Bundesnationaltrainer Urs Stöcker DAV Marco Kost

Nationaltrainer Urs Stöcker im Interview

Klettern bei Olympia Nationaltrainer Urs Stöcker im Interview

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Im August starten Alexander Megos und Jan Hojer bei den Olympischen Spielen. Der Bundestrainer Urs Stöcker über Vorbereitung und Aussichten.

Wie läuft die Olympia-Vorbereitung bislang?

Grundsätzlich läuft alles nach Plan. Wir haben mit den Weltcups in den USA unseren Boulder-Vorbereitungsblock hinter uns und fokussieren uns nun aufs Leadtraining. Die Planung der unmittelbaren Vorbereitung in Tokio läuft auf Hochtouren, gestaltet sich in Zeiten von Corona aber sehr aufwendig, da die Regeln sich fast täglich ändern.

Bei den ersten drei Boulder Worldcups dieses Jahr standen Alex und Jan in keinem Finale. Adam Ondra gewann zweimal, Janja Garnbret deklassierte in Meiringen die Konkurrenz. Kann man in diesen Resultaten gewisse Vorzeichen für Tokio sehen? Oder verfolgt ihr nur eine andere Periodisierung?

Ich kenne die Periodisierung der anderen Athleten nicht und konzentriere mich auf unsere Arbeit. Es ist ja nicht so, dass man im Klettern viele Gegneranalysen braucht, um siegreich vom Platz zu gehen. Diejenigen, die Vorzeichen sehen wollen, sollen das tun. Olympia startet am 3. August für uns. Alles vorher ist Vorbereitung.

Wie sieht diese Vorbereitung in den verbleibenden Wochen aus?

Wir planen grob in Fokus-Blöcken. Im Frühjahr stand Bouldern im Fokus, im Juni und Juli nun Lead. Die Disziplin Speed ziehen wir die ganze Zeit mit. Alex und Jan machen alle Weltcups bis Chamonix. Am 19. Juli fliegen wir nach Tokio, um uns zu akklimatisieren und an letzten Details zu arbeiten. Im Juni werden wir nochmals intensiver und umfangbetonter arbeiten und nehmen dann im Juli langsam den Dampf raus. Dies sind aber nur grobe Richtlinien. Alex und Jan sind erfahrene Athleten, die sich selbst sehr gut kennen und die meiste Zeit allein oder mit ihren Trainern trainieren. So passen wir das Training immer wieder den Bedürfnissen an, ohne das Hauptziel aus den Augen zu verlieren. Hier ist Vertrauen und gute Kommunikation mit den Athleten und den persönlichen Trainern essentiell.

Was sind eure Ziele für Tokio?

Das Beste aus der aktuellen Situation zu machen, gesund zu bleiben, wenn möglich einen Deutschen im Finale zu sehen und so ein olympisches Diplom nach Hause mitzunehmen.

Wie bereitet ihr euch auf das schwülheiße Klima vor?

Die Bedingungen sind eine Herausforderung. Die Wettkampfzeiten sind aber so gelegt, dass der Einfluss hoffentlich nicht so groß sein wird. Wir haben uns viele Gedanken gemacht und Strategien entwickelt. Das Wichtigste ist die Akklimatisierung vor Ort an die Zeitzone und an die klimatischen Bedingungen.

Wie geht ihr mit der Unsicherheit um, ob Olympia stattfindet?

Dies war im November ein Thema, als die dritte Welle über Deutschland hereinbrach und die Unsicherheit maximal war. Mittlerweile sind wir überzeugt, dass Olympia stattfindet. Es wird sicher spaßbefreit und sehr reglementiert. Doch damit haben wir uns abgefunden und bereiten uns bestmöglich darauf vor.

Zwei Athleten mit Fokus auf Olympia, für den Rest des Nationalkaders hat der Worldcup Priorität. Wie lässt sich das vereinbaren?

Wir sind zum Glück drei Bundestrainer mit Maxi Klaus im Lead und Friederike Kops im Nachwuchs. So können wir die Arbeit gut aufteilen. Während der heißen Olympiaphase übernimmt Maxi die Vorbereitung und Betreuung der Lead-Weltcups. Für das tägliche Training im Stützpunkt München habe ich seit diesem Jahr die Unterstützung des ehemaligen österreichischen Nationaltrainers Ingo Filz­wieser, der neu Verbandsstützpunkttrainer Süd ist. Die Wettkampfbetreuung an den Weltcups ist für jeden gleich, da machen wir keinen Unterschied. Aber sicher nimmt Olympia im Moment einen Großteil meiner Arbeitszeit ein.

Wer sind deine Favoriten für Tokio?

Bei den Männern Tomoa Narasaki, Adam Ondra und Colin Duffy, bei den Frauen Janja Garnbret, Brooke Raboutou und Miho Nonaka.

Urs Stöcker, 44, ist Diplom-Trainer und promovierter Physiker, seine Dissertation schrieb er über Muskel­mechanik. 2001 gelang ihm mit Thomas Huber und Iwan Wolf die zweite Besteigung des Ogre (7285 m), seit 2017 ist der Schweizer Allround-Kletterer Bundestrainer.

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