstrich führte uns in ein Waldstück zwischen Bahngleisen und einer Ausfallstraße – urbanes Niemandsland, in das wir sonst niemals einen Fuß gesetzt hätten. Auf einmal sieht man die Welt mit anderen Augen – mit denen eines Schatzsuchers nämlich.

OD Abenteuer Geocaching: GPS-Schatzsuche
Ben Wiesenfarth

Was dachte die Person, die den Cache versteckte? Welcher Weg führt am schnellsten an die Stelle? Bei einer angezeigten Distanz von zehn Metern zum Ziel schlagen wir uns in die Büsche. Der Rest ist wie Ostereiersuchen, der Cache verbirgt sich unter einem Stein an einem Baumstamm. »Ziemlich einfach«, sagt Theo gelangweilt und kritzelt seinen Namen in das kleine Logbuch. Trotzdem will er mehr. Der nächste Cache liegt wieder »nur« 1,5 Kilometer Luftlinie entfernt. Auch den finden wir leicht. Am Ende sind wir drei volle Stunden unterwegs und haben mehr als zehn Kilometer auf dem Tacho. Nicht schlecht für einen Sternenkrieger.

Podcast: Über den Naturgenuss & Gruselfaktor beim Geocaching – jetzt anhören

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Die Highlights im aktuellen Heft:Microadventures: Die schönsten Abenteuer vor der Haustür
+ Norwegen: Unterwegs im Jotunheimen-Nationalpark
+ Zelt-Trekking im Pfälzerwald
+ Bergwandern in Tirol: Zahmer Kaiser
+ Test: Leichte Wanderschuhe (Testfeld siehe Fotostrecke oben)
+ Test: Wanderhosen
+ Der Corona-Knigge: Dos and Don’ts in Pandemie-Zeiten
+ Kanu-Guide: Paddeln für Einsteiger
+ Camp Cooking: Fruchtig-frischer Salat nach mexikanischer Art
+ Zelte, Kocher & mehr: Camping-Special

u.v.m.

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