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Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln und Outdoor-Produkten

Besser shoppen: Über den Spagat zwischen gutem und zu viel Konsum

Die Auswahl umweltschonend hergestellter Produkte wächst in allen Branchen. Kann Shopping so die Welt verbessern?

„Shopping hilft die Welt verbessern“. Unter diesem Titel veröffentlichte der Autor Fred Grimm vor einigen Jahren einen Einkaufsführer, der die Suche nach ökologisch und ethisch korrekt hergestellten Produkten in der Flut der Warenwelt erleichtern will. Seine Positivbeispiele stammen aus den wichtigsten Bereichen der Konsumbranche – von Lebensmitteln über Mode und Kosmetik bis zum Thema Reisen.

Die Botschaft, die dem Ganzen zugrunde liegt: Kaufentscheidungen sind politisch. Der Verbraucher hat mehr Macht, als er denkt, mit der Wahl einer Fair-Wear-Jeans bewirkt er Gutes – und darf guten Gewissens shoppen. Dahinter steckt der Gedanke, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Von einer „strategischen Macht, die sie (die Konsumenten) bewusst nutzen können“, spricht auch das Umweltbundesamt. Und tatsachlich steigt die Zahl der Biolebensmittel ebenso wie das Angebot an Kleidung, die aus Bio- oder Recyclingmaterial gefertigt wurde, seit Jahren kontinuierlich an. Letzteres lässt sich auch im Outdoor-Bereich beobachten – noch nie gab es so viele Jacken, Hosen, Oberteile und Funktionstextilien aus belegbar umweltschonenden Materialien und nachhaltiger Herstellung (mit den entsprechenden Labels, siehe unten). Es sind also zwei Seiten direkt am verantwortungsvollen Konsum beteiligt: die Unternehmen mit ihren Produkten und die Verbraucher mit ihren Kaufentscheidungen.

Wird jetzt alles gut? – Ganz so einfach ist es nicht. Ein zentrales Problem: Wir shoppen zu viel. Das hat auch die Politik erkannt – und bemüht sich um veranderte Rahmenbedingungen zugunsten der Umwelt. So will die Bundesregierung mit dem „Nationalen Programm fur nachhaltigen Konsum“ unter anderem „die absolute Konsummenge durch eine längere Nutzung von Kleidungsstucken verringern“ und den Anteil von nachhaltig produzierter Kleidung erhöhen. Denn auch wenn wir Ressourcen, Natur und Klima schonen, indem wir umweltfreundlich hergestellte Sachen kaufen: Es greift zu kurz. Zwar liegen „nachhaltige“ Produkte voll im Trend, aber de vermeintlich grüne Konsum allein kann die Probleme nicht lösen.

„Die Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten an Wohnraum, Ausstattung, individuelle Mobilität und Ernährung steigen seit Jahren an. Pro Kopf steigt die Wohnfläche kontinuierlich an, elektronische Geräte werden vermehrt angeschafft und häufiger genutzt, es werden langere Wege zurückgelegt, und der Fleischkonsum ist anhaltend hoch“, hat das Umweltbundesamt in seinen Marktbeobachtungsstudien festgestellt. Die Konsumausgaben der Privathaushalte in Deutschland wuchsen von 2012 bis 2017 um 12,6 Prozent.

Reparieren ist mehr als ein Trend
Von solchen Meldungen sollte man sich nicht frustrieren lassen, sie andererseits aber auch nicht ignorieren. Denn der Wille, seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern, ist bei vielen vorhanden. Nur: Mit Blick auf Kleidung, Schuhe und Gebrauchsgegenstande aller Art verhalten wir uns am umweltfreundlichsten, je weniger wir davon kaufen. Don't buy this jacket – mit dieser Werbekampagne wies der Hersteller Patagonia schon vor Jahren auf die Ressourcen-Problematik hin. Natürlich verbessert man die Welt in gewisser Weise, wenn man Fairtrade- und Bioprodukte anstelle von konventionellen Erzeugnissen wählt. Aber nachhaltiger als eine neue Trekkinghose ist die dreimal geflickte, und das motiviert doch erst recht, bewahrte Kleidungsstücke in Schuss zu halten. Diese Erkenntnis ist auch bei den Outdoor-Herstellern angekommen – einer Branche, die sich im Vergleich zu Produzenten von Saisonmode ohnehin langst dem Langlebigkeitsgrundsatz verschrieben hat.

Nachdem viele Hersteller in den letzten Jahren bereits Themen wie Material-Recycling, PFC-Verzicht und Rohstoffe aus Bio-Anbau in ihren Nachhaltigkeitsstrategien verankert haben, mehren sich auch die Reparaturangebote. Schuhproduzent Lowa bietet ohnehin schon seit der Unternehmensgründung im Jahr 1923 einen Reparaturservice an, Patagonia bereist auf seiner Worn Wear Tour auch Europa, und alle in diesem Jahr neu eröffnenden Globetrotter-Filialen besitzen eine Service-Werkstatt. Und nicht nur, dass man reparieren lassen kann: Auf vielen Hersteller-Websites finden sich Anleitungen zum eigenhändigen Ausbessern von Kleidung und Ausrüstung. Weniger verbreitet sind bislang die Möglichkeiten, Zelte, Rucksäcke und Co. zu mieten statt zu kaufen – aber es gibt sie, zum Beispiel beim Hersteller Vaude. Ähnliches gilt für Secondhand-Läden mit Outdoor-Produkten.

Dauerhafte Freude
Wir sind es gewöhnt, einkaufen zu gehen, eine gewisse Auswahl im Kleiderschrank zu haben und bei Schnäppchenangeboten schon mal zuzugreifen, auch wenn wir nichts Neues brauchen. Shopping-Erlebnisse setzen außerdem Dopamine frei, stimmen also kurzfristig glücklich. Langfristig zufrieden machen aber die auf vielen Touren bewährte Softshell-Jacke oder die bequemen Wanderschuhe, mit denen man unzählige Erinnerungen verbindet. Und allein ihr Anblick, wenn man sie zum Saisonanfangaus dem Schrank holt, steigert die Vorfreude auf neue Abenteuer. Niemand soll der Spaß am Erwerb neuer Dinge ausgeredet werden.

Klar ist aber, dass die Belastbarkeit der Erde an ihre Grenzen gerät und unser Konsumverhalten dafür mitverantwortlich ist. Die Vereinten Nationen haben im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass acht Prozent des globalen CO2-Ausstoses auf die Textilindustrie zurückgehen – Tendenz steigend. Elf Tonnen CO2 setzt jeder Deutsche im Durchschnitt jahrlich frei. Bis 2050, so plant es die Bundesregierung, soll es nur noch eine Tonne pro Kopf sein. „Die ganz grosen Handlungsfelder dafür sind unser Wohnverhalten, die Fortbewegung und unser Essen“, betont Michael Bilharz, Energieexperte vom Umweltbundesamt, immer wieder. Anders ausgedrückt: Ökostrom bewirkt noch mehr als Secondhand-Jacken.

Käufer haben es leichter denn je
Für den Outdoor- wie auch den Alltagskonsum – Lebensmittel außen vor gelassen – lautet die auf den Punkt gebrachte Lösung ganz einfach „Langlebigkeit“. Wer bei tatsächlichem Bedarf umwelt- und sozialvertraglich hergestellte Kleidung kauft, sie gut pflegt und so lange wie möglich nutzt, liegt richtig. Zum Glück hatte man es da im Outdoor-Bereich noch nie so leicht wie heute.

Welche Kleidung mit Nachhaltigkeitssiegeln und -zertifizierungen man derzeit in den Geschäften findet, seht ihr hier:

GOTS

GOTS
GOTS

Der weltweit angewandte »Global Organic Textile Standard« (GOTS) verfolgt eine komplett umwelt- und sozialverträgliche Textilherstellung. Zertifizierte Produkte enthalten mindestens 70 Prozent Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau.

RWS

Responsible Wool Standard
Responsible Wool Standard

In der Wollindustrie weist der »Responsible Wool Standard« Textilien aus, bei deren Produktion auf Tierschutz und die schonende Nutzung der Böden geachtet wird. Besonders im Fokus steht hier auch die Rückverfolgbarkeit der Arbeitsschritte.

RDS

RDS

Das Zertifikat »Responsible Down Standard« (RDS) findet sich immer häufiger an Outdoor-Daunenkleidung. Es belegt, dass das Material von artgerecht gehaltenen Tieren stammt. So sind unter anderem Lebendrupf und Stopfmast ausgeschlossen.

bluesign

bluesign
bluesign Logo

Der »bluesign Standard« zielt auf eine umweltfreundliche Textilherstellung ohne Schadstoffe ab. Vor allem der Chemikalieneinsatz ist detailliert geregelt. Alle Substanzen, Rohwaren und Arbeitsschritte werden vor Produktionsbeginn überprüft.

FWF

FWF
Fair Wear Foundation

Bessere Arbeitsbedingungen in der Kleidungs- und Textilindustrie sind das Ziel der Organisation »Fair Wear Foundation« (FWF). In dieser Hinsicht ist es derzeit das wichtigste Siegel, ökologisch betrachtet hingegen ohne Belang.

Fairtrade Cotton

Mit dem »Fairtrade Cotton«-Siegel wird unter fairen Bedingungen angebaute und gehandelte Baumwolle gekennzeichnet. Es unterstützt vor allem Kleinbauern und verbietet gentechnisch verändertes Saatgut, garantiert allerdings keine Biobaumwolle.

Oeko-Tex Standard 100

Oeko-Tex
Oeko-Tex Standard 100

Der »Oeko-Tex Standard 100« gewährleistet, dass textile Endprodukte schadstoffgeprüft sind. Er stellt aber keine Anforderungen an die verwendeten Materialien und die Herstellungsprozesse.

Oeko-Tex Made in Green

Oeko-Tex

Das »Made in Green«-Label von Oeko-Tex ist eins der strengsten Siegel. Es gewährleistet schadstoffgeprüfte Textilien und eine nachhaltige Produktion in allen beteiligten Betrieben. Dazu gehören auch faire Arbeitsbedingungen.

Naturtextil IVN

IVN
Naturtextil IVN

»Naturtextil IVN zertifiziert Best« kennzeichnet Produkte, deren Material vollständig aus kontrolliert ökologischem Anbau oder ökologischer Tierhaltung stammt. Zudem verbietet es gesundheitsschädliche Chemikalien bei der Herstellung.

Naturleder IVN

IVN
Naturleder IVN

Zu den Kriterien für das »Naturleder IVN zertifiziert«-Label gehört die Verwendung von Naturprodukten statt Chemikalien bei der Ledergerbung und -färbung. Zudem gelten Schadstoffgrenzwerte im Endprodukt sowie hohe Sozialstandards.

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