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Nachhaltiger Outdoor-Händler

Globetrotter startet Seconhand-Projekt

Die Firma Globetrotter Ausrüstung eröffnet eine Secondhand-Fläche: einer von vielen Schritten zum erklärten Ziel, der nachhaltigste Outdoor-Händler zu werden.

Wir sprachen dazu mit Andreas Krüger (50), bei Globetrotter Ausrüstung im zentralen Marketing tätig. Eine Fahrradweltreise und unzählige Kajaktouren lehrten Andreas neben der Kunst der Outdoor-Küche vor allem das Reparieren und Instandhalten seiner Ausrüstung:

Ihr werdet in diesem Frühjahr eine Secondhand-Fläche in eurer Filiale in Frankfurt am Main eröffnen. Warum?

Andreas Krüger: Für unsere Geschäftszwecke spielt die Natur eine wichtige Rolle, daher empfinden wir eine besondere Verantwortung für die Umwelt und den Umgang mit Ressourcen. Durch unseren Care & Repair-Fokus und die Erfahrung mit unseren Reparaturwerkstätten haben wir schon vielen Ausrüstungsgegenständen ein zweites oder drittes Leben geschenkt – warum sollte Gebrauchtes nicht einfach den Besitzer wechseln, wenn dieser dafür keine Verwendung mehr hat? Wir bieten hier die passende Plattform und entsprechende Expertise, das macht unser Secondhand-Projekt für alle Seiten attraktiv.

Wie soll das Secondhand-Projekt in der Frankfurter Filiale aussehen?

Am Anfang des Pilotprojekts werden wir die Verkaufsfläche recht klein halten: Sie findet ihren Platz in unserer Clubhütte, in der auch Vorträge, Workshops und andere Aktionen stattfinden. Die Ware bekommen wir von unserer zentralen Werkstatt. Das Angebot umfasst Bekleidung wie Jacken und Hosen, aber auch Rucksäcke, Kocher und Zelte.

Wie ist der Shop konzipiert?

Mit dem Pilotprojekt wollen wir möglichst schnell Erfahrungen sammeln und vor allem die Frage klären, welche und wie viel gebrauchte Ware wir durch den Ankauf in unserem Store generieren können. Der Ankauf soll so ablaufen, dass wir die Produkte überprüfen und den Aufwand der Überholung einschätzen, dann legen wir den Einkaufs- und Verkaufspreis fest.

Plant Globetrotter noch weitere Secondhand-Läden?

Prinzipiell ja, aber noch unternehmen wir nichts. Wir wollen jetzt erst mal mit dem Frankfurter Pilotprojekt lernen. Wenn es erfolgreich ist, können wir weitere Schritte angehen.

Seit zwei Jahren kennzeichnet ihr Produkte, die möglichst fair und umweltfreundlich hergestellt wurden, mit dem hausinternen Label »Eine grünere Wahl«. Nach welchen Kriterien?

Da arbeiten wir zweistufig. Zunächst werden die Produkte anhand einer Liste mit zehn No-go-Kriterien gecheckt. Wir fragen zum Beispiel nach dem Einsatz von PFC in Membranen oder Imprägnierungen, nach Bioziden und Mulesing, dem schmerzhaften Entfernen von Haut im Schwanzbereich von Merinoschafen. Wenn ein Produkt nur ein einziges Kriterium aus dieser Liste erfüllt, kommt es nicht mehr für das Label in Frage. Im zweiten Schritt durchlaufen die Produkte die zehn »grünere Wahl«-Kriterien. Dazu zählen unter anderem der Verzicht auf gefährliche Chemikalien, Verwendung von recycelten Stoffen, Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Beschaffungskette, Reparierbarkeit oder Recyclingfähigkeit oder auch soziale Verantwortung. Unsere Kunden nehmen das Label als Hilfestellung wahr und setzen sich auch mit den Kriterien auseinander.

Die weltweite Textilproduktion hat sich laut einer Greenpeace-Studie von 2000 bis 2014 verdoppelt. 2014 wurden mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke hergestellt. Hat auch Globetrotter diese Entwicklung gespürt und in den letzten Jahren mehr Kleidung verkauft?

Ja, auch wir verkaufen mehr Kleidung als vor zehn Jahren. Allerdings legen wir bei der Auswahl unseres Sortiments einen großen Fokus auf Premiumqualität, und entsprechend hält die Bekleidung auch länger als sogenannte Fast Fashion. Zusätzlich setzen wir mit unseren Reparaturwerkstätten ein Zeichen gegen den Wegwerfwahn und bieten eine Anlaufstelle für die kleinen und großen Reparaturen.

Deutsche Verbraucher kaufen im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr, Socken und Unterwäsche nicht eingerechnet – und tragen diese nur noch halb so lang wie vor 15 Jahren. Herstellung und Transport sind immer noch überwiegend umweltschädlich, und es ist viel zu viel Altkleidung im Umlauf. Was muss in unseren Köpfen passieren, damit sich diese Konsumgewohnheiten ändern?

Weniger ist mehr: Dieses Motto muss sich durchsetzen. Es fängt damit an, dass man nur noch Produkte kauft, für die es einen konkreten Bedarf gibt und hier qualitativ hochwertige Bekleidung wählt. Gute Qualität bedeutet nicht nur Langlebigkeit, sondern sie bezieht auch die Herstellungsumstände mit ein: von der Färbung über Chemikalienmanagement, Arbeitsbedingungen, Tierschutz sowie weitere Faktoren. Das Bewusstsein dafür und entsprechende Konsumgewohnheiten, bei denen Langlebigkeit, Pflege, Reparaturen, Wiederverwendung sowie fachgerechte Verwertung selbstverständlich sind, spielen eine wichtige Rolle für einen nachhaltigeren Lebensstil.

In immer mehr Globetrotter-Filialen gibt es mittlerweile Service-Werkstätten, in denen man Ausrüstung reparieren, ausbessern, waschen und imprägnieren lassen kann. Wird jetzt mehr repariert und weniger neu gekauft?

Insgesamt umfasst unser Werkstatt- Service fünf Werkstätten in den neuen City-Stores, eine Werkstatt in unserer Erlebnisfiliale in Dresden, eine mobile Werkstatt sowie unsere zentrale Werkstatt in Ludwigslust – der Bedarf an unserem Reparatur- und Pflegeservice übersteigt unsere Erwartungen bei Weitem. Um einen Zusammenhang zwischen Neukauf versus Reparatur herzustellen, fehlen uns aber noch die Langzeiterfahrungen.

Janto Trappe

Auf der Globetrotter-Website steht, dass ihr »das nachhaltigste Outdoor- Unternehmen« werden wollt. Was habt ihr dafür in den letzten Jahren getan?

Das Thema Nachhaltigkeit ist seit der ersten Stunde Teil der Globetrotter- DNA und fest in unseren Grundwerten verankert. Wir haben schon viel erreicht, zum Beispiel mit der »grüneren Wahl« und den Reparaturangeboten, aber die Reise ist natürlich nie zu Ende. Der ganze Bereich Corporate Social Responsibility, also die soziale und ökologische Unternehmensverantwortung, hat sich von einem Nice-to-have zu einem Must entwickelt, was wir sehr begrüßen. Wer das Thema Nachhaltigkeit nicht in seine Kernprozesse integriert läuft Gefahr, nicht zukunftsfähig zu sein, weil es sich durch alle Themenbereiche zieht.

Und wie sollen eure nächsten Schritte konkret aussehen?

Da gibt es natürlich viele Ansätze. Wir finden zum Beispiel das Konzept eines Verleihs sehr spannend und feilen an Plänen dafür. Zurzeit setzen wir außerdem ein neues Verpackungskonzept um, das unseren CO₂-Abdruck noch weiter reduziert, und motivieren unsere Mitarbeiter dazu, sich ehrenamtlich zu engagieren und für soziale Projekte einzusetzen.

»Eine grünere Wahl« heißt das firmeninterne Nachhaltigkeitslabel von Globetrotter.
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