Irlands Trekking-Klassiker: Der Kerry Way

Ring of Kerry und irische Pubs

Nach sieben Tagen unterwegs werden auch Liebhaber der Einsamkeit ihre Geselligkeit zu schätzen wissen, und bei ein paar Guinness nimmt es sich auch hervorragend Anlauf für die beiden letzten Tage des Kerry Ways.

Die Friedhofsinsel liegt nur wenige hundert Meter abseits der sechsten Etappe des Kerry Ways und lohnt einen Abstecher. Bei Ebbe erreicht man sie trockenen Fußes über einen schmalen Streifen weißen Sandes, von dem Sean zu erzählen weiß, dass die Sargträger sich hier zuweilen die Hosenbeine ihrer Anzüge hochkrempeln mussten. Die Gräber stehen um die Grundmauern einer verfallenen Abtei, Bauern, Seemänner wurden hier bestattet und in jüngster Zeit wohl auch Surfer. Das türkisfarbene Wasser bricht in hellen Wellenzungen an den Strand. Irgendwo blökt ein Schaf. Es gibt wenige Orte, die tröstlicher sind. Fast bekommt man Lust, begraben zu sein.

Mit der Melancholie ist es spätestens im Örtchen Sneem vorbei. Der malerische Ort ist ein Knotenpunkt des "Ring of Kerry", die 179 Kilometer lange Küstenstraße windet sich einmal um die Halbinsel und zählt zu den großen Tourismusattraktionen Irlands. Wanderer finden in Sneem außerdem ein paar würdige Vertreter jener Institutionen, für die Irland berühmt ist: Pubs. Nach sieben Tagen unterwegs werden auch Liebhaber der Einsamkeit ihre Geselligkeit zu schätzen wissen, und bei ein paar Guinness nimmt es sich auch hervorragend Anlauf für die beiden letzten Tage des Kerry Ways.

Und der spart sich das Schönste bis zum Schluss auf. Die finale Etappe leitet vom Küstenort Kenmare zwischen die wilden Spitzen des Peakeen Mountain und des Knockahaguish, die ein natürliches Tor zum Killar ney-Nationalpark bilden. Unbehelligt von den Touristenströmen auf der nahe gelegenen Straße des Ring of Kerry, führt er durch die Hochfläche des Esknamucky Glen.

Foto: Tourism Ireland Irland - Kerry Way

Muckross House bei Killarney.

Die Idee zum Kerry Way

Sean findet, dass ein Abstecher zur Aussicht am Lady´s View nicht schaden könnte. Die dazugehörige Geschichte folgt auf dem Fuß: 1861 besuchte Queen Victoria das Anwesen Muckross House bei Killarney. Der Eigentümer schielte auf einen Adelstitel, und um das Wohlwollen der Königin zu gewinnen, ließ er etwa fünf Kilometer entfernt auf einem Hügel ein Teehaus neben einem Wasserfall bauen, mit einem riesigen Spiegel im Inneren, auf dass die Herrscherin selbst beim Essen den Wasserfall und die schöne Aussicht auf Lake Uachtarach, Lake Muckross und Lough Leane vor Auge haben möge, die sich hier malerisch bis zum Horizont staffeln. Leider war die Mühe vergebens, denn die Queen verließ die Kutsche nur für einen kurzen Moment, so wie es ihr heute tausende Touristen nachtun. Auch aus dem Adelstitel wurde nichts, und so hatte sich der Besitzer des Muckross House ganz umsonst verschuldet. Auf den letzten Kilometern führt der Kerry Way durch die weitläufigen Parkanlagen des Muckross House.

Beim abschließenden Tee erzählt Sean, wie es zu der Idee zum Kerry Way kam. Er berichtet von einem Pfarrer, der einen Vortrag über die Geschichte Kerrys hielt, und einem Holländer, der in den weglosen Hügeln ums Leben kam. Das war die Inspiration, einen sicheren Weg zu schaffen, der Wanderern die Geschichte der Gegend näherbringt. Und wenn man noch mal nachfragt, wer denn nun diese Idee hatte, dann sagt Sean, dass er es war und noch immer dem Komitee zur Unterhaltung des Weges vorsitzt. Und wenn man weiter nachbohrt, dann verrät er, dass er jahrelang Leiter der Bergwacht in Kerry war. Man muss ihm schon fast den Arm verdrehen, bevor er zugibt, dass er den Klassiker unter den Wanderführern über Südwest-Irland geschrieben hat. Und vielleicht, weil es ihm etwas peinlich ist, sich selbst zu loben, verabschiedet er sich recht schnell, zieht sein Cape über und geht durch einen warmen, wunderbar heiteren Nieselregen zu seinem Auto.

Noch mehr Irland:

07.04.2013
Autor: Alex Krapp
© outdoor
Ausgabe 05/2011