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Corona und die Kletterszene: 8 Interviews

Corona und die Kletterszene So hat Corona die Kletterszene getroffen

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"Existenzielle Aufträge sind futsch" – ein Jahr Corona hat auch in der Kletterszene Spuren hinterlassen. 8 Menschen aus der Kletterszene erzählen, wie es aussieht.

Diesen März jährt sich "Corona". Wir haben uns in der Kletterszene umgehört, wie die Pandemie-Maßnahmen sich auf das Leben und Arbeiten ausgewirkt haben. Hier berichten Routenbauer, Klettertrainer, Bergführer, Blogger und weitere Profis aus der Kletterszene.

In diesem Artikel:

Die Routenbauer: Mario & Felix von Ballerina Routesetting + Der Bergführer: Hans Hocke + Die Bloggerin: Erika 'Ulligunde' Dürr + Der Klettertrainer: Michael Hoffmann + Die Routenbauerin: Diana von Get High Routesetting + Der Kameramann: Martin 'Mungo' Hanslmayr + Der Hallenbetreiber: Leo Mendez Lenk + Die Filmfestival-Organisatorin: Sandra Freudenberg

Die Routenbauer: Mario & Felix von Ballerina Routesetting

Wer seid ihr?

Mario Wülfrath, 31 Jahre alt, und Felix Bohlscheid, 30 Jahre alt, beide aus Köln; hauptsächlich Bouldern. www.ballerina-routesetting.cool

Mario & Felix von Ballerina Routesetting
Ballerina Routesetting
Mario und Felix, Ballerina Routesetting

Was ist euer Job? Wie sieht euer Alltag aus?

Mario: Hauptberuflicher Boulderbauer, verkürzte halbe Stelle bei K11 – Bouldern in der Südstadt (Köln) als Headsetter und freiberuflich als Ballerina Routesetting mit Felix für verschiedene Hallen.

Felix: Ehemals Headsetter im Boulders Habitat in Bonn, schraubt ebenfalls im K11 und ebenfalls freiberuflich für etliche Hallen mit Ballerina Routesetting.

Marios Alltag besteht aus der Planung und Schichtenverteilung für die jeweiligen Umschraubtage, dem Boulderbau selbst und allem, was dazu gehört: Content-Erstellung und Social Media Management, Grifflagerlogistik (Bestand, Bestellungen, Aussortieren, Verkaufen, Verwaltung), GastschrauberInnen buchen, Qualitätskontrolle, und so weiter.

Auftragsarbeiten für Kundinnen und Kunden anderer Hallen besteht für uns hauptsächlich aus dem Routenbau selbst, aber auch aus kleineren Videoarbeiten. Felix kümmert sich neben dem Boulderbau bei Ballerina um unsere adminstrativen Angelegenheiten, also Rechnungen schreiben, Akquise, und Mario ergänzt mit Social Media und Content Kreationen.

Wie hat sich dieser Job verändert seit Corona?

Unser eigentlicher Job, das Routesetting, lässt sich momentan nicht ausüben. Wir verlagern unsere Kompetenzen, um uns über Wasser zu halten. Felix stemmt Eisen aufm Bau und Mario macht Foto- und Videojobs oder gibt Routesetting Workshops. Der Weg zum Amt ist keine Option, da gibt’s nix. Mario wohnt mit seiner Freundin zusammen. Die soll dann schön alles für ihn zahlen, sagt das Jobcenter. Sehr witzig! Überbrückungshilfe greift bei uns auch nicht, weil nicht soloselbstständig. Stehste dann da.

Während der ersten Schließungen letztes Frühjahr haben wir das K11 komplett generalüberholt. Mit der anschließenden Öffnung normalisierte sich der Arbeitsalltag wieder, aber Aufträge extern waren noch etwas rar. Dann wieder Schließung Ende 2020 und direkt Kurzarbeit. Die für uns existenziellen Aufträge sind wieder futsch, auch die bereits vereinbarten. Klar, können wir voll verstehen, dass die Hallen erst mal radikal reduzieren. Langfristig gesehen ist das wohl das Cleverste. Um so schöner war es dann, als Daniel vom Eifelblock uns und auch viele andere SchrauberInnen, mit denen schon Termine vereinbart waren, trotz Schließung nach Trier oder Koblenz geholt hat. Sein Motto: "Sonst brauchen wir die SchrauberInnen, jetzt brauchen sie uns". Übelster Edelmann. Ehre über 3000. Auch das K11 war und ist sehr gut zu uns und tut was es kann, um die MitarbeiterInnen zu unterstützen. Ein ordentlicher Coronabonus für alle Ende 2020 (nicht nur die Festangestellten) und die Gewissheit, dass man Chefs hat, die im Notfall für einen da wären. Ob finanziell oder wie auch immer. Das mag in einigen Sportkreisen so sein, aber wir glauben, dass die Boulder- und Klettercommunity besonders familiär und solidarisch ist.

Routenbau Ballerina Routesetting
Mario Wülfrath
Neue Halle, neue Routen: Die Profis schrauben von oben nach unten, um Zeit zu sparen.

Wie geht es jetzt weiter oder was muss passieren, damit es weitergehen kann?

Damit es für uns persönlich weiter geht, müssen erst mal die Hallen öffnen. Die Hygienekonzepte, verringerte Kapazität der BesucherInnenanzahl und buchbare Zeitslots haben wunderbar funktioniert und werden auch in einer Überbrückungsphase vom Shutdown hin zu so was wie einer Normalität wieder ihren Nutzen finden und hoffentlich dann nach und nach auslaufen. Vorausgesetzt natürlich, die Werte kommen klar und Lockerungen werden möglich.

Nach den ersten Schließungen 2020 konnte man schon beobachten, dass die Auftragslage dünner wurde. Das könnte wieder zu einem Problem werden. Für uns, die ja auch abhängig von diesen Einnahmen sind, aber vor allem für die, die sich entschieden haben, komplett frei zu arbeiten.

Deswegen sollte es Ausfall-Erstattungen geben. Direkt. Nicht erst Monate später. Kohle her für Sportstätten, Kulturbetriebe jeglicher Art und all jene, die arbeitstechnisch davon abhängig sind... Sonst müssen wir eben doch noch schnell Profifußballer werden. Dann ballern wir im Privatjet um den Globus und scheißen halt auf alles.

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Der Bergführer: Hans Hocke

Wer bist du?

Hans-Christian Hocke, 57 Jahre alt, lebe in Bergen im Chiemgau, meine Disziplinen sind Klettern und Skitouren, von Eis über Fels bis Gleitschirmfliegen; www.hanshocke.de

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privat
Bergführer und Coach Hans Hocke

Was ist dein Job? Woraus besteht dein Alltag üblicherweise, vor Corona?

Bergführer, Ausbilder, Kletterlehrer, Systemischer Coach und Trainer. Eine große Zeit des Jahres reise ich durch Deutschland oder die Alpen um sowohl für die Kletterwerkstatt oder den Alpenverein Kurse und zu Ausbildungen geben. Dazu kommen Führungen für Privatgäste – wo auch immer – und dazwischen Seminare und Trainings. Also ein sehr buntes und reichhaltiges Arbeitsleben mit viel Unterwegssein.

Wie hat sich dieser Job im letzen Jahr durch Corona verändert?

In den Phasen der Lockdowns ist komplett alles weggebrochen, alle Führungen und Kurse, aber auch das Firmengeschäft. Anfangs habe ich viel auf dem Bau gearbeitet. Der Sommer war ja wieder fast normal, bis auf so spezielle Nebenwirkungen, dass wir mangels Übernachtungsmöglichkeit bei glühender Hitze am Tag durch die Watzmann Ostwand führten. Mittlerweile haben sich einige Arbeitsbereiche online entwickelt, sowohl im Bereich Team- und Führungskräftetraining als auch bei Trainerfortbildungen für den Alpenverein. Aktuell sitze ich also fast jeden Abend vor zwei Bildschirmen, zum Glück bin ich technikaffin. Aber es gibt auch gute Nebeneffekte: Mal nicht ständig von Termin zu Termin zu hetzen und mehr zu Hause zu sein, das hat auch was.

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privat
Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Hans beim Führen

Wie geht es jetzt weiter?

Online wird ein Teil bleiben, im Sommer werden wir wohl wieder mehr mit Gästen draußen sein. Das Hauptproblem sind die quasi geschlossenen Grenzen, die zwar das Virus nicht abhalten, aber uns die Arbeit weitgehend verunmöglichen. Wir brauchen dringend Reisefreiheit! Und wir brauchen ein bisschen mehr Selbstverantwortung, jeder kann sich ja entscheiden, wie weit er sich exponieren will. Sonst gehen einige Berufsgruppen vor die Hunde. Jedenfalls reichen zwei Lockdowns, auch wenn der Staat auf sehr mühsame Weise ein bisschen Finanzhilfe gibt. Es geht schließlich um das konkrete Arbeiten in einem der schönsten Berufe der Welt: Menschen auf Berge begleiten und sicher wieder runter bringen.

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Die Bloggerin: Erika 'Ulligunde' Dürr

Wer bist du?

Erika "Ulligunde" Dürr, 32 Jahre alt, lebe im Allgäu, Hauptdisziplin mittlerweile Gleitschirmfliegen, früher Alpinklettern; www.ulligunde.com

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privat
Die Bloggerin: Erika 'Ulligunde' Dürr

Was ist dein Job? Woraus besteht dein Alltag üblicherweise, vor Corona?

Ich bin Alpinpodcasterin und Contentproduzentin für Tourismusregionen und Hersteller. Ein erheblicher Teil des Alltags waren Reisen, Klettern, Bergsteigen, Fliegen und dabei fotografieren, Videos produzieren und Podcastfolgen mit Alpinisten und anderen Bergmenschen aufnehmen.

Wie hat sich dieser Job im letzen Jahr durch Corona verändert?

Die größte Veränderung ist, dass ich nicht mehr so frei und unbeschwert mit meinem Aufnahmebus zu den Podcastgästen fahren kann, um dort ein Gespräch aufzuzeichnen. Ich vermisse diese persönlichen Begegnungen mit diesen besonderen Menschen. Da der Podcast von dieser sehr persönlichen Atmosphäre lebt, habe ich die Sendung momentan komplett pausiert, was auch finanziell einen gewissen Druck entstehen lässt. Trotzdem gibt es bei mir keinen Grund zur unmittelbaren Sorge, ein erheblicher Teil meiner anderweitigen Aufträge – sprich beauftragte Podcast- und Contentproduktionen für Touristiker und Hersteller – laufen relativ normal weiter, dafür bin ich extrem dankbar. Der Lockdown war aber ehrlich gesagt nur einer von mehreren Tiefschlägen im vergangenen Jahr – es war noch nie so still auf meinen "Ulligunde"-Kanälen wie 2020. Da spielten neben schwerwiegenden Ereignissen privat aber zum Beispiel auch Bedenken mit rein, ob man während Bewegungseinschränkungen gelten, fröhlich auf Instagram weiter posten "darf", oder ob man dadurch nicht eher Neid und Unzufriedenheit bei den Betrachtern weckt. Umso bemerkenswerter ist es, dass meine engsten Werbepartner weiterhin zu mir halten. Solche Unterstützer zu haben ist ein Geschenk; und ich hoffe, dass ich mich 2021 mit umso mehr Inhalten revanchieren kann.

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privat
Fliegen statt klettern – kein schlechter Ersatz

Wie geht es jetzt weiter?

Ich merke, dass alles einfach ein wenig eintönig wird und man aktiv an sich arbeiten muss, um nicht einer gewissen Antriebslosigkeit zu verfallen. Ich vermisse Menschen, das Reisen und das Kennenlernen neuer Gebiete. Ich vertraue auf den Frühling, in dem ich dann hoffentlich bei offener Bustüre ohne größere Bedenken wieder Podcast-Gäste treffen kann. Wenn das der Fall ist – und man hoffentlich zusätzlich wieder problemlos über Grenzen reisen kann – bin ich schon sehr zufrieden.

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Der Klettertrainer: Michael Hoffmann

Wer bist Du?

Michael Hoffmann, 65 Jahre alt, ich lebe in Feldafing in Bayern; Disziplinen: Sportklettern, Klettern alpin, Skitouren; www.rotpunktschule.de

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privat
Michael Hoffmann beim Abseilen

Was ist dein Job? Woraus besteht dein Alltag üblicherweise, vor Corona?

Ich arbeite als Bergführer, Klettertrainer und Publizist. Den finanziell größten Beitrag liefert meine freiberufliche Mitarbeit in der DAV-Trainerausbildung. Da bin ich Mitglied in den Lehrteams für Bergsteigen, Sportklettern und Naturschutz. Daneben mache ich Klettertrainings und Führungen im Rahmen der Rotpunktschule und hin und wieder Bergführerjobs für andere Anbieter. Ist ein ganz lustiges Potpourri.

Wie hat sich dieser Job im letzen Jahr durch Corona verändert?

Während der Lockdown-Zeiten sind alle Veranstaltungen abgesagt worden. Mit Klettertrainings geht bei geschlossenen Hallen natürlich auch nichts. Das waren im Frühjahr 2020 drei Monate und läuft jetzt seit November. Ganz zu Beginn hat der Alpenverein kulanterweise noch Ausfallhonorar bezahlt, und für das Frühjahr habe ich nach langem Hin und Her auch Geld vom Staat bekommen. Die fairste Regelung für mich, wie vermutlich für alle kleinen Selbständigen, war die Hilfe für November und Dezember. Was ich ab Januar 2021 bekomme, weiß ich jetzt Ende Februar noch nicht.

Glücklicherweise habe ich gewöhnlich einige Euro in Reserve, sodass ich zusammen mit den Staatshilfen bislang keinen Finanzstress habe. Langweilig ist mir auch nicht, hier gibt es jede Menge handwerkliches Zeug, das sich freut, wenn es erledigt wird. Außerdem waren meine publizistischen Aktivitäten die letzten Jahre ziemlich brach gelegen. Die freie Zeit hat mich jetzt motiviert, endlich die längst überfällige Komplett-Überarbeitung meines Buches "Sicher Sichern" in Angriff zu nehmen. Da hat sich in der Zwischenzeit eine Menge getan. In der Summe fühlt sich das Ganze so bisschen wie Vor-Ruhestand an. Ich kann relativ stressfrei alles Mögliche erledigen. Gehöre also eher nicht zu denjenigen, die wegen Corona wirklich massive Probleme haben.

Wie geht es jetzt weiter? Was muss passieren, damit es weitergehen kann?

Primär müssten die Politiker kapieren, dass dieser Inzidenzwert keine valide Entscheidungs-Grundlage darstellt: Verdoppelt man die Tests, verdoppelt sich binnen einer Woche auch der Inzidenzwert. Ich persönlich halte schon noch ein Weilchen durch. Und wenn es wieder möglich ist, werde ich wohl etwas mehr arbeiten als geplant.

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Die Routenbauerin: Diana von Get High Routesetting

Wer bist du?

Mein Name ist Diana Rempel, ich bin 26 Jahre alt und wohne in Köln. Ich habe letztes Jahr mein Bauingenieurwesen-Studium abgeschlossen. Ich bin primär Boulderin und möglichst oft am Fels. Am Seil klettern wir erst seit kurzem leidenschaftlich. Ich kann, seitdem ich auch am Seil einige Projekte am Fels geklettert habe, nicht mehr sagen, welche Disziplin mit besser gefällt. Ich liebe am Klettern und Bouldern einfach alles, auch das Drumherum. Draußen sein und keine Sorgen haben, die über dünne Haut an den Fingerkuppen hinausgehen...

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Tameer Eden
Diana beim Boulderbau im Stuntwerk Köln

Was ist dein Job? Woraus besteht dein Alltag üblicherweise, vor Corona?

Seit 2014 arbeite ich freiberuflich als Routenbauerin in verschiedenen Hallen in NRW und darüber hinaus. Mein Partner Janosch und ich haben uns kurze Zeit später unter dem Namen ‚Get high Routesetting‘ (www.gethighroutesetting.com) zusammengeschlossen. Mittlerweile sind wir zu viert im Team und haben im September 2019 die Organisation des Routenbaus im Stuntwerk Köln übernommen. Im Schnitt habe ich in den letzten Jahren ein bis zwei Mal in der Woche Routen in unterschiedlichen Boulderhallen geschraubt. Mal mehr, mal weniger. Im letzten Jahr, also 2020, habe ich neben dem Routenbau noch meine Masterarbeit geschrieben und als Werkstudentin in einem Unternehmen der Immobilienwirtschaft gearbeitet.

Wie hat sich dieser Job im letzten Jahr durch Corona verändert?

Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 und auch im zweiten Lockdown, der seit November 2020 gilt, sind durch die Schließung der Boulder- und Kletterhallen natürlich die meisten Jobs, die ich hatte, gecancelt worden. Im Frühjahr haben wir, das Team von Get high Routesetting, dann für die Wieder-Eröffnung im Mai das Stuntwerk Köln einmal komplett neu beschraubt. Hierbei war neu: Abstand einplanen. Wir haben die Startzonen der einzelnen Boulder immer im Abstand von anderthalb Metern gesetzt. So haben wir die Hygieneregeln auch im Routenbau mit einbezogen. Wobei sich über die Wirksamkeit solcher Maßnahmen sicherlich diskutieren lässt.

Was sich verändert hat: In der Zeit zwischen den beiden Lockdowns sind die Jobs, die man als externe*r Schrauber*in bekommen hat, äußerst rar geworden, da die Kletter- und Boulderhallen verständlicherweise auf ihr internes Schrauberteam zurückgegriffen haben. Zumal für externe Routenschrauber*innen meist noch die Kosten für die Anfahrt anfallen und sich eventuell auch die Tagessätze unterscheiden. Außerdem konnten Events wie Spaßwettkämpfe, für die meist externe Schrauber*innen gebucht werden, nicht stattfinden. Entsprechend ist es als Routenschrauberin schwieriger geworden, regelmäßig gebucht zu werden.

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Dan Mausolf
Das Team von Get High Routesetting: Janosch Louis, Diana Rempel, Julius Faymonville, Julian Henz

Wie geht es jetzt weiter? Was muss passieren, damit es weitergehen kann?

Mein Traum war es, nach dem Studium erstmal überwiegend als Routenschrauberin zu arbeiten und dabei so viele Erfahrungen wie möglich in den unterschiedlichsten Kletter- und Boulderhallen zu sammeln. Dieser Job macht mir einfach unheimlich viel Spaß und man ist immer mit tollen, kreativen Menschen zusammen, von denen man viel lernen kann.

Da es aber in den letzten Wochen nicht absehbar war, wann die Hallen wieder öffnen dürfen, werde ich mich auf eine Festanstellung in einem Unternehmen bewerben, da die Unsicherheit als Routenbauerin (genug) Geld zu verdienen zu groß ist. Ich bin mir aber sicher, dass sich eine Anstellung in einem Unternehmen mit der freiberuflichen Tätigkeit als Routenschrauberin vereinbaren lässt. Man braucht nur das passende Modell.

Ich freue mich, wenn ein Besuch in einer Boulderhalle wieder so frei, locker und spontan sein kann, wie wir es gewohnt sind und endlich wieder Events in den Hallen stattfinden können.

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Der Kameramann: Martin 'Mungo' Hanslmayr

Wer bist du?

Martin "Mungo" Hanslmayr, 43 Jahre alt, Steinfeld bei Wien, Österreich. Bei mir geht's ums Sportklettern und Alpinklettern.

Martin Mungo Hanslmayr beim Dreh
Stefan Voitl
Mungo beim Dreh am Lunag Ri

Was ist dein Job?

Ich bin Kameramann für Outdoor- und Bergdrehs (martinhanslmayr.de).

Wie hat sich dieser Job im letzen Jahr durch Corona verändert?

Im Lockdown wurden Projekte abgesagt, vor allem solche, die Landesgrenzen überspannten. Es gab keine Auslanddrehs und Expeditionen, dafür habe ich mehr heimische Themen bearbeitet. Ich habe weniger Zeit in Autos und Flugzeug verbracht, was ich sehr positiv wahrnehme; aber auch weniger Einnahmen.

Martin Mungo Hanslmayr beim Dreh
Kristof Stursa
Wer filmt eigentlich die coolen Videos von alpinistischen Spitzenleistungen? Mungo zum Beispiel. Hier filmt er Markus Pucher in Aktion.

Wie geht es jetzt weiter?

Wie es weitergeht, weiss ich nicht konkret, das bestimmt die Politik und wöchentlich ändern sich da die Bestimmungen. Wir müssen auf jeden Fall mit dem Virus leben lernen. Das machen wir schon seit über einem Jahr, ich denke es wird Zeit, sich damit abzufinden, dass uns der Virus länger begleitet als gedacht. Weitergehen tut das Leben sowieso, aber anders als bisher. Ich persönlich achte auf mein Umfeld und reduziere Kontakte und mache Schnelltests. Bei der Arbeit testen wir uns teilweise täglich. So kann ich vermeiden, jemanden anzustecken. Ansonsten hoffe ich darauf, dass die Impfungen Wirkung zeigen und man bald wieder Auslandsreisen unternehmen kann.

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Der Hallenbetreiber: Leo Mendez Lenk

Wer bist du?

Leo Méndez Lenk, 37 Jahre alt, Berlin. Mir ist das Sportklettern am liebsten, aber zu einem Trip ins Bahratal oder nach Bleau sag ich fast immer Ja! – und einmal im Jahr eine Alpintour muss auch sein!

Leo Mendez Lenk, Bouldergarten Berlin
Fabian Fischer
Leo im Einsatz an der Bouldergarten-Theke

Was ist dein Job? Woraus besteht dein Alltag üblicherweise, vor Corona?

Ich bin Gründer und Geschäftsführer vom Bouldergarten (bouldergarten.de) in Berlin. Da fällt alles an: Personalmanagement, Schrauben, Organisation im Allgemeinen, Bauen, Reparieren, strategische Entscheidungen treffen, Putzen, Service am Tresen, Trainer...

Wie hat sich dieser Job im letzen Jahr durch Corona verändert?

Reparaturen und Bauen haben stark abgenommen, die Finanzen wieder stark im Blick haben und zunehmend genauer kalkulieren zu müssen hat stark zugenommen, ich habe das Kurzarbeitergeld kennengelernt; auch wenn es für mich als Selbständigen nicht zur Verfügung steht, so versuche ich zusammen mit meinem Partner und dem Steuerbüro die Übersicht in der Förderlandschaft zu behalten. Viele Verhandlungen mit Krankenkassen, Vermietern und Finanzämtern über Stundungen und solche Dinge... Allgemein fühlt es sich ein bisschen an, wie neu zu starten, nur dass wir schon genau wissen, wo wir am Ende hinkommen, wenn alles wieder läuft.

Was muss passieren, damit es weitergehen kann?

Inzidenz unter 10, Coronaimpfpässe für alle oder eine exakte Prüfung unseres Hygienekonzepts und dann eine vorsichtige Öffnung wagen.

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Die Filmfestival-Organisatorin: Sandra Freudenberg

Wer bist du?

Ich bin Sandra Freudenberg, Buchautorin bei National Geographic und Knesebeck. Journalistin bin ich auch für Tageszeitungen wie die NZZ. Aber vor allen Dingen bin ich Veranstalterin des BergSalons und des Alpen Film Festivals (www.alpenfilmfestival.de) und die Mutter von Laurin. Ich bin Bergsteigerin im klassischen Sinn und bouldere an der heimischen Wand im Dachstuhl eines Bergbauernhofes.

Corona und die Kletterszene
privat
Sandra Freudenberg hat sich als Geschäftsführerin ihrer PR-Agentur zurückgezogen und arbeitet mittlerweile als Autorin und Filmfestival-Organisatorin

Was ist dein Job? Was hat sich durch Corona geändert?

In den vergangenen Jahren war ich für das Bayerische Outdoor Film Festival – kurz BOFF – verantwortlich. Ich habe es tatsächlich durch das Jahr 2020 gebracht: es wurde dreimal neu geplant, die Kapazitäten waren natürlich total eingeschränkt, aber gemeinsam mit den Kinos haben wir es durchgezogen. Als Alpinistin ist man es ja auch gewohnt, mit kritischen Situationen umzugehen. Da schmeißt man ja nicht gleich hin, wenn man von einer Route abgebockt wird, oder? Da wird es ja erst interessant!

Ich hatte vom Film Fernseh Fond Bayern auch eine Förderzusage für das BOFF. Das Geld habe ich dann aber nie bekommen. Letzte Woche haben die mir geschrieben. In dem Brief, der übrigens voller Schreibfehler war, stand zu lesen – ich übersetze das mal: "Sie zappeln noch? Sie haben überlebt? Dann bekommen Sie von uns doch kein Geld." Peng – das war’s dann.

Ansonsten ist es mir gelungen, das Jahr gut zu nutzen. Kunst muss ja auch erst mal geschaffen werden, bevor sie an ein Publikum gebracht wird. Ich habe in der Coronazeit mein Buch "In den Bergen lebt die Freiheit" fertig gestellt und es wurde ein Bestseller. Filme wurden gesichtet und ein Programm geschaffen – und ein neues Buch ist in Arbeit.

Wie geht es weiter?

Angst und Geld haben wir nie gehabt – deshalb mache ich mit dem neuen Festival-Format, in dem es um Bergmenschen und Solidarität geht, einfach weiter. Diesmal geht es nicht um sportliche Höchstleistung, sondern um Solidarität. Es geht darum, Bilder zu zeigen, wie man vielleicht in Zukunft zusammenleben will. Das Alpen Film Festival ist aus Gründen des Zusammenhalts auch nur von Kinobetreibern buchbar. Denn das Letze, was die Kinos jetzt brauchen, sind Konkurrenz-Veranstaltungen im Bereich Film.

"Mitten im Winter habe ich bemerkt, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer lebt" (Albert Camus.)

Danke!

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