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Viking Republic - Naturcamp in Schweden Viking Republic

Urlaubstipp für Naturliebhaber

Viking Republic - Naturcamp in Schweden

Die Gründer von "Viking Republic" über ihr Naturcamp in der schwedischen Wildnis und warum sich ihr Reise-Konzept auch in Corona-Zeiten bewährt ...

Wildcampen in der unberührten Natur Schwedens ist der Traum vieler Outdoor-Fans. Die beiden Aussteiger Maximilian König (30) und Finn Reitenbach (28) haben sich diesen Traum dauerhaft erfüllt: Im letzten Sommer eröffneten sie das Natur-Camp Viking Republic mitten in der schwedischen Wildnis am Kornjön See.

Von Mai bis September bieten die beiden Unternehmer einwöchige Kanutouren samt Verpflegung an. Ab einer Pauschale von 319 Euro bekommt man hier eine Kanutour inklusive Übernachtung entweder im Wikingerdorf oder in Zelten direkt am See. Im Gesamtpaket inbegriffen sind sogar die Kanu- und Campingausrüstung, Verpflegung und eine Kanu- und Ausrüstungseinweisung. Der Routenplan wird ganz individuell erstellt. Somit kommen auch Anfänger und nicht nur erfahrene Kajaker auf ihre Kosten.

Viking Republic - Naturcamp in Schweden
Viking Republic
Die Kumpels Maximilian König (30) und Finn Reitenbach (28) haben sich getraut, wovon viele träumen: Sie kehrten Alltag und Job den Rücken, um zu neuen Ufern aufzubrechen.

Die Gründer Max und Finn verfolgen dabei das primäre Ziel den Besuchern die ursprüngliche Natur und das Selbstversorgerleben abseits der Touristenströme näher zu bringen. In der Viking Republic soll man seinen schnelllebigen Alltag vergessen und ganz aktiv mit anpacken können – ebenso die selbstverständlich gewordenen Dinge wie fließend Wasser und Strom wieder schätzen lernen.

Max und Finn kennen sich schon seit ihrer Jugendzeit und die fixe Idee von einem Camp in der freien Natur setzte sich schon damals in ihren Köpfen fest. Sie tüftelten allerdings 10 Jahre lang an ihrem Vorhaben und sammelten in dieser Zeit mehr Wissen über das Wild-Camping. Im Frühjahr 2019 war es dann soweit: Das erworbene Gelände wurde eigenhändig hergerichtet und viele Dinge selbst gebaut. Die beiden wohnen in einem kleinen, ursprünglichen Schwedenhaus auf dem Camp-Gelände und wollen bis 2021 zehn neue Blockhäuser für die Gäste errichten. Dafür suchen sie noch fleißige Helfer, die gegen Kost und Logie beim Ausbau helfen.

Wie es sich anfühlt, den Schritt in eine neue Existenz im Ausland zu wagen und warum ihre Auffassung von Reise und Abenteuer besonders jetzt, inmitten der Corona-Krise, kaum zeitgemäßer und erfolgsversprechender sein könnte, verraten die beiden im Interview:

Die Corona-Krise stellt die Reiseindustrie aktuell auf eine harte Probe. Wie geht ihr mit der Situation um? Was ist die Idee von Viking Republic?

Finn Reitenbach: "Wir sehen die Krise in vielerlei Hinsicht als Chance, die herkömmliche Art und Einstellung zum Reisen zu überdenken. Nicht zuletzt durch die Sozialen Medien hat sich in den letzten Jahren eine fragwürdige Vorstellung von "dem perfekten Urlaub" in den Köpfen manifestiert, für die Natur und Klima eine hohe Rechnung zahlen. Obwohl sich immer mehr Menschen im Alltag mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen, spielt es bei der Reiseplanung immer noch eine untergeordnete Rolle. Im Zuge der Corona-Pandemie wird deutlich, welch hohen Anteil der Reise-, besonders der Flugverkehr, an der Luftverschmutzung trägt. Weitermachen und weiterreisen wie bisher, war für uns schon vor der Krise keine Option. Mit Viking Republic haben wir ein Naturcamp am Rande des schwedischen Kornsjön Sees erschaffen, das Erlebnis- und Abenteuerreise zu einem niedrigen CO2-Fußabdruck bietet. Dafür mit maximaler Entschleunigung und einem hohen Maß an Selbstversorgung und Naturverbundenheit. Neben Kanutouren samt ProfiAusrüstung und Versorgungspaket, haben unsere Gäste die Wahl zwischen Wildcamping oder einer Blockhaus-Unterkunft. Das Blockhaus-Dorf befindet sich noch immer im Aufbau. In einer Community aus freiwilligen Helfern, die gegen Kost & Logis unser Dorfleben mitgestalten, arbeiten wir diese Saison an der Fertigstellung. Mit diesem Angebot begegnen wir in der digitalen Welt dem Wunsch Vieler, endlich mal wieder etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen und mit Naturmaterialien wie Holz in Berührung zu kommen.

Wie ist die aktuelle Lage in Schweden? Wie nehmt ihr die Corona-Politik wahr?

Finn: "Derzeit ist Schweden eines der wenigen Länder, welches die Einreise für EU-, ESS und Schweizer Bürger erlaubt und keine pauschale Zwangsquarantäne nach Ankunftverhängt. Wenngleich Schweden auf Herdenimmunität spekuliert und das öffentliche Leben weitestgehend normal weiterläuft, so beobachten wir dennoch, dass die pflichtbewusste Bevölkerung die Empfehlungen zur Corona-Bekämpfung- und Prävention ernst nimmt und nicht leichtsinnig handelt. Gesundheit hat selbstverständlich auch für unser Team und die Gäste oberste Priorität. Entsprechend haben wir einen Hygiene- und Sicherheitskatalog erarbeitet, an denen sich alle zu halten haben. Unser 15-Hektar großes Gelände bietet genügend Platz, sich auf ein Abenteuer auf Abstand einzulassen und die Weiten der schwedischen Wildnis zu erkunden. Schließlich ist das auch die Idee von Viking Republic: Raus aus der Zivilisation, rein in die Natur."

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Warum funktioniert Euer Konzept in Schweden am besten?

Finn: "Der ausschlaggebende Faktor ist die atemberaubende Natur. Außerdem ist Schweden aus der DACH-Region gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie dem Bus, dem Zug oder der Fähre zu erreichen – besonders in Corona-Zeiten bieten diese Transportmittel genügend Platz, um ausreichend Abstand einzuhalten und damit das das Infektionsrisiko zu senken.

Wieso setzt ihr mit Eurer Gründungsidee gerade auf diesen besonderen Mix aus Camping, Outdoor, Handwerk und Selbstversorgung? Es hätte ja auch einfach ein Bio-Bauernhof in der Heimat sein können.

Finn: "Wir glauben, dass wir das alle wieder brauchen in unserer digitalisierten Welt. Es muss ja nicht jeder so komplett aussteigen wie wir. Aber eine gute Dosis davon – und wenn auch nur im Urlaub – tut allen Menschen gut. Richtig viel Zeit in der Natur zu verbringen und nicht in klimatisierten Hotelzimmern. Selber anpacken, spüren, was man alles mit den eigenen Händen anfangen und bewegen kann. Am Ende des Tages erschöpft und stolz ins Bett fallen und im Lagerfeuer die Funken beobachten, während die Flamme immer wieder mit Holz genährt wird, das selbst geschlagen wurde. Schweden war für uns ein Sehnsuchtsort und bietet einfach die passende Weite in unberührter Natur."

Viking Republic - Naturcamp in Schweden
Viking Republic
Bevor die beiden Lübecker Finn und Max rund zwei Autostunden von der schwedischen Großstadt Göteborg entfernt ein Erlebnisdorf für Abenteurer erschaffen haben, sind sie jahrelang auf Survival-Touren durch ihre neue Wahlheimat gereist.

Warum glaubt ihr, dass die Philosophie von "back to basics" so ein großer Trend ist? Wo seht ihr ungehobenes Potential in der Reisebranche?

Finn: "Viele Menschen verspüren das Bedürfnis, mit weniger klar zu kommen, sich auf das Wesentliche zu besinnen und sich mit der Welt und Natur verbunden zu fühlen. Die Themen Sinnsuche und Rückverbindung oder Rückbesinnung sind die Trendthemen der nächsten Jahrzehnte. Dazu gehören auch Trends wie Gärtnern oder Selbstversorgung oder auch bewusste Spaziergänge und Forestbathing. Bei uns gibt das alles im Original und ohne Hipster-Schnickschack."

In welchen Berufen/ Branchen wart ihr vorher unterwegs?

Finn: "Wir kommen aus der Spedition und dem Groß-und Außenhandel. Besonders unser Know-How in Transport- und Logistikfragen hat uns bei der Planung und Umsetzung der Übersiedlung nach Schweden sehr geholfen."

Wie hat Euer Umfeld auf Eure Pläne reagiert?

Finn: "Die Reaktionen sind sehr gemischt ausgefallen. Während die einen dem unbekannten Abenteuer mit Skepsis begegnen, bewundern andere das Selbstvertrauen. Von Sätzen wie "Wer soll denn inmitten der Abgeschiedenheit zu Euch reisen? Das kann doch nichts werden" bis "Hammer Idee. Toll, dass ihr Euch traut. Ich wünschte, ich hätte den Mut für sowas" war alles dabei. Besonders starke Bedenken und Gegenwind gab es, als es um das Thema Jobkündigung ging. Es sei unverantwortlich, sichere Positionen aufzugeben. Mittlerweile haben wir aber alle Freunde und Familie auf der Seite unseres Herzensprojekts und erhalten uneingeschränkt Unterstützung und Zuspruch."

Wie sind die Rahmenbedingungen für Gründer in Schweden? Was war die größte (bürokratische) Herausforderung?

Finn: "Da wir den Unternehmensgrundstein in unserer Heimat Lübeck gelegt haben, konnten wir innerhalb weniger Minuten online eine Zweigniederlassung für Schweden beantragen. Aber auch die Neugründung einer Firma ist für Nicht-Schweden recht unbürokratisch. Dennoch haben wir uns bei allen Schritten von einem in Schweden niedergelassenen Anwalt beraten lassen. Besonders die Baugenehmigungsverfahren für Campingplatz und Blockhäuser waren etwas aufwendiger."

Welchen Rat würdet Ihr anderen Gründern, die ebenfalls im Ausland gründen wollen, mit auf den Weg geben?

Finn: "Gute Recherche und Austausch sind das A und O. Uns hat es sehr geholfen, mit anderen Auswanderern zu sprechen, die ihre Gründungsideen in Schweden bereits erfolgreich umgesetzt haben und wertvolle Erfahrungswerte mit uns teilen konnten. Für uns war das Auswandern keine fixe Idee, sondern bedurfte Jahre guter Überlegung und Vorbereitung. Wichtig ist, das Ziel seiner Träume richtig kennenzulernen, um auf Unterschiede aller Art gefasst zu sein und ihnen respektvoll begegnen zu können. Der größte Fehler ist, die gleichen Maßstäbe und Erwartungshaltungen wie an die Heimat anzusetzen."

Wie meistert ihr kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren?

Finn: "Wir haben im Umkreis des Camps sehr gastfreundliche Nachbarn, die uns besonders am Anfang geholfen haben, uns zu orientieren und Fuß zu fassen. Dennoch mussten wir viel Zeit in die Kontaktpflege investieren, um Teil der Gemeinschaft zu werden. Hier in Schweden spricht nahezu jeder Englisch, was den Alltag ungemein erleichtert. Dennoch ist es unser Anspruch, die Sprache des Landes, in dem wir leben und wirtschaften, irgendwann zu beherrschen, sodass wir Online-Kurse besuchen, in denen wir unser Schwedisch ausbauen."

Wie ist die Rollenverteilung bei Euch festgelegt? Wer übernimmt welche Aufgaben?

Finn: "Wir sind beide Allrounder und Autodidakten, die sich in unterschiedlichsten Bereichen mit Fachwissen ergänzen. Da wir nicht nur Geschäftspartner, sondern auch langjährige Freunde sind, verstehen wir uns oft auch ohne viele Worte, das macht Vieles einfacher. Vision und Strategie von Viking Republic gestalten wir beide gleichermaßen mit. Im Tagesgeschäft leitet Max vorrangig das Projekt Blockhausbau, während ich die Gästebetreuung samt Kanu-Einweisung übernehme."

Viking Republic - Naturcamp in Schweden
Viking Republic
Viking Republic bietet Kanutouren und Erlebnisurlaub im Ort Flötemarken in Schweden am wunderschönen See Kornsjön an.

Wo geht die Reise mit Viking Republic noch hin?

Finn: "Aus unserem Camp soll nach und nach ein autarkes Dorfleben erblühen. Dafür wollen wir sukzessiv immer mehr Blockhütten errichten und entsprechende Weichen für die Selbstversorgung stellen: Im nächsten Step planen wir einen Permakultur-Garten, eine am Tierwohl orientierte Tierhaltung und eine Messerschmiede. Mit Viking Republic sollen die Leute assoziieren: Hier finden Menschen unterschiedlichster Herkunft, mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Träumen an einer Tafel zusammen – die einen nur für einen Midsommar, die anderen als Teil einer längeren Selbsterfahrung!"

Habt ihr Angst vor dem Scheitern?

Finn: "Nein. Wir identifizieren uns zu 100% mit unserer Idee, leben unseren Traum und glauben fest daran, dass genau dieser Grat der Selbsterfüllung unsere Vorhaben immer positiv beflügeln wird.

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