Interview mit Radreise-Profi Thorsten Brönner
Faszination Radreisen in Europa

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Thorsten Brönner schreibt seit fast 20 Jahren Radreiseführer und kennt Europa genau. Wo er sich am wohlsten fühlt und welche Touren er empfiehlt.

Vaude Moritz Attenberger
Foto: Vaude Moritz Attenberger
In diesem Artikel:
  • Thorsten, warst du heute schon Radfahren?

  • Fährst du das ganze Jahr über?
  • Du schreibst seit 2005 Radführer und hast 22 Bücher verfasst. Gewissermaßen bist du Radprofi. Wie kam das?
  • Wie viele Kilometer hast du inzwischen auf dem Tacho?
  • Wie lang sind die Etappen in deinen Büchern?

  • Fährst du lieber in warmen oder kalten Ländern?

  • Tourenrad oder Gravelbike?
  • Dein Lieblingsland in Europa?
  • Welche Stadt ist die radfreundlichste?

  • Wie schafft man es, dass einem nach drei Tagen auf dem Rad nicht der Hintern wehtut?
  • Was machst du, wenn eine Etappe mal richtig langweilig wird?
  • Wenn du je eine Tour pro Himmelsrichtung in Europa empfehlen solltest, dann welche?
  • Bleiben noch der Osten und der Süden.

  • Und in Deutschland? Gibt es da Alternativen zu den überlaufenen Klassikern wie Donau- oder Elberadweg?
  • Das Interview und weitere Tipps in unserem Podcast
  • Noch mehr zum Thema Rad

Thorsten, warst du heute schon Radfahren?


Leider noch nicht, ich mache es gerade so, dass ich bis nachmittags am aktuellen Führer arbeite und mir dann Zeit nehme fürs Radfahren oder für eine Runde Joggen.

Fährst du das ganze Jahr über?

Ich versuche durchzumachen, die Temperaturen lassen das zu. Manchmal gehe ich auch auf den Heimtrainer, da gibt es gute Optionen,wie man mit anderen Radlern virtuell weltweit zusammen Rad fahren kann. Das motiviert.

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Tourenbilder von Thorsten Brönner
Thorsten Brönner
Norwegen war jahrelang Thorstens Lieblingsland in Europa. Fjorde und Seen hat man dort manchmal ganz für sich allein

Du schreibst seit 2005 Radführer und hast 22 Bücher verfasst. Gewissermaßen bist du Radprofi. Wie kam das?

In meiner Kindheit und Jugend war ich mit dem Verein unterwegs, erst im heimischen Spessart, später ging es bis ans Nordkap. Ich wollte das Tourenradeln immer zu einem Beruf machen und habe früh damit angefangen. Los ging es mit Artikeln für Lokalzeitungen, dann kamen Magazine und Bücher.

Wie viele Kilometer hast du inzwischen auf dem Tacho?

Ungefähr 350 000 auf zur Zeit 222 Radreisen.

Wie lang sind die Etappen in deinen Büchern?


Meistens um die sechzig Kilometer, dann bleibt noch Zeit zum Genießen und für ein paar Besichtigungen.

Fährst du lieber in warmen oder kalten Ländern?


Die Saison reicht von April bis weit in den Oktober, und da geht eigentlich alles. Die Kleidung ist mittlerweile auch so gut, dass es da keine Ausreden gibt. Früher war ich viel in nordischen Ländern, Island, Norwegen, Kanada, Alaska, Feuerland – das geht schon. Meine nächste Tour führt meine Frau und mich aber nach Andalusien.

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Tourenrad oder Gravelbike?

Ich besitze sechs Fahrräder, darunter auch ein Gravelbike. In Andalusien werde ich es nutzen, weil wir viel auf Schotterpisten fahren werden. Das Zelt nehmen wir auch mit – im Osten von Andalusien gibt es wüstenartige Regionen, und wir wollen es erleben, dort unterm Sternenhimmel aufzuwachen. Man ist mit dem Zelt auch flexibler, was Etappenlängen betrifft. Allerdings fährt man deutlich mehr Kilos mit sich herum. Wenn es einem auf das Gewicht ankommt, reduziert man sehr effektiv, indem man in Pensionen, Jugendherbergen und Hotels übernachtet.

Dein Lieblingsland in Europa?

Früher war es Norwegen, und es ist immer noch ein Highlight. Mittlerweile läuft Italien aber Norwegen den Rang ab, weil: Da passt einfach alles. Die Landschaften sind sehr schön, die Städte auch, das Essen schmeckt, und die Autofahrer nehmen mehr Rücksicht als hierzulande, weil viele von ihnen selber gerne Rad fahren und beide Seiten kennen.

Welche Stadt ist die radfreundlichste?


Definitiv Kopenhagen. In München, wo ich wohne, gibt es ein paar Wege, die kann man fahren, aber du musst auf ihnen bleiben, sonst kommst du richtig in den Verkehr. Und in Kopenhagen kann ich frei entscheiden, es gibt überall breite Wege auf beiden Straßenseiten, ebenerdig und ohne Bordsteine.
 In den Niederlanden verhält es sich ähnlich. Da ist der Platz für Radfahrer links und rechts oft genauso groß wie der schmale Rest für die Autos in der Mitte, und die müssen dann beim Überholen warten.

Tourenbilder von Thorsten Brönner
Thorsten Brönner
Pause in der Sonne auf dem 8000 Kilometer langen Ostseeküstenradweg

Wie schafft man es, dass einem nach drei Tagen auf dem Rad nicht der Hintern wehtut?

Das gehört in der Vorbereitungsphase dazu. Man merkt es im Frühjahr einfach mehr als während der Saison. Aber das ist auch eine schöne Phase, wenn man dann längere Touren fürs Jahr plant.

Was machst du, wenn eine Etappe mal richtig langweilig wird?

Das gibt es ja auch. Wenn ich alleine unterwegs bin, habe ich dann einen Podcast oder Musik im Ohr. Mein aktueller Helm kann Audios abspielen und ich bekomme die Umgebungsgeräusche trotzdem mit.

Wenn du je eine Tour pro Himmelsrichtung in Europa empfehlen solltest, dann welche?

Im Norden wäre das die Helgelandküste in Nordnorwegen. Das Schöne da: Man hüpft von Insel zu Insel, auf der einen Seite die Berge, auf der anderen das Meer, dazu die Mitternachtssonne und immer wieder schöne Plätze zum Zelten. Im Westen empfehle ich die Vías Verdes in Andalusien, da fährst du auf stillgelegten Bahntrassen, durch Tunnel und über Brücken. Man ist richtig drin in der südländischen Landschaft, und weit und breit stört dich kein Auto.

Tourenbilder von Thorsten Brönner
Thorsten Brönner
Der Rallarvegen diente ursprünglich dem Bau einer Bahnstrecke

Bleiben noch der Osten und der Süden.


Im Osten würde ich Inselhüpfen in Estland empfehlen, auf Saaremaa und Hiiumaa, oder im Osten von Polen die Green Velo Polen, da hat man dann die Ostsee drin, Masuren, mehrere Nationalparks, im Süden Gebirge. Man erlebt dort die Weite Osteuropas, das hat mir sehr gefallen. Im Südosten wäre es Montenegro, aber nicht an der zugebauten Küste, sondern in den Bergen und Canyons. Es gibt da verschiedene kleine Wege, sehr spannend. Und man könnte es mit Albanien verbinden, wo es ähnlich aussieht. Aber man sollte für beide Länder einigermaßen geländegängig sein.

Und in Deutschland? Gibt es da Alternativen zu den überlaufenen Klassikern wie Donau- oder Elberadweg?

Meistens wird es dort an den Wochenenden und in den Ferien voll. In der Nebensaison verhält es sich anders. Oktober zum Beispiel ist in Deutschland ein Traummonat, richtig schön zu fahren. Oder man sucht sich die kleineren, unbekannteren Flüsse, die gibt es eigentlich bei jedem um die Ecke. Und wer es wild und spannend mag, der sollte sich entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs bewegen, da ist nichts los und man hangelt sich von einem Mittelgebirge zum anderen. Ein anderer Tipp für Leute, die Berge nicht scheuen, ist die Bike-Crossing im Schwarzwald. Sie führt von Nord nach Süd, und man hat die Route dort richtig schön in den Wald gelegt. Nur ab und zu stößt man auf einen Ort. Selten habe ich mich auf dem Rad so ausgeglichen gefühlt.

Das Interview und weitere Tipps in unserem Podcast

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