Kärntner Nockberge

Kommen, wenn die anderen gehen: Im Herbst kehrt Ruhe ein in Kärnten.

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Karte

In den Heidematten der Nockberge geht es sich angenehm locker. Foto: Bernd Ritschel

Der per Nockalmstraße durchfahrbahre »Nationalpark Nockberge« in Kärnten bildet eine geneigte Hochfläche mit blumenreichen Wiesen und Zwergsträuchern.
Darüber wölben sich aussichtsreiche Gipfelhöcker und Bergkämme, in deren abschüssige Flanken Felsen eingesprenkelt sind. Höchste Erhebung ist der 2440 Meter hohe Rosennock.

Lage:
30 Kilometer nördlich von Villach.

Anreise

http://Von der Salzburger Autobahn A8/A1 vor Salzburg auf die Tauernautobahn A10 und Richtung Villach bis Ausfahrt Spittal/Millstädter See. An dessen Nordufer über Millstadt bis Radenthein, links ab und hoch nach Bad Kleinkirchheim (1087 m).
Die Nockalmstraße ist geöffnet von Mai bis Oktober (Maut 13 €, Tel. 0043/(0)4736/265).
- Öffentliche Verkehrsmittel: Per Bahn über Salzburg Richtung Villach/ Klagenfurt bis Spittal.
Per Bus über Radenthein nach Bad Kleinkirchheim. Der Nockbergebus fährt Anfang Juli bis Anfang Oktober (Fahrplan: www.taelerbus.at).

Verpflegung

Einkehr im Glockenhaus (1. Tag) bzw. in der Erlacher Bockhütte (2. Tag).

Übernachtung

Erlacher Hütte (1636 m), privat, bewirtet Mai bis Oktober, 54 Betten, ab 17 Euro, Tel. 0043/ (0)4246/4460 oder 0043/(0)676/4210545.

Route:
1. Tag (3 h, 450 Hm): Windebensee– Glockenhaus – Klomnock (2331 m) – Mallnock – Brunnachgatter– Erlacher Hütte (1636 m);
2. Tag (6 bzw. 7 h – je nachdem, ob man die Brunnachalm-Bahn nimmt; 1000 Hm): Feldalm – Rosennock (2440 m) – Nassbodensee – Erlacher Bockhütte – Oswalder Bockhütte – Bergstation Brunnachalm-Bahn (1902 m) – St. Oswald.
Die Brunnachalm-Bahn läuft von Mitte Juni bis September täglich, im Oktober mittwochs bis sonntags. (9-16.30 Uhr; Mittagspause).

Bücher

Wanderführer »Nockberge-Nationalpark und Gurktaler Alpen«, Günther LehoferBergverlag Rother 2003; 10,90 Euro.

Karten

Kompass Wanderkarte 1:25000, Blatt 063 »Bad Kleinkirchheim–Nationalpark Nockberge«, 6,95 Euro.

weitere Infos

Region Nockberge, Bach 120, A-9546 Bad Kleinkirchheim, Tel. 0043/(0)4240/8212, www.bkk.at, Im Internet auf: www.tiscover.com/nockberge.
- Nationalpark Nockberge, A-9565 Ebene Reichenau 22, Tel.0043/ (0)4275/665, www.nationalparknockberge.at.

Artikel:

»Sind wir in Skandinavien?«, fragt der weit gereiste Bergfotograf Bernd
Ritschel. Er hat Recht. Die Ähnlichkeit ist verblüffend: Vom Heidekraut bis zu den rötlich leuchtenden Matten voller
Beeren, vom blumenbunten Rasen bis zu herb duftendem Wacholder wächst hier in den Nockbergen so ziemlich alles, was man sonst eher von Gegenden einige Breitengrade nördlicher kennt. Auch der kleine See würde sehr gut ins Bild passen, hieße er nicht Windebensee. So täuschend echt spiegelt sich die
Morgensonne in seiner blanken Oberfläche, dass seine Frau Ela eben um ein Haar in ihn hineingewandert wäre.
Der Windebensee ist eines der vielen landschaftlichen Schmuckstücke in den Nockbergen, die sich wie die Rücken einer Horde Wale zwischen dem Millstätter See Kärntens und der Hochebene des Lungaus im Salzburger Land erstrecken. Zu ihrem Namen kamen die Berge wegen ihrer vielen charakteristisch
runden Kuppen, eben der »Nocken«, wie man sie hier bezeichnet. Den höchsten von ihnen, den Großen Rosennock (2440 m), werden die beiden Wanderer morgen anvisieren. Heute geht es zunächst harmlos auf einem mit Pöstchen markierten Pfad hinauf zur Nockalmstraße. Es motiviert die Aussicht auf ein leckeres Essen, denn oben am Pass, auf 2030 Meter Höhe, wartet das Glockenhaus. »Nehmt’s am besten Fleischnudeln«, empfiehlt die üppige Wirtin mit klar alpenländischem Akzent – spätestens hier bekommt Bernds Skandinavien-Bild einen kräftigen Riss. Aber die mit würzigem Hackbraten gefüllten Teigtaschen schmecken trotzdem. Das stärkt nicht nur den Körper, sondern auch die Moral. Gut, denn der hübsche Wanderpfad vom Gasthaus über eine Wiesenflanke zum Klomnock (2331 m) dürfte für Wanderer ohne etwas Trittsicherheit oder Schwindelfreiheit ein eher zwiespältiges Erlebnis werden. Als Belohnung lockt aber eine prächtige Aussicht: Im Norden reihen sich die Spitzen der Schladminger und Radstätter Tauern vom Preber im Osten bis zum Weißeck im Westen. Daneben ragt als Eckpfeiler der Hohen Tauern der markante Zuckerhut der Hochalm auf, während der Großglockner im westlichen Gipfelmeer fast untergeht.
Fotografen-Glück: »So klar sieht man die Alpen nur im Herbst«, schwärmt Bernd. »Und trotzdem ist es hier im Süden noch warm«, ergänzt Ela. Unter knallblauem Höhenhimmel wandern sie am Wiesenkamm weiter, erklimmen den Mallnock (2226 m) und steigen über das Brunnachgatter ab zur Erlacher Hütte (1636 m).
Der zweite Tag wird härter. Es ist schon ein merkwürdiger Kontrast: Zwischen grasenden Kühen, die gemütlich mit ihren Glocken bimmeln, schwitzen Bernd und Ela über die Feldalm, ehe sie über einen behäbigen Mattenrücken aufwärts zum Großen Rosennock (2440 m) gelangen. Woher dessen Name kommt, sieht man im Herbst gleich: von den rötlich leuchtenden Blättern der Rauschbeere. Oben sieht man die gleißenden Gletscher der Tauern, während sich im Süden der Karnische Hauptkamm vor die Adria schiebt. Daneben ragen wie Raubtierzähne bleiche Spitzen in den Himmel. Zwei kernige Kärntner wissen Bescheid: »Das sind die Julischen Alpen« – Slowenien also, mit seinem Zungenbrecher-Berg Skrlatica, daneben Razor und Triglav.
Das blanke Auge des Nassbodensees im Kar unterm Rosennock zieht Bernd und Ela magisch an – wenn auch »Loch Nass« nur die Attraktion schwarzer
kleiner Bergsalamander bietet. Knieschlotternd steil geht es vom Gipfel dorthin abwärts und hinüber zur Bergstation der Brunnachalm-Bahn (1902 m). Mit der Bahn ins Tal fahren? – Nein. »Die 600 Höhenmeter laufen wir jetzt auch noch«, ordnet Ela an. Zum Abschluss tauchen beide in die Römertherme von Bad Kleinkirchheim und lassen sich tüchtig durchmassieren. »Gar nicht schlecht, dieses österreichische Skandinavien«, brummt Bernd entspannt, bevor er wegdöst.

15.11.2004
Autor: Christian Schneeweiß
© outdoor
Ausgabe 10/2004