Mallorca

Drei Tage auf Mallorca: Frühling und Natur satt. Träumen sie los!

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Bergerfahrung wird vorausgesetzt, da teilweise mittelschwere Kletterpartien. Nach Regen: nasse, rutschige Felsen und teilweise Wassersenken. Die schwierigen Passagen erstrecken sich nur über kurze Abschnitte. Am besten die Schlucht an einem Tag durchwandern. Bei Regen sollte man die Schluchtwanderung nicht unternehmen.

Anreise

Mit dem Auto: Von Palma über 711, durch Sóller über 710 nach rechts Richtung Bounava, nach dem Es Pas d’en Morisc links ab nach Sa Calobra, zum Parkplatz Cala de Sa Calobra. Von Port de Pollença über 220 nach Pollença, über 710 Richtung Sóller, 12 km nach Monasterio de Lluc rechts nach Sa Calobra.

Start und Ziel

Parkplatz in Sa Calobra.

Dauer:
5 Std. (6 km) eine Strecke.

Höhendifferenz:
Ca. 600 Hm.

Beste Reisezeit

Route:
Durch einen Tunnel zum Kiesstrand, von dort in die Schlucht. Felsblöcke erstrecken sich teilweise über die ganze Schluchtbreite, ein Weg führt an den größten Felsblöcken vorbei. Generell gilt: Auf Steinmännchen, kleine Pyramiden, Pfeile oder Punkte achten – sie helfen an kniffligen Stellen und zeigen Umgehungen durch Gebüsch. Nach ca. 4 Stunden beeindruckende Kreuzung von zwei Schluchten: An dieser »S´Entreforc« genannten Stelle vereinen sich Torrent de Lluc (links) und die düstere Schlucht Sa Fosca (rechts) zum Torrent de Pareis. Hier muss eine Steilstelle durch das wilde Grün links oberhalb umklettert werden. Dann Steilabsturz rechts durch das Gestrüpp links umklettern. Steiler Aufstieg in zahllosen Serpentinen auf kleinem Pfad, durch Gestrüpp und Olivenbäume. Ab jetzt Steinpyramiden, grüne Pfeile o.ä. Markierungen folgen. Pfad endet auf dem Parkplatz von Escorca – Kapelle gegenüber einem Restaurant – direkt an der C-710. Von hier aus entweder mit dem Taxi für ca. 30 Euro zurück oder mit dem Linienbus nach Sa Calobra. Um 15 Uhr fährt – nur in der Saison – der letzte Linienbus.

Variante:
Wer es weniger anstrengend möchte, kann die Schlucht in umgekehrter Richtung – also von oben nach unten – durchlaufen: von Sóller mit dem Linienbus nach Escorca und nach Sa Calobra absteigen. In Sa Calobra: Fähre zum Hafen von Sóller (April – Oktober).

Artikel

Einen Schritt weiter, und man stürzt 300 Meter tief ins Meer. Der Cavall-Bernat-Grat ist schmal, aber die drei Trekkerinnen haben einen Platz gefunden, für sich und eine Flasche Rotwein. Gerade versinkt die Sonne als glühender Ball, Patricia zaubert auf dem Kocher Pasta mit unterwegs gesammeltem Rosmarin. Eine milde Nacht unter sternklarem Himmel erwartet das Trio, ohne Zelt, einfach im Schlafsack. Hier oben, wo die Nordküste Mallorcas in die langgezogene Formentor-Halbinsel übergeht, spürt man vom Wahnsinn der Badeorte nichts. »Merkwürdig, wenn man sich vorstellt, dass wir heute Morgen noch in München waren«, sagt Judith. 55 Euro hat das Fluchtticket aus dem nasskalten Winter gekostet, nicht mehr als ein Abendessen in der Leopoldstraße.
Da kann man sich solch einen spontanen Drei-Tage-Trekkingtrip nach Mallorca leisten. Claudia, für die Outdoor nie mehr als eine Runde mit dem Hund war, hatte gezögert, aber den Vorwurf ihrer Salzburger Freundinnen, sie sei »ein Stadthuhn, ein verwöhntes«, wollte sie nicht auf sich sitzen lassen. Und bisher schlägt sie sich gut, auch den steilen Weg hinauf zum Übernachtungsplatz auf den Cavall-Bernat-Grat hat sie gut gepackt. Der Weg war leicht zu finden: Vom Hafenstädtchen Port de Pollença im Süden der Halbinsel Formentor führt der Pfad zunächst durch das Bóquertal hinüber zur Nordküste. Hohes Gras kitzelt an nackten Waden, und der Geruch von Ziegen, Feigenbäumen und trockener Erde steigt einem in die Nase. Die ganze Zeit läuft man parallel zum steinigen Grat, und man weiß: Wenn man das Meer erreicht hat, muss man da hinauf.
Steinmännchen markieren den Einstieg zum Aufstieg, der kurz vor der Badebucht nach links auf einen Sattel und dann weiter zum Grat führt. Eine Stunde kann es gut und gerne dauern, bis man sich nach oben gekämpft hat, den Weg zwischen und über die Felsen sucht man sich selbst, ab und zu muss man auch die Hände zu Hilfe nehmen. »Nicht übel, Stadthuhn!«
Und so kommt es, dass die drei Trekkerinnen am nächsten Morgen nicht einfach wieder ins Tal absteigen, sondern sich für den Grat als Rückweg entscheiden. Rasch bei Sonnenschein einen Kaffee auf dem Campingkocher aufbrühen, Kräfte sammeln und dann los. Es dauert etwa vier Stunden, auf dem von Wind und Wetter zerklüfteten Bergkamm zurück nach Port de Pollença zu wandern. Anstrengender, aber auch befriedigender ist diese Variante. Und allemal interessanter als den Weg vom Vortag nochmal zu gehen. Trittsicher und schwindelfrei sollte man für die Gratwanderung aber sein, dann genießt man den Blick auf das türkisfarbene Wasser weit unter einem am meisten.
Als zweiten Teil des Dreitagetrips gönnt man sich eine Wanderung durch eine Szenerie, die auf ganz andere Weise begeistert. Nur 35 Kilometer südwestlich von Port de Pollença liegt Sa Calobra, und dort öffnet sich der Torrent de Pareis zum Meer, eine der größten Schluchten Europas. Schon der Weg dorthin zeigt die gebirgige Seite Mallorcas. Auf der Straße nach Sóller biegt nicht weit hinter dem Kloster von Lluc ein Sträßchen ab. 15 Kilometer weit schlängeln sich Haarnadelkurven durch eine wildromantische Felslandschaft mit wechselnder Vegetation und führen zum Strand von Sa Calobra.
Durch ein Felstor am Strand betreten Patricia, Judith und Claudia das anfangs breite Flussdelta, bis zu 400 Meter hohe Kalksteinfelsen ragen im Verlauf der Schlucht links und rechts empor. Bald ist das Licht nicht mehr gleißend, das Rauschen des Meeres wird mit jedem Schritt leiser. Tief schneidet der Canyon in das Land ein – ein mallorquinischer Wanderklassiker. Man taucht in eine Welt der Maßlosigkeit, der Größe, der Faszination ein und sieht weit oben nur noch einen schmalen blauen Himmelsstreifen.
Fast senkrecht umgeben den Wanderer jahrtausendalte, von tosendem Wasser glatt geschmirgelte Felswände, und das Flussbett scheint sich bis tief ins Herz der Erde zu schlängeln. Diese Flüsse haben sich über Jahrhunderte hinweg den Weg durch die Felslandschaft gefressen, ihren Lauf immer tiefer in die Hochebene gefräst. Beständiges Auswaschen, Kraft und Ausdauer ließen den harten Stein nachgeben.
Kraft entwickelt das Wasser auch heute noch. Auf gar keinen Fall sollte man bei Schneeschmelze oder Regenwetter in die Schlucht gehen. Rasch schwellen die Flusszwillinge an und verwandeln die komplette Schlucht in einen reißenden Strom.
Bei Trockenheit aber macht die Torrent-Wanderung Spaß. Allerdings sollte man etwas klettern können. Denn nach ein paar hundert Metern landeinwärts versperren immer größere Felsblöcke die Schlucht, die nicht umgangen werden können. Von Felswand zu Felswand beträgt der Abstand jetzt nur noch fünf Meter.
Stadthuhn Claudia nötigt ihren weitaus erfahreneren Partnerinnen allen Respekt ab: »Zu Hause melden wir dich für einen Sportkletterkurs an!« Während die drei sich Block um Block hocharbeiten, kommen sie beständig, aber kaum merklich dem Himmel näher – das Flussbett wölbt sich der mallorquinischen Bergwelt entgegen. In umgekehrter Richtung fällt die Wanderung etwas leichter, ernst nehmen sollte man sie aber auch dann.
Nach rund fünf Stunden Wanderung und Kletterei verwandelt sich die schmale Schlucht wieder in ein breites Kiesbett, der Himmel weist wieder ins Unendliche, die Sonne brennt auf der Haut. Am Ausgang der Schlucht liegt der Parkplatz von Escorca. Dort steht neben einer Kirche ein Restaurant. Von hier nehmen sich Claudia, Patricia und Judith ein Taxi zurück nach Sa Calobra. 30 Euro kostet die Fahrt, bis drei Uhr nachmittags fährt in der Saison aber auch ein Linienbus.
Bei ausgezeichnetem Wetter, und wirklich nur dann, bleibt einem noch eine dritte Möglichkeit: Man biwakiert in der Schlucht und wandert anderntags wieder zurück. Eine Flasche Rotwein für den Abend gehört dann natürlich ins Gepäck.

20.04.2005
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Ausgabe 04/2005