Teil des
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Die 24 Stunden von Bayern 2011

An der Grenze: 24-Stunden-Tour durch Oberfranken

Rund um die Uhr wandern führt an die eigene Grenze. Und bei den 24 Stunden von Bayern in diesem Jahr auch an eine Politische. Hier der ausführliche Bericht zum Wander-Highlight 2011 im fränkischen Bad Steben.

Mit Pauken und Trompeten, so ziehen sie los, die 444 gemeldeten Teilnehmer des bayerischen Wanderkultevents – dem Spielmannszug dicht auf den Fersen. Ob jung oder alt, mit Kind oder Hund, es ist schon ein ganz schön bunter Haufen, der sich am 18. Juni um kurz nach acht Uhr morgens im oberfränkischen Bad Steben in Bewegung setzt – darunter auch ein paar Wiederholungstäter. Sie haben aus den Wetterkapriolen des vergangenen Jahres gelernt, viele von ihnen machen sich jetzt mit Regenjacken und Schirmen auf den Weg.

»Ich erinnere mich noch sehr gut an den Dauerregen im letzten Jahr«, erzählt Andrea Burkhart aus Stuttgart. »Als später noch Schnee dazukam, wollte man eigentlich nur noch ankommen.« Und die Prognosen für dieses Wochenende stehen ebenfalls schlecht: 90 Prozent Regenwahrscheinlichkeit, geschlossene Wolkendecke. Doch die 24-Stunden-Wanderer kann das nicht schockieren. Bester Laune marschieren sie die ersten Meter durch den Kurpark des Bayerischen Staatsbades Bad Steben. Die Stimmung ist aufgeräumt, auch wenn manchem Teilnehmer die Frage ins Gesicht geschrieben steht, wie er die nächsten 24 Stunden meistern wird. Auch der ein oder andere Vierbeiner im Feld wirkt noch ein wenig skeptisch – kein Wunder, wenn man inmitten von 888 flinken Beinen seinen Tritt finden muss.

Die 24 Stunden von Bayern haben nach nur drei Jahren Kultcharakter, vielleicht auch deshalb, weil der Austragungsort jedes Mal ein anderer ist. Bei einer Online-Abstimmung im vergangenen Jahr erhielt Nordbayern den Zuschlag für 2011 – ganz zur Freude des Gastgebers. »Der Frankenwald ist ein Paradies für Outdoor-Aktivisten«, schwärmt Nadine Hofmann, Geschäftsführerin der Ferienregion Selbitztal. »Für uns ist die Veranstaltung daher eine echte Chance, auch Wanderer für die Gegend zu begeistern.« Von den Schönheiten des Frankenwaldes dürfen sich die Teilnehmer in den nächsten 24 Stunden selbst ein Bild machen. Wer viel Ausdauer und einen starken Willen an den Tag legt, kann in der Zeit rund 86 Kilometer ablaufen. Angelegt sind drei Runden mit zahlreichen Erlebnisstationen sowie eine zusätzliche Fitnessstrecke für die sportlich orientierten Teilnehmer. Dreh- und Angelpunkt ist der Kurpark in Bad Steben.

Ohne Transitvisum läuft nichts

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Christoph Jorda
Asphaltetappe im Kurpark Bad Steben zu Beginn der 24 Stunden Wanderung.

Diesen im Rücken, stimmen nach nur wenigen Kilometern ursprüngliche Wälder und saftig grüne Wiesen auf die Region ein. Kaum zu glauben, dass hier noch vor wenigen Jahren Stacheldraht, Metallzäune und Betonmauern das Bild prägten und Deutschland teilten. Dass die deutsch-deutsche Geschichte eng mit dem Frankenwald verknüpft ist, bekommen die Wanderer spätestens an der Buttermühle zu spüren. Hier kontrollieren Grenzpatrouillen die Ausreise in das benachbarte Thüringen – nur Schauspieler, versteht sich.

Mit einem Transitvisum geht es auf historischen Wegen weiter zur Verpflegungsstation am Marienberg. Doch bei den meisten Wanderern fällt die Rast hier eher kurz aus – sie sind noch frisch und wollen Kilometer machen. Viele legen erst in Bad Steben eine längere Pause ein und verbuchen damit zugleich die erste Runde.

Wer sich auch neben den Wanderwegen austoben möchte, ist auf der zweiten Strecke bestens aufgehoben. Ob Kletterbaum oder Seilbrücke – im Höllental geht es actionreich zu. Doch ein paar Wanderer lassen die Erlebnisstationen bewusst links liegen. So auch Michael Wissenbach, der mit seinem Hund Nobby bereits zum zweiten Mal dabei ist. »Der Weg ist noch lang«, weiß der Mannheimer zu berichten. »Da sollte man sich seine Kräfte gut einteilen.« Auch Nobby ist bestens gerüstet. In seinem kleinen Hunderucksack trägt der Vierbeiner seinen Proviant für die nächsten Stunden. Zweibeiner lassen sich derweil entlang der Strecke verwöhnen.

Egal ob Schlemmermeile oder Höllensprudel – hungern und dursten muss auf der zweiten Runde wirklich niemand. Nur für Vegetarier ist der Frankenwald kulinarisch eine echte Herausforderung. »Die fränkische Schlemmermeile war schon extrem fleischlastig«, berichtet Simone Blumör, die Tiere schon lange von ihrem Speiseplan gestrichen hat. Immerhin gibt es im Kurpark noch eine Pilzpfanne mit Reis – oder wahlweise einen gemischten Salat. Wer sich hier ein zweites Mal stärkt, für den stehen noch rund 37 Kilometer auf dem Programm.

Gegen neun Uhr abends versammelt sich ein Großteil der Wanderer auf dem rund 700 Meter hohen Langen Bühl. Es ist mittlerweile ganz schön kalt geworden und extrem windig – doch trotz der schlechten Wetterprognosen immer noch trocken. Die untergehende Sonne färbt den Horizont rubinrot. Wer hier ist, genießt die traumhafte Aussicht auf den Frankenwald und motiviert sich für die anstehende Nachtrunde.

Eine bunte Wollmütze sticht aus der Menge hervor. Sie gehört zu Anna-Katharina Stötzer aus Friedrichshafen, die ebenfalls zum zweiten Mal dabei ist. »Die 24 Stunden machen richtig süchtig«, gesteht die Frohnatur vom Bodensee. »Im nächsten Jahr melde ich mich auf jeden Fall wieder an.« Gemeinsam mit ihrem Freund Jonas lässt sie sich im Aussichtspavillon von den letzten Sonnenstrahlen wärmen. Auch Ute und Dirk Bracklow aus Berlin genießen die Abendstimmung. »Mal sehen, ob die 24 Stunden von Bayern auch pärchentauglich sind«, witzelt Ute. »Bis jetzt läuft es ganz gut.« Dass die beiden hier Freundschaften schließen würden, hätten sie allerdings nicht erwartet. Mit Rainer Wolfrum aus Hof verstanden sie sich auf Anhieb so gut, dass sie auch die letzten Kilometer gemeinsam bewältigen wollen.

Durch die Nacht: Der schwerste Teil der 24 Stunden Wanderung von Bayern

Mit Einbruch der Nacht beginnt der wohl härteste Teil der Ultra-Wanderung. Das Teilnehmerfeld spreizt stark auseinander, und immer seltener blitzt zwischen den Bäumen der Spot einer Stirnlampe auf. Um drei Uhr nachts wird es still im Frankenwald. Ab jetzt kämpft jeder für sich und zugleich gegen sich selbst. Die Füße schmerzen, die Muskeln verkrampfen, und der Körper ist eigentlich nur noch auf Schlafen programmiert. »Ich bin voll im Arsch«, gesteht Philipp Hutzler. Der schlurfende, schwerfällige Tritt des Saarländers spricht Bände. »Ständig rufen meine Freunde an und fragen mich, ob ich schon aufgegeben habe«, erzählt er. Für ihn Ansporn genug, sich zusammenzureißen. »Ich bin nicht umsonst acht Stunden angereist. Meine Zehen schmerzen furchtbar, aber ich will es jetzt durchziehen.«

Besser ergeht es da Bernhard Dörfler. Sein Hund Dax ist immer noch fit und zieht ihn durch die Nacht. »Er ist ausdauernder, als ich dachte. Gemeinsam schaffen wir die Strecke, da bin ich mir sicher.« Doch das schlimmste Stück liegt noch vor ihnen – der Aufstieg zum Döbraberg. Mehr als 50 Kilometer stecken den Wanderern jetzt schon in den Beinen. Für viele Grund genug, den 785 Meter hohen Gipfel zu umgehen und die offizielle Abkürzung zu nehmen – oder direkt mit dem Shuttle-Bus ins Hotel zu fahren.

Doch Durchhalten lohnt sich – das zeigt sich spätestens um fünf Uhr morgens. Wer jetzt noch dabei ist, wird mit einem märchenhaften Sonnenaufgang belohnt. Mit Anbruch des Tages taucht auch ein bekanntes Gesicht wieder auf. »Ich bin hundemüde«, gesteht Anna-Katharina Stötzer, die trotz der Strapazen noch immer lächeln kann. »Gleich ist es endlich geschafft.« Doch die letzten Meter tun ihr und den anderen sichtlich weh. Wie mechanisch und ein wenig hölzern stapfen die Wanderer nach und nach auf die Zielgerade. »Wenn es zwickt, gewöhnt man sich einen ganz eigenwilligen Laufstil an«, erzählt Laura Wiesner. »Bergab ging es bei mir irgendwann nur noch seitwärts.« Bei Silvia Mürling geht am Ende dagegen fast gar nichts mehr. Immer wieder nutzt sie ihre Wanderstöcke als Stützhilfe.

24 Stunden von Bayern 2011 - Impressionen

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Christoph Jorda 1/7 Die 24 Stunden von Bayern In der Natur zieht sich das Feld auseinander. Vierbeiner Dax gibt das Tempo vor.
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Die Härten der Zielgerade

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Christoph Jorda
Erschöpfung nach der Ankunft.

»Die Füße wollen einfach nicht mehr«, gesteht sie und krempelt die Hosenbeine hoch. Zum Vorschein kommen blütenweiße Kompressionsstrümpfe. »Dafür sind die Waden fast noch taufrisch«, berichtet sie mit einem Augenzwinkern. Und schafft es schließlich doch noch ins Ziel. Zum letzten Mal an diesem nicht enden wollenden Tag erreichen die Teilnehmer den Wandermarktplatz in Bad Steben.

Hartgesottene belohnen sich am Büdchen mit einem prickelnden Weißbier, andere nutzen den nahe gelegenen Ruheraum für ein erstes Nickerchen. Doch die meisten Ankömmlinge tauschen bei einer dampfenden Tasse Kaffee und frischen Brötchen ihre Erfahrungen aus. »Anstrengend war es, aber schön«, sagt Ute Bracklow. Gemeinsam mit ihrem Mann Dirk und Wegbekanntschaft Rainer ist sie nonstop durch die Nacht gewandert. »Die 24 Stunden von Bayern sind absolut pärchentauglich«, sagt sie nun. »Allerdings haben wir Dirk zwischendurch ziehen lassen. Er wollte unbedingt noch die Runde über den Döbraberg mitnehmen. Aber Rainer und mir erschien die Abkürzung einfach zu verlockend.«

Doch nicht nur die Teilnehmer, auch die Veranstalter sind an diesem Sonntagmorgen rundum zufrieden. »Das Feedback der Wanderer ist durchweg positiv«, berichtet Bap Coller von Bayern Tourismus. »Es ist alles sehr gut gelaufen, es gab keine Verletzten, und sogar das Wetter war auf unserer Seite.« Wohl wahr, denn die ersten Regentropfen fallen erst mit dem offiziellen Ende der Veranstaltung. Ein bisschen Glück gehört bei einer 24-Stunden-Wanderung eben auch dazu.

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