Klettern in Datca Jörg Zeidelhack

Datça, Urlaubs-Klettergebiet in der Türkei

Klettern in der Türkei Datça, das Klettergebiet der türkischen Ägäisküste

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Sinter, Sonne und Ruhe: Die türkische Halbinsel Datça muss den Vergleich mit der Kletterinsel Kalymnos nicht scheuen.

In diesem Artikel:

Das Klettern an den leuchtenden Kalkwänden in Datça ist genauso traumhaft wie das türkisblaue Meer. Für Ruhetage eignen sich die schönsten Stränden der Gegend optimal zum Entspannen. Es gibt genug Futter für Sonnenhungrige und auch für Schattenpilger: In Datça warten Klettergebiete mit Felsen unterschiedlicher Expositionen. Hinzu kommt die wilde Landschaft, die sich für tolle Wanderungen anbietet und das traumhafte, türkisblaue Meer. Datça ist der Inbegriff von Urlaub!

Info zum Klettern in Datça

Klettern in Datca
Georg Pollinger
Die Sintersäulen von Can Baba bieten formidable Herausforderungen: Die knapp 30 Meter langen Routen verlangen einem alles ab.

Großartige Landschaft und als Gebiet ganzjahrestauglich: So geht Klettern in Datça.

Lage: Die türkische Halbinsel Datça liegt ungefähr gleich weit entfernt von Kos wie die bekannte Kletterinsel Kalymnos – nur auf der anderen Seite. Die kleine Stadt Datça liegt an der Südküste der langen, schmalen Datça-Halbinsel im Südwesten der Türkei, südlich von Izmir, westlich von Marmaris und nördlich von Rhodos. Aufgrund ihrer traumhaften Buchten und Häfen liegt die Halbinsel auf der Route vieler Bootstouren. Dennoch ist die Halbinsel wild und unberührt, von den sonst üblichen Hotelanlagen fehlt jede Spur. Datça selbst ist ein Badeort, der vorwiegend von türkischen Urlaubern besucht wird und daher touristisch, aber authentisch ist. Im Inland begegnet man nur noch Imkern und Mandelbauern und kann als Kletterer ungestört die Felsen genießen.

Charakter: Datça ist zum Klettern ein Traum: eine wilde Felsküste mit tiefen Schluchten und einsamen Sandstränden vor dem türkisblau leuchtenden Meer und dahinter warten schöne Kalkwände mit über 300 Sportkletterrouten. Die Sektoren sind extrem abwechslungsreich, von wasserzerfressenem Kalk mit Löchern bis zu Überhängen und Höhlen mit Sinterfahnen gibt es alles. Zudem ist für alle Könnensstufen etwas dabei, die Schwierigkeiten reichen von 5a bis 9b.

Klettern in Datca
Georg Pollinger
Von steil bis überhängend, von gerade bis geneigt: Die Wände von Datça bieten unterschiedlichstes Gelände. Klara Palme klettert Thrace (6b+) im Sektor Socuk.

Geschichte: Datça ist eines der neueren Klettergebiete in der Türkei und daher international eher wenig bekannt. Entdeckt wurde es vom Schweizer Bergführer Olivier Nicolet (zum Interview), der mit Unterstützung befreundeter Kletterer zwischen 2013 und 2016 die meisten Sektoren erschlossen hat. Seither sind viele Routen hinzu gekommen, die Erschließung ist bei weitem nicht abgeschlossen.

Beste Zeit: Mitte Oktober bis Mai. Aufgrund des mediterranen Klimas sind die Übergangszeiten im Frühling und Herbst besonders angenehm, aber dank zahlreichen Süd- oder Nordwänden kann man das ganze Jahr über klettern.

Ausrüstung: In den meisten Sektoren um Datça ist Sportklettern angesagt, aber es gibt auch ein paar Mehrseillängenrouten, für die ein kleines Set Friends sinnvoll ist. Die Routenlängen beim Sportklettern bewegen sich zwischen 15 und 40 Meter, wobei ihr mit 14 Expressen in den meisten Routen gut versorgt seid. Nur für ein paar lange, sehr schwere Verlängerungen in Can Baba braucht man bis zu 18 Expressen und ein 80-m-Seil.

Klettern in Datca
Georg Pollinger
Strandpromenade von Datça: guter Ausblick, gute Restaurants, sogar gutes italienisches Eis gibt es hier.

Kletterführer: Der Kletterführer "A Rock Climbing Guidebook to Datça” von Olivier Nicolet steht als PDF-Datei auf thecrag.com kostenlos zur Verfügung. Unter dem Punkt "Beschreibung” auf der Hauptseite ist ein Dropbox-Link. Alle Informationen sind auch elektronisch verfügbar, zumal man in den Klettergebieten aber selten Empfang hat, ist ein Download empfehlenswert.

Anreise: Die Anreise mit dem Auto ist klimatechnisch sinnvoll und auch möglich, dauert allerdings von Deutschland. Die vom Navi berechneten 28 Stunden sind leider unrealistisch, weil nach Österreich noch vier südosteuropäische Länder (Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien) mit Grenzkontrollen durchquert werden müssen. Mit ein paar Stopps ist die Abenteuerreise aber sehr zu empfehlen. Alternativ können Izmir oder die beiden kleinen Flughäfen Bodrum oder Dalaman angeflogen werden. Von Izmir ist man in 4,5 Stunden in Datça und von Bodrum dank Fähre sogar in nur 1,5 Stunden. Ein Mietauto ist empfehlenswert, zumal die Klettergebiete und der Ort Datça mit seinen Badebuchten, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Eisdielen relativ weit auseinander liegen.

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Jörg Zeidelhack
Löcher, Leisten, weite Züge: Fabian Brüning greift in Black Hole (7c+) im Sektor Can Baba an.

Klettergebiete auf Datça: Çocuklar, Can Baba, Karia Yolu, Domuzbükü, Karain, Sucuk, Balık, Yenikale

Nord- und westseitige Wände für Sonnenscheue: Sucuk, Domuzbükü, Balık, Yenikale

Stützpunkt: Datça Base Camp, geführt von Ulas Yigit, Hızırsah mahallesi no: 308, 48900 Datça, Mugla, Türkei, Tel: +90 505 901 42 58, datcabasecamp@gmail.com, www.datcabasecamp.com

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Georg Pollinger
Zum Team um den Base Camp-Betreiber Ulas zählen neben netten Menschen auch nette Tiere, vom Huhn bis zum Hund.

Interview mit Olivier Nicolet, Erschließer von Datça

Der Erschließer von Datca, Olivier Nicolet ist Bergführer, Paraglider und vor allem Abenteurer. Mit seiner Frau und zwei Töchtern lebt er teils in der Schweiz, teils in Marokko und betreibt unter dem Namen Yoofly eine Gleitschirmschule.

Wie hast du die Felsen rund um Datça entdeckt?

Wir waren mit dem Wohnmobil zwei Jahre im Mittelmeerraum unterwegs, um nach unberührten Felsen zu suchen. In Antalya habe ich zufällig ein Foto eines Wanderers von den Felsen bei Datça gesehen und bin kurzerhand hingefahren. Keine zwei Monate später haben wir schon dort gelebt, auf einem eigenen Grundstück nahe der Felsen.

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Jörg Zeidelhack
Paul Schall klettert an den Supersintern von Helmet and Katana (8a) in der Höhle von Can Baba.

Datça hat dich so überwältigt, dass du deinen Lebensmittelpunkt dorthin verlagert hast?

Die unberührte Natur von Datça und die Felsen haben mich fasziniert. Wir haben alles in der Schweiz verkauft, um dort zu leben. In den folgenden Jahren haben wir einen Campingplatz aufgebaut und das Klettergebiet mit Hilfe befreundeter Kletterer erschlossen.

Warum lebst du nicht mehr dort?

Die türkischen Autoritäten legten uns immer mehr Steine in den Weg und kamen regelmäßig schwer bewaffnet, mit Polizei und Militär ins Camp, um mich zu verhaften. Man hat alles daran gesetzt, uns zu vertreiben, zuletzt mit Erfolg.

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Georg Pollinger
Die Höhle Can Baba mit ihren grauen und orangenen Sinterlinien.

Du hast einen Kletterführer geschrieben, der vergriffen ist. Ist eine Neuauflage geplant?

Leider nein. Ein einheimischer Kletterer hat meinen Führer kopiert und hinter meinem Rücken unter eigenem Namen vertrieben. Ich konnte nichts dagegen tun und habe die Inhalte deshalb kostenlos auf thecrag.com gestellt.

Das klingt nach einer bitteren Erfahrung. Bereust du es, Datça als Kletterspot aufgebaut zu haben?

Auf keinen Fall. Wir hatten eine tolle Zeit beim Klettern und haben wichtige Erfahrungen fürs Leben gesammelt. Die Felsen rund um Datça sind einmalig und die Landschaft ist atemberaubend. Als Urlaubsziel ist es einzigartig!

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