od-0317-leserreportage-johanna-stoevesandt-frankreich-pyrenaeen-04 (jpg) Johanna Stoevesandt

Trekking in Frankreich - drei Wochen in den Pyrenäen

Mit Zelt und Rucksack durchs französisch-spanische Grenzgebirge

Drei Wochen in den Pyrenäen: Johanna Stoevesandt und ihr Mann Martin erkundeten das französisch-spanische Grenzgebirge. In unserer Leserreportage berichten Sie von ihrer Tour.

Abend am Vignemale-Massiv: Der Sitzfelsen vor dem Refuge des Oulettes de Gaube ist noch sonnenwarm, in der Ebene weiden Schafe, felsige Gipfel glühen orange. Hinter uns liegt der Aufstieg vom Städtchen Cauterets im französischen Département Hautes-Pyréneés. Es ging an schäumendem Wildwasser entlang und vorbei am spiegelnden Lac de Gaube, ein verheißungsvoller Auftakt für eine dreiwöchige Trekkingtour in den Pyrenäen.

Mit Rucksack und Zelt wollen mein Mann Martin und ich zunächst vier Tage auf einer selbst ausgetüftelten Route die Highlights der Zentralpyrenäen erwandern, darunter die schmalen Gesimsbänder der Faja de Pelay und den imposanten Talkessel Cirque de Gavarnie. Anschließend soll es auf dem französischen GR 10 weiter Richtung Osten gehen, bis zum kleinen Städtchen Bagnères-de-Luchon.

Auf Trekkingtour in den Pyrenäen

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Johanna Stoevesandt
Zeltplatz mit Blick auf den Cirque de Garvanie.

Beim Aufbruch am nächsten Morgen lösen dicke Tropfen dichten Nebel ab. In voller Regenmontur treibt der Aufstieg zur französisch-spanischen Grenze am Col des Mulets (2591 m) den Schweiß, und zu allem Überfluss kündigt auch noch Donnergrollen ein Gewitter an. Zügig erreichen wir die Passhöhe. Fernsicht? Fehlanzeige. Ein greller Blitz scheucht uns noch mehr voran, wir hasten über einen steilen Grashang abwärts, stolpern und fluchen. Doch nach einer Weile verebbt der Spuk. Berge schälen sich aus der Nebelmasse, Sonnenflecken wandern über Wiesen, auf denen sich Murmeltiere zwischen Herbstzeitlosen tummeln.

»Senda muy peligrosa« (sehr gefährlicher Weg) warnt am nächsten Tag die Informationstafel beim Aufstieg zur Faja de Pelay. Zum Glück entpuppt sich der Pfad mit seinen Serpentinen und 650 Höhenmetern als anstrengend, aber ungefährlich. Und der Weg durch die Faja, ein lang gestrecktes Sims im vertikalen Fels, fühlt sich an wie ein Spaziergang. »Was für eine Perspektive!«, schwärmt Martin. Rechter Hand fällt der Blick ins ursprüngliche, grüne Ordesa-Tal, und im Norden sehen wir bereits den nächsten Höhepunkt: Wie eine Zahnlücke klafft die berühmte Felsscharte Brèche de Roland (2807 m) zwischen den 3000er-Gipfeln des Pyrenäenhauptkamms. Durch sie werden wir morgen zurück nach Frankreich gelangen. Zunächst aber geht es zum Biwakplatz vor dem Refugio Góriz (2200 m), wo man – wie auf dem Campingplatz am Vorabend – ausschließlich Spanisch hört. Am ersten Abend dagegen haben alle nur Französisch gesprochen. »Hier bleibt wohl jeder gern im eigenen Land«, vermutet Martin.

Trekking in den Pyrenäen: Steile Aufstiege und viel Französisch

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Johanna Stoevesandt
Im Talschluss mündet der Faja-de-Pelay-Pfad flach ins wilde Valle de Ordesa.

Der Aufstieg zur Brèche am nächsten Tag ist extrem steil. Immer wieder muss man die Hände zu Hilfe nehmen. Kleine Tritte, Eisenketten – mit weichen Knien stehe ich endlich in der Scharte, wieder auf französischem Boden. Ich lausche den Stimmen der anderen Wanderer. Ja, es fällt auf: Es wird Französisch gesprochen. Über Felsblöcke und Schnee steigen wir dann zum Felskessel Cirque de Gavarnie ab, bestaunen gigantische Wände, die ihn an drei Seiten bis 1500 Meter hoch überragen – atemberaubend! Auf unserem langen Weg auf dem GR 10 werde ich dieses Bild immer wieder vor meinem inneren Auge sehen.

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