Trekkingtour mit Leichtgewichtsgepäck

Manche mögen´s leicht: Leichtgewichtstrekking auf Gran Canaria

Video: Mario Steinheil / Boris Gnielka
Durch Gran Canaria mit so wenig Gepäck wie nötig: Ein Selbst­versuch der outdoor-Redakteure Gunnar Homann und Boris Gnielka in vier Etappen.
Foto: Mario Steinheil / Boris Gnielka

Nur 250 Kilometer Atlantik trennen
die Sonneninsel von der Sahara.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich beim Wandern unglücklich zu machen. Manche ziehen die falschen Schuhe an. Andere setzen den falschen Rucksack auf. Am zuverlässigsten vermasselt sich aber die Tour, wer zu viel Gepäck schleppt. Wer dagegen auf Glück und Naturgenuss besteht, der reduziert seine Last. Am leichtesten fällt das, wenn man jeden Abend eine Pension aufsucht. Das spart Zelt, Schlafsack und eine Menge Proviantgewicht. Andererseits wartet nicht überall eine Unterkunft, und Nächte unter freiem Himmel bleiben nun einmal unschlagbar, jedenfalls wenn es nicht regnet. Und so kamen wir auf Gran Canaria, einen Ort, an dem es so gut wie nie regnet. Beide waren wir schon dort, der Kollege Boris Gnielka von der Ausrüstungsredaktion schon dreimal, ich einmal – nass geworden sind wir dabei nie.

Gran Canaria ist abgesehen von wenigen unschönen Flecken an der Küste eine Wildwest­insel, durchzogen von Barrancos, einsamen Schluchten, die sich sternförmig um die zentralen Gipfel der Insel ausbreiten, den Pico de las Nieves (1951 m) und den Roque Nublo (1803 m).

Der Plan: So leichtfüßig wie möglich vom Bergdorf San Bartolomé, auf 900 Meter Höhe südlich des Roque Nublo gelegen, bis nach San Nicolas drüben an der Westküste ziehen. Vier Tage geben wir uns für die etwa 70 Kilometer durch Schluchten und über Berge; am Anfang und am Ende werden wir ein festes Dach über dem Kopf haben, im einsamen Inselinneren aber wollen wir nachts in den Sternenhimmel schauen. Kein Zelt steckt in unseren Rucksäcken, als wir von der Hacienda del Molino, einer zum Landgasthof hergerichteten ehemaligen Mühle, bergan in die Einsamkeit streben. Auch Regenjacke und Regenhose liegen zu Hause, außerdem Deo, Handtuch, das vierte, dritte und zweite Set Wechselwäsche sowie der dritte und zweite Kochtopf. Die aufblasbare, aber schwere und plattfußanfällige Isomatte haben wir durch wildwestkompatible und 440 Gramm leichte Schaummatten ersetzt. Als Proviant müssen uns sieben Tütensuppen und dreißig Riegel reichen. Macht zusammen acht Kilo für jeden. Eigentlich. Das Dumme: Gran Canaria ist ein Ort, an dem es so gut wie nie regnet. Die vier Liter Flüssigkeit, die jeder von uns schleppt, sind also nicht übertrieben. Aber sie kommen noch einmal obendrauf auf unsere acht Kilo.

Foto: Boris Gnielka Gran Canaria

In den felsigen Bergen freut man sich über jede Quelle.

Trocken sieht die Insel aus

Trockener noch als bei früheren Besuchen: Das Wasser in den Auffangbecken steht niedrig, eine Quelle, die Gnielka kennt, ist versiegt. In den braunen, felsigen Bergen halten sich nur genügsame Tabaibabüsche, Feigenkakteen und in den höheren Lagen die Kanarenkiefern. Mit ihren langen Nadeln fangen sie die kleinsten Tropfen Feuchtigkeit aus der Luft.
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01.12.2009
Autor: Gunnar Homann
© outdoor
Ausgabe 12/2009