Oberitalien

Oberitalienische Seen - 7 Alternativen abseits des Garda-Trubels

Foto: Jens Klatt
Es muss nicht immer der Gardasee sein: Wir stellen die schönsten oberitalienischen Seen neben dem »Lago« vor - zum Wandern, Baden und Genießen.

Lago Maggiore

Große Vielfalt und mediterranes Flair am zweitgrößten See Italiens.

Von lieblich-pittoresk bis wild und schroff: Der Lago Maggiore hat unterschiedliche Gesichter, und für viele ist er der See aller Seen. Zu einem Lieblingsziel der Deutschen avancierte er in der Wirtschaftswunderzeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs: Mediterranes Flair gleich nach den Alpen! Der Nordteil des schmalen, 66 Kilometer langen Sees liegt im Schweizer Kanton Tessin, wo Wanderklassiker wie das Verzasca-Tal und der Monte Tamaro (1962 m) locken – doch mit rund 80 Prozent besitzt Italien den Löwenanteil.

Foto: Iris Kürschner Lago Maggiore

Postkartenidyll: die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso bei Locarno am Lago Maggiore.

Am Westufer des Lago Maggiore reihen sich Sommerresidenzen aneinander, während es am östlichen Ufer insgesamt beschaulicher zugeht. Hier bietet sich das Städtchen Laveno für einen Aufenthalt an. Auf den Hausberg Sasso di Ferro (1062 m) fährt eine urige Korbsesselbahn – falls es zum Hinaufwandern zu heiß ist. Technisch schwieriger führt eine dreistündige Rundwanderung beim nahgelegenen Vararo über die spitzen Gipfel der Pizzoni di Laveno – mit Traumblicken auf den See. Lohnend für Entdeckertouren ist auch das Val Valcuvia in Lavenos Hinterland: Der Fluss Bosio durchfließt es, umgeben von Bergen, und das Künstlerdorf Arcumeggia begeistert mit seinen Fresken. Charmante Unterkunft in Laveno: das B&B »La Camera e il Lago« (lacameraeillago.it)

Lago di Varese

Der kleine Nachbar des Lago Maggiore punktet mit einem beeindruckenden Kapellenberg.

Luftlinie zehn Kilometer östlich vom Lago Maggiore schmiegt sich der Varese-See in die lieblichen Lombardeihügel. Neun Kilometer lang und bis zu 4,5 Kilometer breit ist er, die namensgebende Stadt Varese liegt ein Stück weiter westlich. Während der See selbst vor allem zum Rudern, Paragliden und Radfahren einlädt (Baden lässt die Wasserqualität nicht zu), kommen Wanderer vor allem nördlich des Ufers auf ihre Kosten: Hier ragen statt Hügeln die Gipfel des Massivs »Campo dei Fiori« auf. Diesen Namen trägt auch der mit 1226 Metern höchste Berg.

Nicht ganz so hoch, aber definitiv einen Besuch wert ist der Sacro Monte di Varese (883 m), der Heilige Berg mit einstigem Nonnenkloster, einer Wallfahrtskirche und stolzen 14 Kapellen. Im Jahr 2003 erklärte die Unesco den Berg zum Weltkulturerbe. Eine Umrundung des Sees auf dem kombinierten Rad- und Fußweg gehört quasi zum Pflichtprogramm. Einsamer geht es auf einer schönen, 11,5 Kilometer langen Rundtour zu, die in Orino bei Azzio auf der Nordseite des Campo dei Fiori beginnt. Als Basislager bietet sich das B&B La Folaga in Gavirate an (lafolagabbgavirate.it).

Orta-See

Dichte Wälder und viel unverbautes See-Ufer begeistern Besucher im Piemont.

Er ist der westlichste der oberitalienischen Seen: der etwas über 13 Kilometer lange und 2,5 Kilometer breite Orta-See im Piemont. Hier geht es trotz hervorragender Wasserqualität und wunderschöner Umgebung – schon Romantikpoet Lord Byron zeigte sich begeistert – überwiegend ruhig zu. Auf drei Seiten umgeben dicht bewaldete Berghänge den See, während er Richtung Norden ins Val d’Ossola übergeht. Als mächtige Kulisse ragt im Westen das Monte-Rosa-Massiv bis zu 4634 Meter auf. Besonders gute Blicke darauf hat man vom »Hausberg« aus, dem Mottarone (1491 m) – allerdings muss man den beliebten Gipfel meist mit anderen Besuchern teilen.

Sehr empfehlenswert ist eine Rundtour mit Start in Pella am Westufer des Sees: Auf 9,5 Kilometern mit knapp 400 Höhenmetern führt sie durch die Hügel nach Norden und von der Ortschaft Ronco am Wasser entlang zurück zum Ausgangsort. Unbedingt besuchen sollte man auch die kleine Insel Isola San Giulio mit ihrer romanischen Basilika. Der hübscheste Ort für ein Basislager ist Orta San Giulio mit diversen B&Bs und Ferienwohnungen wie dem Apartment »I due Portali« (appartamento-i-due-portali. business.site) sowie urigen Restaurants, die frischen Seefisch servieren.

Ledrosee

Eine wahre See-Perle verbirgt sich in den Bergen um den berühmten Gardasee.

Wenige Kilometer westlich des Gardasees leuchtet sein kleiner Bruder, der rund 600 Meter höher gelegene Ledrosee, zwischen dicht bewaldeten Berghängen. Der schönste Weg hinauf bleibt Mountainbikern und Wanderern vorbehalten: die in spektakulären Serpentinen angelegte, autofreie Ponalestraße, die seit 1851 Riva del Garda mit dem Val di Ledro verbindet (10 km, 1–3 Std.).

Foto: Jens Klatt Auf die Cima d'Oro am Ledrosee

Traumblicke auf dem Ledrosee bieten sich vom Gipfel der Cima d'Oro.

Oben dauert die Seeumrundung zu Fuß nur rund 2,5 Stunden, doch mit Badepausen und Bootstouren wird leicht ein ganzer Tag in der Natur daraus. Wer auch die weitere Umgebung des oberitalienischen Sees kennenlernen möchte, quartiert sich gleich für ein paar Tage ein: Es locken rund 200 Kilometer Biketrails sowie herrliche Bergtouren, zum Beispiel auf die Cima d’Oro (1802 m, 7,5 Std.), von der sich umwerfende Tiefblicke bieten.

Iseo-See

Wunderschön und beschaulich: Dieser oberitalienische See ist ein Toptipp für ruhesuchende Outdoorer.

Vielleicht liegt es an der überschaubaren Anzahl an Badestränden, dass es am Iseo-See vergleichsweise ruhig zugeht. Segelsportler kommen am viertgrößten oberitalienischen See, der rund 20 Kilometer nordwestlich von Brescia am Fuß der Bergamasker Alpen und der Adamello-Presanella-Alpen liegt, umso mehr auf ihre Kosten: Günstige Fallwinde sorgen für optimale Bedingungen.

Zumindest mit einem Superlativ kann der 25 Kilometer lange See aufwarten: Die Monte Isola ist die größte Insel in einem europäischen Binnengewässer. Und malerisch ist sie außerdem: Bis zu 400 Meter ragen ihre bewaldeten Hügel auf. Autos gibt es nicht, dadurch wird die neun Kilometer lange Inselumrundung – zu Fuß oder mit dem Fahrrad – zum entspannten Vergnügen.

Ebenfalls sehr zu empfehlen: romantische Spaziergänge im Naturschutzgebiet mit dem Torfmoor »Torbiere del Sebino«, direkt beim Ort Iseo, und der »Sentiero delle Cascate«, der auf knapp acht Kilometern vom Dörfchen Gaina nach Iseo führt. Auch die Erdpyramiden in Zone, etwa 20 Kilometer nordöstlich von Iseo, sollte man nicht verpassen. Von Wind und Wetter geformt ragen sie bis zu 30 Meter auf. Unterkunftstipp: B&B La Terrazza (bbiseo.it).

Comer See

In den hohen Bergen um den See der Reichen und Schönen locken anspruchsvolle Touren.

Wie ein umgedrehtes Ypsilon sieht der Comer See mit seinen langen, fjordartigen Armen von oben betrachtet aus. 55 Kilometer ist er lang und damit, gemessen an der Wasserfläche, der drittgrößte See Italiens. Zitrus- und Olivenbäume gedeihen hier ebenso wie Zypressen und Palmen – das mediterrane Flair begeistert Besucher ebenso wie die hübschen Dörfer und Villen.

Auch der »Promifaktor« ist hoch, zu den Hausbesitzern am See gehören George Clooney und Michael Schumacher. Vor allem den Norden des oberitalienischen Sees rahmen hohe Berge ein, stolze 2609 Meter ragt der Monte Legnone südöstlich des Ortes Colico auf. Top Wandermöglichkeiten findet man auch am südöstlichen Seearm: auf dem Monte Resegone (1875 m) oberhalb von Lecco und im Grigne-Massiv. Eine traumhafte, wenngleich anspruchsvolle Zwei- bis Dreitagetour mit Hüttenübernachtungen verbindet den Südgipfel, die Grignetta (2177), mit dem Nordgipfel Grignone (2409 m).

Auch ausgesetzte, mit Stahlketten gesicherte Passagen gehören zum Weg; Start und Ziel ist im Dorf Piani Riselli. Alternative für Bike-Enthusiasten: Die alten Militärpfade in den Bergen über dem See bieten reichlich Trailvergnügen. Aufgrund der Nähe zu den Bergen bietet sich ein Quartier in Lecco an, zum Beispiel im B&B La Mansarda (lamansarda-beb.it).

Luganer See

In der Wahlheimat von Hermann Hesse lassen sich Natur und Kultur bestens kombinieren.

Er ist nur zu knapp 40 Prozent »Italiener«, der Rest des langgezogenen Luganer Sees gehört zum Schweizer Kanton Tessin. An der Grenze von der Schweiz und Italien reckt sich hier der Monte Lema (1619 m) gen Himmel. Ein 80 Kilometer langes Wegenetz überzieht den Berg und bietet Wanderern und Mountainbikern jede Menge Möglichkeiten. Am Gipfel belohnen Blicke auf den Luganer See ebenso wie auf den Lago Maggiore. Zu den prominentesten Wanderbergen gehören zweifellos der Monte Generoso, mit 1700 Metern der höchste Gipfel am Luganer See, der Monte San Giorgio (1097 m) zwischen den beiden südlichen Verästelungen und Luganos Hausberg, der Monte Bré (925 m), auf den auch eine historische Standseilbahn fährt.

Foto: Wolfgang Ehn Luganer See

Hoch über den Dingen: Wandern am Luganer See mit Blick auf den Seedamm von Melide.

Das mediterrane Klima in Kombination mit hohen Bergen zieht auch Komponisten und Schriftsteller an, Hermann Hesse lebte von seinem 42. Lebensjahr bis zu seinem Tod in der Nähe von Lugano. Vielleicht wirken auch die heimischen Weine inspirierend? Merlottrauben etwa gedeihen am Luganer See ganz hervorragend. Charmantes Basislager: das Dorf Albogasio etwa fünf Kilometer nordöstlich von Lugano (zum Beispiel in der Ferienwohnung »Casa Albogasio«, buchbar über fewo-direkt.de).

Video: So schön sind die oberitalienischen Seen

Video: Wochit / Getty Images


Die 10 schönsten Alpenseen präsentieren wir hier:

Video: outdoor


Das sind Deutschlands schönste Seen:

27.09.2018
Autor: Redaktion
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Ausgabe 06/2018