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Wandern im Nationalpark
Die North York Moors im Nordosten Englands

Die North York Moors im Nordosten Englands gehören zu den ältesten Nationalparks Großbritanniens. Immer mehr Gastbetriebe und Touranbieter dort stellen auf nachhaltiges Wirtschaften um.

Green Issue - Visit Britain
Foto: Visit Britain

Nachhaltigkeit kann von Vernunft getrieben sein, aber auch von persönlicher Leidenschaft. In den North York Moors geht beides Hand in Hand. Der Nationalpark feiert dieses Jahr sein 70-jähriges Jubiläum und zählt damit zu den ältesten des Landes. Die Natur mit ihren traumhaften Heiden und Hochmooren zu erhalten war der Gründungsgedanke. Aber der 55 Kilometer breite Park war schon immer auch ein Ort für die Menschen. Die Philosophie: Wer die Schönheit der Natur entdeckt, bekommt einen Sinn dafür, was schützenswert an ihr ist.

Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche

Und immer mehr kleine Gastbetriebe in den North York Moors, oft ehemalige Bauernhöfe, stellen derzeit auf eine grünere Wirtschaftsweise um. Der Nationalpark unterstützt Gastbetriebe und Touranbieter, die sich auf naturnahe Aktivitäten spezialisieren, und hat vier Programme aufgelegt: Walking, Cycling, Nature und Dark Skies Südengland, aber 1990 kauften sie die Crag House Farm, ein charmantes, 200 Jahre altes Ensemble aus Scheunen und Ställen mitten im Nationalpark. Als die Kinder ausgezogen waren, bauten sie die Nebengebäude mit viel Geschmack in Cottages für Urlauber um.

Sie ließen sich von der Nationalparkverwaltung beraten, arbeiteten mit lokalen Materialien und Handwerkern. Zapften die Erdwärme an, installierten Solarpaneele, nutzten diffusions- offene Farbe, sorgten für energieeffiziente Beleuchtung und achten bis heute in jedem Aspekt von der Reinigung bis zur Waschmaschine auf Umweltfreundlichkeit. 2018 haben sie dafür den renommierten Green Tourism Award erhalten, in Silber. »Nun streben wir Gold an«, sagt Liz. Ihre Gäste, wie meist in der Region: Wanderer, Vogelbeobachter und andere Naturfans – für sie ist der Nationalpark ein Paradies.

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Die Landschaft vereint auf ganz eigentümliche Art das Raue mit dem Lieblichen, endlose Heiden auf weiten Hügeln mit friedlich grünen Tälern, und im Osten brandet die Nordsee gegen Steilküste. Die Großstädte sind hier oben weit entfernt, London etwa liegt 400 Kilometer südlich. Und während der Sternenhimmel über den Metropolen im Lichtsmog untergeht, sieht man ihn über den North York Moors in aller Klarheit – so gut, dass der Park 2020 zum International Dark Sky Reserve erklärt wurde, einem von weltweit neunzehn. Das war nur möglich, weil alle Gastbetriebe und Landbesitzer im Park jahrelang an einem Strang zogen und die ohnehin geringe Lichtverschmutzung noch einmal reduzierten. Der Park eignet sich für Besuche im ganzen Jahr, Vogelfreunde sollten sich aber schon einmal den Frühsommer vormerken, wenn die Rufe des Moorschneehuhns, des Brachvogels und des Goldregenpfeifers besonders deutlich erklingen.

In ihr Konzert mischt sich stets das Blöken der Schafe, deren Wege hier kein Zaun begrenzt. Und zum Ende des Sommers verwandelt die Heideblüte die Hügel in ein Meer aus Violett. Auf Wanderer wartet im Park ein riesiges Netz an Wegen. »Insgesamt kommen wir auf 2200 Kilometer«, sagt Malcolm Hodgson, der sich als National Trails Officer unter anderem um den Cleveland Way kümmert, die 175 Kilometer lange Königsroute. Die Runde nimmt auch die spektakulären 65 Küstenkilometer zwischen Saltburn und Scarborough mit ihren bis zu 200 Meter abfallenden Klippen mit. Als Hodgson vor 30 Jahren im Park anfing, war der Cleveland Way vor allem oben im Torfmoor »ziemlich kaputt, also erodiert und an die zehn Meter breit«. Der Kampf gegen die Erosion bleibt ein Thema, stellenweise müssen die Wege gestützt und befestigt werden – Nachhaltigkeit hat viele Gesichter in den North York Moors. Man erreicht den Nationalpark mit der Nachtfähre nach Hull oder Newcastle, gefolgt von einer anderthalbstündigen Fahrt.

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Sternstunden Englands

Der Himmel über den North York Moors gibt einem das Gefühl von Weite und Freiheit. Nachts ist er mindestens genauso atemberaubend: Der Nationalpark zählt wegen seiner geringen Lichtverschmutzung zu den besten Plätzen Europas, um die Sterne zu betrachten – an den dunkelsten Plätzen bis zu 2000 auf einmal. Das ganze Jahr über finden Nachtwanderungen, Foto-Workshops, Bushcraft-Kurse zur Navigation bei Nacht und andere sternbezogene Veranstaltungen statt. Der Höhepunkt der Saison ist das jährliche Dark Skies Festival, das gut zwei Wochen dauert und Ende Februar/Anfang März stattfindet.

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Erscheinungsdatum 06.12.2022

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