Südtirol: Rieserferner-Gruppe

Im Oktober ist auf dem Arthur-Hartdegen-Weg in der Südtiroler Rieserferner-Gruppe nichts mehr los – und die Berge präsentieren sich schön wie nie.

Italien Italien

Karte

Foto: Ralf Gantzhorn

Durch die stark vergletscherte Gebirgswelt der Rieserferner-Gruppe führt gut ausgebaut der Arthur-Hartdegen-Weg. Wenn Zeitbudget, Wetter und Kondition es erlauben, kann man ihn mit einer Besteigung der 3031 m hohen Dreieckspitze verbinden.

Lage

40 km nordöstlich von Brixen
zwischen Zentralalpen und Dolomiten.

Anreise

http://Über Brenner-Autobahn und durch das Pustertal nach Bruneck. Auf guter Straße nördlich nach Sand in Taufers und weiter nach Rain.

Verpflegung: Im Talort Rain. Die Hütten sind bis ca. Anfang Oktober bewirtschaftet.

Route: Arthur-Hartdegen-Weg:
1. Tag (Aufstieg zur Hochgall-Hütte):
Vom Parkplatz in Rain auf breitem Weg (Nr. 1) auf dem in Flussrichtung linken Hang des
Bachertals zur Hütte (3 h, 680 Hm).
2. Tag (Hochgallhütte– Ursprungalm–
Kofleralm–Rain). Gut ausgebauter Höhenweg auf einer zwischen 2300 und 2400 m hohen Terrasse. Unterhalb des Riesernocks muss eine ausgesetzte, treppenartige Felsrampe (30 m) überstiegen werden, die mit Hilfe von Drahtseilen und Trittbrettern wie auf einem Klettersteig abgesichert ist. An der Kofleralm Abstieg nach Rain (insgesamt ca. 14 km, 300 Hm im Aufstieg, 1000 Hm im Abstieg, 7 h) .
Dreieckspitzen-Variante : Statt sich an der Kofleralm nach Rain zu wenden, steigt man auf dem Wanderweg 9a zu den Koflerseen auf und zeltet dort. Am nächsten Tag folgt man weiter dem markierten Wanderweg 9a zur Bärenluegscharte, quert nach Osten zum Fuß des SW-Grates der Dreieckspitze (3031 m) und erreicht in leichter Blockkletterei über den schuttbedeckten Grat den Gipfel (ab Koflerseen ca. 3 h). Abstieg nach Rain: 1400 Hm.

Übernachtung

Bis Anfang Oktober in der Hochgallhütte (ab dann Winterraum oder Winterbiwak). Tel. 0039/0474/672550 (Fa. Seeber). Wer den Abstecher zur Dreieckspitze macht, muss in der zweiten Nacht zelten, am besten an den Koflerseen (2439 m).
Ein Schlafsack, mit dem man auch bei Minusgraden Reserven hat, sollte im Gepäck sein.

Bücher

Südtirol 3, Durch die Gebirgswelt nördlich des Pustertals, Bergverlag Rother 1987, Helmut Dumler, 17,90 Euro.

Karten

Freytag & Berndt-Karten WKS 3 und WK 123, beide 1:50000, je 6, 80 Euro.

weitere Infos

Tourismusverband Tauferer-Ahrntal, I-39033 Sand in Taufers, Tel. 0039/0474-678076, Fax 0039/0474/678922, Internet: www.tauferer.ahrntal.com.

Artikel:

Stumm sitzen wir auf einer von der Wärme des Tages nachglühenden
Granitplatte und betrachten die sich gegenüber aufbauende Szenerie. Ein frischer Wind treibt die Wolken über das
spiegelnde Wasser des Koflersees, die Sonne hält sich gerade noch über den pastellfarbenen Hügelkämmen und bescheint den gelben Buckel, auf dem unser Zelt steht. Der Blick wandert hinauf zu dem mit Puderzucker
bestreuten Hochgall (3435 m). Seine schwarzen Felswände werfen letzte Lichtstrahlen wie ein silbriges Echo zurück, und hoch oben leuchten die Schneefelder in einem furiosen Finale golden auf.
»Mein Gott, ist das kitschig«, meint plötzlich Verena, »und außerdem wird es kalt.« Stimmt: Jetzt im Oktober fallen in Südtirol die Temperaturen in den Keller, sobald die Sonne verschwindet. Wir kriechen in die Schlafsäcke und genießen von dort aus die blaue Stunde.
Herbst in den Alpen, Zeit der Einsamkeit und Ruhe, selbst auf normalerweise überfüllten Wanderwegen. Da die Hütten bereits
geschlossen sind, verläuft sich kaum noch
jemand ins Gebirge – perfekte Bedingungen, um meine alte Freundin Verena zu bekehren, die mit den Alpen stets nur rote Karohemden und lärmige Hüttenabende verbunden hat.
Gestartet waren wir vor zwei Tagen in Rain, einem pittoresken Dorf am Ende des gleichnamigen Tals. Von dort waren wir die knapp 700 Höhenmeter zur Hochgall-Hütte aufgestiegen und über den »Arthur-Hartdegen-Weg« zu den Koflerseen gewandert. Dieser Pfad, benannt nach dem ehemaligen Vorsitzenden der Alpenvereinssektion Kassel, ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst: Tonnenschwere Granitplatten sind treppenartig aufgeschichtet worden und führen den Trekker nahezu hangparallel durch die wilde Gletscherlandschaft der
Rieserfernergruppe. Mit Ausnahme einer kleinen Passage am Riesernock, die mit Leitern und Drahtseilen versichert ist, könnte man meinen, auf einem alten Inkapfad unterwegs zu sein. Und der Höhepunkt unserer kleinen Einführungstour in die Alpen kommt ja noch: die Dreieckspitze, ein richtiger Dreitausender.
Spät erst schälen wir uns aus den Schlafsäcken, schließlich liegt unser Ziel keine drei Stunden entfernt. Trotz des vielen Südtiroler Specks zum Frühstück kommen wir gut voran. Allerdings: Auf der anderen Seite des
Passes liegt der Neuschnee fast schon einen halben Meter hoch. Manchmal sinken wir bis zur Hüfte ein. Kurzer Blick auf Verena, aber die scheint das ganz in Ordnung zu finden – mehr als ich, der über fehlende Gamaschen jammert.
Am Gipfel umarmen wir uns. Klare Herbstluft beschert uns einen Blick vom Ortler bis zum Großglockner. Und als wir im Süden die einzelnen Gebirgsstöcke der Dolomiten entdecken, steht fest: Wir verlängern noch ein paar Tage.

Foto: Ralf Gantzhorn

22.11.2004
Autor: Ralf Gantzhorn
© outdoor
Ausgabe 10/2004