Piemont

Die piemontesischen Alpen sind Fluchtort aller Lift- und Hüttengeschädigten. Boris Gnielka hat im Piemont das gefunden, was in den Alpen selten geworden ist: Ursprünglichkeit.

Italien Italien

»Nehmen wir ein Bad?« Blick auf den Lago di Ceresole am Gran-Paradiso.

Die GTA ist ein Bergwanderweg ohne technische Schwierigkeiten, der in gut 70 Tages-Etappen vom Lago Maggiore bis ans Mittelmeer führt. Er durchzieht den gesamten italienischen Westalpenbogen auf Saumpfaden, alten Militärwegen oder Forstpisten, angefangen von den Walliser Alpen über die Grajischen Alpen und Cottischen Alpen bis zu den Seealpen.

Anreise

http://Am besten mit der Bahn. Züge fahren unter anderem nach Domodossola und weiter nach Piedimulera. Von dort Bus nach Molini. Hier startet der beschriebene Abschnitt. Zurück fährt man von Piedicavallo mit dem Bus nach Biella und mit der Bahn über Novara zurück nach Domodossola.

Reisen mit Hund
Für die Einreise sind Gesundheitszeugnis sowie ein Nachweis der Tollwutimpfung nötig. Für Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln ist ein Maulkorb vorgeschrieben.
Der beschriebene Weg ist für Hunde kein Problem, sofern sie an Etappen bis 20 Kilometer gewöhnt sind (Vorsicht bei Vipern, s.u.). Einen Liter Wasser sollte man für den Hund pro Tag mindestens mitnehmen, auch Verpflegung muss mitgetragen werden, unterwegs gibt es nur (in Alagna Valsesia, Riva Valdobbia und Piedicavallo) Dosenfutter.
In vielen Unterkünften sind Hunde nicht erlaubt, nur wenige Berghütten haben spezielle Räume für Wanderer mit Hund (z.B.: Rifugio Rivetti). In den Nationalparks, vor allem im Gran Paradiso, sind Hunde verboten; es wird kontrolliert.

Tiere
Zwar sollen Wölfe bereits in den piemontesischen Alpen gesichtet worden sein, doch die Chance, einen zu treffen, ist gering. Gefährlich hingegen können Schlangen (Kreuzotter, Sandvipern) sein, die oft auf Steinen und wenig begangenen Wegen dösen. Sie greifen nur an, wenn sie bedroht werden. Vipernbisse können auch für den Menschen gefährlich werden, in jedem Fall sind sie schmerzhaft. Für Kinder und Hunde können Bisse – vor allem von Sandvipern – tödlich enden. Im Bissfall nicht weitergehen: Hinlegen, beruhigen und viel zu trinken geben. Nicht abbinden! Hilfe holen: 118 (Notfallzentrale des Nationalen Bergrettungsdienstes).
Angst vor Hunden sollte man als GTA-Wanderer nicht haben, denn häufig wird man an den Alpen von stattlichen Hütehunden begrüßt.

Orientierung
Auf der GTA einfach. Mittlerweile sind die meisten Wege ausgetreten, gut markiert und beschildert. Schwierig wird’s bei geschlossener Schneedecke oder im Nebel auf weiten Alpflächen, auf denen viele Tierpfade verwirren. Heftig wird es, wenn man die GTA verlässt, da die topografischen IGC-Karten das Gelände wenig plastisch darstellen und die eingetragenen Wege – wenn überhaupt – meist nur auf den ersten Kilometern existieren.

Beste Reisezeit

Ideal ist der September. Im Juni liegt vor allem auf den höheren Abschnitten über 2000 Meter noch viel Schnee, die Wegfindung ist dann erschwert, das Vorankommen mühsam, aber möglich. Belohnt wird man mit viel Einsamkeit.Im Juli und August ist es dagegen sehr warm, im August auch gewittrig.

Ausrüstung

Nötig zu jeder Jahreszeit sind Bergschuhe, Wassersack, Funktionsjacke, Erste-Hilfe-Set, ein warmes Fleece und Bargeld (Geldautomaten rar, Kreditkartenakzeptanz gering) sowie Wanderkarten im Maßstab 1:50000.
Im Juni und Oktober braucht man zusätzlich Handschuhe, Mütze und Gletscherbrille.
Im Sommer außerdem: kurze Hose, Sonnencreme und -brille, Käppi oder Hut, Mückenmittel.
Auf unserer Tour waren nützlich:
Schweizer Messer (Brot, Käse, Rotwein), Fernglas, Trekkingstöcke und Trinksystem.
Posti-Tappa-Wanderer brauchen einen Hüttenschlafsack bzw. ein Inlett aus Seide oder Baumwolle.
Zeltreisende: Bioseife benutzen sowie einen Abfallbeutel, um den Müll mit ins Tal zu nehmen. Keinesfalls Feuer machen und beim Kochen feuerfeste Unterlage benutzen!

Verpflegung

In vielen Dörfern findet man Läden, in denen es zwar kein Müsli gibt, aber Käse, Brot, Pasta und Rotwein. Auch einige Almen verkaufen Käse. Solche Läden gibt es auf beschriebener Strecke in Rimella, Carcoforo, Alagna Valsesia, Riva, Piedicavallo.

Übernachtung

Wildes Zelten ist in Italien verboten, Biwakieren aber wird in den Höhenlagen geduldet. Nicht geduldet wird es in den Nationalparks, wo auch verstärkt Kontroll-Streifen unterwegs sind. Ohne Hund bieten sich zur Übernachtung die Posti Tappa an: einfache Unterkünfte am Ende jeder Etappe. Eine Posto Tappa kann dabei ein Schulgebäude oder Gemeindehaus, eine Berghütte, Pension oder Hotel sein. Geschlafen wird dort meist in Bettenlagern. Posti Tapa sind nicht nur preiswert (ca. 20–40 Euro p. P. inklusive Abendessen und Frühstück), sondern bieten meist vorzügliche lokale Spezialitäten.

Bücher

Grande Traversata Delle Alpi Teil 1: Der Norden. Werner Bätzing, Rotpunkt-Verlag Zürich, Juli 2003, 20,50 Euro. Die ersten 26 Etappen der GTA äußerst informativ und fundiert.
Grande Traversata Delle Alpi Teil 2: Der Süden. Werner Bätzing, Rotpunkt Verlag Zürich, Juli 2003, 22,50 Euro. Etappen 27–60 (s. o.).
Antipasti und Alte Wege. Ursula Bauer, Jürg Frischnecht, Rotpunkt Verlag Zürich, Januar 2002, 20 Euro.
Das schwarze Tal. Eberhard Neubronner, Goldmann Verlag, Juli 2002, 11 Euro.
Pässespaziergang. Dominik Siegrist, Rotpunkt Verlag Zürich, Mai 1996, 9,95 Euro.

Web-Infos
www.gtaweb.de Alles, wirklich alles, was man zur GTA wissen muss.
www.rimella.de Infos über den schönen Bergort Rimella an der GTA.
www.wanderweb.ch/gta Viele Infos rund ums Wandern auf der GTA.

Karten

Die Generalkarte Italien, Blatt 1 und 4. 1:200000, Mairs Geografischer Verlag, ca. 7 Euro.
IGC-Wanderkarten. 1:50000, Istituto Geografico Centrale, ca. 11 Euro. Gesamte GTA: Nr. 1,2,3,6,7,8,9,10,14. Molini–Piedicavallo: Blatt 9 und 10. Mt.Viso-Runde: Blatt 6,
Mairatalweg: Blatt 7. Erhältlich z.B. bei Alpina (089/9037655).

Traumhafter Zeltplatz Nr. 2: Wir genießen die Stille und Einsamkeit.

10.02.2004
© outdoor
Ausgabe 11/2003