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Tatonka: „Open Factory“ in Vietnam

Vor 30 Jahren gründete Tatonka in Vietnam eine eigene Fertigungsstätte. Nicht nur für die Produkte gut, sondern auch für die Mitarbeiter vor Ort. Ein Interview mit Geschäftsführer Andreas Schechinger ...

outdoor: Tatonka hat 1989 mit dem Aufbau einer eigenen Fertigung in Vietnam Pioniergeist bewiesen. Was gab den Ausschlag dafür?

Andreas Schechinger: Vor allem industrielle Veränderungen am früheren Produktionsstandort in Südkorea. Dort fertigten wir seit 1983, doch nach den Olympischen Spielen in Seoul 1988 legte das Land einen so rasanten Aufschwung hin, dass Fachkräfte für Nähereien nicht mehr zu finden waren. Damals arbeiteten schon einige Vietnamesinnen bei uns, die nach dem Vietnamkrieg nach Südkorea geflohen waren. Als sie 1989 wieder zurückdurften, gaben wir ihnen einen Musterrucksack, Schnitte und Material mit, um zu prüfen, ob man so etwas auch in Vietnam nähen konnte. Mit Erfolg. Meine Eltern flogen dann nach Saigon, mussten aber feststellen, dass das damals isolierte Land heruntergewirtschaftet war, es gab weder Maschinen noch Strom oder geeignete Gebäude. Sie wollten schon abreisen, da zauberte die Bürgermeisterin vom Thanh Binh Distrikt in Saigon das Parteiversammlungsgebäude aus dem Hut – damit ging es los.

Andreas Schechinger - Tatonka
Tatonka
Andreas Schechinger, verheiratet, eine Tochter, betätigte sich ab 1983 als Aushilfe und Ferienjobber im Unternehmen. Nach einer technischen Ausbildung und einer weiteren Ausbildung zum Kaufmann bei Globetrotter Ausrüstungen in Hamburg wechselte er 1991 komplett nach Dasing zu Tatonka. Seit 1993 ist er Gesellschafter, war anfangs verantwortlich für die Produktentwicklung und den Aufbau der Produktion in Vietnam, später zusätzlich für das Marketing. Als Tatonka-Geschäftsführer laufen bei ihm seit 2004 alle Fäden der Firma zusammen.

Nur wenige Outdoor-Marken leisten sich eigene Werke in Asien, Tatonka fertigt sogar ausschließlich in seinen zwei vietnamesischen Produktionsstätten Mountech Co. Ltd. Warum?

Wir hatten in Südkorea gelernt, wie schwierig es ist, als kleines Familienunternehmen Einfluss auf eine asiatische Produktionsstätte zu nehmen, vor allem, wenn sie noch für andere Kunden fertigt. Selbst bei einem Joint Venture spricht oftmals der Partner vor Ort ein gewichtiges Wort mit. Möchte man die Dinge selbst in die Hand nehmen, geht das nur mit einer eigenen Fertigung. Nur dann kann man die Produktentwicklung, den Materialeinkauf, Liefertermine oder die uns schon immer besonders am Herzen gelegenen Arbeitsbedingungen steuern und bestimmen.

Worin unterscheiden sich denn die Mountech-Produktionsstätten von anderen Werken vor Ort?

Mountech Co. Ltd. richtet sich komplett nach den Bedürfnissen von Tatonka. Über eine 1995 entwickelte und stetig optimierte Produktionsplanungssoftware können wir von Deutschland aus jederzeit alle Produktionsprozesse überwachen und managen. Treten Probleme auf, erkennen wir das sehr früh und finden schnell Lösungen. Das führt zu weniger Spitzen in der Produktion, was die Mitarbeiter vor Ort stark entlastet. Dazu trägt auch ein umfangreiches Materiallager bei, das eventuelle Engpässe bei der Beschaffung ausgleicht, sodass es nicht zu Lieferverzögerungen kommt.

Als inhabergeführtes Familienunternehmen legt Tatonka Wert auf einen fairen Umgang und hohe Sozialstandards. Die gelten auch in Vietnam?

Die im internationalen Vergleich sehr strengen deutschen Sozialstandards haben wir von Beginn an auch in Vietnam umgesetzt. Darüber hinaus haben wir 2011 beide Mountech-Werke – in Saigon und in der Provinz Binh Din – nach dem weltweit anerkannten Sozialstandard SA8000 zertifizieren lassen. Er wurde 1987 von der gemeinnützigen Organisation SAI (Social Accountability International) mit Sitz in New York ins Leben gerufen und ermöglicht Unternehmen mit eigener Fertigung den Nachweis sozialer Verantwortung. Er gilt als der umfassendste und strengste Standard in dieser Hinsicht.

Wie wird er kontrolliert?

Das übernehmen unabhängige und bei der SAI akkreditierte Zertifizierungsunternehmen. In unserem Fall ist das der TÜV Rheinland. Die Zertifikate gelten immer nur für drei Jahre, danach erfolgt ein Wiederholungsaudit. Die Einhaltung sämtlicher Vorgaben wird darüber hinaus in halbjährlichen Abständen geprüft. Wer mehr wissen will, kann sich darüber gerne auf unserer Homepage informieren.

Unter dem Motto »Open Factory« bietet Tatonka wöchentlich Führungen durch die Produktionsstätten an. Ist der Andrang so groß? Immerhin muss man dazu nach Vietnam fliegen ...

Der Andrang ist riesig! Seit der Einführung der Open Factory im Juni 2011 vergeht kaum eine Woche, in der es keine Führung gibt. Anfangs waren es nur einzelne, doch unser Engagement sprach sich schnell herum und so wurden aus kleinen Gruppen ganze Delegationen und Busse voller Studierender. Manche von ihnen reisen aus so fernen Ländern wie Kenia an. So zählte Mountech bislang weit über 1500 Besucher.

Warum steht auf der Tatonka-Homepage kaum etwas zum Thema Umweltschutz – ganz im Gegensatz zu den meisten Mitbewerber-Seiten?

Mit der Open Factory und unseren vorbildlich geführten Werken in Vietnam haben wir ein Alleinstellungsmerkmal: etwas, das uns sehr am Herzen liegt und auf das wir auch ein wenig stolz sind. Darum stellen wir diesen Aspekt auch in den Fokus und nicht etwas, was heute gefühlt sowieso jeder macht. Warum mit etwas werben, das mittlerweile als selbstverständlich gilt? Oft ist es nicht einmal der alleinige Verdienst eines Unternehmens, sondern auch der Zuliefererbetriebe. Mit unseren Lieferanten arbeiten wir bereits seit Jahrzehnten an der Reduktion von Schadstoffen, Emissionen, Energie- und Wasserverbräuchen – also lange, bevor es Mode wurde. Jetzt damit zu werben, käme mir merkwürdig vor.

Produkte aus natürlichen, biologisch angebauten oder recycelten Materialien sind ja gerade ein großes Thema. Wie steht Tatonka dazu?

Wolle erlebt zurzeit eine Renaissance, weshalb wir uns entschlossen haben, 2020 Lavalan als Isolationsmaterial einzusetzen. Es besteht zum größten Teil aus besonders nachhaltiger Wolle europäischer Produktion sowie zu einem kleinen Teil aus einem maisbasierten Biokunststoff. In unserer Bekleidungslinie finden sich zudem immer mehr Modelle mit einem hohen Anteil von Recycling-Polyester. Manche bestehen sogar komplett daraus. Bei Rucksackstoffen sind wir noch nicht ganz so weit, doch auch hier wächst der Anteil von Jahr zu Jahr. Allerdings liegt unser Hauptaugenmerk auf der Qualität und vor allem Haltbarkeit von Materialien, weshalb wir hier vielleicht etwas vorsichtiger agieren. Aber ein langes Produktleben ist für uns immer noch der größte Nachhaltigkeitsfaktor.

Weitere Infos zu den Produkten und mehr auf tatonka.com

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