Outdoor-Special Ligurien Foto: Ben Wiesenfarth

Ligurien: Wandern im Naturpark Beigua Beigua: Vielfalt in allen Lagen

Von Gipfel bis Schlucht: Der Geopark Beigua bietet Wanderern vielfältige Möglichkeiten. Das Rifugio Pratorotondo ist eine gute Anlaufstelle für erste Wanderschritte im Parco del Beigua.

Die Sonne brennt schon ziemlich stark, wenn man seine Wanderung beim Rifugio Pratorotondo erst morgens um 10 Uhr beginnt. Die Berghütte liegt auf 1100 Metern, und immerhin weht hier ein frisches Lüftchen - anders als unten an der Küste, wo im Luftlinie 15 Kilometer entfernten Varazze schon am frühen Morgen beim Focaccia-Kauf der Schweiß läuft.

Das Rifugio Pratorotondo ist eine gute Anlaufstelle für erste Wanderschritte im Parco del Beigua. Dieser Naturpark, der in den Provinzen Genova und Savona 8700 Hektar Küstengebirge umfasst, trägt seit dem Jahr 2005 auch die Bezeichnung "UNESCO-Geopark" – und bei der Hütte starten gleich zwei Routen des Wegeprojekts "Via Geoalpina". Wenn man die Qual der Wahl auf einem 500 Kilometer umfassenden Wegenetz hat, liegt es in einem Geopark nahe, mit einer Tour zu beginnen, die einem erdgeschichtliche Besonderheiten näher bringt.

Mit Blick auf die blaue Riviera Ligure zur Rechten führt die "Via Geoalpina 2" – hier identisch mit dem Ligurischen Höhenweg – vom Rifugio nach Osten, während sich linker Hand hügelige, immer wieder von Felsblöcken durchsetzte Bergweiden erstrecken. Ein riesiges Blockfeld zeugt von Zeiten, in denen die Temperaturen hier deutlich niedriger lagen: Wasser, das im Laufe von tausenden von Jahren in Gesteinsrisse lief und dann zufror, zerkleinerte riesige Felsen.

Kleiner Gipfelabstecher zum Monte Rama (1150 m): Hier wird der Pfad unebener und steiler, windschiefe Kiefern stehen am Weg, beugen sich geradezu über ihn. Bei der Pause am eisernen Gipfelkreuz lässt sich heute ein Löschflugzeug beobachten, das immer wieder im Meer "tankt". Von Waldbränden bleibt Ligurien mit seinen trockenen Sommermonaten nicht verschont, der aktuelle lodert schon zwei Tage.

Zurück beim Rifugio Pratorotondo

Nach Stunden in der Sonne, tut eine Stärkung in der Hütte gut. Holzvertäfelt, mit gefliestem Boden und karierten Tischdecken, verströmt sie rustikale Gemütlichkeit. Zu einer Brotzeit bringt der Chef Ziegenkäse aus dem Parkgebiet und Wildschweinschinken, zum Schluss darf ein Espresso nicht fehlen – klar steht hierzulande auch auf einer Berghütte eine gute Kaffeemaschine. Einen schönen Kontrast zu Touren in höheren Lagen bietet das weiter landeinwärts bei Rossiglione gelegene Gargassa-Tal.

Wer dem beschilderten "Gargassa Nature Trail" folgt, wandert zunächst durch Wald, folgt dem Fluss, den anfangs helle Felsen einfassen. Nicht lange, und das Ufer wandelt sich: die Gargassa-Schlucht schneidet in den Fels. Hohe Wände aus dunklem Konglomerat, Sedimentgestein mit hohem Geröllanteil, fassen den Fluss ein. Lautes Plantschen kündigt schon von Weitem ein zum Baden genutztes Flussbecken an. Auf halber Strecke liegt das Dorf Veirera, einst bekannt für seine Glasherstellung, und oberhalb der Schlucht führt die Runde dann zurück zum Ausgangspunkt.

Die Vielfalt des Beigua-Parks zeigt sich auch in der Fauna und Flora. Goldadler und Uhus fühlen sich hier wohl, ebenso 80 andere Vogelarten. In den als "Foreste Demaniali Regionali" geschützten Wäldern leben Wildschweine, Rehe und Damhirsche, und in einigen einsamen Winkeln hat sich der Wolf angesiedelt. Wer im Frühling anreist, staunt über ein buntes Blumenmeer, im Herbst wachsen zahlreiche Speisepilze. Letztendlich schmeckt Beigua auch süß: Die Region ist bekannt für Gebäck wie »Crumiri di Masone« aus Maismehl und kringelförmige "Canestrelli di Sambuco".

Alles Wichtige über den Parco del Beigua

Fakten, Tipps und Tourenvorschläge fnden sich unter parcobeigua.it (Englisch). Website des Rifugio Pratorotondo: rifugiopratorotondo.it




Kulturtipp: Badia di Tiglieto

Zwischen hohen Bäumen, umgeben von Wiesengelände, steht in der Gemeinde Tiglieto die Zisterzienserabtei "Santa Maria della Croce". Gebaut im Jahr 1120 war sie das erste Kloster des Mönchsordens außerhalb von Frankreich. Ihre schlichte romanische Backsteinbasilika wurde im Laufe der Zeit mehrfach verändert. Besonders schön: der Kapitelsaal mit seinen rot-weißen Rundbögen.

Öffnungszeiten 2017: samstags 15–18 Uhr, sonntags 10–12 Uhr und 15–18 Uhr, wochentags 15.30–18 Uhr

Info: associazioneamicibadiaditiglieto.it (italienisch)

Die 3 Wanderhighlights des Beigua-Parks

500 km Wanderwege durchziehen den BeiguaPark – hier drei Highlights:

Via Geoalpina Nr. 2
Route: Diese Wanderung führt eigentlich als Einwegtour auf dem Ligurischen Höhenweg vom Rifugio Pratorotondo zum Passo del Faiallo. Logistisch einfacher und eine schöne Runde: bis zum Rifugio Argentea gehen, dann umkehren und ab dem Passo Pian di Lerca über den Cozzo zurück zum Ausgangspunkt (4 h)
Eckdaten: 11 km, 300 Hm
Info: parcobeigua.it

Gargassa Nature Trail
Route: Vom Sportplatz bei Rossiglione folgt der Weg zunächst dem Fluss Gargassa – mit Badeoptionen und einer interessanten KonglomeratSchlucht. Stellenweise ist der Weg seilgesichert (3,5 h).
Eckdaten: 7 km, 200 Hm
Info: parcobeigua.it

Rundtour beim Kloster
Route: Für eine schöne Runde zum Orba-Fluss orientiert man sich bei der Badia di Tiglieto an der Markierung "gelber Kreis mit Querbalken".
Eckdaten: 7 km, 2,5 h
Info: Baedeker Reiseführer Italienische Riviera

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Agenzia in Liguria – Agenzia Regionale per la Promozione turistica | info@agenziainliguria.it