Klettern in der Türkei: Leichte Tage in Geyikbayırı

Klettern in der Türkei
Klettergebiet Geyikbayırı

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.07.2026
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Wo genau liegt Geyikbayırı und wie komme ich in dieses Klettergebiet?

Am besten mit dem Flugzeug nach Antalya. Von dort entweder 30 Kilometer mit dem Mietauto (ab ca. 200€ für eine Woche) oder von den Camps angebotenen Shuttleservice ins Gebiet. Vor Ort kommt man auch ohne Auto zurecht, da die allermeisten Sektoren zu Fuß erreichbar sind. Die kürzlich verbesserte Buslinie reicht aus, um Einkäufe im Dorf oder am Markt zu erledigen. An den Camps wird man auch gerne von anderen Kletterern mitgenommen, wenn der gewählte Sektor am anderen Ende des Gebietes liegt.

Beste Zeit

Von Oktober bis Ostern. Im Sommer ist es viel zu heiß und auch im Herbst kann es in den Südwänden teilweise noch sehr warm werden. In diesem Fall muss man nach schattigen Wänden oder Teilabschnitten Ausschau halten. Im Winter regnet es auch mal mehrere Tage.

Heiße Tage: Schatten findet man im größten Sektor mit Sinterstrukturen: Trebenna. Das Niveau ist aber hoch und die wenigen einfacheren Routen sind nicht der Grund in die Türkei zu reisen. Am besten zu erreichen vom YoSiTo-Camp, auf dem Weg kann man in Gumpen baden. Im Sektor Korridor finden sich Routen in der Sonne als auch im Schatten – in nahezu allen Schwierigkeitsgraden. Ganz neu eingerichtete Routen entdeckst du, wenn du durch die Schlucht linkshaltend weiterläufst – ab Nachmittag in den Schatten. Sektor Kanyon: Hier gibt es Routen auf beiden Seiten der Schlucht. Da sie schmal ist, liegen die Routen je nach Tageszeit im Schatten. Çitdibi ist "the place to be" für alle, die schwer klettern möchten! 20 Minuten mit dem Auto von Geyikbayırı entfernt, ist es für einige schon ein eigenes Klettergebiet und kein weiterer Sektor. Form und Farbe des Felsen sind ein Kunstwerk der Natur! Selbst an heißen Tagen kann man hier oft eine Jacke gebrauchen.

Tipp: Das Klettergebiet Beycik liegt eine Autostunde von Geyikbayırı und ist ebenfalls ideal für heiße Tage. Die Routen wirken wie nicht von dieser Welt. Und wer mal am Meer klettern will, findet ein paar Routen am Strand von Akyarlar.

12 Must Do Routen: Antalya (4b) Barbarossa (5c+) In the night (6a) Hürrem Sultan (6b) Riglos (6c) Stalaktosaurus (6c) Rocket Man (6c+) Akupunktur (7a) Sairlerin Sultani (7a+) Selamin Aleyküm (7c) Türkish Airways (8a+) Karakurum Highway (8c)

Klettern Türkei - Geyikbay?r?
Martin Schepers

MaterialIm Fels steckt allerbestes Hakenmaterial, die Abstände sind meist kurz oder zumindest nie gefährlich. Entsprechend ein paar Expressschlingen mehr einpacken, vor allem dann, wenn mal was fürs Projektieren hängen bleiben soll. Ein 80-Meter-Seil ist mehr als sinnvoll, wenn man die Verlängerungen von vielen Routen in einer Seillänge klettern möchte. Ansonsten reichen 70 Meter bei den meisten Routen. Kneepad macht Sinn, wenn du dich in einer der Sinterrouten versuchen möchtest.

Erfahrungsbericht zum Klettergebiet

"Es ist ziemlich spät geworden. Beziehungsweise ziemlich früh. Der Geist ist nur noch so wach wie die beleuchteten Hütten im Camp hell: beides dämmrig, aber auch wohlig-kuschelig und heimelig. So knirschen die Rollen meiner Gepäcktasche über den Schotterweg zur Hütte mit dem schönen Namen »Happy Hilti«. Vielleicht hätte ich doch nicht die billigste Mietwagengesellschaft nehmen sollen, denke ich. Bis der Papierkram und die 25 Kilometer Fahrt vom Flughafen in Antalya bis nach Geyikbayırı hinter uns lagen, war es früher Morgen. Doch die Aussicht auf geniale, meist fußläufig erreichbare Kletterrouten, und darauf, selbst in einer Spätherbstnacht im T-Shirt nicht zu frieren, lässt alle Strapazen vergessen und weckt Vorfreude bei uns."

Klettern Türkei - Geyikbay?r?
Martin Schepers

Wir sind ein bunt gemischter Haufen von Anfängern bis hin zum 8a-Kletterer. Das ist ja das Schöne beim Sportklettern, dass du auch mit ungleichen Leistungsklassen am Start sein kannst, und trotzdem haben alle Spaß, jeder kann ge-, muss aber nicht überfordert sein. Und in Geyikbayırı stellt es überhaupt kein Problem dar, die unterschiedlichsten Vertikalinteressen unter einen Helm aka Hut zu bringen, es gibt wirklich für jede und jeden etwas. Jahrtausendelang haben Wasser, Wind und Wetter den harten Kalkstein zu spektakulären Sinterwänden, Tropfsteinen, aber auch strukturierten und kompakten Platten geformt. Der Fels fordert ein breites Technikrepertoire, und je höher der Grad, desto steiler werden die Wände, häufig wird ein fast schon dreidimensionaler Kletterstil mit gutem Bewegungsgefühl verlangt.

Extrem kurzer Zustieg

Nach dem zweiten Kaffee in einer der Hängematten, die sich über das ganze YoSiTo-Camp verteilen, verfliegt die letzte Müdigkeit, und wir wollen endlich Hand an den Fels legen. Ideal dafür geeignet sind die Wände direkt über dem Camp: Der Zustieg fällt extrem kurz aus, und auch hier locken Routen für alle Könnensstufen. Nach unseren ersten Felskontakten treffen wir uns mit dem Haupterschließer und Führerautor Öztürk Kayikci in seiner recht bescheidenen Hütte am Fuß des Sektors Barbarossa. Der Sektor erhebt sich gleich am Anfang der sage und schreibe zwei Kilometer langen Hauptwand, ab hier muss man den Blick immer nur rechts der Straße halten: Es folgt Sektor auf Sektor, weitere Sektoren ohne Einblick von der Straße gibt es links unterhalb. Gut zu wissen: Am Sektor Barbarossa findet sich auch der Kleine Kletterladen Sun Climbing – falls man etwas vergessen hat oder ersetzen muss.

Der 53-jährige Öztürk ist nicht nur untrennbar mit der Erschließung und dem Erhalt der Felsen im Tal von Geyikbayırı verbunden, wenn nicht sogar mit dem Klettern in der ganzen Türkei, sondern er bemüht sich auch, den Klettersport in seiner Heimat zu etablieren. "Aus dem Dorf kommen aber keine heimischen Kletterer, das haben wir trotz verschiedener Aktionen nicht geschafft", erzählt er selbstkritisch. In seiner Hütte hat er keinen festen Stromanschluss, aber es hängen diverse Trainingsgeräte auf seiner Veranda. Wäsche wird gewaschen, wenn die Solarpaneele genügend Strom erzeugen. Soweit hat die moderne Welt dann doch Einzug gehalten. Die gutmütigen Augen von Öztürk fangen vor Stolz an zu strahlen, als er uns zeigt, dass sein Grundstück bis an die Felsen reicht und er nicht nur mit seinen Routen den vielen Besuchern das Klettern hier ermöglicht, sondern auch mit den Wegen, die er anlegt.

Da ist es ihm auch egal, dass sein ganzes Geld in Form von Bohrhaken in den Wänden steckt. Seine Wohnsituation spielt nur eine Nebenrolle, wenn er mit seine Touren etwas Bleibendes erschaffen kann. Das wenige Geld, das er benötigt, verdient er als Ausbilder für Höhenarbeiter, sein Knowhow zeigt sich nicht nur in vorbildlich abgesicherten Routen, sondern auch in den regelmäßigen Sanierungen, wie jüngst im linken Teil des Sektors Ottoman nur 120 Meter von Barbarossa entfernt.

Auf Goldsuche: die Anfänge

Bei Öztürks ersten Routen an dem mächtigen Kalkriegel dachten die Leute aus dem Dorf, er suche mit der Akkubohrmaschine nach Gold und fingen sogar an, an den Wandfüßen selbst danach zu graben. »Wir fanden tatsächlich Gold! Allerdings nicht in Form des Edelmetalls, sondern in Form von Linien«, erzählt er uns. Damals konnte niemand ahnen, wie ergiebig die Felsen sein sollten. Es entwickelte sich ein ungeplantes Großprojekt. Viele Besucher kamen und richteten ebenfalls Routen ein. Mit dabei auch Tobias Haug aus München, der begeistert war und mit dem YoSiTo-Camp das erste seiner Art hier gründete. Und schließlich für immer blieb.

Murat, einer der hergezogenen, türkischen Kletterer berichtet: "Wir konnten uns das Hakenmaterial für vielleicht eine Route pro Monat leisten. Auf einmal waren Leute mit hunderten Haken im Gebiet. Das ging alles sehr schnell, und so manch einer von uns musste das neue Tempo erst einmal verarbeiten." Doch der Erschließergeist war aus der Flasche. Heute steht Geyikbayırı für allerbestes Sportklettern, die Felsqualität gleicht der von Kalymnos. "Für mich sind der Fels und die Qualität der Absicherung hier sogar deutlich besser", erklärt Öztürk. Welchem Gebiet immer man die Krone aufsetzen möchte, fest steht: Für uns als Besucher stehen die vielen großartigen Sektoren nordwestlich von Antalya wie auf dem goldenen Tablett bereit und lassen sich schneller erreichen als viele andere Gebiete. Wie bei vielen Topgebieten hängt auch in Antalya stets das Damoklesschwert des Übertourismus an den Umlenkketten.

Auch Tobi hatte seine Bedenken, als er von diesem Artikel erfuhr, was ich ihm als Fürsorge für "sein" Gebiet hoch anrechne. Ich erinnere mich aber auch an die Worte von Öztürk auf seiner Terrasse. Sein Standpunkt war klar: Ein paar neue Routen pro Jahr locken nicht so viele Kletterer, aber wenn die Campbetreiber ihre Kapazitäten immer weiter ausbauen, Hotelzimmer entstehen und das Airbnb-Angebot größer wird – dann ist es logisch, dass immer mehr Kletterer kommen.

Make Wodka not War

Tatsächlich wächst das Übernachtungsangebot. Aber ehrlicherweise muss man sagen, dass die chilligen Camps Geyikbayırıs einzigartig machen, und wer sich darauf einlässt, lebt in dieser "Blase" wie in einer anderen Welt. Man trifft sich, kocht gemeinsam oder tauscht Erfahrungen, Infos über neue Projekte und Beta aus. In einem der günstigsten Camps sitzen Russen und Ukrainer zusammen, trinken Wodka und gehen tagsüber zusammen klettern. Schön zu erleben, dass es offensichtlich auch frei nach dem Motto "Make Wodka, not War" gehen kann und auf menschlicher Ebene "normale" Beziehungen bestehen. Vom einfachen Zeltplatz bis hin zu komfortablen Chalets mit Pool, Sauna und Yoga reicht das Angebot. Die Camps verfügen über Gemeinschaftsküchen, teilweise auch über Restaurants und gemütliche Aufenthaltsbereiche. So entstehen in diesen fast schon dorfähnlichen Strukturen unter den Granatäpfel-Hainen neue Seilschaften, Freundschaften und manchmal sogar mehr.

Klettern Türkei - Geyikbay?r?
Martin Schepers

Çitdibi – Sektor mit Suchtgefahr

Neben Geyikbayırı hat sich mit Çitdibi ein zweites hochkarätiges Gebiet in unmittelbarer Nähe etabliert. Etwa 40 Minuten südwestlich und auf 1000 Meter Höhe am Fuß des Tunc (2469 m) gelegen, bietet es ein deutlich kühleres Klima und damit auch an heißen Tagen allerbeste Bedingungen. Mümin Karabas, einer der türkischen Top-Kletterer und Betreiber des Flying Goat-Camps, hat die Erschließung in den letzten Jahren intensiv vorangetrieben, man kann Çitdibi mit gutem Gewissen als Hardcore-Gebiet bezeichnen. Athletische Ausdauerkletterei dominiert, die langen und steilen Routen an unglaublichen Sinterfahnen fordern Kraft. Und noch nie zuvor habe ich so viele Kletterer mit Kneepad gesehen – das bietet sich in den Sinterfahnen an. Ein Besuch hier oben ist Pflicht, auf der linken Schluchtseite gibt es auch einige einfachere Routen. Sie klettern sich deutlich besser, als sie auf den ersten Blick vermuten lassen.

Viel Zeit bleibt uns für sie allerdings nicht, wir müssen nach Hause. Meine Tasche schlackert den Weg von der Hütte zurück zum Mietwagen. Für mich ist Geyikbayırı weit mehr als nur ein Klettergebiet. Es ist ein Ort, an dem ich so viel Freundlichkeit von den Menschen erfahren habe, wie ich sie mir überall auf der Welt wünsche. Mein von Vorurteilen beeinflusstes Bild der "Erdoğan-Türkei" wurde durch die Herzlichkeit der Menschen zurechtgeruckelt, und ich verlasse das Land in tiefer Verbundenheit mit den außergewöhnlichen, intensiven Erlebnissen, die ich haben durfte und die einen inneren Prozess bei mir auslösten. Er lässt sich schwer in Worte fassen, da ihn wahrscheinlich jeder anders und individuell erleben darf oder muss. Alles zusammen macht das Klettern rund um Antalya für mich zu einem der spannendsten Ziele im modernen Sportklettern.

Weitere Tipps für einen Klettertrip in die Türkei

Unterkünfte: Circa 10 unterschiedliche Camps stehen zur Auswahl. Von Zelt (ab 10 €/Nacht)über einfache bis edle Charlets (bis ca. 150 €/Nacht) mit vollausgestatteter Küche ist alles zu finden. Die meisten Camps bieten Kochgelegenheiten. Inzwischen wird auch Airbnb im Dorf angeboten.

Lebensmittel: Kleiner Store im Dorf. Marktstand mit Obst und Gemüse unterhalb von Sun Climbing (Kletterladen/Kletterschule). In Akdamlar kleiner Supermarkt kurz vor der Marktstraße. Am anderen Ende der Ortschaft mittelgroßer Supermarkt. Sonntags ist Markt in Akdamlar.

Bars/Restaurants: Zweimal die Woche Pizzatag im YoSiTo-Camp. Das Körfez Asiyan Restaurant auf dem Weg von Geyikbayırı nach Akdamlar bietet feines türkisches Essen und einen genialen Blick auf Antalya. Preislich etwas gehoben – etwa 30 bis 40 Euro/Person. Das Alabalik (Forelle) Restaurant in Geyikbayırı bietet leckeren Fisch direkt und über den Teichen an. Ansonsten supergünstig und lecker sind die angebotenen Speisen an den Ständen und den Lokalen in Akdamlar – alles durchprobieren.

Shop: Sun Climbing unterhalb vom Sektor Mevlana bietet Klettermaterial zum Kaufen und im Verleih an. Außerdem Kletterkurse und Guiding in andere, unbekannte türkische Klettergebiete. sunclimbing.com

Kletterführer Antalya und Umgebung – A rock climbing guide to Antalya von Öztürk Kayikci. Enthält mehrere Gebiete im Großraum Antalya bis hin zu Olympos, aber mit dem Schwerpunkt Geyikbayırı. (43€), hier im klettern-Shop bestellen

Klettern Türkei - Geyikbay?r?
Martin Schepers

Fazit