Lidl
Vango Trekkingzelt Scafell 6 Bilder

Zelte unter 100 Euro im Test

Was taugen Billig-Zelte vom Discounter?

Eine Übernachtung in der Natur muss nicht viel kosten! Sie ist schon für deutlich unter 100 Euro möglich. Im Test: Drei besonders günstige Campingzelte von Discounter-Märkten – die Ergebnisse gibt's hier (auch als Podcast zum Anhören) ...

Nicht jeder kann oder will 500 Euro und mehr für ein Zelt ausgeben. Wer gerade erst das Camping für sich entdeckt hat und noch in der Erprobungsphase ist, fängt lieber zwei Nummern kleiner an. Und auch wenn die Kinder wie Petterson und Findus nur einmal im eigenen Garten zelten wollen, muss es nicht gleich die High-End-Ausrüstung sein. Der Besuch beim Discounter um die Ecke bietet sich also an. Dort gibt es Zelte für mindestens drei Personen schon für weit weniger als 100 Euro. Wir haben drei Modelle zwischen 40 und 70 Euro getestet (siehe unten).

Falls ihr die Test-Erfahrungen gerne aus erster Hand hören möchtet: OUTDOOR-Redakteur Frank Wacker spricht in der aktuellen Folge unseres Podcasts über den Test, die Vorgehensweise und die Ergebnisse:

Ihr könnt den Podcast auch auf einer der gängigen Plattformen anhören: iTunes, Spotify, Deezer, Audio now, Soundcloud, Acast, The Podcast App, Google Podcast-App auf Android-Smartphones, Lecton sowie Castbox, Podcast Addict und vielen anderen Podcast-Apps und Verzeichnissen.

Umfrage

Wie viel würdest du für ein Trekking-Zelt ausgeben?
204 Mal abgestimmt
Maximal 100 Euro
Maximal 300 Euro
Maximal 500 Euro
Maximal 1000 Euro
Egal, wenn die Qualität stimmt

High Peak Nevada 3

Lidl

Hinweis: Es handelt sich um eine Auslaufmodell, das es derzeit für 70 Euro gibt.

Großer Vorraum, etwas kurzes Innenzelt

In Sachen Platzangebot liegt das teuerste Zelt des Trios zwischen dem geräumigen Lidl-Zelt Crivit und dem etwas knapp bemessenen Decathlon Quechua MH 100. In die regensichere Apsis passt jede Menge Gepäck, das Innenzelt ist breit genug (Nutzbreite: 1,70 m) für drei Personen – die allerdings nicht zu groß sein sollten, weil die Liegelänge mit 1,72 m knapp ausfällt. Man kann sich aber durch die quadratische Grundfläche mit über zwei Metern Kantenlänge auch leicht diagonal hinlegen und gewinnt so noch etwas Platz. Weiteres Plus: der Innenraum ist angenehm hell und das Gewicht von 3,8 Kilo verhältnismäßig gering.

Solides Bodenmaterial, aber Verarbeitungsschwächen

High Peak gibt die niedrigste Wassersäule der drei Hersteller an (2000 mm, Messung im Neuzustand 2500 mm), tatsächlich handelt es sich aber um das langlebigste Bodenmaterial. Auch nach dem Testzeitraum liegen die Werte bei knapp 1900 mm. Selbst auf klatschnassem Untergrund dringt an diesen Stellen kein Wasser ein, wenn man auf dem Boden kniet und sich hin- und herbewegt. In den Ecken der Bodenwanne steht nach der Starkregensimulation (entspricht einem Wolkenbruch während eines Gewitters, bei dem die dicken Tropfen vom trockenen Untergrund wegspritzen) Wasser. Es kommt über die senkrechten, nicht abgeklebten Ecknähte der Bodenwanne hinein. High Peak empfiehlt, die Ecken des Innenzelts nicht zu stark zu spannen – was dann allerdings zu einem labbrigen Stand des Innenzelts führt und die knappe Liegelänge weiter reduziert. Weiterer Verarbeitungsmangel: die Ösen für die Gestängefixierung fangen an, sich aus den Bändern zu lösen. Der Hersteller verspricht aber "anstandslos einen kostenlosen Ersatz", falls das Zelt fehlerhaft sein sollte.

Aufbau und Windstabilität

Beim High Peak Nevada stellt man zuerst das Innenzelt auf, das mit Clips ins Gestänge gehängt wird. Dann wird das Außenzelt darübergelegt. Die Außenhaut muss dazu aber zuerst mit Heringen abgespannt werden, während man es beim Quechua MH 100 einfach nur mit Haken am Innenzelt einhängt. Auch gleitet das Fiberglasgestänge des Apsisbogens nicht sonderlich geschmeidig durch den Kanal (gleiche Problematik wie beim Lidl Crivic). Außerdem gibt es keine mit dem Gestänge verbundenen Sturmabspannungen, schon bei einer frischen Brise schwankt die Hütte wie ein Schiff im Sturm.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Innenmaße: 205 cm x 205 cm
  • Gewicht: 3,8 kg
  • Wassersäule: 2000 mm
  • Preis: 67,99 €

Crivit Igluzelt für 4 Personen

Lidl

Geräumige Dunkelkammer

Erstaunlich, wie groß ein Zelt für knapp 40 Euro ausfallen kann: Das Lidl Crivit Igluzelt bietet sogar drei größeren Personen Platz, der üppige, regensichere Vorraum (Apsis) schluckt jede Menge Gepäck. Da man allerdings quer zum einen Eingang liegt, müssen die hinten schlafenden Personen immer über die davor liegenden drübersteigen. Wer nachts am häufigsten raus muss, sollte also direkt an der "Tür" liegen. Durch den dunklen, recht labbrig um Außenzelt eingehängten Innenraum wirkt das Crivic weniger geräumig, als es tatsächlich ist. Das Gewicht von rund 4,5 Kilo (inklusive extra Boden für die Apsis) geht daher voll in Ordnung.

Geduldsprobe Aufbau

Außen- und Innenhaut werden zusammen aufgebaut, allerdings verhaken sich die Verbindungshülsen der Fiberglasgestänge beim Einfädeln. "Das strapaziert den Geduldsfaden und wäre beim Aufbau bei Wind und Regen kaum machbar", sagt OUTDOOR-Ausrüstungsredakteur Frank Wacker. Die Alustangen hochwertiger Zelte flutschen dagegen wie von selbst durch die Kanäle. Außerdem sind die Fiberglasstangen für ein Zelt dieser Größe unterdimensioniert: schon bei leichtem Wind bewegen sie sich sichtbar – da helfen auch die vier Abspannleinen kaum.

Material- und Verarbeitungsmakel

Schon bei der Sichtprüfung zeigt sich die grobschlächtige Verarbeitung: durch mehrere Nahtlöcher am Außenzelt scheint das Licht – Hinweis für eine hohe Nähgeschwindigkeit, bei der das Material um die heiß gelaufene Nadel schmilzt. Die von innen aufgebrachten Nahtbänder dichten natürlich auch diese Stellen ab, im Zenit gibt es aber einen rund fünf Zentimeter langen Streifen, der nicht sauber abgeklebt ist. Hier tropft nach einiger Zeit kräftiger Regen durch – ein Garantiefall. Das gilt auch für die Innenzeltecken, bei denen die Nähte aufgehen. Der dünne Reißverschluss der Vorraumtür ist unterdimensioniert und wenig hochwertig – er hakt schon im Neuzugang etwas. Außerdem könnte die wasserdichte Beschichtung des Bodenmaterials abriebfester sein: Anfangs noch dicht (3000 mm Wassersäule), dringt an manchen Stellen nach dem einmaligen Aufbau auf rauem Boden schon bei 800 mm Wassersäule Nässe ein – zu wenig. Auf nassem Untergrund entsteht an diesen Stellen sofort eine Lache, wenn der Bereich durch Druck belastet wird. Tipp: Bodenunterlage nutzen.

Der Hersteller sagt sazu: "Das Produkt entspricht dem bei Zelten geltenden Standard DIN EN ISO 5912, der bei der Wassersäulenprüfung nicht den vorherigen Aufbau berücksichtigt. In der Bedienungsanleitung weisen wir darauf hin, dass das Zelt während der ersten Verwendung bei Regen möglicherweise nicht vollständig wasserdicht ist. Bei erstmaliger Nässe ziehen sich die Fäden des Zeltstoffes jedoch zusammen, sodass das Zelt nach dem ersten Einsatz wasserdicht ist."

Das Wichtigste in Kürze:

  • Innenmaße: 210 cm x 240 cm
  • Gewicht: 4,5 kg
  • Wassersäule: 3000 mm
  • Preis: 59,99 €

Quechua MH100 3

Decathlon

Super verarbeitet

Schon beim Aufbau begeistert das Decathlon Quechua MH 100: Die Fibeglasstangen werden in robuste Taschen am Innenzelt gesteckt, es gibt gut in er Hand liegende Clips zum Einhängen des Innenzelts in das Gestänge, und die am Außenzelt angebrachten Abspannpunkte lassen sich direkt am Gestänge verknoten. Nur so erfüllen Sturmabspannleinen ihre Aufgabe. Das Außenzeltmaterial ist robuster als das der anderen beiden Modelle in diesem Trio, die Nahtverarbeitung würde auch einem zehn- oder zwanzigmal so teuren Zelt stehen. Auch die sauber aufgebrachten Tapes verdienen Lob.

Angenehm hell, aber nicht ganz so geräumig

Abstriche muss man beim Raumangebot machen: Der Vorraum eignet sich allenfalls zum Abstellen der Schuhe, die Nutzfläche im angenehm hellen Innenzelt (Liegelänge: 1,72 m, Breite: 1,58 m) fällt knapp aus. Klasse hingegen: die vielen Taschen im Innenzelt für Handy, Stirnlampe, Taschentücher und Co. Auch ein Haken im Zenit zum Aufhängen einer Zeltlaterne gibt es.

Dicht von oben, aber wenig haltbarer Boden

Auch bei Starkregensimulation beeindruckt das Quechua MH 100, denn es hält hundertprozentig dicht. Abzug gibt es dagegen für den Eingang: Sobald man die Außenzelttür mehr als ein Drittel öffnet, tropft Wasser ins Innenzelt. Außerdem könnte die wasserdichte Beschichtung des Bodenmaterials abriebfester sein: Anfangs noch dicht (3000 mm Wassersäule), dringt an manchen Stellen nach dem einmaligen Aufbau auf rauem Boden schon bei 1200 mm Wassersäule Nässe ein – zu wenig. Auf nassem Untergrund entsteht an diesen Stellen sofort eine Lache, wenn der Bereich durch Druck belastet wird. Decathlon schließt einen Materialfehler nicht aus und tauscht das Zelt im Garantiezeitraum (3 Jahre) um, empfiehlt das Zelt grundsätzlich aber nur für den Aufbau auf Gras.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Innenmaße: 172 cm x 158 cm
  • Gewicht: 3,4 kg
  • Wassersäule: 3000 mm
  • Preis: 39,99 €

Hier gibt's den WDR-Beitrag zu sehen:

Zwei weitere preiswerte, von uns getestete Zelte stellen wir euch hier vor:

Vango Trekkingzelt Scafell
Zelte
Robens Boulder 2
Zelte

Mehr Ausrüstungstests:

od-1015-gut-und-günstig guenstig ausrüstung equipment (jpg)
Sonstiges
Regenjackentest
Regenjacken
2-Personen-Zelt Test
Zelte
Zur Startseite
Lesen Sie auch
OD 2013 Kaufberatung Zelte Zelt Tunnel Kuppel Geodät
Zelte
Mehr zum Thema Trekking
od-1115-tested-on-tour-nigor-piopio-solo Testbild
Zelte
Robens Goldcrest 1
Zelte
Corona und Berghütten
Touren
OUTDOOR Ausgabe 07/2020
Touren