Trekkingtour mit Leichtgewichtsgepäck

Leichtgewichtstrekking auf Gran Canaria: Zeltabenteuer mit sternenklaren Nächten

Durch Gran Canaria mit so wenig Gepäck wie nötig: Ein Selbst­versuch der outdoor-Redakteure Gunnar Homann und Boris Gnielka in vier Etappen.
Foto: Boris Gnielka Gran Canaria

Beim Leichtgewichtskochen hält sich der Abwasch in Grenzen.

Hinter dem Ort tauchen wir für die nächsten zweieinhalb Tage in der Wildnis ab. Wenn Gnielkas geheimnisvolle Quelle nicht auftaucht, wird es eng werden mit dem Wasser, auch wenn die Tanks randvoll sind. Insgesamt 9,5 Liter torpedieren die Leichtgewichtsidee empfindlich, zumal wir alles erst einmal wieder 500 Höhenmeter hinauf zum Montaña del Humo buckeln müssen. Doch oben angekommen, geht es nur recht sanft bergauf und bergab, immer unterhalb des nach Westen ziehenden Berggrats Richtung Küste, manchmal entlang recht steiler Flanken, fast immer mit Blick auf Schluchten. Der Boden federt unter den Füßen, würziger Geruch steigt in die Nase, die Berge bilden spitze Kegel, lose besetzt mit Kiefern wie auf chinesischen Gemälden. Und auch wenn längst die Salzkrusten in den Klamotten stehen, wir längst nicht mehr schwiegermutterkompatibel riechen und nicht wissen, ob es die Quelle gibt oder nicht: Hier beginnt die Kür dieser Tour, hier läuft alles wie selbst, und hier stellt sich die Leichtfüßigkeit ein, die wir uns erhofft haben. Zwei perfekte Schlafplätze krönen die Tage, der letzte auf dem Montaña de Ojeda an einer Steilkante. Wolken brechen sich an ihr, der Wind drückt sie wieder hinab; wir betrachten auf Augenhöhe das ständig neue Aufquellen und Wirbeln, bis die Sonne dicht über dem Horizont steht, die Wolken sich verziehen und in der Ferne sogar der Teide auftaucht, der höchste Berg von Teneriffa (3718 m).

Und Gnielkas Quelle? Die gibt es noch. Sie liegt auf 1210 Meter Höhe auf der Nordseite des Montaña de Ojeda versteckt – und hat inzwischen sogar einen Wasserhahn. Manchmal macht man sich vielleicht ein paar Sorgen zu viel. Es gibt eben verschiedene Möglichkeiten, sich beim Wandern unglücklich zu machen.

01.12.2009
Autor: Gunnar Homann
© outdoor
Ausgabe 12/2009