Norwegen - Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark - Trekking

Weites Land: Dovrefjell in Norwegen

Foto: Ben Wiesenfarth Weites Land: Dovrefjell in Norwegen
Vier Tage lang durch den Dovrefjell-Nationalpark: Einsame Berge, weite Täler, eisige Seen – outdoor-Redakteurin Kerstin Rotard durchquert das norwegische weite Land mit Zelt ...

Dreihundert Kilometer nördlich von Oslo, am Bahnhof Kongsvoll, öffnet sich das Tor zur Wildnis des Nordens. Vier Tage lang wollen Ben und ich in die Einsamkeit des Nationalparks Dovrefjell eintauchen: einfach losmarschieren, uns grob an die Hüttenetappen halten auf dem Weg zur Ortschaft Lønset und zelten, wo es uns gerade gefällt. Und natürlich lockt der höchste Berg des Dovrefjell: Die Snøhetta ragt 2286 Meter hoch auf, mitten in der kargen Hochfläche mit ihren ausgedehnten Hügelketten, schroffen Felszacken, Flüssen, Seen und glitzernden Schneefeldern.

Wir stehen vor dem Bahnhofsgebäude, einem dunklen, hübschen Holzbau. Nur ein einziger Mensch außer uns schwingt sich seinen Rucksack auf den Rücken, verschwindet aber in die andere Richtung, zur Straße hin. Es ist schon Nachmittag, weit wollen wir heute auch nicht mehr ins Dovrefjell vordringen. Praktisch, dass der Nationalpark fast direkt hinter dem Bahnhof beginnt: Eine Brücke führt von der Straße weg über die Gleise, und dann folgen wir einem kleinen, steinigen Pfad durch Gebüsch und lichten Wald steil bergauf. Nach einer Stunde erreichen wir eine Kante und damit die freie Hochfläche des Fjells. Helle Flechten und dunkelgrünes, kleinwüchsiges Heidekraut bedecken den Boden, ringsum erstreckt sich eine sanft gewellte Berglandschaft, die Kuppen glattgeschliffen von urzeitlichen Gletschern. Halb dunkel, halb blendend weiß vom Schnee, blitzt die Snøhetta schon aus dem Tal Stroplsjødale zu uns hinüber. Sie gibt sich unnahbar, hüllt Haupt und Flanken immer wieder in dichte Wolken. Ich fühle mich undefinierbar angezogen, meine aber auch zu spüren, dass dieser Berg mich nicht will, dass er sich wehrt.

Auch morgens zieht die Dame sich hinter Wolken zurück. Langsam muss sie sich aber an uns gewöhnen, denn wir nähern uns ihr durch das weite Stroplsjø-Tal. Steinmännchen markieren den Pfad, Schauer besprühen Flechten, Moose, Felsen und uns – kurz: Hier beginnt das Terrain für alle, die keinem Menschen begegnen, die Füße vom Asphalt entwöhnen und sich der Natur aussetzen wollen ...

Durch den Dovrefjell Nationalpark: die Tagesetappen

1. Tag:

Kongsvoll Fjell­stue – Reinheim
16 Kilometer, 5 Stunden, 530 Höhenmeter bergauf, 80 Höhenmeter bergab

Die erste Etappe führt recht sanft in die Kargheit des Fjells ein. Von der Kongsvoll Fjellstue, wahlweise auch vom Kongsvoll-Bahnhof aus, schlängelt sich der Pfad durch Birken auf die Hochfläche. Danach immer den Steinmännchen nach ins weite Tal Stroplsjødalen hinein. Die Wege sind hier noch sehr breit und eher gerade. Zur linken Hand mäandert der Bach Kaldvella durch das Tal, mitunter in recht breitem Bachbett und hurtig. Parallel zu ihm wandert man auf die Snøhetta zu, mit 2286 Metern der höchste Berg des Dovrefjell. In ihrer Nähe schmiegt sich die urige Hütte Reinheim in eine Senke.

2. Tag:

Reinheim – Åmotsdalshytta
12 Kilometer, 6 Stunden, 950 Höhenmeter bergauf, 980 Höhenmeter bergab

Ja, man kann die Snøhetta auf dem Weg zur nächsten Hütte auch auslassen. Das sollte man aber nur bei schlechtem Wetter tun und den Weg an ihrem Fuß entlang wählen (10 km, 3 Std., ca. 250 Hm Auf- und Abstieg). Wer auf das Dach des Dovrefjell will, folgt ab dem Reinheim den Hinweisschildern zu einem ausgedehnten Geröllfeld. Der Pfad schlängelt sich gut sichtbar durch die Steine hinauf. Den Abzweig nach Snøheim links liegen lassen und nach rechts auf ein Plateau. Steinmännchen und später Eisenstangen leiten auf den Gipfel mit einer militärischen Radiostation. Mit ein bisschen Glück sieht man von oben bis ins Rondane-Gebirge im Südosten oder nach Trollheimen im Norden. Über den Kamm führt der Weg dann hinab und steil rechts hinunter. Eine kurze Bachquerung, und schon trifft man unten auf die anderen Wege, die von Reinheim heranführen. Der breite Pfad zur Åmotsdalshytta sorgt für einen gemütlichen Ausklang der Gipfelbesteigung.

3. Tag:

Åmotsdalshytta – Gammelsetra
22 Kilometer, 8 Stunden, 400 Höhen­meter bergauf, 900 Höhenmeter bergab

Gleich mehrere Seen stehen auf dieser Etappe auf dem Programm: Direkt nach der Åmotsdalshytta quert man den Bach am Åmotsvatnet, dann steigt man zum Langvatnet auf, überschreitet einen Kamm und betritt danach eine weite Wasserlandschaft, das Urdvassbecken. Kurze Auf- und Abstiege, die ein oder andere Bachquerung und weitere Seen runden die Wasseretappe ab, bis der Weg ab der Hütte Rypheim sich in eine sanfte und grüne Almenlandschaft absenkt. Durch Birkenwald und auf Wirtschaftswegen zur Gammelsetra.

4. Tag:

Gammelsetra – Lønset
21 Kilometer, 6 Stunden, 200 Höhen­meter bergauf, 500 Höhenmeter bergab

Auf breiten Wegen geht es durch grüne Wiesen und Birkenwald. Über den See Veggavatnet und an seinem Ufer entlang zur Hütte Fjellheim. Der sumpfige Talboden führt bergan an Weiden vorbei zur Dindalshytta. Über einen immer breiteren Wirtschaftsweg, ein paar Abstecher durch den Wald und ein Stück Straße wandert man nach Lønset.

Video: 10 Fakten zu Norwegen

Die wichtigsten Reiseinfos für eine Tour im Dovrefjell auf Seite 2 des Artikels

16.03.2010
Autor: Kerstin Rotard
© outdoor
Ausgabe 02/2010