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William Woodward

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Die neuen Nachhaltigkeits-Ratings von Marmot

Mehr Leistung oder mehr Nachhaltigkeit? Mit seinem neuen Öko-Rating will Marmot seinen Kunden die bewusste Entscheidung erleichtern.

Vier Müsliriegel und ein süßer Tee am Nachmittag – mehr war zum Schluss nicht drin. Zu lange schon hatten die vier Bergsteiger im Basislager unterhalb des Cerro Largo im nördlichen patagonischen Inlandeis ausharren müssen. Auf ihren Erkundungstouren stießen sie immer wieder auf riesige Eisbrüche und klaffende Spalten. Stürme, heftiger Regen und Schnee erschwerten die Expedition, deren Höhepunkt die Besteigung des 2799 Meter hohen Berges sein sollte. Mehrere kräftezehrende Versuche lagen bereits hinter ihnen. Nach mehr als einem Monat, am 8. November 2019, witterten sie ihre Chance: Zunächst auf Skiern, später kletternd über vereiste Felswände und Schneepilze arbeiteten sie sich an einem Schönwettertag bis zum Gipfel empor. 50 Kilometer und 5000 Höhenmeter bezwangen sie in nur 18 Stunden. Die erste Nonstop- Besteigung war geglückt. »Und das am letztmöglichen Tag der Expedition«, blickt Extrembergsteiger und Marmot-Pro-Sportler Robert Jasper zurück. »Es war ein großes Abenteuer in der absolut atemberaubenden Wildnis von Patagonien.«

Klare Sache: Bekleidung und Ausrüstung müssen bei solchen Expeditionen den härtesten Herausforderungen am Berg und den widrigsten Wetterbedingungen standhalten. Strapazierfähige, abriebfeste Jacken, Hosen und Schlafsäcke mit höchst wasserdichter und atmungsaktiver Gore-Tex-Membran sind gefragt. Allerdings wird derartiges Top-Equipment nicht nur beim Bezwingen jungfräulicher Gipfel genutzt. Viele Menschen tragen auch beim Sonntagsspaziergang oder auf dem Weg zur Arbeit Hightech für Gipfelstürmer. Doch zum Überleben auf zivilisiertem Terrain braucht es keine hochfunktionalen Profi-Produkte, bei denen etwa umweltschädliche Fluorchemikalien (PFC) bei der Membranherstellung und zur Imprägnierung eingesetzt werden. Hier geht es nachhaltiger.

Faire Sozialstandards sind selbstverständlich

Allen, die auf Umweltschutz Wert legen, signalisiert das neue Bewertungssystem von Marmot, welches Produkt für ihren Zweck die ökologisch sinnvollere Wahl ist. Ein Anhänger mit einer dreistufigen Skala und kompakten Erklärungen zeigt ab der Sommerkollektion die Umweltfreundlichkeit von Oberbekleidung und Schlafsäcken an. Drei Kriterien sind dabei ausschlaggebend: der Einsatzrecycelter Materialien, die Reduzierung umweltschädlicher Chemikalien in der Produktion und die PFC-freie Imprägnierung. Ist ein Kriterium erfüllt, lautet die Bewertung »gut«. Zwei Treffer sind »besser«. Produkte, die durchweg punkten, erhalten das beste Rating.

Marc McNaughton - The McNaughton Group
»Good«, »Better« und »Best« heißen die drei Stufen des neuen Nachhaltigkeits- Ratings von Marmot. Sie sollen für mehr Klarheit sorgen.

»Dieses leicht verständliche System bietet optimale Transparenz, denn für Textilien gibt es verwirrend viele Öko-Siegel«, sagt Melf Sönnichsen, Senior Manager Brand Marketing & Communications bei Marmot Mountain Europe. »Wir wollen den Kunden Orientierung geben und die Entscheidung für das umweltschonendere Produkt erleichtern.« Über faire Produktion und gerechte Löhne gibt der Hangtag keine Auskunft. »Nachhaltige Sozialstandards sind bei Marmot als Teil des globalen Newell- Konzerns ohnehin tief verankert«, begründet Sönnichsen. Zur Sommerkollektion umfasst das Öko-Rating 85 Prozent der Schlafsäcke und 50 Prozent der Outerwear. Ab Winter sollen diese beiden größten Sortimentsbereiche vollständig gekennzeichnet sein. Sportswear, Zelte und Accessoires folgen. Die Bewertung konzentriert sich auf das Hauptmaterial und die Imprägnierung. Enthält sie PFC, wird dies klar ersichtlich ausgewiesen. Ist diese Offenheit nicht kontraproduktiv für das Image? »Nein«, sagt der Marketingexperte. »Wir sind einfach ehrlich. Marmot fertigt mit möglichst nachhaltigen Methoden und Materialien, abhängig vom Einsatzbereich können manche Produkte jedoch nicht so nachhaltig hergestellt werden wie andere.« Doch es geht voran: Umweltschonende und PFC-freie Alternativen finden sich im breiten Sortiment von Marmot immer mehr – von der PreCip Eco-Regenjacke aus recyceltem Nylon, die eine Wassersäule von 10.000 mm aushält, bis zur komplett nachhaltigen EvoDry-Kollektion, die die doppelte Performance bringt. So motiviert das Öko-Rating letztlich auch die Marmot- Mitarbeiter dazu, eigene Innovationen weiter voranzutreiben und von den Lieferanten umweltschonendere Materialien einzufordern. Melf Sönnichsen: »Langlebige Produkte bei gleicher oder besserer Performance so nachhaltig wie möglich zu gestalten ist unser Ansporn.«

LEICHT UND KOMPAKT Als einer der ersten Kunden setzte der US-amerikanische Outdoorspezialist Marmot auf die von Robert W. Gore entwickelten leistungsstarken Materialien aus expandiertem, mikroporösem Polytetrafluorethylen (ePTFE) – seit 1976 währt die Zusammenarbeit. Die Paclite-Technology von Gore-Tex, die Marmot im Menʼs Minimalist Waterproof Jacket einsetzt, hält einer Wassersäule bis 20 000 mm stand und ist innen mit einer robusten, carbonhaltigen Schutzschicht überzogen, die Schmutz und ölhaltige Kosmetika abweist. Die leichte, atmungsaktive Hardshell- Jacke mit getapten Nähten hat ein sehr kleines Packmaß. Der Oberstoff besteht komplett aus recyceltem Polyester und ist PFC-frei imprägniert.
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