Deutschlands Traumpfade: Murgleiter

Forbach - Baiersbronn: Auf den Spuren des Westwegs

Die Murg fließt aus den Höhen des Nordschwarzwaldes bis hinab in den Rhein. Wer ihrem wilden Lauf folgt, wird Stille finden und die Schönheit der Natur neu entdecken. outdoor Autorin Birgit-Cathrin Duval stellt den Wanderweg vor.

Ab Forbach folgt die Route dem Verlauf des legendären Schwarzwald-Westwegs. Wie ein über 200 Kilometer langer Fernwanderweg sieht er gar nicht aus: Schmal windet sich der Pfad talwärts bis ins Kauersbachtal, eines der wenigen noch verbliebenen Heuhüttentäler, das sich die Natur nicht zurückerobert hat. Heuhüttentäler entstanden, weil das Murgtal zu eng für eine wirtschaftliche Nutzung war.

So begannen die Bewohner vor etwa 350 Jahren, den Wald in den steilen Seitentälern zu roden. Die Wiesen wurden als Heuwiesen genutzt, für eine Beweidung waren sie zu steil und zu feucht. Außerdem bringen Fallwinde im Sommer kühlere Luft aus den höher gelegenen Wäldern ins Tal. Und dann kommt er, der Wald.

Schritt für Schritt steigt man hinein, wie in eine Kathedrale aus gewaltigen Tannen, die sich himmelwärts strecken, so dicht, so still, so dunkel, dass kaum Licht auf den Waldboden fällt. Der Schatten ist ein Segen: Auf diesem Abschnitt zerrt jeder Höhenmeter der Murgleiter an den Muskeln. Bis zur Schwarzenbach-Talsperre klettert der Weg hinauf, und der Schwarzenbach führt zurück zur Murg. Das soll der gleiche stille Fluss von gestern sein? Wild, zornig, voller Urgewalt presst er sein Wasser durch die Waldschluchten zwischen Schlossfelsen und Rappenrissfelsen.

Foto: Björn Hänssler Wandern auf der Murgleiter

Wer Zeitüberschuss hat, kann einen Abstecher ins idyllische Weisenbach unternehmen.

Das andere Gesicht der Murg

Eine Sage erzählt, dass hier im Schmalzmaienloch Waldgeister ahnungslosen Reisenden auflauern. Im tiefen Grund meint man sie hinter sich flüstern zu hören. Auch in Schwarzenberg, dem einsam gelegenen Bergdorf zu Beginn der dritten Etappe, muss es Waldgeister geben: Man sagt, der Dichter Wilhelm Hauff habe sich hier zu seinem Märchen »Das kalte Herz« inspirieren lassen. Ein bisschen unheimlich, selbst an sonnigen Tagen, schimmern auch die »dunklen Augen« des Schwarzwalds aus den dichten Tannen: Karseen.

Sie entstanden in der Eiszeit, als sich Hängegletscher in den Buntsandstein schoben. Nachdem sie abschmolzen, blieben die Karseen am Boden der jäh abfallenden Wände zurück. Einst gab es über 60 von ihnen, bis auf sieben sind sie inzwischen verkarstet. Im Sommer zeigen sie sich von ihrer freundlichen Seite: Der steile, felsige Pfad, der vom Huzenbacher See hinaufführt, zählt zu den schönsten Abschnitten der Murgleiter, die einmal mehr zur Höchstform aufläuft.

Im Juni und Juli lassen blühende Teichrosen den See als ein einziges Blütenfeld leuchten. Und doch kommt Wehmut auf, denn langsam heißt es Abschied nehmen: Nur noch hinab ins lichte Tonbachtal führt der Pfad, dann erreicht man bald Baiersbronn, den Endpunkt der Tour. Kurz vor dem Ende lädt die Satteleihütte zur Einkehr: Bei Schwäbischem Schäufele oder einer Bauernbratwurst schweifen die Gedanken zu den vergangenen drei Tagen.

Auf und ab ist man dem Fluss gefolgt und hat den Schwarzwald neu kennengelernt. Still, gewaltig und voller Zauber und jetzt doch irgendwie vertraut. Hermann Hesse hat auch jetzt die richtigen Worte parat: »Dann ergreift wie eine Sage, nächtlich am Kamin gelesen, das Gedächtnis mich der Tage, da ich hier zu Haus gewesen.«

Murgleiter in der outdoor-Touren-Community - mit GPS-Daten!

26.07.2011
Autor: Birgit-Cathrin Duval
© outdoor
Ausgabe 07/2011