OD Funktionsunterwäsche

Alles, was Sie über Funktionsunterwäsche wissen müssen

Auf Tuchfühlung: Funktions-Unterwäsche

Ob man sich wohl in seiner Haut fühlt, hängt davon ab, womit man sie umgibt. Was moderne Funktionsunterwäsche leisten kann, lesen Sie hier.

Kaum ein Aspekt der Outdoor-Ausrüstung wird derart stiefmütterlich behandelt wie die Unterwäsche. Diesen Eindruck gewinnt zumindest, wer auf einer Almhütte Neuankömmlinge beobachtet: nass geschwitzte Baumwoll­shirts kleben da am Körper, hastig werden sie vom Leib gezogen, um später stundenlang über Stuhl oder Terrassengeländer vor sich hin zu trocknen.

Dabei ist es längst kein Geheimnis mehr, dass funktionelle Unterwäsche das Wohlbefinden auf Trek und Tour deutlich erhöhen kann. Lange Zeit galt als oberste Maxime, dass sie den Körper trocken hält. Sie sollte die entstehende Schwitzfeuchtigkeit zügig aufnehmen, nach außen leiten und rasch verdunsten lassen; denn trocken ist angenehm, lautete die Devise. Inzwischen ist die Entwicklung weiter. Der Körper schwitzt schließlich nicht grundlos.

Er schwitzt, weil er überschüssige, durch Muskelarbeit produzierte Wärme abführen muss, um nicht zu überhitzen. Dafür sorgt der Schweißfilm auf der Haut. Er verduns­tet – und dadurch kühlt er. Wird der Schweiß jedoch sofort von der Wäsche abgeleitet, kann er nicht mehr kühlen. Die Folge: Der Körper öffnet weiter die Poren, verliert noch mehr Flüssigkeit, noch mehr Mineralstoffe, im ungünstigsten Fall überhitzt er.

Moderne Funktionswäsche muss also nicht weniger können, als den Körper zu imitieren. Sie muss bei Wärme und Anstrengung kühlen und bei Kälte sowie Inaktivität wärmen. Das Problem dabei: Der Körper schwitzt nicht an jeder Stelle gleich stark. Während Rücken, Brust und Nacken oft im Schweiß baden, bleiben andere Zonen wie Ellbogen, Schultern oder Knie staubtrocken. Und während die Achseln nach Kühlung lechzen, brauchen‘s die Nieren eher warm. Hersteller wie Craft, Helly Hansen, Mammut, Odlo oder X-Technology statten ihre Wäsche daher mit verschiedenen Zonen aus. Manche lassen der Haut ihren kühlenden Schweißfilm, andere nicht. Manche sind dick, andere dünn. Doch für alle gilt: Die Zonen können nur dann effektiv funktionieren, wenn sie sitzen, wo sie sollen. Und das geht nur bei hautnahem Sitz. Nur dann kann die Wäsche den Schweiß gezielt aufnehmen, ihn abführen oder eben hautnah verdunsten lassen.

Kompressionswäsche sitzt extrem eng

Hersteller wie Falke oder Skins machen sich den hautnahen Sitz gleich doppelt zunutze. Ihre sogenannte Kompressionswäsche sitzt extrem eng und soll durch Druck die Durchblutung fördern, Muskeln stützen und die Regenerationszeit kürzen. Wer jedoch mehr auf Komfort als auf Höchstleistung steht, verzichtet auf den Stützdress – zumindest beim Wandern. »Für die Jogging­runde top, auf Tour ein Flop«, resümierten die outdoor-Tester nach diversen Tragevergleichen.

Auf Tuchfühlung: Konstruktion und Material von Funktionsunterwäsche

Zwar fühlen sich viele Kunstfaserleibchen heute durchaus geschmeidig, einige, wie die von Patagonia, sogar regelrecht seidig an. Dennoch erreicht kein Kunstmaterial den Flausch feiner Merinowolle. Anders als normale Schafwolle kratzt sie kaum bis gar nicht – bei entsprechend feiner Qualität, wie sie Icebreaker, Mammut, Patagonia, Smartwool oder Woolpower anbieten. Darüber hinaus bietet die Wolle der neuseeländischen Bergschafe einen weiteren Vorteil: Sie müffelt nicht, selbst nach tage­langem Dauereinsatz nicht.

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Das Vaude Aquator Shirt.

Allerdings taugt reine Wollwäsche wie die von Icebreaker oder Smartwool nur für Touren bei Kälte und bei allenfalls mäßig hohem Aktivitätsgrad. Der Grund: Wolle bietet einen nur geringen Kühleffekt, so dass man bei Touren in warmer Umgebung oder bei ausdauernd schweißtreibender Aktivität schnell überhitzt. Einmal richtig nass, braucht Wolle zudem sehr lange zum Trocknen – auf Zelttour problematisch.

Im Verbund mit anderen Materialien läuft Wolle jedoch zu Hochform auf, das zeigen Helly Hansen, Mammut und Woolpower. Während Helly Hansen und Mammut Körperzonen je nach Temperaturbedarf mit unterschiedlich hohem Wollanteil bedecken, setzt Woolpower auf einen einheitlichen Woll-Kunstfaser-Mix sowie auf eine spezielle Strickart. Damit erreicht die in Schweden gefertigte Wäsche vielerlei: Sie müffelt nicht, trocknet flott, heizt mächtig ein und kühlt sogar bei Aktivität, wenn auch nur in Maßen – für reine Sommertouren ist sie zu warm.

Bei sportlichen Touren oder solchen unter brennender Sonne punkten hingegen synthetische Hemden mit hoher Kühlleistung, wie die von Marmot, Patagonia oder X-Bionic. Welche Wäsche für Ihre nächste Tour ideal ist, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Auf Tuchfühlung: Welche Wäsche brauchen Sie?

Manche mögen's eher kuschlig, andere wiederum laufen immer auf Hochtouren und sind auf kühlende Hilfe angewiesen. Welcher Wäschetyp Sie sind, finden Sie heraus, wenn Sie die untenstehenden drei Fragen beantworten.

OD Welche Wäsche passt zu Ihnen?
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Auf Tuchfühlung: Populäre Vorurteile und Wissenswertes zur Funktionsunterwäsche

Funktionswäsche trocknet schnell
Schneller als Teile aus Baumwolle oder Wolle auf jeden Fall. Funktionswäsche mit einem hohen Anteil elastischer Fasern (Elasthan, Lycra) trocknet aber sehr langsam.

Wolle kratzt
Ob Wolle auf der Haut kratzt, hängt vom persönlichen Empfinden und von der Dicke der Wollfasern ab. Bei normaler Schafwolle sind die Fasern 30–50 Mikron dick. Wolle von neuseeländischen Merino­schafen ist viel feiner. Sie misst nur 13–25 Mikron – und kratzt so gut wie keinen mehr.

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Nicht alle Funktionshemden trocknen im Nu.

Wäsche mit Silber­ausrüstung stinkt nicht
Stimmt nicht. Das enthaltene Silber verzögert nur die Entstehung des Schweißgeruchs. Spätestens nach drei Tagen Dauereinsatz – so die Erfahrung der outdoor-Tester – müffeln auch die »Silberlinge«.

Wolle wärmt auch in nassem Zustand
Feuchte Wolle wärmt tatsächlich noch. Doch richtig nass geschwitzt, zum Beispiel durch stundenlangen Aufstieg mit Rucksack, klebt auch Wolle unangenehm kalt auf der Haut – und das sehr lange, da sie extrem langsam trocknet.

Funktionswäsche ist gleich Funktionswäsche
Falsch. Die Unterschiede sind gravierend und hängen ab von Konstruktion, Passform und Material.

Daran erkennen Sie hautverträgliche Wäsche

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Naturfasern = Öko?
Wolle und Baumwolle sind nicht per se hautverträglicher oder umwelt­freundlicher als Kunst­fasern. Der Baumwoll­anbau benötigt viel Wasser und Pestizide, Schafwolle wird oft mit Chlor behandelt. Wer sichergehen will, trägt schadstoffgeprüfte Qualitätsware.

TÜV Toxproof
Der Toxproof-Schriftzug vom TÜV Rheinland kennzeichnet Textilien, die auf krebserregen­de Farbstoffe, Biozide und mehr geprüft wurden. So gelten beispielsweise für Schwermetalle, Formaldehyd und Pestizide Grenzwerte, die strenger sind als die gesetzlichen.

Öko-Tex-Standard 100
Das Öko-Tex-Siegel 100 kennzeichnet Produkte, die auf Schwermetalle, krebserregende Farben und mehr geprüft wurden. Die Grenzwerte sind strenger als die gesetzlichen. Öko-Tex-100-zertifiziert ist zum Beispiel die Funktionswäsche von Odlo, Mammut und Woolpower.

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Herstellereigene Siegel
Manche Outdoor-Hersteller vergeben auch eigene Öko-Siegel oder werben mit Aussagen wie »kontrol­lierte Produktion«. Was dahintersteckt, ist nicht immer ersichtlich und sollte im Einzelfall beim Händler oder Hersteller erfragt werden.

Bluesign safety
Bluesign steht nicht nur für ein schadstoffarmes Produkt, sondern für eine komplett nachhaltige Produktion. Unter den Textilsiegeln ist bluesign mit das strengste. Bluesign-Mitglieder sind z. B.: Mountain Equipment, Patagonia, The North Face und Vaude.

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