Erste Hilfe auf Tour
Unterwegs verletzt: Was ist zu tun?

Update
ArtikeldatumVeröffentlicht am 03.01.2026
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Fuß wird bandagiert
Foto: imago/Panthermedia

Also erstmal zehn Sekunden Zeit nehmen, durchatmen, die Lage genau analysieren, zum Eigenschutz Gefahrenquellen wie Steinschlag ausschließen und die Situation einschätzen. Dann fasst man seinen Plan – und delegiert in der Gruppe die Aufgaben. Eine der ersten Maßnahmen ist der Notruf. Auch der erfordert kurz Vorbereitung. Die erste und wichtigste Frage lautet "Wo ist es passiert?" - Dabei solltet ihr die Unfallstelle so präzise, es geht, benennen. Die eigene Tourenstrecke zu kennen und nicht gedankenlos der Wandernavigation zu folgen hilft dabei im Vorfeld. Auf welchem Steig bin ich unterwegs? Zu welchem Gipfel? Wo ist die nächste Alm? – Während ihr die zweite Frage beantwortet. "Was ist geschehen?" –, kann euch der Leitstellen-Diensthabende bereits parallel versuchen zu orten. Weiter geht es mit: "Wie viele Verletzte gibt es?", Frage vier lautet: "Welche Verletzungen/Probleme" liegen vor? Die letzte Auskunft ist: "Wer ruft an und meldet den Unfall?" Auch eine Information zum aktuellen Wetter vor Ort ist sehr hilfreich. Danach auf keinen Fall gleich auflegen, sondern auf Rückfragen warten. Zum Beispiel kann nach einer geeigneten Landemöglichkeit für einen Helikopter gefragt werden. Und auch für Rückrufe erreichbar bleiben! Aber keine Sorge, die Mitarbeitenden dort sind geschult und fragen euch, solltet ihr vor Aufregung nicht weiterwissen. So weit, so bekannt aus Erste-Hilfe-Kursen.

Die häufigsten Notfälle im Gelände

1

Bähnerdehnung/-riss

2

Knochenbruch

3
Verletzung beim Wandern - Rückenschmerzen
LanaStock / Getty Images

Rückenprobleme

4

Schürf-/Platzwunden

5
Verletzung beim Wandern - Mückenstich
PixelsEffect via Getty Images

Insektenstiche

6

Zeckenbiss

7

Fremdkörper im Auge

8

Sonnenstich

9

Hitzeschlag

10

Unterkühlung

11

Blasenbildung

Interview mit der Bergwacht Krün

Im Gespräch mit DAV-Hochtouren und -Skitourenführerin sowie Einsatzleiterin Dani Hornsteiner:

Was können Berggeher tun, um das Unfallrisiko von vorneherein schon bei der Planung zu minimieren?

Prävention ist ein unglaublich wichtiger Punkt. Dazu gehört eine fundierte Tourenplanung. Die Tour sollte immer den eigenen Fähigkeiten entsprechen. Im Hochsommer bietet sich ein früher Start an, um Hitzegewitter zu vermeiden. Wenn die Kräfte nachlassen oder die Zeit knapp wird, sollte man rechtzeitig umdrehen. In die Dunkelheit sollte man nicht geraten. Für den Notfall gehört eine Stirnlampe ins Gepäck – und genügend Essen und Trinken, um einem Hungerast oder einer Dehydrierung vorzubeugen. Sonnenschutz in Form von Creme, Mütze und Sonnenbrille sowie den Bedingungen angepasste Bekleidung wie Regenjacke, festes Schuhwerk und eine Daunenjacke sind ebenfalls essentiell. Auch Stöcke wirken präventiv, weil sie einem Stabilität geben. Dazu kommt ein Erste-Hilfe-Set und ein Biwaksack in den Rucksack.

Es gibt verschiedene Szenarien, in denen ich Hilfe benötige, aber einige Situationen kann ich sicher auch selbst lösen. Wann weiß ich, dass ich wirklich Hilfe brauche?

In dem Moment, in dem ich anfange, darüber nachzudenken, ob ich Hilfe brauche oder nicht, bin ich bereits in der Unsicherheit. Ab da kann ich aufhören, intern mit mir zu diskutieren, und setzte sofort einen Notruf ab. Natürlich gibt es Fälle, die man auch selbst bewältigen kann: Die Freundin fällt bei einer einfachen Wanderung hin, ihre Hand tut etwas weh und ist leicht geschwollen, sie kann sie aber noch gut bewegen – in diesem Fall kann ich mit einfachen Mitteln wie Kühlen und Ruhigstellen helfen. Solange sie gut absteigen kann, braucht es wahrscheinlich keine Rettung. Habe ich jedoch Zweifel und fühle mich überfordert, dann wähle ich sofort die 112.

Wie funktionieren Ihre alpinen Erste-Hilfe-Kurse?

Bei gutem Wetter sind wir komplett draußen. Wir versetzen unsere Teilnehmer in realitätsnahe Unfallszenarien, die sie von Anfang bis zum Eintreffen der Bergwacht selbstständig lösen dürfen. Anschließend wird alles nach-besprochen und reflektiert. Das vermittelt: Jetzt kommt es auf mich an! Der Adrenalinspiegel geht in einer nachgespielten Situation hoch. Die Teilnehmer fangen an zu schwitzen, ihr Herz rast. Irgendwann macht dein Verstand keinen Unterschied mehr, ob das echt ist oder nicht. Unser Ziel ist es, unsere Teilnehmer auf allen Ebenen zu erreichen, nur dann ist Lernen nachhaltig. Wenn ich Sorge und Betroffenheit spüre, aber auch die Freude, jemandem richtig gut geholfen zu haben

Weitere Tipps findet ihr als Paid-PDF zum Download hier:

Erste-Hilfe-Set für unterwegs

Um für den Notfall gut gerüstet zu sein, gehört in jeden Wanderrucksack ein gut bestücktes Erste-Hilfe-Set. Was alles hineingehört – und was du sonst noch so dabeihaben solltest.

  • Pflaster
  • Einmalhandschuhe
  • Tape (mindestens 2,5 cm breit)
  • 2 sterile Mullkompressen
  • Dreieckstuch
  • 2 Verbandspäckchen
  • Rettungsdecke
  • kleine Schere
  • Pinzette
  • Steri-Strips (Kletterer)
  • Desinfektionsmittel Eigenbedarf
  • Vaseline Gauze (MTB)
  • Schmerzmittel Eigenbedarf

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Alpine Notsignale und Heli-Rettung

Unfälle passieren meist anderen. Doch was, wenn man selbst in Not gerät? Wenn man aus eigener Kraft nicht mehr den Rückweg antreten kann? Dann – und nur dann – holt ihr euch Hilfe. Mit einem Handy kein Problem (europaweit: 112). Und ohne? Da gilt das alpine Notsignal: sechs kurze Licht- oder Schallsignale in einer Minute. Danach eine Minute Pause. Empfängt man ein Notsignal, bestätigt man es mit drei Signalen pro Minute – und holt sofort Hilfe. Die Bestätigung zeigt dem Notrufenden, dass er entdeckt wurde und Hilfe unterwegs ist. Als Signalgeber eignen sich Lampe, Pfeife oder reflektierende Gegenstände (z.B. Alufolie). Befindet sich ein (potenzieller) Helfer in Sicht-, aber außer Hörweite, sollte man ihm über die Körperhaltung mitteilen, ob man Hilfe braucht oder nicht.

Bergrettung per Helikopter / Hubschrauber in den Alpen
Ralf Bücheler

Wenn der Hubschrauber kommt

Abseits von Pisten und Fahrwegen kommt die Rettung meist per Heli. Zum Landen braucht er einen festen, ebenen Platz von 25 mal 25 Metern. Achtet darauf, dass keine Gegenstände wie Jacken, Skier oder Äste herumliegen – sie werden sonst vom Abwind aufgewirbelt. Haltet stets Augenkontakt mit dem Piloten und nähert euch nur nach Aufforderung an – geduckt und von vorne. Ansonsten solltet ihr schon vor der Bergtour das hier beachtet haben und euch entsprechend informieren:

Welche Notfall-Nummer wähle ich?