Daune gegen Kunstfaser: 8 Isolationsjacken im outdoor Test

Winterjackenduell: Daune oder Kunstfaser?


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Foto: DanielGeiger.net/mit freundlicher Unterstützung von Landmesser-Waffen, Pforzheim
Leichte Daunenjacken sind Verkaufsschlager. Doch auch Kunstfaser-Modelle kämpfen mit immer mehr Leistung um die Gunst der Käufer. Welches der beiden Konzepte gewinnt das Duell?
Zu den getesteten Produkten

Es ist nicht zu übersehen: Leichte Daunenjacken erobern die Städte. Doch nur für den Alltag sind die Wärmespender viel zu schade, zumindest, wenn sie von Outdoor-Markenherstellern kommen. Denn durch ihr geringes Gewicht und das winzige Packmaß eignen sie sich zuallererst für Unternehmungen in der Natur, und das zu allen vier Jahreszeiten: Von Frühjahr bis Herbst punkten sie als stets griffbereite und winddichte Wärmeeinheit für die Pausen sowie für kühle Abende in Camp und Hütte. Kletterer streifen sie beim Sichern des Partners über. Und beim Winterwandern dienen sie als mollig warme Zwischenschicht.

Daher darf neben der Ästhetik auch die Funktion nicht zu kurz kommen. Genügt die aktuelle Generation in puncto Wärmeleistung, Ausstattung, Bedienung und Tragekomfort den Anforderungen von Outdoor-Sportlern? Oder sind Isola tionsjacken mit Kunstfaserfüllungen vielleicht sogar die bessere Alternative? Das klärt der aktuelle outdoor-Test. Je vier mit Daunen oder Kunstfasern gefüllte Modelle, mit und ohne Kapuze treten zum Duell an. Sie wiegen zwischen 290 und 410 Gramm und kosten 150 bis 250 Euro.

Isolationsjacke: Schutzschicht gegen Eiseskälte

Da das Kälteempfinden von Mensch zu Mensch schwankt und von der Tagesform abhängt, testet outdoor die Isolation der Jacken im Labor – nur so kommen vergleichbare Werte zustande. Ergebnis: Die Kunstfasermodelle nehmen es im Schnitt mit Temperaturen bis minus 8,5 Grad auf, die Daunenjacken mit bis zu minus 10,5 Grad. Zum Vergleich: Fleecejacken, lange Zeit die beliebtesten Wärmespender streichen im Schnitt schon bei null Grad die Segel. Die höchste Wärmeleistung erzielt die Xero von Mountain Equipment (Temperaturbereich: bis minus zwölf Grad). »Klar, in ihr steckt auch die dickste Daunenfüllung «, weiß Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Dass es aber nicht nur darauf ankommt, beweist das Hooded Flash Jacket von Western Mountaineering: Es besitzt die geringste Daunenfüllung, schafft aber trotzdem ein Temperaturlimit von minus elf Grad, weil extrem bauschkräftige Daune zum Einsatz kommt und die ausgefuchste Konstruktion Kältebrücken auf ein Minimum reduziert. Genauso gut isoliert übrigens die wärmste Synthetikjacke, das Vaude Thulium Jacket.

Vom Regen in die Traufe

Der Praxistest beginnt mit Schneeregen. »Optimale Bedingungen, um den Nässeschutz zu überprüfen«, freut sich Gnielka. Schnell stellt sich heraus: Die Unterschiede bei den Jacken sind hier enorm. Während sich einige Außenstoffe recht zügig vollsaugen und die Tester ihren Wetterschutz überwerfen müssen, trotzen vier Modelle den Elementen. Am besten zwei Kunstfaserjacken – Rab und Marmot: Ihre Außenseiten besitzen nur wenig Nähte, die mit der Zeit Feuchtigkeit nach innen saugen. Zudem sind ihre Synthetikfüllungen extrem wasserabweisend. Aber auch die Daunenmodelle von The North Face und Mountain Equipment überzeugen dank stark imprägnierter Stoffe mit gutem Nässeschutz. Als die Tester abends die nassen Jacken aus dem Rucksack holen, zeigt sich allerdings eine grundsätzliche Schwäche von Daune: Weil die Füllung die Feuchtigkeit aufgenommen hat, haben alle vier Daunenmodelle jetzt sichtbar weniger Bauschvolumen – und wärmen nicht mehr so gut. Nasse Synthetikfüllungen verlieren zwar auch an Isolationsleistung, der Verlust fällt mit 10 bis 25 Prozent aber nicht so dramatisch aus wie bei Daune. Außerdem trocknen Kunstfasern schneller. In der beheizten Hütte reicht aber allen Jacken die Nacht zum Trockenwerden.

Am nächsten Morgen sorgt sibirische Kaltluft für satte Minusgrade. Eisiger Wind verschärft die Bedingungen, und selbst hartgesottene Crew-Mitglieder schlüpfen schon zum Tourenstart mit zufriedenen Gesichtern in die Kälteblocker. Kein Wunder, schließlich tragen sich alle acht angenehm leicht und kuschelig, die Bewegungsfreiheit ist hoch. Selbst unter einer Funktionsjacke oder Softshell spürt man sie kaum. Als mittags die Sonne herauskommt, entledigen sich die Hitzköpfe in der Gruppe der wärmenden Schicht. Nur so lässt sich verhindern, dass die Jacken von innen durchnässt werden.

 

Foto: DanielGeiger.net/mit freundlicher Unterstützung von Landmesser-Waffen, Pforzheim Wer gewinnt: die Daunen- oder Kunstfaserjacken?

Ausstattungscheck: einfach, aber funktionell

Eine gute Gelegenheit, um die Ausstattung zu prüfen – die eher schlicht ausfällt. Trotzdem haben nahezu alle Testmodelle, worauf es ankommt. Sechs von ihnen besitzen zum Beispiel gefütterte Schubtaschen, um die Hände aufzuwärmen. »Einen Reißverschluss brauchen sie aber nicht unbedingt«, findet Tester Ralf Wildermuth. »Allerdings müssen sie dann zum Körper hin isoliert sein, sonst wird‘s am Bauch kalt.« Außerdem ist eine Kapuze sinnvoll. Sie steigert das Wohlbefinden, weil Kopf und Nacken sehr kälteempfindlich sind. Bei drei der vier Kapuzen im Testfeld handelt es sich jedoch um einen Kompromiss: Sobald man den Kopf stark bewegt, schaut man in die (Kapuzen-) Röhre – es sei denn,man trägt sie unter einem Kletterhelm, der sie fixiert. Auch die Bedienung der Jacken geht gut von der Hand: Reißverschlüsse und Schnürzüge laufen bis auf wenige Ausnahmen sehr geschmeidig.

Erfreulich auch das geringe Gewicht der Jacken, vor allem, wenn man es in Relation zu ihrer Wärmeleistung setzt und auf diese Weise das sogenannte Wärme-Gewichts-Verhältnis ermittelt. Auch hier überzeugt das Testfeld, zwei Modelle bieten sogar eine sensationelle Leistung. Auf dem ersten Platz: die Daunenjacke von Western Mountaineering, dicht gefolgt vom Rab-Kunstfasermodell. Letzteres profitiert vom neuen Quantum-GL-Material des Gewebespezialisten Pertex. Es wiegt nur noch 25 g/m2 – über 20 Prozent weniger als die Konkurrenz. Außerdem begeistert das kleine Packmaß der Testkandidaten: Sie brauchen nur etwa halb so viel Platz wie ein Fleece, wobei die Daunenmodelle sich im Schnitt mit 1,6 Liter Packmaß noch etwas besser schlagen als die Kunstfaserjacken (durchschnittliches Packmaß: 2,0 Liter).


Autor: Frank Wacker
© Outdoor
Ausgabe 02/2011