Tongariro Crossing

Tongariro Crossing

Wenn die Rede auf Neuseeland kommt, wird an Superlativen selten gespart. Und wirklich: Der »Tongariro Crossing« ist nicht weniger als einer der beeindruckendsten Tagestrips auf der Welt.

Wenn die Rede auf Neuseeland kommt, wird an Superlativen selten gespart. Und wirklich: Der »Tongariro Crossing« ist nicht weniger als einer der beeindruckendsten Tagestrips auf der Welt.

Der Tongariro-Nationalpark zählt zum Pflichtprogramm für Besucher der neuseeländischen Nordinsel. Der 17 Kilometer lange Tongariro Crossing führt quer durch den Park und ist gut markiert. Er erfordert im Sommer keine alpinen Kenntnisse. Trittsicherheit und gute Kondition sind aber Voraussetzung.
Artikel:
Als Ranger durch Wald und Wildnis zu streifen: Davon habe ich schon immer geträumt. Dementsprechend groß war meine Begeisterung, als ich mir diesen Traum im vergangenen Winter im Tongariro-Nationalpark erfüllen konnte. Für zwei Monate arbeitete ich dort als Hüttenwart und Backcountry-Ranger für die neuseeländische Naturschutzbehörde, dem Department of Conservation. Allerdings muss ich zugeben, dass ich der Sache zunächst noch etwas skeptisch gegenüberstand. Irgendwie störte in meiner romantisch verklärten Vorstellung
eines Ranger-Daseins der Verdacht, dass es im Tongariro Nationalpark, der im Zentrum der Nordinsel liegt, gar keinen Wald gab. Die Fotos in meinem Reiseführer zeigten jedenfalls keinen einzigen Baum. Vielmehr bot sich mir darin das Bild einer bizarren Mondlandschaft. Immerhin beruhigte mich aber der Einleitungssatz der Streckenbeschreibung: Der Tongariro Crossing wurde dort als »vielleicht schönste Tageswanderung der Welt« angepriesen. Irgendeine Faszination musste von dem Ort offenbar ausgehen.
Und tatsächlich. Bäume hin, Bäume her, ich war überwältigt. Der Tongariro ist eine der geologisch aktivsten Regionen Neuseelands. Eindrucksvoll zeigt sich die Macht, mit der Vulkane die Landschaft formen. Auf der sieben- bis achtstündigen Wanderung durch den Park klettert man über erstarrte Lavaflüsse, erklimmt den Rand des aktiven »Red Crater«, wundert sich über den komischen Schwefelgeruch und die Dampfwölkchen, die aus dem Gestein entweichen, springt in lan-gen Sätzen Ascheberge hinunter und genießt – gutes Wetter vorausgesetzt – die Aussicht auf die leuchtend smaragdgrünen Emerald Lakes. Und über allem thront der perfekt geformte, 2291 Meter hohe Vulkankegel des Mt. Ngauruhoe, der auch dem unaufmerksamsten Wanderer vor Augen führt, dass er sich gerade in einem Vulkangebiet befindet.
Die 17 Kilometer lange Strecke wird normalerweise in einem Tag durchwandert. Wer nicht unter Zeitdruck steht, sollte aber mindestens eine Übernachtung in einer der beiden Hütten, Mangatepopo oder Ketetahi, einplanen: Erstens freut sich der Hüttenwart über Besuch, und zweitens entgeht man dem Trubel, der bei gutem Wetter tagsüber auf dem Trek herrscht. Morgens und abends hat man den Park für sich allein. Erst dann wird es dort so richtig erhaben.
Apropos erhaben: 1887 schenkte der Maorihäuptling Te Heuheu Tu-kino IV die Gipfel des Mt. Tongariro, Mt. Ruapehu und Mt. Ngauruhoe dem neuseeländischen Volk. Um die Region vor menschlichen Eingriffen zu schützen, wurde der Tongariro 1894 mit einer Gesamtfläche von etwa 795 Quadratkilometer erster Nationalpark Neusee-lands. Für die Ureinwohner hat das Gebiet nach wie vor eine wichtige spirituelle Bedeutung, die von den Besuchern unbedingt respektiert werden sollte. So gibt es beispielsweise in der Nähe der Ketetahi-Hütte heiße Quellen, die sich in Privatbesitz befinden und »tapu«, also heilig sind. Trotz der zugegebenermaßen großen Versuchung darf man diesen Platz weder betreten noch in den Quellen baden. Wer es trotzdem macht, bekommt Ärger mit dem Ranger!
Mindestens genauso entspannend wie ein heißes Bad ist es, wenn man seine Augen durch die Landschaft schweifen lässt: Weite, Felsen, Steine und die vom Wind zerzausten Frisuren der büscheligen Tussock-Gräser dominieren das Bild. Außer einem kleinen Wald am Ende des Tongariro Crossing säumt tatsächlich kaum ein Bäumchen den Trek. Enttäuscht war mein Rangerherz deshalb trotzdem nicht. Bäume gibt es schließlich überall, Vulkane nicht.


Anreise

http://Charterbusse von Taupo oder Turangi zu den Start- und Endpunkten für ca. 15 Euro, z.B. Alpine Scenic Tours, Tel. 0064/73868397. Per Pkw erreicht man über eine Seitenstraße des State Highway 47 den Mangatepopo-Parkplatz.

Karten:
Tongariro Parkmap Nr. 27304 im Maßstab
1 : 80000. Viele Zusatzinfos und Detailkarten (u.a. über den Tongariro Crossing im Maßstab 1 : 50000). Erhältlich im Visitor Centre in Whakapapa Village.
Bücher:
Travelhandbuch Neuseeland, Toni Wheeler u.a., Stefan Loose Verlag 2002, 23,95 v.
Tramping in New Zealand, Lonely Planet 2002, 19,99 €. www.lonely-planet-shop.de.
weitere Infos:
Whakapapa Visitor Centre
Tel. 0064/78923729 E-Mail: whakapapavc@doc.govt.nz www.doc.govt.nz.


Beste Reisezeit

Zwischen Dezember und April. Besonders über Weihnachten und Ostern kann es sehr voll werden.



Ausrüstung

Bergschuhe, Funktionsbekleidung und Sonnenschutz. Ausreichend Wasser mitnehmen. Bäche, Seen und Quellen sind teilweise mit dem Parasiten Giardia belastet. Im Winter nur mit Steigeisen, Eispickel und entsprechender Erfahrung empfehlenswert!

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