Acht Alpinstiefel im outdoor-Test 2011

Die Laborprüfung

Im aktuellen Test wurden Alpinstiefel zwischen 240 und 300 Euro getestet - wie immer auch im Labor. Hier die Details.
Zu den getesteten Produkten
Foto: Ben Wiesenfarth Bergstiefel Alpinstiefel Test

Klimakomfort und Wasserdichtigkeit im Test unter Laborbedingungen.

Montag, 27. Juni, 8.00 Uhr. 200 Kilometer von der Lailachspitze entfernt nimmt Marleen ­Ahnert im Testlabor der Firma Gore einen ­Metallfuß und steckt ihn in den ersten der acht Alpinstiefel. »An den Füßen kann der Mensch im direk­ten Vergleich nur grobe Unterschiede im Klimakomfort feststellen.« Das habe ein Langzeittest bewiesen. Und deswegen gibt es den Metallfuß. Er »schwitzt« sechs Stunden lang in jeden der Stiefel. Je mehr Feuchtigkeit durch den Schaft nach außen verdampft, des­to atmungsaktiver ist der Testkandidat.

Auch die Wasserdichtigkeit prüft outdoor im Labor. Zuerst wandern die Testmodelle, bis zum Knöchel mit Wasser gefüllt, in die Zentrifuge. Die lässt jeden Schuh mit 250 Umdrehungen pro Minute kreisen, eine Stunde lang. Das darin schwappende Wasser drückt durch die Fliehkraft mit rund 80 Kilo in den Schuh. Alle 15 Minuten stoppt die Maschine, dann wird der Schuh auf Undichtigkeit geprüft. »Er steht auf Löschpapier, das verrät jeden Tropfen«, erklärt Ahnert.

Im zweiten Schritt lässt die Schuhexpertin die Testschuhe in den Gehsimulator spannen: Hier steht ihnen das Wasser bis zum Schaft, während eine Metallplatte den Vorfußbereich auf und nieder drückt, bis zu 300.000 Mal – oder bis Feuchtigkeitssensoren im Schuh Alarm schlagen.

Donnerstag, 20. Juli. Endlich stoppt der Gehsimulator im Gore-Labor, der letzte der 300.000 Schritte ist getan. Marleen Ahnert sitzt vor ihrem PC, füttert ihn mit den Daten. ­»Alle Schuhe haben die Tests bestanden und sind absolut wasserdicht.« Sie wirkt erleichtert. Und das Klima? »Das ist durchweg gut. Zwar gibt es Unterschiede, aber nur sehr kleine.«

Das können die Tester bestätigen. Vor und nach dem gemeinsamen Testwochenende im Allgäu sind viele von ihnen noch auf eigene Faust mit den Schuhen ins Gebirge gestiefelt. So konnten die Testkandidaten richtige ­Höhenluft schnuppern, etwa am Fletschhorn oder an der Aiguille d‘Argentière. Auch auf diesen Touren haben alle Stiefel dicht gehalten – und mit gutem bis sehr gutem Schuhklima für trockene Socken gesorgt.

Tipps on Tour: Blasenpflaster einpacken!

15.09.2011
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 09/2011