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Bayern: Wandern in den Ammergauer Alpen

Ammergauer Alpen: Die schönsten Wandertouren

In den Ammergauer Alpen herrscht heute noch dieselbe ursprüngliche Idylle wie zu Zeiten König Ludwigs. Sattgrüne Täler, geheimnisvolle Seen und ­majestätische Gipfel ­bescheren Wanderern hier eine märchenhaft schöne Zeit.

Rund um Schloss Linderhof türmen sich die Ammergauer Berge auf: sanfte, dicht bewaldete Kuppen und helle, zerklüftete Felsen, zwischen deren Spitzen früh am Morgen noch ein paar Wolken dösen.

Zu ihren Füßen tänzelt die Linder durch das Graswangtal, während die Wiesen noch ihren taufeuchten Morgenschleier tragen. Ein märchenhafter Ort. Kein Wunder, dass sich der exzentrische König Ludwig II. einst vor seinen nervenaufreibenden Regentenpflichten am Münchner Hof hierher flüchtete.

Die Landschaft zwischen Füssen, Garmisch-Partenkirchen und dem österreichischen Reutte hat heute noch denselben ursprünglichen Charme wie zur Zeit des Märchenkönigs: Bereits in den Zwanziger Jahren wurden erste Gebiete unter Schutz gestellt, heute ist das Ammergebirge mit gut 300 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Bayerns. Ein über 300 Kilometer großes Wegenetz erschließt das Wanderparadies zwischen der weiten Voralpenebene im Norden und den Hochalpen. Die Ammergauer Wegepalette reicht von gemütlichen Talrunden über aussichtsreiche Höhenwege bis zu schweißtreibenden Bergtouren.

Der "Kini", wie die Bayern ihren Ludwig heute liebevoll nennen, wusste: "Auch für zahllose andere Menschen, als ich einer bin, wird eine Zeit kommen, in der sie sich nach einem Lande sehnen und zu einem Fleck Erde flüchten, wo die moderne Kultur, Technik, Habgier und Hetze noch eine friedliche Stätte weit vom Lärm, Gewühl, Rauch und Staub der Städte übrig gelassen hat." Unterwegs in den Ammergauer Alpen stoßen Wanderer auf diese stillen Rückzugsorte, verfallen unweigerlich in einen Heile-Welt-Modus. Und wo man seinen Fuß hinsetzt - der Kini schaut einem stets über die Schulter.

Am Ammer-Ufer entlang und durch das Altenauer Moor

Die Pforte zur Ammergauer Parallelwelt liegt im flachen Alpenvorland, zwischen Bad Bayersoien und Bad Kohlgrub. Vorbei an der malerischen kleinen Fatimakapelle mit ihrem leuchtend roten Dach führt ein Weg zur Ammerschlucht. An der sogenannten Scheibum hat die Ammer sich tief in das Gestein eingegraben und über Tausende von Jahren eine Schneise gebildet – auf einer Länge von 600 Metern, einer Breite von 300 Metern und einer Tiefe von 80 Metern.

Der schäumende Fluss bricht hier durch die engen Felsen, stolpert über moosüberwachsene Steinstufen, kreist in Strudeln und ergießt sich schließlich holprig in tiefgrüne Becken. In den Felswänden der Schlucht nisten Uhus. Auch Flussuferläufer und Spechte finden entlang der Ammer Zuflucht. Ein Stück weiter Richtung Bad Kohlgrub schlägt die ausgelassene Stimmung um in meditative Gelassenheit. Im Altenauer Moor versteckt sich zwischen Birken, Weiden, Kiefern, Heidekraut und Blaubeersträuchern der kleine Tiefsee.

Ein mit Holzbalken befestigter Pfad lotst Wanderer trockenen Fußes über den Sumpf bis zu einer Bank am Seeufer. Von hier aus kann man das Moorschauspiel in Ruhe auf sich wirken lassen. Im dunklen See spiegeln sich Wolken, Bäume und Gräser. Libellen schwirren durch die Luft, immer wieder schießen Schwalben vom Himmel und schnappen nach Insekten. Hell leuchten die Bäuche der Vögel auf, bevor sie die glatte Wasseroberfläche berühren und sie in unzählige Tropfen zerreißen.

Alltagsfluchten im Alpenvorland

Nicht nur Könige neigen hier dazu, den Alltag zu vergessen. Wenn nicht schon im Altenauer Moor, dann scheint König Ludwigs Pflichtvergessenheit spätestens auf dem ersten Gipfel, der sich aus dem Alpenvorland erhebt, für jeden Wanderer nachvollziehbar: Wer von Bad Kohlgrub aus auf das 1.548 Meter hohe Hörnle steigt, blickt im Nordosten weit über das "blaue Land" mit seinen Wäldern, Seen und Mooren, im Süden erhebt sich das Zugspitzmassiv.

Und wer mag vor diesem Panorama schon über innenpolitische Probleme nachdenken? Auf dem Hörnle wurde inzwischen die Alltagsflucht zum offiziellen Programmpunkt erhoben: An der Bergstation werden Wanderer heute ermutigt, ihr Handy in einem Holzschließfach zu deponieren. Das Safe ist der Anfang eines Meditationsrundweges, an der nächsten Station lehnt man sich in den Sesseln eines "Naturkinos" zurück und schaut in die Ferne – natürlich in 3D.

Wer keine Entspannungshilfe benötigt, dringt auf eigene Faust weiter ins Herz der Ammergauer Alpen vor. Aber erst nach einer gemütlichen Einkehr in der urigen Hörnlealm. Brennholz stapelt sich unter dem Dach, davor stehen Milchkannen, Hirtenstecken lehnen an der Wand, Pferdegeschirr liegt lose über dem Geländer. Die Wanderung führt weiter über das Hintere Hörnle und den Stierkopf zum 1542 Meter hohen Großen Aufacker bis nach Oberammergau.

Oberammergau: Panoramablick und kulinarische Genüsse

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Ben Wiesenfarth
Ein Highlight in den Ammergauer Alpen: die Kraxeltour auf das Ettaler Manndl.

Zwischen Oberammergau und dem Kloster Ettal verdichtet sich dann der majestätische Mikrokosmos um das Ettaler Manndl. Der 1.633 Meter hohe Felszacken zieht die Wanderer in Bann. Der Weg dorthin führt auf bequemen Forstwegen am fast komplett verlandeten Soilasee vorbei. Orchideen blühen, Grillen zirpen, und mit etwas Glück ziehen sogar ein paar rötlich-braune Gämsen vorbei.

Ein Abstecher auf den Laber (1.686 Meter) belohnt nicht nur mit einem Panoramablick, sondern auch noch mit einer ordentlichen Portion hausgemachtem Kaiserschmarren im Laber-Berggasthaus. Die Stärkung macht sich bezahlt, denn zum Ettaler Manndl hinauf muss man schon ein wenig kraxeln: Zum Gipfel führt ein steiler, mit Drahtseilen und Ketten versicherter Klettersteig.

Oben angekommen heißt es durchatmen und die Aussicht genießen: Hell winden sich die Wanderwege durch das Grün der Wiesen im Tal, vereinzelt dringen Stimmen und Kuhglockengeläut hinauf. Zurück am Fuß des Felsens führt ein Waldpfad in vielen Serpentinen talwärts bis nach Ettal. Der kleine Ort steht ganz unter dem Eindruck seiner prunkvollen Benediktinerabtei mit der großen Kirchenkuppel. Im Inneren verbergen sich kunstvolle religiöse Fresken und üppiger Stuck.

Königliche Bauten, majestätische Gipfel

Es scheint, als habe die barocke Pracht des Klosters einen gewissen weltlichen Bauherren inspiriert: Nur zwölf Kilometer weiter, im Graswangtal, gab König Ludwig von 1869 bis 1878 Unsummen für den Bau des opulenten Schloss Linderhof aus. Außenstehenden war der Zutritt zur königlichen Villa und der üppigen, nach Versailler Vorbild angelegten Parkanlage streng untersagt. Und während im wahren Leben die Macht des Souveräns immer mehr erlosch, erträumte Ludwig sich im Linderhof vor der malerischen Kulisse der Ammergauer Alpen eine poetische Gegenwelt.

Hoch über Schloss Linderhof verspricht die 1924 Meter hohe Große Klammspitze einen Überblick über das Fantasiereich des Monarchen. 1200 Höhenmeter sind bis zum Gipfel zu überwinden. Vom Schloss führt der Weg, zunächst einfach beginnend, vorbei an des Königs ehemaligen Jagdhütten, den Brunnenkopfhäusern.

Danach geht es in steilen Serpentinen bergan und über einen ausgesetzten Grat, der Weitsicht in alle Richtungen bietet. Für schwindelfreie, trittsichere Wanderer kein Problem. Kurz vor dem Gipfel noch eine leichte, aber ungesicherte Kletterpassage, dann schweift der freie Blick weit über das königliche Universum, von der Kleinen Klammspitze über das Hörnle bis zum Karwendel- und Wettersteingebirge.

Eine Szenerie, an der der Bayernkönig Ludwig sich nicht allzu lange erfreuen konnte: Die Münchner hatten bald die Nase voll von Ludwigs finanziellen Eskapaden und seinem extravaganten Lebensstil. 1886 ließen seine Minister ihn kurzerhand für "seelengestört" erklären, entmündigten ihn und zwangen ihn schließlich abzudanken. Ein Steinadler zieht seine Kreise über der Klammspitze. Vergessen sind Ludwigs Luftschlösser. Hier oben regiert der König der Lüfte.

Weiteres Highlight in den Ammergauer Alpen: Eine Tour auf die Kreuzspitze (2185 m).

Reiseinfos Ammergauer Alpen auf Seite 2

Touren

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Ammergauer Alpen: Reiseinfos

Hinkommen
Mit dem Auto auf A 7 und A 96 über Memmingen bis Landsberg am Lech, dann auf Bundesstraßen weiter Richtung Garmisch. Mit der Regionalbahn nach Oberammergau von München in zwei Stunden.

Schlafen
Angenehme Träume verspricht die Nacht im "Heuhotel". Das Heu von naturbelassenen Wiesen ist mit verschiedenen Blüten und Kräutern angereichert. Übernachtungen ab 28 Euro. schleifmuehle.net

Im kleinen Landhotel bei Bad Kohlgrub entspannt man nach dem Wandern im Wellnessbereich. Interessierte lernen hier außerdem das Fliegenfischen. DZ ab 47 Euro. landhotel-sebaldus.de

Auf dem Warbichlhof in Oberammergau bekommen Gäste auf Wunsch vor Ankunft den Kühlschrank mit regionalen Produkten gefüllt. DZ ab 32 Euro, Appartement ab 45 Euro pro Nacht. warbichlhof.de

Mit Zelt oder Reisemobil übernachtet man im Camping-Park Oberammergau. Tel. 08822/94105. Im Netz: camping-oberammergau.de

Direkt am Plansee, etwa zehn Kilometer hinter der Grenze zu Österreich, bietet auch camping-plansee.at eine ruhige Alternative.

Essen
Es ist Bärlauchzeit: Im "Landgasthaus beim Kargl" werden unter anderem Knödel und Nudeln mit den würzigen Wildblatt zubereitet. kargl-saulgrub.de

Die denkmalgeschützte Wassermühle zwischen Ettal und Schloss Linderhof ist ein beliebtes Ausflugsrestaurant mit schönem Biergarten. ettaler-muehle.de

Unternogg Abseits gelegen, aber sehr beliebt ist forsthaus-unternogg.de. Von Ammergau nach Altenau, dort an der Kirche rechts (noch etwa 3 Kilometer). Tel. 08845/8772

Erleben
In der Schaukäserei Ettal ist man live dabei, wenn Käse hergestellt wird. schaukaeserei-ettal.de

Kostenlos Outdoor-Zubehör leihen – das können Urlauber im "Best-of-Wandern"-Testcenter in Bad Kohlgrub. Tel. 08845/7010

Oberammergau ist berühmt für seine Handwerkskunst. In der sogenannten Lebenden Werkstatt kann man Holzschnitzern zuschauen. Info: Tel. 08822/949511

Das Kloster in Ettal besticht durch seine barocke Basilika, in der sich in riesiges Kuppelfresko aus dem Jahr 1746 sowie eine Orgelempore bestaunen lassen. Die Kirche hat immer geöffnet und ist frei zugänglich. Genügend Gründe für eine Stippvisite.

Herumkommen
Gäste in der Ammergauer Alpen Region fahren mit der KönigsCard oder der elektronischen Gästekarte kostenlos mit dem Bus.

Wandern in den Ammergauer Alpen - Bilder & Infos

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outdoor-Tipps im Ammergebirge

Für Fernwanderer bietet sich der 360 Kilometer lange Maximiliansweg an. Dieser Weitwanderweg führt auch durch die Ammergauer Alpen. Wer nur einen Teil der Strecke wandern möchte: Von Oberammergau zum Walchensee benötigt man knapp zwei Tage. Info: Maximiliansweg, Bergverlag Rother, 14,90 Euro.

Meditationsweg: Auf dieser 87 Kilometer langen Themenwanderung von der Wieskirche in Steingaden bis zum Schloss Linderhof können Wanderer zu sich selbst finden. ammergauer-alpen.de/Aktivzeit/Meditationsweg

Orientieren im Ammergebirge

Karten:

  • Ammergebirge West, Ost, DAV-Karte BY6, BY7, 1:25 000, je 9,80 Euro.
  • Oberammergau und Ammertal, Kompass WK 05, 1:35.000, 9,95 Euro.
  • Im Wanderführer "Ammergauer Alpen" von Siegfried Garnweidner werden 50 Wanderungen beschrieben. Kompass, 12,95 Euro.

Surfen:

  • Touristische Informationen gibt es auf ammergaueralpen.de.
  • Naturführungen mit Markus Gehrum unter naturerlebnis-ammertal.de
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