Teil des
OD_0210_Neuseeland_09 (jpg) Ben Wiesenfarth

Trek Neusseland - durch den Fiordland-Nationalpark

In der Urwelt - Auf Wandertour im Fiordland-Nationalpark

Nirgends hat die Natur der Vorzeit sich so gut erhalten wie im neuseeländischen Fiordland – und der Routeburn Track führt mitten hinein.

Man könnte sagen »es regnet«, doch das trifft es nicht ganz. »Es gießt in Strömen« passt schon eher, obwohl auch das vielleicht noch etwas zu beschaulich klingt. »Es schüttet wie aus Eimern« möchte man nennen, was gerade auf der ersten von den drei Etappen des Routeburn Tracks passiert. Nur, wer seine Hand in den Regen streckt, merkt am Rhythmus der Platscher, dass das, was da runterkommt, überhaupt noch tropfenförmig ist. In Europa würden nach solchen Güssen Flüsse über die Ufer treten, Brücken davongerissen und Keller unter Wasser stehen. Doch hier, im neuseeländischen Fiordland, ziemlich genau an der Wasserscheide zwischen West- und Ostküste, reißt dieses Naturschauspiel keinen Feuerwehrmann aus dem Sessel. Zum einen, weil der nächste Feuerwehrmann im 70 Kilometer entfernten Te Anau im Trockenen sitzt, zum andern, weil es hier einfach zum Klima gehört. Schließlich kommt die Region auf die beträchtliche Niederschlagsmenge von 5000 Millimetern im Jahr. Dreißig Kilometer westwärts, an der Küste, wo die Wolkenmassen, die über der Tasmanischen See Anlauf genommen haben, auf die südlichen Alpen treffen, sind es sogar 8000. Zum Vergleich: Das schottische Edinburgh, nicht unbedingt bekannt für sein gutes Wetter, bringt es gerade mal auf 700.

»Wer in einer Arche sitzt, sollte mit einem bisschen Sintflut rechnen«, scherzt Führer Takeshi Kominami in der Lake Howden Hut mit seiner australischen Kundschaft und spielt damit auf die geologische Lehrmeinung an, dass sich Neuseeland irgendwann vor 80 bis 200 Millionen Jahren vom Urkontinent Gondwanaland trennte. Isoliert im Ozean, konnte sich auf dem Archipel eine Flora erhalten, die direkt von den ältesten Farnen und Bäumen der Erde abstammt. 85 Prozent der neuseeländischen Pflanzenarten sind endemisch, also nur hier heimisch. Nicht umsonst zählen der Fiord­land- und der im Norden angrenzende Mt. Aspiring National Park zum 2,6 Millionen Hektar großen Unesco-Weltnaturerbe.

Fjordland in Neuseeland - von wilden Pflanzen und ursprünglichen Maori

Eine endemische Pflanze, die einem im Fjordland immer wieder begegnet, ist die neuseeländische Silberbuche. Der immergrüne Baum mit den kleinen, runden Blättern prägt auch die erste Etappe des Routeburn Tracks, die aus den Niederungen des Hollyford Valleys zum knapp unterhalb der Baumgrenze gelegenen Mackenzie Lake führt. Je höher man kommt, desto niedriger werden die Silberbuchen.

Am Mackenzie Lake ist das Wetter schon besser – es regnet nur noch Bindfäden. »Je stärker es regnet, desto schneller ist das Jahressoll errreicht und desto mehr Zeit bleibt für Sonnentage«, rechnet in der Mackenzie-Hütte ein Schweizer Ingenieur seinen Tischnachbarn vor. So sei das eben in den »Roaring Forties«, der Region der Westwinddrift zwischen dem 40. und 50. südlichen Breitengrad.

Der Morgen bestätigt seine Theorie: Sonnenlicht fällt auf den nassen Urwald. Das Auge weidet sich an noch nie geschauten Grün-Nuancen. Gelbgrün leuchtet das frische Gras, zitronengrün strahlen die neuen Triebe der Bäume, darüber olivfarben das dichte Dach des Südbuchen-Waldes. Mitten in dieser Orgie in Grün liegt tiefblau der Lake Mackenzie, seine seichten Ränder schimmern wie Jade.

Echte Jade gibt es ein Tal weiter. Wegen des Schmucksteins kamen die Menschen vom Hollyford Valley über den Harris-Sattel ins Tal des Routeburn-Flusses: Die Maori reisten auf dieser Route zu den Jadevorkommen an der Westküste. Den ersten europäischen Begehern diente der Track zunächst als Verbindung zwischen zwei Farmen. Doch der leichte Übergang mit der grandiosen Aussicht auf die südlichen Alpen zog schon früh Touristen an. Schon in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts baute das damals frisch gegründete Department of Tourism die Hütten bei den Routeburn Flats und am Lake Howden. 1995 waren es schließlich so viele Besucher, dass der Andrang reglementiert werden musste.

Und so genießt jeden Tag nur eine kleine Schar Auserwählter den Blick hinab vom Harris-Sattel über das Tal des Hollyford Rivers, der sich hier eingeengt von Bergen gen Meer windet. Auf der anderen Seite des Flusses ragen die Darran Mountains in den Himmel, viele von ihnen kaum 2000 Meter hoch. Doch vor dem fast auf Meeresniveau liegenden flachen Kiesbett des Hollyfords wirken sie wie Riesen. Ganz im Norden blitzt der höchste von ihnen gerade noch am Horizont auf, der 2746 Meter hohe Mount Tutoko, höchster Punkt des Fjordland-Nationalparks. Seine Spitze bleibt auch im Sommer schneegekrönt.

Ist das europäische Auge solche Anblicke durchaus von den Alpen gewöhnt, schaut es auf der anderen Seite des Sattels in eine neue Welt oder, je nach Perspektive, in eine sehr alte. Die Gegend um das Routeburn-Tal wirkt so fremd, dass man sofort versteht, dass der Regisseur Peter Jackson sie als Schauplatz für einige Szenen des Fantasie-Epos »Der Herr der Ringe« wählte. Steil und grün schießen die gletschergeschliffenen Flanken des Trogtals empor, in den Kies des topfebenen Talbodens zeichnen sich glitzernd die Adern des Routeburn. Und wer sich die Mühe macht und kurz vor der Routeburn-Hütte auf den Aussichtshügel rechts vom Pfad steigt, braucht keine Fantasie mehr, um sich vorzustellen, wie wohl der Urkontinent Gondwanaland ausgesehen haben mag.

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Ben Wiesenfarth
Die Baumgrenze liegt im Fjordland-Nationalpark schon bei 1000 Metern.

Der richtige Umgang mit dem Multifuelkocher

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Fjordland in Neuseeland - von Papageien, Kiwis und anderen Vögeln

Als ob sie extra für eine aufwendige Hollywoodproduktion eingeflogen worden wären, lässt sich auf dem Sattel eine weitere neuseeländische Spezies beobachten – der Kea. Als einzige Papageienart lebt sie über der Baumgrenze und ist berüchtigt für ihre Neugier. Mancher Wanderer, der seinen Rucksack unbeaufsichtigt ließ, musste mit ansehen, wie die äußerst geschickten Vögel das Deckelfach fledderten und mit liebgewonnenen Ausrüstungsstücken wie Reisepass oder Kreditkarte davonflogen – im Übrigen ein prachtvoller Anblick, die Unterseite der Flügel schimmert rot, blau und grün.

An bemerkenswerten Vogelarten herrscht in Neuseeland kein Mangel. Da sich auf den isolierten Inseln keine Landsäugetiere entwickelten, entfaltete sich, von Fressfeinden ungestört, eine einzigartige Vogelwelt. Einigen Arten ging es sogar so gut, dass sie keinen Anlass zum Fliegen mehr sahen und so über die Jahrtausende ihre Flugfähigkeit einbüßten, wie etwa Weka, Kakapo oder der Kiwi. Mit dem Eintreffen der ersten Menschen allerdings war es mit dem sorgenfreien Leben aus. Der straußenähnliche Riesenvogel Moa beispielsweise schmeckte schon den Maori, die um das Jahr 1300 auf die Inseln kamen, so gut, dass er bereits 400 Jahre später, als die ersten europäischen Siedler eintrafen, ausgestorben war. Eingeschleppte Landsäuger wie Wiesel und Co. sorgten dafür, dass heute viele der endemischen Vogelarten vom Aussterben bedroht sind.

Doch zum Glück hat man in Neuseeland eine Schwäche für komische Vögel und bemüht sich um ihren Schutz, besonders den des Kiwis. Kein Wunder, hat man ihn doch als Nationaltier so ins Herz geschlossen, dass nicht nur die chinesische Stachelbeere, die in Neuseeland zum ersten Mal außerhalb Asiens in großem Stil angebaut wurde, nach ihm benannt wurde, sondern auch die Bewohner des Inselstaates selbst. Die Kiwiliebe geht sogar so weit, dass man den flugunfähigen Vogel zum Wappentier der neuseeländischen Luftwaffe auserkor.

Wie ernst man es mit dem Naturschutz nimmt, erfahren Wanderer am Ende des Tracks: Am Routeburn Shelter steht Desinfektionsmittel für Wanderschuhe bereit, um die Ausbreitung einer eingeschleppten Algensorte zu verhindern. Damit man auch morgen noch durch Gondwanaland wandern kann.

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Ben Wiesenfarth
Hinter dem Routeburn-Tal erstreckt sich der Mt. Aspiring National Park.

Die besten Funktionsjacken für den Herbst

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Der Routeburn Trek in Neuseeland - alle Infos für Ihre Planung

Charakter
Auf gut ausgebautem Weg geht es in drei Tagen über den 1350 Meter hohen Harris-Sattel. Der Trek stellt keine großen Anforderungen an Kondition und Trittsicherheit, Wanderer sollten aber auf Wind, Kälte und Regen vorbereitet sein.

Lage
Zwischen »The Divide« im Hollyford Valley, etwa 70 Kilometer nördlich der Stadt Te Anau, und dem Tal des Routeburn, 50 Kilometer westlich von Queenstown.

Beste Zeit
Ende Oktober bis Ende April. Buchungen sind dann vorgeschrieben.

Anfahrt
Flüge nach Auckland kosten je nach Reisezeit und Angebot um die 1200 Euro, ein Flug von Auckland nach Queenstown 300 Kiwi-Dollar – zurzeit sind das 150 Euro. Buchungen und Infos: www.airnewzealand.de

Die Trailheads werden von Queenstown beziehungsweise Te Anau aus mit Bussen angefahren. Kiwi Discovery (www.kiwidiscovery.com; Tel. 0064/3/442/7340) und Backpacker Express (www.glenorchyinfocentre.co.nz, Tel. 0064/3/442/9939) verkehren zwischen Queenstown und dem Routeburn Shelter am Ende der Routeburn Road.

Buchungen sind auch über das Info & Track Centre in Queenstown möglich (www.infotrack.co.nz; Tel. 0064/3/4429708). Dauer: etwa 2 Stunden, Kosten: 30 NZ$.

Zwischen »The Divide« und Te Anau besteht eine Busverbindung des Anbieters Tracknet (www.greatwalksnz-com; Tel. 0064/3/2497777).

Übernachtung
Entlang des Tracks liegen vier Hütten: Howden Hut, Lake Mackenzie Hut, Routeburn Falls Hut und Routeburn Flats Hut. Alle Hütten sind mit Matratzen, Gaskocher, Toiletten und fließendem Wasser ausgestattet. Kochgeschirr, Verpflegung und Schlafsack müssen mitgetragen werden. Auf den Hütten sind Hüttenwarte stationiert.

Permits
Für den Routeburn Track ist ein Permit notwendig, das sogenannte Great Walk Ticket. Es sichert Trekkern einen Schlafplatz in den Hütten. Eine Nacht kostet in der Hauptsaison 45 NZ$. Online-Buchung und Verfügbarkeit von Betten: http://booking.doc.govt.nz

Ohne Ticket an den Hütten anzukommen ist teuer. In der Hauptsaison sollte man sie möglichst früh buchen!

Lodge-Trekking
Wanderer, die etwas mehr Komfort schätzen oder nicht rechtzeitig gebucht haben, können sich einer Trekking-Agentur anschließen und in privaten Lodges übernachten. Transfer, Trockenräume, Dreigänge-Menü sind im Preis von 1240 NZ$ inbegriffen. www.ultimatehikes.co.nz

Information
DOC Queenstown Visitor Centre; Shotoverstr. 37, Tel. 0064/3/4427935. Fjordland National Park Visitor Center, Lakefront Drive, Te Anau.
www.fiordland.org.nz

Literatur
Tramping in New Zealand, Jim DuFresne, Lonely Planet, 18,90 Euro.

Karte
Trackmap 335-02, Routeburn und Greenstone im Maßstab 1:75000, vor
Ort erhältlich.

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Ben Wiesenfarth
Die Lake Mackenzie Hut liegt knapp unterhalb der Baumgrenze.

Der Routeburn Trek in Neuseeland - die Tagesetappen im Überblick

1. Tag: The Divide – Lake Mackenzie
13 Kilometer, 5–6 Stunden, 400 Höhenmeter

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangt man von Te Anau bis zu »The Divide«, der Parkplatz an der Hollyford Road liegt auf der Wasserscheide zwischen West- und Ostküste. Von dort geht es in etwa einer Stunde bis zur Abzweigung zum Key Summit. Bei guter Sicht lohnen die 300 Höhenmeter auf diesen Aussichtsgipfel. Kurz vor dem Lake Howden trifft die Gipfelvariante wieder den Hauptweg. Es folgt ein kurzer, steiler Abstieg zur Lake Howden Hut, dem Verbindungspunkt zwischen Routeburn, Greenstone und Caples Track (mehr Infos siehe Seite 50). Durch einen wunderschönen Silberbuchenwald geht es dann weiter zu den 80 Meter hohen Earland Falls. Im Anschluss kurvt der Weg auf gleicher Höhe um einen Bergrücken herum und erreicht, nachdem mehrere durch Schneelawinen entstandene, kleinere Lichtungen passiert wurden, die markante Lichtung »Orchard« mit ihren vereinzelt stehenden Südbuchen. Danach steigt der Weg für 15 weitere Gehminuten an, bis es zum Lake Mackenzie hinuntergeht, an dessen Ufer die gleichnamige Hütte liegt.

2. Tag: Lake Mackenzie – Routeburn Falls
15 Kilometer, 5–7 Stunden, 350 Hm Auf-, 215 Hm Abstieg

Die Königsetappe des Tracks. Zunächst geht es durch einen verwunschenen Südbuchenwald in leichtem Anstieg bis über die Baumgrenze. Dann folgt man dem Zickzack der Serpentinen zur Ocean Peak Corner, von der man bei schönem Wetter einen wunderbaren Blick über das Tal des Hollyfords, auf die Darran Mountains und bis zur Tasmanischen See hat. In sanftem Auf und Ab geht es nun über dem Hollyford-Tal bis zum unschwierigen Anstieg auf die Passhöhe und weiter zu den Not­biwaks auf dem Harris Saddle (1255 m). Hier bietet sich bei guten Bedingungen ein einstündiger Abstecher auf den Conical Hill (1515 Meter) an. Weiter am Südufer des Lake Harris entlang, dann am rechten Ufer des jungen Routeburns hinab bis zur Baumgrenze und zum Steilabbruch der Routeburn Falls. Hier liegt die gleichnamige Hütte. Vorher sollte man, wenn das Wetter es zulässt, auf einen rechter Hand gelegenen Aussichtsfelsen steigen (45 Minuten). Der Pfad dorthin beginnt bei einer kleinen Brücke kurz vor der Baumgrenze, hier kann das Gepäck deponiert werden.

3. Tag: Routeburn Falls – Routeburn Shelter
10 Kilometer, 4 Stunden, 560 Höhenmeter im Abstieg

Die letzte Etappe des Tracks führt in einen dichten Südbuchenwald. Mit etwas Glück beobachtet man den seltenen Weka, der sich von Insekten ernährt, die er unter der Baumrinde findet. Über den Kegel einer Lawine geht es weiter abwärts bis zum Abzweig zur Routeburn Flats Hütte. Wem die Hütte einen Abstecher wert ist, der geht links. Alle anderen gehen weiter am rechten Ufer des Flusses durch das unmerklich enger werdende Routeburn-Tal. Eine Hängebrücke markiert den Beginn der Routeburn-Schlucht. Der Wanderweg verläuft hoch über den tosenden Wassermassen am linken Ufer und erreicht bald den Trailhead-Parkplatz.

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Die Tagesetappen Routeburn Trek - Klick aufs Bild öffnet die Großansicht.
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