Montafon

Welcher Berg im Montafon die schönsten Blicke bietet, darüber wird gestritten. Aber der Name Itonskopf fällt ausgesprochen häufig.

Österreich Österreich

Karte

Foto: Iris Kürschner

Die Wanderung auf den Itonskopf (2089 m) erfordert Kondition, belohnt aber mit großartigen Blicken. Der letzte Zustieg zum Gipfel ist drahtseilgesichert, Trittsicherheit wie Schwindelfreiheit sind hier gefragt.

Lage:
50 km südlich von Bregenz (Bodensee)

Anreise

http://Auf der Vorarlberger A 14 bis Bludenz, dann auf der B 188 ins Montafon. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Gute Zugverbindungen bis Bludenz, dort umsteigen in die Montafoner Bahn (Endstation in Schruns). Busse verbinden die einzelnen Ortschaften mit Schruns.

Route:
1. Tag: Bartholomäberg– Gasthof Rellseck– Wannaköpfle – Itonskopf – Ganzaleita – Gasthof Kristberg (5,5 h)
2. Tag: Bergknappenweg – Torasee – Fritzensee – Bartholomäberg (2,5 h).

Verpflegung

Abendessen im Panorama-Gasthof Kristberg.

Übernachtung

Panoramagasthof Kristberg, Tel. 0043/(0)5556/
72290, www.kristberg.at.
Ferienhotel Fernblick,
Bartholomäberg, Tel. 0043/80)5556/731150 www.ferienhotel.at.

outdoor Tipp

Lamatrekking. Ein exotisches Erlebnis, nicht nur für Kinder, ist das Wandern am
Bartholomäberg mit einer Karawane von Lamas, die zudem noch das Gepäck tragen. Horst Kuster, leidenschaftlicher Lamazüchter und als Llamero des Montafons bekannt, bereichert die Touren mit interessantem Hintergrundwissen.Horst Kuster, Auweg 6, A-6780 Schruns, Tel. 0043/(0)664/3426520 e-mail kuster@aon.at.

Bücher

Montafon, Herbert Mayr, Rother Bergverlag 2002, 9,90 €.

Karten

Freytag & Berndt WK 371, 1: 50000, 6,80 €.

weitere Infos

Montafon Tourismus, Montafonerstr. 21,
A-6780 Schruns, Tel. 0043/5556/722530,
Fax 74856, e-mail info@montafon.at, Internet www.montafon.at

Artikel:

Wenn es Herbst wird, dann leuchten im Montafon die Wiesenhänge, an den Bauernhöfen hängt Mais zum Trocknen aus, im Wald läuft man auf watteweichem Blätterboden, und ein erdiger Geruch von Moos und Pilzen hängt in der Luft. Die ohnehin schon sensationellen Ausblicke sind im klaren Licht der Jahreszeit noch eindrücklicher, und über allem spannt sich dieser berauschend blaue Himmel. Man möchte schauen, schauen und noch einmal schauen.
Ganz im Westen Österreichs liegt das Montafon, dieses 40 Kilometer lange Tal, das der Fluss Ill auf seinem Weg in den Rhein gegraben hat. Liechtenstein und die Schweiz liegen nur einen Steinwurf entfernt; vom Bodensee braucht man nur eine gute Autostunde, und man kann lossteigen. Es lohnt sich, denn oben auf den Zweitausendern bekommt man Blick auf die dritte und letzte Etage: die Dreitausender inklusive des Piz Buin in der
Silvretta, dem höchsten Berg weit und breit.
Cora Sandner reist mindestens einmal im Jahr von Dortmund ins Montafon, und sie geht nicht eher weg, bis sie auf dem Itonskopf war. »Hier sind die Blicke einfach am schönsten, und nicht nur der auf den Piz Buin«, findet die forsche Mittvierzigerin. Vom Örtchen Bartholomäberg (1087 m) führt ein Höhenweg direkt über den Grat des 2089 Meter hohen Gipfels. »Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich«, steht im Wanderführer, aber das gilt nur für den letzten Anstieg, und »da kann man sich an einem Drahtseil festhalten«, erklärkt Cora halb abwesend. Sie schaut. Zum Greifen nah scheinen die umliegenden Berge, vor allem die dolomitenähnlichen
Gipfel des Rätikons, die oft schon von einem ersten Schneehauch überzogen sind.
Ab und zu sollte man aber auch einen Blick auf die Schautafeln am Weg riskieren, denn der Höhenweg ist gleichzeitig ein
geologischer Lehrwanderweg. 300 Millionen Jahre Erdgeschichte in fünfeinhalb Stunden – das ist kein schlechter Schnitt. Bei den Bergleuten, die im Montafon bis ins 16. Jahrhundert Eisenerz abbauten, ging es langsamer voran: Teilweise betrug der tägliche Vortrieb nur wenige Zentimeter. Um 1550 wurde der Bergbau eingestellt – untertage gab es nichts mehr zu holen. Übertage aber eröffnen sich auch heute noch neue Perspektiven: ins Rheintal, auf den Herbstwald der Verwallgruppe oder ein schwindelnder Tiefblick in das Klostertal. Und natürlich auf den Piz Buin, der vom Gipfel des Itonskopf aus
gesehen verheißungsvoll in der Ferne liegt. »Zauberhaft», findet Cora Sandner.
Im Panoramagasthof Kristberg übernachtet sie. Die Rückroute über den unteren Höhenweg vorbei am idyllischen Fritzensee ist dann gemütliches Genusswandern mit Blick über das Montafon.

Die Rellskapelle lädt zur Rast ein. Foto: Iris Kürschner

22.10.2004
Autor: Iris Kürschner
© outdoor
Ausgabe 10/2004